Mit dem Begriff der multikulturellen Gesellschaft ist nach Miksch – einem der maßgeblichsten Vertreter und Befürworter dieser Vorstellung – eine Gesellschaft gemeint, in der „Menschen mit verschiedener Abstammung, Sprache, Herkunft und Religionszugehörigkeit so zusammenleben, da[ss] sie deswegen weder benachteiligt noch bevorzugt werden. Zwischen den meist eingewanderten Menschen und den Einheimischen wird eine ständige Kommunikation angestrebt“ (Schulte 1990)
In den letzten Jahren wurde der Begriff des Multikulturalismus oder der multikulturellen Gesellschaft häufig in öffentlichen Debatten verwendet. Von den einen als Segen für die globalisierte Welt angesehen, wird er von den Gegnern als Auslöser für Terroranschläge und Gewalt in der Welt verantwortlich gemacht. In Deutschland wird er von den Parteien häufig als Aufhänger zum Gewinn potentieller Wählergruppen verwendet, anstatt konzeptionelle Pläne aufzustellen, um dem herrschenden Problem entgegenzutreten. Ich werde mich in meiner Arbeit auf die Umsetzung theoretischer Definitionen einer multikulturellen Gesellschaft konzentrieren und diese unter kritischen Gesichtspunkt beleuchten. Anschließend gehe ich noch auf die praktische Verwirklichung ein. Dabei konzentriere ich mich auf die Frage nach der Gestaltung des Zusammenlebens zwischen den Einheimischen und den Immigranten und welche politischen, wirtschaftlichen, rechtlichen und kulturellen Aspekte beachtet werden müssen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Multikulturalismus in der theoretischen Überlegung
2.1. Der konservative Multikulturalismus
2.2. Der liberale Multikulturalismus
2.3. Der kritische Multikulturalismus
3. Multikulturalismus in der praktischen Umsetzung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die theoretischen Grundlagen und praktischen Herausforderungen einer multikulturellen Gesellschaft in Deutschland, wobei der Fokus auf der kritischen Beleuchtung bestehender Modelle und der Analyse konkreter Umsetzungsstrategien liegt.
- Theoretische Typologien des Multikulturalismus (konservativ, liberal, kritisch)
- Die Problematik der kulturellen Kategorisierung und Ausgrenzung
- Integration als bildungspolitischer und gesellschaftlicher Aushandlungsprozess
- Das Modell der "Kulturnation" versus Staatsnation in der Integrationsdebatte
- Analyse kommunaler Integrationskonzepte am Beispiel der Stadt Stuttgart
Auszug aus dem Buch
2.1 Der konservative Multikulturalismus
Dieses Modell sieht jede ethnische Gruppe als geschlossenes System, das durch ihren kulturellen Hintergrund streng definierbare Verhaltensmuster hat. Sie leben räumlich und auch sozial voneinander getrennt unter einer zentralen Regierung, die ihnen meist intern eine eigene Verwaltung gewährt. Bei diesem Modell ist eine Annäherung der Kulturen sowohl vonseiten der Regierung als auch von den ethnischen Gruppen nicht erwünscht, da davon ausgegangen wird, dass die unterschiedlichen Gruppierungen aufgrund ihrer Verschiedenheit nicht gemeinsam leben können. Diese strikte Kategorisierung hegt die Gefahr, dass die Ungleichheiten der Gruppen dadurch verstärkt und die kulturellen Unterschiede als unüberwindbare Kluft hervorgehoben werden.
Meines Erachtens nach forciert die Separation von kulturellen Gruppen die Differenzen und erstickt eine Annäherung im Keim. Durch die rigorose Trennung bestärkt die Regierung die fortwährende Abschottung der Gruppen gegenüber der „Außenwelt“. Wie auch Rommelspacher beschreibt, ist eine Gruppen übergreifende Hochzeit undenkbar. Meiner Auffassung nach ist eine Vermischung der einzelnen Kulturen von allen Seiten nicht erwünscht, da man seine Kultur „rein“ erhalten möchte. Von Seiten der Zentralmacht würde eine Vermischung einen erheblichen politischen Aufwand bedeuten, da dann auf die Differenzen eingegangen werden müsste und Lösungen für mögliche Konfliktsituationen erarbeitet werden müssten. Bereiche wie Schulwesen und Sprachpolitik müssten eindeutig geregelt werden, wenn die verschiedenen Gruppierungen sich austauschen würden. Von der politischen Ausrichtung des konservativen Multikulturalismus ist dies aber nicht erwünscht. Da keinerlei kultureller Austausch untereinander stattfindet, werden die anderen Kulturen immer als unwürdig und auch als Feind angesehen. Dies kann man aber nicht den ethnischen Gruppen anlasten, da die Zentralmacht die Aufgabe hätte hier eine Annäherung zu initiieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Definition des Begriffs der multikulturellen Gesellschaft und Darlegung der zentralen Fragestellung bezüglich der Gestaltung des Zusammenlebens zwischen Einheimischen und Immigranten.
2. Multikulturalismus in der theoretischen Überlegung: Untersuchung dreier theoretischer Hauptrichtungen – konservativ, liberal und kritisch – sowie deren Auswirkungen auf die gesellschaftliche Integration.
2.1. Der konservative Multikulturalismus: Analyse des Modells der strikten Trennung ethnischer Gruppen als geschlossene Systeme und der damit verbundenen Problematiken wie soziale Abschottung und Fremdenfeindlichkeit.
2.2. Der liberale Multikulturalismus: Betrachtung des Konzepts der Trennung von öffentlichem und privatem Bereich bei gleichzeitiger Suche nach gemeinsamen politischen Werten.
2.3. Der kritische Multikulturalismus: Vorstellung eines Modells, das die Kategorisierung von Individuen hinterfragt und die Differenz als Bereicherung statt als störendes Element versteht.
3. Multikulturalismus in der praktischen Umsetzung: Diskussion der Übertragbarkeit ausländischer Modelle auf Deutschland unter Berücksichtigung des nationalen Hintergrunds und des Bildungswesens.
4. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der analysierten Modelle und Darstellung des Stuttgarter Modells als ein exemplarisches Konzept für erfolgreiche Integrationsarbeit.
Schlüsselwörter
Multikulturalismus, Integration, Einwanderung, Kulturnation, Deutschland, Gesellschaft, Migration, Minderheiten, Bildungschancen, kulturelle Identität, Zusammenleben, ethnische Gruppen, politische Partizipation, soziale Ausgrenzung, Modell Stuttgart.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept des Multikulturalismus, beleuchtet verschiedene theoretische Strömungen und diskutiert die Herausforderungen der praktischen Umsetzung einer multikulturellen Gesellschaft in Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Schwerpunkte umfassen die theoretische Einordnung des Multikulturalismus, die Rolle der Mehrheitsgesellschaft, die Bedeutung von Bildung für die Integration und die Analyse staatlicher Integrationskonzepte.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die theoretischen Definitionen einer multikulturellen Gesellschaft kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, inwieweit diese in der Praxis – insbesondere in Deutschland – umsetzbar sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, in der existierende theoretische Konzepte (u.a. von Rommelspacher und Sen) gegenübergestellt und kritisch mit der aktuellen politischen und gesellschaftlichen Realität in Deutschland verknüpft werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der konservative, liberale und kritische Multikulturalismus im Detail vorgestellt, gefolgt von einer kritischen Reflexion über die Übertragbarkeit dieser Modelle und die Untersuchung der Rolle von Bildungsintegration.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Multikulturalismus, Integration, Migration, Identität und die Abgrenzung von Staats- und Kulturnation charakterisiert.
Warum ist laut der Autorin das "Abstammungsprinzip" ein Problem für die Integration in Deutschland?
Es wird argumentiert, dass das Abstammungsprinzip eine starke Identifizierung mit kulturellen Werten erfordert, was die Toleranz gegenüber abweichenden kulturellen Auffassungen erschweren und somit die Entwicklung einer pluralen Gesellschaft hemmen kann.
Welche Rolle spielt das "Bündnis für Integration" der Stadt Stuttgart in der Arbeit?
Es wird als praktisches Fallbeispiel angeführt, um zu demonstrieren, wie durch gezielte Fördermaßnahmen in den Bereichen Bildung, Sprache und Beratung eine aktive Eingliederung von Migranten gelingen kann.
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- Michael Habermann (Author), 2006, Multikulturalismus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143582