Das menschliche emotionale Empfinden wird unter anderem durch das Erleben von Ängsten geprägt. Dieser Basisemotion werden unangenehme Gefühlszustände sowie negative Auswirkungen zugesprochen. In der Fachliteratur finden sich zahlreiche Ansätze zur Definition der Angst sowie dessen Entstehungsgründen. Die folgende Bachelorarbeit beantwortet die frage: Inwiefern stimmt dieser Forschungsstand mit den Sichtweisen von Schülerinnen und Schülern der Primarstufe überein und welche Präventions- und Interventionsansätze sollten Sportlehrkräfte verfolgen, um negative Auswirkungen des Angsterlebens zu vermeiden?
Zunächst wird der literarische Forschungsstand aufbereitet. Im Anschluss werden fünf Schülerinnen und Schüler aus der dritten Klassenstufe innerhalb von Leitfadeninterviews dazu veranlasst, sich mit dem Angstbegriff und Situationen des Angsterlebens auseinanderzusetzen. Die formulierten Sichtweisen werden anschließend unter Bezugnahme von Selting und Auer in Form zweier Minimaltranskripte dargestellt und anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring ausgewertet.
Der Forschungsstand zum Umgang mit Angst im Sportunterricht der Primarstufe stimmt weitestgehend mit den Sichtweisen der Schülerinnen und Schüler überein. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass das emotionale Erleben einen subjektiven Prozess darstellt. Angst wird durch verschiedene Situationen ausgelöst und äußert sich auf unterschiedliche Art und Weise. Der Sportunterricht hat unter anderem die Aufgabe, die Lernenden zum gefahrengerechten Handeln zu befähigen. Es gilt für Lehrkräfte, verständnisvoll im Umgang mit den Ängsten der Schülerinnen und Schüler umzugehen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die Emotion der Angst
2.1 Angst - Verschiedene definitorische Ansätze
2.2 Angst - Eine eigene Angstdefinition
3 Angst innerhalb des Sportunterrichts
3.1 Besonderheiten des Sportunterrichts
3.2 Primäre Angstauslöser
3.3 Angstdimensionen
4 Auswirkungen von Angst
4.1 Auswirkungen auf die Motorik
4.1.1 Bewegungshemmung
4.1.2 Bewegungsaktivierung
4.2 Auswirkungen auf die sportliche Leistungsfähigkeit
4.3 Auswirkungen auf die Persönlichkeit
5 Forschungs-Design
5.1 Methodisches Vorgehen
5.1.1 Datenerhebung
5.1.2 Verarbeitung und Auswertung
5.2 Vorstellung der Interviewgruppen
6 Darstellung und Diskussion der Forschungsergebnisse
6.1 Angst aus der Sicht von Schülerinnen und Schülern
6.2 Subjektive Präferenzen sportlichen Handelns
6.3 Präventions- und Interventionsansätze
7 Fazit
Zielsetzung & Forschungsthemen
Die vorliegende Arbeit untersucht, inwiefern der wissenschaftliche Forschungsstand zum Umgang mit Angst im Sportunterricht der Primarstufe mit den subjektiven Sichtweisen betroffener Schülerinnen und Schüler übereinstimmt und welche pädagogischen Handlungsmöglichkeiten für Lehrkräfte bestehen, um negative Auswirkungen von Angsterleben zu minimieren.
- Emotionale Grundlagen und Definitionen von Angst
- Angstauslösende Faktoren und Dimensionen im schulischen Sportkontext
- Psychomotorische Auswirkungen von Angst (Bewegungshemmung vs. -aktivierung)
- Qualitative Analyse der Sichtweisen von Kindern durch Leitfadeninterviews
- Präventions- und Interventionsstrategien für Sportlehrkräfte
Auszug aus dem Buch
3.1 Besonderheiten des Sportunterrichts
In den nachfolgenden Kapiteln wird die Angst im Sportunterricht hinsichtlich ihrer Auslöser und Auswirkungen thematisiert um im weiteren Verlauf dieser Arbeit einen Abgleich zwischen dem aufgeführten Forschungsstand und den Ergebnissen der Gruppeninterviews zu ermöglichen. Diesbezüglich sind die in diesem Teilkapitel dargestellten Besonderheiten des Sportunterrichts als Grundlagenwissen zu verstehen.
Der Sportunterricht verfügt über zahlreiche fachspezifische Besonderheiten, die insbesondere im Hinblick das Auftreten und Bewältigen von Ängsten von Bedeutung sind. Zunächst ist festzuhalten, dass die übliche Organisationsform des Sportunterrichts erheblich von den übrigen Unterrichtsfächern unterscheidet, da dieser in anderen Räumlichkeiten stattfindet und eine höhere körperliche Aktivität der Schülerinnen und Schüler begünstigt der Sportunterricht eine ungezwungene und freie Kommunikation sowie körperliche Nähe. Mitunter können dabei ungewohnte Kommunikationssituationen entstehen, welche das Auftreten von Ängsten und Konflikten begünstigen (vgl. Gröger & Stöckel, 2018, S. 16 / Herrmann, Seiler & Niederkofler 2016, S. 9).
Eine weitere fachspezifische Besonderheit des Sportunterrichts besteht dessen kompetitivem Charakter. Wettbewerbssituationen nehmen einen erheblich größeren Anteil des Unterrichtsgeschehens in Anspruch, als dies in anderen Fachrichtungen der Fall ist (vgl. Boisen, 1975, S. 33). Häufig erfolgt eine „direkte Konfrontation mit dem „Gegner“, vor dessen Überlegenheit man Angst hat“ (ebd.). Hinzu kommt, dass die individuelle Leistungsfähigkeit im Sportunterricht für alle Anwesenden sichtbar ist. Diese Exponiertheit kann insbesondere unter Berücksichtigung der häufig vorherrschenden Leistungsheterogenität in einer Schulklasse als angstauslösendes Element bezeichnet werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Basisemotion Angst im Schulalltag und begründet die Notwendigkeit, sich als Lehrkraft mit dem Thema auseinanderzusetzen, um negative Folgen für die Entwicklung der Kinder zu verhindern.
2 Die Emotion der Angst: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung des Angstbegriffs, diskutiert verschiedene wissenschaftliche Definitionsansätze und leitet daraus eine arbeitsrelevante Arbeitsdefinition ab.
3 Angst innerhalb des Sportunterrichts: Hier wird der spezifische Kontext des Sportunterrichts untersucht, wobei insbesondere die räumliche Umgebung, der kompetitive Charakter und die öffentliche Sichtbarkeit von Leistungen als Faktoren für Angsterleben identifiziert werden.
4 Auswirkungen von Angst: Dieses Kapitel analysiert die physiologischen und motorischen Konsequenzen von Angst sowie deren Einfluss auf die sportliche Leistungsfähigkeit und das übergeordnete Persönlichkeitsbild der Lernenden.
5 Forschungs-Design: Es werden die methodischen Grundlagen der qualitativen Arbeit erläutert, insbesondere das Instrument des Leitfadeninterviews mit Drittklässlern und das Vorgehen nach der inhaltlichen Auswertungsmethode von Mayring.
6 Darstellung und Diskussion der Forschungsergebnisse: Die erhobenen Aussagen der Kinder werden ausgewertet, in Bezug auf den theoretischen Forschungsstand diskutiert und auf ihre Bedeutung für das Sporttreiben untersucht.
7 Fazit: Das Fazit führt die Ergebnisse zusammen, beantwortet die eingangs formulierte Forschungsfrage und leitet daraus praktische Empfehlungen für den pädagogischen Alltag im Sportunterricht ab.
Schlüsselwörter
Sportunterricht, Primarstufe, Angstempfinden, Angsterleben, Bewegungshemmung, Leistungsdruck, Qualitative Inhaltsanalyse, Schülerperspektive, Angstprävention, Sportpsychologie, Bewegungsaktivierung, Sportdidaktik, Konfliktmanagement, Emotionale Entwicklung, Sozialverhalten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit der Thematik der Angst im Sportunterricht aus der Perspektive von Grundschulkindern und wie Sportlehrkräfte präventiv und intervenierend damit umgehen können.
Welche Themenfelder sind für die Analyse zentral?
Zentral sind der Angstbegriff, die spezifischen Anforderungen des Schulsports, die psychomotorischen Auswirkungen von Leistungsdruck sowie die subjektiven Erlebnisse der befragten Kinder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, herauszufinden, ob sich theoretische Erkenntnisse der Sportpsychologie mit den tatsächlichen Gefühlen und Erlebnissen von Schülerinnen und Schülern im Sportunterricht decken.
Welche Forschungsmethodik wird in der Arbeit angewandt?
Als Methode wurde eine qualitative Analyse gewählt, basierend auf Leitfadeninterviews, die mit einer Gruppe von fünf Schülerinnen und Schülern der dritten Klasse durchgeführt und nach Mayring ausgewertet wurden.
Was deckt der Hauptteil der Arbeit ab?
Der Hauptteil behandelt die theoretische Einordnung der Angst, analysiert die sportartspezifischen Besonderheiten (wie Wettbewerb und Sichtbarkeit) und verknüpft diese Erkenntnisse mit den Ergebnissen der durchgeführten Interviews.
Welche Keywords charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Sportunterricht, Angstempfinden, Primarstufe, Bewegungshemmung, Leistungsdruck und didaktische Interventionsmöglichkeiten definiert.
Wie bewerten die Kinder im Interview ihre eigene Angst im Sport?
Die Kinder berichten oft davon, Angst als ein "doofes Gefühl" zu beschreiben, das meist in konkreten Situationen auftritt, in denen sie sich den Anforderungen nicht gewachsen fühlen oder öffentliche Blamage fürchten.
Welchen Einfluss hat das soziale Umfeld auf das Angsterleben im Sport?
Das soziale Umfeld, wie die Klassengemeinschaft, spielt eine große Rolle; insbesondere die Angst vor negativem Feedback oder Ausgelacht-Werden durch Mitschüler wirkt sich stark auf das Sicherheitsgefühl der Kinder aus.
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- Anonym (Author), 2023, Sportunterricht in der Primarstufe. Der Umgang mit Angst aus Sicht der Schülerinnen und Schüler, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1436519