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Minneklage oder Allegorie auf Wien

Walthers Lied 52,23

Title: Minneklage oder Allegorie auf Wien

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 19 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Robert Willrich (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Das Konzept der Hohen Minne besagt, dass man die Dame immer preisen soll. Wie lange aber kann man dies bei einer Frau aushalten, die einem keine Beachtung schenkt? Wie lang muss man seine Angebetete umwerben, bis man sich – sofern einem keine genâde zuteil wird– eine neue Frau für seinen dienest suchen darf? Walther hat diese Diskrepanz zwischen höfischem Ideal, minne-Begehren und Hoffnungslosigkeit in seinem Lied Mîn frowe ist ein ungenædic wîp (52,23) thematisiert.
In der bisherigen Forschung kursieren hauptsächlich zwei Deutungen des Textes: Die erste betrachtet das Lied als konventionelle Minneklage, die zweite sieht es als Allegorie auf Walthers Leben, die seine Beziehung zum Wiener Hof reflektiert.1 Im Folgenden möchte ich beide Meinungen in meiner Arbeit diskutieren und abwägen, welche Punkte für die verschiedenen Interpretationen sprechen.
Dazu werde ich zuerst ganz allgemein die Charakteristika des Klageliedes in der Hohen Minne betrachten und prüfen, inwiefern sich der Text 52,23 tatsächlich in diese Kategorie einordnen lässt. Anschließend soll es mein Ziel sein, die umworbene Dame etwas genauer in Augenschein zu nehmen und ihre beschriebenen Eigenschaften anhand der Erwartungshaltung an Damen der damaligen Zeit herauszustellen, um zu prüfen inwieweit sie die Anforderungen eines höfischen Ideals erfüllt und damit zu einem lohnenswerten Objekt der minne-Werbung wird. Im Anschluss daran soll untersucht werden, wie die bisherigen Annäherungsversuche durch den Sprecher des Liedes verlaufen sind und wie sich die Dame ihm gegenüber verhalten hat, um daraus auf den möglichen weiteren Verlauf zu schließen und die Klage des Mannes genauer zu beleuchten. Womit hat er am meisten zu kämpfen und ist die Ablehnung an sich wirklich das Schlimmste für ihn?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Lesart als Klagelied

2.1 Das Klagelied in der Hohen Minne

2.2 Gesellschaftliche Erwartungen an eine höfische Dame

2.3 Dame ohne genâde: Ein Minnedienst ohne Aussicht auf Erfolg

2.4 Die verlorene Zeit als »ewige Klage des Herzens«

3 Allegorie auf Wien?

3.1 Biografische Hintergründe

3.2 frouwe oder Wiener Hof: Walthers autobiografisches Klagelied

4 Fazit

5 Bibliographie

5.1 Primärliteratur

5.2 Sekundärliteratur

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht Walthers Lied 52,23 und diskutiert kritisch die zwei in der Forschung vorherrschenden Interpretationsansätze: die Lesart als konventionelles Klagelied der Hohen Minne und die Deutung als Allegorie, in der Walther seine Beziehung zum Wiener Hof reflektiert.

  • Analyse der Charakteristika des Klageliedes innerhalb der Hohen Minne
  • Untersuchung höfischer Erwartungen an Damen und deren Einhaltung durch die Geliebte im Text
  • Diskussion der Diskrepanz zwischen idealisiertem Minnedienst und der realen Situation des Sprechers
  • Autobiografische Kontextualisierung des Liedes im Hinblick auf Walthers Verbindung zu Leopold VI.
  • Bewertung der Argumente für eine allegorische Interpretation auf den Wiener Hof

Auszug aus dem Buch

2.1 Das Klagelied in der Hohen Minne

Beim Lesen des Liedes Min frowe ist ein ungenædic wîp wird sehr schnell erkennbar, dass es sich um ein für die Hohe Minne typisches Klagelied handelt. Die kennzeichnende Eigenschaft, dass sich nur ein männliches lyrisches Ich zu Wort meldet, trifft auf das Lied 52,23 voll und ganz zu. Der Rezipient erfährt sämtliche Geschehnisse aus der Sicht des leidtragenden Sängers, welche dadurch sehr subjektiv gefärbt erscheinen. Die Frauenstimme findet hier, wie es z.B. im Dialoglied der Fall ist, keinen Platz. Das Gedicht ist also rein formal durch die [m]onologische Darlegung von Werbebemühungen [...] und deren Vergeblichkeit« als Minneklage einzustufen.

Das Lied erfüllt jedoch inhaltlich alle Ansprüche, um sich nahtlos in dieser Kategorie des Minnesangs einzureihen: Wir finden nämlich einen Sänger vor, der unermüdlich seine Herrin darum bittet, seinen dienest anzunehmen; er hofft, dass seine Bemühungen letztendlich Erfüllung finden und er für die gezeigte Treue gegenüber seiner Dame belohnt wird. Dass er schon so lange im Dienst dieser Herrin steht, wird dadurch ersichtlich, dass er [s]einen jungen lîp in ir dienst braht (52,25 f.) und er weiter ausführt, dass ihm dô [...] sô wol [was] (52,27), doch ihm dies nû verdorben (52,28) ist. Diese Diskrepanz zwischen damaliger Erwartung und momentaner Wirklichkeit, evoziert nicht nur einen intensiven zeitlichen Kontrast, sondern auch einen emotionalen.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Dieses Kapitel führt in das Lied 52,23 von Walther von der Vogelweide ein und stellt die beiden zentralen Forschungsansätze der Minneklage und der Allegorie vor.

2 Lesart als Klagelied: Es wird untersucht, inwiefern das Lied den Konventionen der Hohen Minne entspricht, wobei insbesondere die Rolle der Dame und die Problematik des unerfüllten Minnedienstes beleuchtet werden.

2.1 Das Klagelied in der Hohen Minne: Dieser Abschnitt ordnet das Gedicht formal und inhaltlich als monologische Minneklage ein und arbeitet den Kontrast zwischen vergangener Hoffnung und gegenwärtiger Enttäuschung heraus.

2.2 Gesellschaftliche Erwartungen an eine höfische Dame: Hier wird der Frage nachgegangen, inwieweit die geliebte Dame den zeitgenössischen höfischen Idealen und Tugendforderungen entspricht.

2.3 Dame ohne genâde: Ein Minnedienst ohne Aussicht auf Erfolg: Das Kapitel analysiert das Scheitern des Minnedienstes und die drohende Konsequenz für die Dame durch das lyrische Ich.

2.4 Die verlorene Zeit als »ewige Klage des Herzens«: Diese Untersuchung befasst sich mit dem Leid des Sprechers aufgrund der nutzlos aufgewendeten Zeit und der emotionalen Belastung des Minnedienstes.

3 Allegorie auf Wien?: Dieses Kapitel wendet sich der alternativen Deutung zu, dass das Lied eine allegorische Verarbeitung von Walthers persönlicher Situation am Wiener Hof darstellt.

3.1 Biografische Hintergründe: Es werden die spärlichen historischen Fakten zu Walthers Aufenthalt in Wien und seine Beziehung zu Herzog Leopold VI. zusammengefasst.

3.2 frouwe oder Wiener Hof: Walthers autobiografisches Klagelied: Dieser Abschnitt setzt die im Lied beschriebene Situation in Beziehung zu Walthers möglichem Kampf um eine Anstellung am Wiener Hof.

4 Fazit: Die Ergebnisse werden zusammengeführt, wobei die Lesart als Allegorie als überzeugender und durch Textstellen belegbar bewertet wird.

5 Bibliographie: Auflistung der im Werk verwendeten Primär- und Sekundärliteratur.

5.1 Primärliteratur: Verzeichnis der herangezogenen Quellentexte.

5.2 Sekundärliteratur: Verzeichnis der genutzten wissenschaftlichen Forschungsliteratur.

Schlüsselwörter

Walther von der Vogelweide, Minnesang, Hohe Minne, Minneklage, Allegorie, Wiener Hof, Leopold VI., Mittelalterliche Literatur, frouwe, Minnedienst, Textinterpretation, Intertextualität, Höfische Gesellschaft, Tugend, unerwiderte Liebe

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert das Lied 52,23 von Walther von der Vogelweide und untersucht, ob es sich dabei um eine konventionelle Minneklage oder eine Allegorie auf Walthers Beziehung zum Wiener Hof handelt.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Themen umfassen die Konventionen des höfischen Minnesangs, gesellschaftliche Erwartungen an höfische Damen, die Problematik unerwiderter Liebe sowie die biografische Kontextualisierung von Walthers Wirken.

Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?

Das Ziel ist es, die zwei in der Forschung existierenden Interpretationsansätze kritisch zu diskutieren und zu prüfen, welche Argumente für die jeweilige Deutung des Liedes sprechen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es wird eine textimmanente Analyse der Verszeilen mit einer literaturwissenschaftlichen Diskursanalyse kombiniert, ergänzt durch den Abgleich mit biografischen Fakten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung des Liedes als klassische Minneklage und die anschließende Prüfung der Hypothese einer autobiografischen Allegorie auf den Wiener Hof.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Walther von der Vogelweide, Hohe Minne, Minneklage, Allegorie, Wiener Hof, Minnedienst und höfische Gesellschaft.

Wie begründet der Autor die Allegorie-These?

Der Autor führt an, dass sich das Lied inhaltlich und motivisch nicht vollständig mit den Konventionen der Hohen Minne deckt und eine Deutung als Klage über die fehlende Anerkennung am Wiener Hof viele Unstimmigkeiten auflöst.

Welche Rolle spielt die Intertextualität in der Argumentation?

Der Autor verweist auf Anspielungen an Texte von Heinrich von Morungen, die laut der Arbeit eine parodistische Note einbringen und die Aussichtslosigkeit der Situation des lyrischen Ichs verstärken.

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Details

Title
Minneklage oder Allegorie auf Wien
Subtitle
Walthers Lied 52,23
College
University of Bamberg
Course
Walther von der Vogelweide
Grade
1,0
Author
Robert Willrich (Author)
Publication Year
2009
Pages
19
Catalog Number
V143542
ISBN (eBook)
9783640528349
ISBN (Book)
9783640528226
Language
German
Tags
Walther Vogelweide Walther von der Vogelweide Minne Minneklage Wien 52 23
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Robert Willrich (Author), 2009, Minneklage oder Allegorie auf Wien, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143542
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