Mode um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

19 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Die Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts

3. Der soziale Status der Frau und ihre soziale Identität

4. Der soziale Status des Mannes und dessen soziale Identität

5. Mode um die Jahrhundertwende- Beginn der Haute Couture

6. Mode der Frau um die Jahrhundertwende

7. Mode des Mannes um die Jahrhundertwende

8. Der Wandel der Geschlechterrollen im Laufe der Zeit

9. Annäherung der männlichen und weiblichen Mode

10. Schlussbetrachtung

11. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Georg Simmel veröffentlichte seinen Essay „Die Philosophie der Mode“ 1905. Es beeindruckt, wie aktuell Simmels Thesen noch immer sind. Gegensätze zur Gegenwart existieren natürlich, doch kleiner als erwartet. Simmel konnte natürlich keinen aktuelle Beispiele beschreiben und auch die Entwicklungen der Mode konnte er nicht voraussehen. Der größte Unterschied zu Simmels Zeit ist der sich vergrößernde Einfluss der Wirtschaft auf die Mode. Viele Millionen Arbeitsplätze hingen vom Erfolg der Mode ab. Bei Simmel ist zu lesen, dass der menschliche Nachahmungstrieb die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Mode ist. Das Individuum sei stets bestrebt, sich durch die Mode von anderen abzuheben. Um die Jahrhundertwende, als Simmel seinen Essay verfasste, hob sich meist die obere Klasse vom Proletariat ab. Doch die unteren Klassen waren bestrebt, die oberen nachzuahmen.

Auch in der Gegenwart ist dieser Kreislauf zu beobachten, auch wenn die Klassen heute so nicht mehr existieren. Kulturkreise, Gruppen und Schichten können z.T. nur aufgrund ihres Äußeren von einander unterschieden werden. Politisch, religiös oder musikalisch, motiviert, entstehen neue Moden. Bei derart festgelegten Kategorien ist die Gefahr des Pauschalisierens immens. Als Beispiele für Gruppen, deren Mitglieder versuchen, sich voneinander abzuheben seien hier Punks, Raver, Skater, Skins, Snobs genannt. Wenn von den beiden Simmel´schen Bedürfnissen der Absonderung und des Zusammenschlusses auch nur eines entfällt, prognostiziert Simmel das Ende der Mode. Diese Arbeit wird auf Grundlage des Essays von Georg Simmel die Entwicklung der Mode um die Jahrhundertwende beschreiben und dabei besonders die Unterschiede der weiblichen und männlichen Mode beleuchten. Um das Bild abzurunden, erfolgt zum Schluss noch ein kurzer Exkurs in die Moderne.

2. Die Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts

Die Reichsgründung im Jahre 1871 veränderte viel im neuen Deutschen Kaiserreich. Es entstanden neue Gesetze wie z.B. die Zivil- und Strafprozessordnung, sowie das Bürgerliche Gesetzbuch, das am 1. Januar 1900 in Kraft trat, die in weiten Teilen bis heute noch gültig sind.[1] Unter Reichskanzler Bismarck gab es auch in der Sozialgesetzgebung umfangreiche Neuerungen. Gesetze zur Verbesserung der Lebensverhältnisse von Arbeitern wurden verabschiedet. Die 1889 beschlossene Alters- und Invalidenversicherung sicherte männlichen Arbeitnehmern einen Rentenanspruch ab dem 70. Lebensjahr zu.[2] Kinderarbeit an Sonntagen wurde grundsätzlich verboten, in Fabriken durften sie gar nicht mehr eingesetzt werden. Die Arbeitsstunden von Frauen und Jugendlichen verkürzten sich auf elf bzw. zehn Stunden. Um die Jahrhundertwende wächst die Bevölkerungszahl in Deutschland enorm und die sozialen Gegensätze werden immer größer.[3] Die bis dahin relativ geringe Lebenserwartung erhöhte sich und die Säuglingssterblichkeit sank dank der Entwicklung neuer Technologien, der Verbesserung der hygienischen Umstände und dem Ausbau der Infrastruktur. Immer mehr Kinder wurden geboren. Viele Kinder zu haben galt am Anfang des 20. Jahrhunderts als Symbol für Erfolg und war sowohl innerhalb des Bürgertums als auch in der ländlichen Bevölkerung Standard. Der Kinderreichtum ist wohl auch auf die einsetzende Industrialisierung zurückzuführen[4], die die Entwicklung einer Klassifizierung der damaligen Gesellschaft in Adel, Bürgertum und Proletariat voranbrachte.[5] Während der Hochindustrialisierung verstärkte sich der Unterschied zwischen Arbeitgebern, den Selbständigen und den einfachen Arbeitern. Die obere Klasse strebte stets nach Abgrenzung von der Arbeiterklasse.[6] Das Bürgertum unterteilte sich in das Besitzbürgertum, vor allem Manufakturbesitzer und Eigentümer großer Handelshäuser, und in das Bildungsbürgertum, wozu Professoren, Lehrer oder Anwälte, gehörten. Die Werte und Normen des Bürgertums hielten Einzug in Bildung, Wissenschaft, Sozialleben, Kultur und Politik.[7] Konträr zur vergangenen Feudalgesellschaft wird der soziale Status eines Menschen nun nicht mehr vererbt, man musste ihn nun selbst erarbeiten. Das Bürgertum wird politisch und kulturell zur einflussreichsten Kraft im Staat. Die Präsentation der Menschen nach außen wird immer wichtiger, so stehen prunkvolle Inneneinrichtung oder andere Prestigeobjekte hoch im Kurs.[8]

3. Der soziale Status der Frau und ihre soziale Identität

Die soziale Stellung der Frau war zumeist von ihrer Position innerhalb des Berufssystems abhängig. In der Feudalgesellschaft existierte eine geschlechtsspezifische Arbeitsteilung, die Frau arbeitete meist innerhalb des Haushalts und der Familie. Einzig an den Abläufen eines Bauernhofes war sie, indem sie z.B. auf dem Markt, das auf dem Hof produzierte Gemüse verkaufte.[9]

Die Industrialisierung veränderte dies. Streng separierte Geschlechterrollen entstanden und die Verantwortungsbereiche innerhalb einer Familie waren klar verteilt. Das Leben des Individuums wurde unterteilt in einen privaten und einen öffentlichen Bereich. Dies bedingte eine strikte Trennung von Erwerbsarbeit und Haushalt. Die Frau wurde weitgehend vom Berufsleben ausgeschlossen und konzentrierte sich nun ausschließlich auf ihre Familie und Hausarbeit. Die Unterschiede zwischen Mann und Frau waren im Bürgertum am größten. Die Frau war meist gar nicht an der Erwerbsarbeit beteiligt. Sie sorgte sich mit hohem sozialem Ansehen um das Heim. Die Frauen der Arbeiterklasse waren aufgrund wirtschaftlicher Gründe am Einkommen der Familie beteiligt.[10] Die Frau im Kaiserreich hatte sich dem Mann unterzuordnen. Sie hatten nur sehr begrenzt Zugang zum Bildungssystem. So besuchten kaum Frauen höhere Schulen oder Universitäten im 19. Jahrhundert und berufstätige Frauen in öffentlichen Ämtern waren stark unterrepräsentiert. Die Emanzipationsbewegung begann um 1860 und führte dazu, dass u mit Beginn des 20. Jahrhunderts eine immer größere Zahl von Frauen einen Hochschulabschluss erwarben. 1918 folgte die Einführung des Frauenwahlrechts. Schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts setzten sich Frauenvereinigungen dafür ein, dass Frauen einen Beruf ausüben und nicht nur in sozialen Berufen arbeiten konnten.[11]

Die Frau des Bürgertums wurde definiert und definierte sich selbst hauptsächlich durch ihr äußeres Erscheinungsbild. So war Schönheit von immenser Wichtigkeit. Schön zu sein, hielt man damals für ein aristokratisches Attribut. Frevert notiert, war eine Frau schön, konnte sich ihr Ehemann durch ihren „Besitz“ als geadelt betrachten.[12] Der Wunsch des Bürgertums, sich mit Prestigeobjekten selbst darzustellen, war enorm. Die Repräsentation dieses Lebensstandards nach außen oblag der Frau des Hauses.[13] Um das Haus stets repräsentativ zu halten, benötigte es jedoch viel Zeit und Muße und vor allem der Befreiung von Erwerbsarbeit.[14] Schönheit allein reichte jedoch nicht. Eine gutbürgerliche klassische Ausbildung in den Künsten, wie z.B. im Klavierspielen war ebenso wichtig. Die Bildung der Mädchen und jungen Frauen zielte nicht darauf ab, später einmal einen Beruf zu erlernen. Sie sollten einzig zu guten Bürgerfrauen heranreifen, die mit Gästen kommunizieren und repräsentieren konnten. Bei der Arbeiterklasse lag der Fall anders. Die Frauen arbeiteten mit und hatten kaum Zeit, sich kulturellen Dingen zu widmen.[15]

4. Der soziale Status des Mannes und dessen soziale Identität

Im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert dominierten die Männer das Leben und die Gesellschaft. Sie besaßen Zugang zu höheren Schulen und konnten somit auch einflussreichere Posten im Berufsleben übernehmen.[16] So überrascht es auch nicht, dass die Träger der meisten öffentlichen Ämter männlich waren. Auch in der Politik hatten die Männer deutliche Vorteile. Bereits 1871 wurde das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Männer ab 25 Jahren eingeführt.[17] Der Mann sollte allein das Geld verdienen und war allein für die Ernährung seiner Familie verantwortlich. In der Arbeitswelt repräsentierte er die Familie. Im Fokus stand für den Manns meist seine Berufstätigkeit, die sein Ansehen und somit seinen sozialen Status bestimmten. Die Arbeit stellte nicht nur den Mittelpunkt des bürgerlich-männlichen Lebens dar, sondern füllte es fast ganz aus und dominierte es.[18] Sowohl das Lebens eines Mannes aus dem Besitzbürgertum als auch aus dem Bildungsbürgertum war von Arbeit dominiert.[19] Auch die Erziehung der Söhne richtete sich nach dem Berufsleben aus. So wurden die Söhne auf höhere oder weiterführende Schulen geschickt, im Gegensatz zu den Mädchen. Ihre Ausbildung war so ausgerichtet, später einmal einen Beruf zu ergreifen und diente somit als Vorbereitung und Voraussetzung für das spätere Berufsleben.[20]

[...]


[1] Vgl. Epkenhans, Michael: Leben im Kaiserreich: Deutschland um 1900. Aalen 2007.

[2] Ebenda.

[3] Ebenda.

[4] Albrecht-Matschiske, Cornelia: Das künstlerische Reformkleid in Deutschland um die Jahrhundertwende : Funktionswandel der Mode vom Repräsentativen zur Natürlichkeit. Bochum 2000. S.93.

[5] Ebenda.

[6] Ebenda. S.111.

[7] Ebenda. S. 103.

[8] vgl. Riedle, S.115 ff.

[9] vgl. Rosenbaum, S.79 ff.

[10] vgl Kocka, S.47

[11] Loschek, Ingrid: Mode im 20. Jahrhundert. Eine Kulturgeschichte unserer Zeit. München 2000. S. 15.

[12] Vgl. Frevert, S.155.

[13] Albrecht-Matschiske, S. 121.

[14] vgl. Veblen, S.176.

[15] vgl. Frevert, S.151 f.

[16] Schaser, Angelika: Frauenbewegung in Deutschland 1848-1933. Darmstadt 2007.

[17] Ebenda.

[18] Frevert, S.145.

[19] vgl. Frevert, S.145.

[20] vgl. Frevert, S. 148 f.

Ende der Leseprobe aus 19 Seiten

Details

Titel
Mode um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert
Hochschule
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Note
1,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
19
Katalognummer
V143787
ISBN (eBook)
9783640523801
ISBN (Buch)
9783640524310
Dateigröße
444 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mode, Jahrhundertwende, Jahrhundert
Arbeit zitieren
Julia Grubitzch (Autor), 2009, Mode um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143787

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