Ist es sinnvoll, dass Zentralbanken weltweit an der Entwicklung eigener digitaler Währungen arbeiten und dabei unzählige Ressourcen verbrauchen, wenn Bitcoin bereits jetzt als globale Alternative nutzbar ist? Dies stellt die übergeordnete For-schungsfrage der Arbeit dar. Methodisch handelt es sich in erster Linie um eine Literatur- und Datenanalyse, um daraus Schlüsse für die Beantwortung mehrerer Unterfragen ableiten zu können. In dieser Arbeit wurde bewusst auf die tiefe Betrachtung der Technologie hinter Bitcoin verzichtet, da hierzu bereits eine breite Menge an ausführlicher Literatur existiert. Die hier bearbeiteten ökonomischen und gesellschaftlichen Aspekte sind zum heutigen Zeitpunkt hingegen eher wenig im wissenschaftlichen Diskurs angekommen. An dieser Stelle setzt diese Arbeit an, und es wird die hypothetische Frage gestellt, ob eine Welt unter einem Bitcoin-Standard denkbar wäre.
Für die Beantwortung dieser Fragen wird zunächst der Stand der Entwicklung im Bereich digitaler Zentralbankwährungen dargestellt. Neben der Gewährung eines globalen Überblicks geht es vor allem um die Motive der Zentralbanken, sich mit diesem Thema zu befassen. Es werden in diesem Zusammenhang auch die Erfolgsaussichten einer digitalen Zentralbankwährung beurteilt. Der Fokus der Betrachtung liegt dabei auf dem Projekt zum digitalen Euro. Anschließend wird der Bitcoin als neue Währung im globalen Geldsystem mit seinen relevanten Eigenschaften eingeführt. Neben der Einordnung in das Geldsystem steht in diesem Kapitel vor allem Bitcoins Geldpolitik im Fokus, da diese die Grundlage für weitere Betrachtungen in der Arbeit liefert. In Kapitel 4 wird der Bitcoin als digitale Weltwährung diskutiert. Dafür wird ausgehend von der Geldpolitik und den zugehörigen Instrumenten der EZB untersucht, welche Konsequenzen ein Bitcoin-Standard hätte. Zentral dabei ist die Frage nach den Auswirkungen der Geldmengenbegrenzung, die in diesem neuen System bestehen würde. Abschließend wird die Rolle des Bitcoin im globalen Währungswettbewerb betrachtet und welche Faktoren eine Bitcoin-Adoption weiter vorantreiben würden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Digitale Zentralbankwährungen als aktuelles Thema
2.1 Digitale Zentralbankwährungen und das aktuelle Geldsystem
2.2 Projekt zur Einführung eines digitalen Euros
2.3 Globaler Überblick zum Stand der Entwicklung
2.4 Motive für die Einführung einer digitalen Zentralbankwährung
2.5 Geldpolitische Chancen durch den digitalen Euro
2.6 Kritik an digitalen Zentralbankwährungen
2.7 Zwischenfazit zu digitalen Zentralbankwährungen
3 Bitcoin im globalen Geldsystem
3.1 Grundlagen zu Kryptowährungen und Bitcoin
3.1.1 Definition und Abgrenzung von Kryptowährungen
3.1.2 Definition und Abgrenzung von Bitcoin
3.1.3 Historische Entwicklung des Bitcoin
3.2 Geldpolitik hinter Bitcoin
3.2.1 Geldschöpfung und Geldmenge
3.2.2 Bitcoin und die Erfüllung der Geldfunktionen
3.3 Zusammenfassung wesentlicher Eigenschaften von Bitcoin
3.4 Kritik an Bitcoin
4 Bitcoin als digitale Weltwährung
4.1 Vom aktuellen Geldsystem zum Bitcoin-Standard
4.1.1 Grundlagen des aktuellen Geldsystems
4.1.2 Geldpolitik der Zentralbanken
4.1.2.1 Aufbau und Auftrag der EZB und des ESZB
4.1.2.2 Geldpolitische Strategie der EZB
4.1.2.3 Instrumente der Geldpolitik
4.1.3 Geldpolitik Euro vs. Bitcoin
4.1.4 Bitcoins Geldmenge und Deflation
4.1.5 Weitere Folgen eines Bitcoin-Standards
4.2 Bitcoin im Währungswettbewerb
4.2.1 Bitcoin im Wettbewerb mit Fiatwährungen
4.2.2 Bitcoin und die Theorie vom optimalen Währungsraum
4.2.3 Förderung einer Bitcoin-Adoption
5 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die ökonomische Rolle von Bitcoin im Vergleich zu digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) und analysiert, inwieweit Bitcoin als Alternative zum bestehenden Geldsystem sowie als digitale Weltwährung fungieren könnte. Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, ob Zentralbanken durch eigene digitale Währungen lediglich auf die technologische Herausforderung durch Kryptowährungen reagieren und ob ein hypothetischer "Bitcoin-Standard" gesamtwirtschaftlich denkbar wäre.
- Analyse und Vergleich digitaler Zentralbankwährungen mit Bitcoin
- Untersuchung der geldpolitischen Strategien von Zentralbanken (EZB)
- Diskussion von Bitcoin als potenzieller digitaler Weltwährung
- Betrachtung von Chancen und Risiken einer Währung im Bitcoin-Standard
- Evaluation des Währungswettbewerbs zwischen Fiat- und Kryptowährungen
Auszug aus dem Buch
3.1.2 Definition und Abgrenzung von Bitcoin
Der Begriff „Bitcoin“ wird sowohl in der Literatur als auch im allgemeinen Sprachgebrauch für unterschiedliche Bedeutungen gleichermaßen verwendet. Er kann als Name einer Währungseinheit (des Coins), als Bezeichnung für das Netzwerk oder die Software und auch für die Währung an sich verwendet werden. VOGEL (2016, S. 12) definiert Bitcoin als eine „dezentral organisierte virtuelle Währung“, die gleichzeitig eine Open-Source-Technologie darstellt, mit der Peer-to-Peer-Zahlungen in einem Netzwerk abgewickelt werden können. ANTONOPOULOUS (2018, S. 1) bezeichnet Bitcoin als: „[…] eine Sammlung von Konzepten und Technologien, die ein Ökosystem für digitales Geld bilden“. An einer anderen Stelle bezeichnet ANTONOPOULOUS (2018, S. 2) Bitcoin als „[…] eine Art Internet des Geldes, als Netzwerk für die Verteilung von Werten und die Sicherung des Eigentums an digitalen Vermögenswerten mithilfe verteilter Berechnungen“.
Dies verdeutlicht bereits, dass Bitcoin sehr viele Komponenten in sich vereinigt. Peer-to-Peer-Zahlungen sind Zahlungen, die zwischen zwei Parteien ohne Intermediär abgewickelt werden (vgl. HANL 2022, S. 39). In einem solchen Netzwerk gibt es keine zentrale Überwachung der Transaktionen durch Banken, Zahlungsdienstleister oder staatliche Regulierungsbehörden. Dieses Prinzip ist stark vergleichbar mit heutigen Bargeldzahlungen, wohingegen im Fall von BTC kein physisches Bargeld existiert. Open-Source bedeutet, dass jeder den verwendeten Programmcode und damit den Algorithmus einsehen und nachvollziehen kann (vgl. BTC-ECHO 2023b). Es handelt sich demnach um ein offenes Zahlungsprotokoll (die Technologie dahinter wird als Blockchain bezeichnet), das über Landesgrenzen hinweg unabhängig verwendet werden kann (vgl. ROSENBERGER 2023 S. 123).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Entstehung von Bitcoin ein und definiert die zentrale Forschungsfrage, ob ein Bitcoin-Standard eine realistische oder wünschenswerte Alternative zum aktuellen, von Zentralbanken gesteuerten Geldsystem darstellt.
2 Digitale Zentralbankwährungen als aktuelles Thema: Das Kapitel erläutert die Funktionsweise von CBDCs, untersucht die Motive der Zentralbanken für deren Einführung – insbesondere den digitalen Euro – und diskutiert kritisch die systemischen Risiken und gesellschaftlichen Aspekte.
3 Bitcoin im globalen Geldsystem: Dieses Kapitel definiert Bitcoin als Technologie und dezentrale Währung, analysiert dessen spezifische Geldpolitik (Knappheit und Protokollvorgaben) und bewertet, inwieweit Bitcoin die klassischen Funktionen von Geld erfüllt.
4 Bitcoin als digitale Weltwährung: Hier wird das hypothetische Szenario eines "Bitcoin-Standards" fiskalpolitisch und theoretisch hinterfragt, wobei die Auswirkungen einer systemimmanenten Deflation auf die Weltwirtschaft im Vordergrund stehen.
5 Fazit und Ausblick: Das Fazit fasst die Ambivalenz zwischen den von Zentralbanken angestrebten digitalen Währungen und der technologischen Unabhängigkeit von Bitcoin zusammen und bewertet die zukünftige geopolitische Relevanz des Bitcoin-Netzwerks.
Schlüsselwörter
Bitcoin, digitale Zentralbankwährungen, CBDC, EZB, Geldschöpfung, Geldpolitik, Fiatgeld, Blockchain, Mining, Deflation, Währungswettbewerb, Bargeld, Finanzstabilität, Kryptowährungen, Adoption
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Masterarbeit?
Die Arbeit analysiert die Rolle von Bitcoin als ökonomische Alternative zu digitalen Zentralbankwährungen (CBDCs) und untersucht die Auswirkungen einer hypothetischen Weltwährung auf Basis des Bitcoin-Standards auf die globale Geldpolitik und Wirtschaft.
Welche zentralen Themen werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Funktionsweise von Zentralbanken und deren Pläne für den digitalen Euro, die technische und geldpolitische Struktur des Bitcoin-Netzwerks sowie die theoretischen ökonomischen Folgen einer systemimmanenten Deflation.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, zu klären, ob ein Bitcoin-Standard im Vergleich zum aktuellen Fiatgeldsystem eine tragfähige Alternative darstellt und wie Zentralbanken durch eigene digitale Lösungen versuchen, ihre Kontrolle über das Geldsystem zu behaupten.
Welche wissenschaftliche Methode wird angewendet?
Die Arbeit basiert primär auf einer umfassenden Literatur- und Datenanalyse, um ökonomische und gesellschaftliche Aspekte, die im wissenschaftlichen Diskurs bisher weniger beachtet wurden, zu beleuchten.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von CBDCs, die Analyse der Eigenschaften von Bitcoin (insbesondere dessen Geldpolitik) und die theoretische Diskussion eines Bitcoin-Standards in Bezug auf Währungswettbewerb und globale wirtschaftliche Stabilität.
Durch welche Schlagworte ist die Arbeit gekennzeichnet?
Die zentralen Schlagworte umfassen Bitcoin, CBDC, Geldpolitik, Finanzstabilität, Deflation, Blockchain und Währungswettbewerb.
Warum betrachten Zentralbanken Bitcoin als Konkurrenz?
Zentralbanken sehen Bitcoin als Herausforderung, da es dezentral funktioniert, einen Algorithmus statt einer zentralen Instanz als Kontrollorgan nutzt und sich damit staatlicher Kontrolle und politischer Einflussnahme auf die Geldmengenausweitung entzieht.
Welche Rolle spielt die Haltegrenze beim digitalen Euro?
Die geplante Haltegrenze von 3.000 Euro soll verhindern, dass Bürger bei Bankenkrisen massenhaft Giralgeld in digitale Euros umschichten, was die Liquidität von Geschäftsbanken gefährden und zu einem "digitalen Bankrun" führen könnte.
Ist der Stromverbrauch von Bitcoin ein unlösbares Problem?
Die Diskussion zeigt, dass der Energieverbrauch zwar hoch ist, aber auch als Resilienzfaktor angesehen werden kann, da das Mining flexibel auf Stromüberkapazitäten der Erzeuger reagieren kann, was in aktuellen Berichten von Instituten wie KPMG hervorgehoben wird.
- Quote paper
- Christian Hubatsch (Author), 2023, Bitcoin vs. digitale Zentralbankwährungen. Ist der Bitcoin eine globale Alternative?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1436429