Georg Simmel veröffentlichte seinen Essay „Die Philosophie der Mode“ 1905. Es beeindruckt, wie aktuell Simmels Thesen noch immer sind. Gegensätze zur Gegenwart existieren natürlich, doch kleiner als erwartet. Simmel konnte natürlich keinen aktuelle Beispiele beschreiben und auch die Entwicklungen der Mode konnte er nicht voraussehen. Der größte Unterschied zu Simmels Zeit ist der sich vergrößernde Einfluss der Wirtschaft auf die Mode. Viele Millionen Arbeitsplätze hingen vom Erfolg der Mode ab. Bei Simmel ist zu lesen, dass der menschliche Nachahmungstrieb die Grundvoraussetzung für die Entstehung von Mode ist. Das Individuum sei stets bestrebt, sich durch die Mode von anderen abzuheben. Um die Jahrhundertwende, als Simmel seinen Essay verfasste, hob sich meist die obere Klasse vom Proletariat ab. Doch die unteren Klassen waren bestrebt, die oberen nachzuahmen.
Auch in der Gegenwart ist dieser Kreislauf zu beobachten, auch wenn die Klassen heute so nicht mehr existieren. Kulturkreise, Gruppen und Schichten können z.T. nur aufgrund ihres Äußeren von einander unterschieden werden. Politisch, religiös oder musikalisch, motiviert, entstehen neue Moden. Bei derart festgelegten Kategorien ist die Gefahr des Pauschalisierens immens. Als Beispiele für Gruppen, deren Mitglieder versuchen, sich voneinander abzuheben seien hier Punks, Raver, Skater, Skins, Snobs genannt. Wenn von den beiden Simmel´schen Bedürfnissen der Absonderung und des Zusammenschlusses auch nur eines entfällt, prognostiziert Simmel das Ende der Mode. Diese Arbeit wird auf Grundlage des Essays von Georg Simmel die Entwicklung der Mode um die Jahrhundertwende beschreiben und dabei besonders die Unterschiede der weiblichen und männlichen Mode beleuchten. Um das Bild abzurunden, erfolgt zum Schluss noch ein kurzer Exkurs in die Moderne.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts
3. Der soziale Status der Frau und ihre soziale Identität
4. Der soziale Status des Mannes und dessen soziale Identität
5. Mode um die Jahrhundertwende- Beginn der Haute Couture
6. Mode der Frau um die Jahrhundertwende
7. Mode des Mannes um die Jahrhundertwende
8. Der Wandel der Geschlechterrollen im Laufe der Zeit
9. Annäherung der männlichen und weiblichen Mode
10. Schlussbetrachtung
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit untersucht auf Basis der „Philosophie der Mode“ von Georg Simmel die modische Entwicklung um die Jahrhundertwende und analysiert dabei insbesondere die geschlechtsspezifischen Differenzen und den sozialen Wandel der Geschlechterrollen bis in die Gegenwart.
- Soziale Identität und Klassenstrukturen im frühen 20. Jahrhundert
- Entwicklung und Funktionen der Mode bei Mann und Frau
- Einfluss der Industrialisierung und Reformbewegungen auf die Kleidung
- Historischer Wandel der Geschlechterrollen und deren modische Spiegelung
- Annäherung männlicher und weiblicher Modekonzepte in der Moderne
Auszug aus dem Buch
Mode um die Jahrhundertwende- Beginn der Haute Couture
Mode ist weit mehr als nur Kleidung. Von Beginn der Zivilisation an besaß sie auch die Funktion, den Menschen zu schmücken. Bei frühen Kostümen oder Trachten war die Zugehörigkeit zu einer festgelegten Gruppe entscheidend. Bis ins 19. Jahrhundert hinein schrieben strenge Kleiderordnungen vor, wer wann was zu tragen hatte. Soziale Unterschiede sollten so in den Vordergrund gestellt werden. Verstöße gegen die Regelungen gab es häufig, war doch der Eitelkeit der Menschen nur schwer durch Verbote beizukommen. Mode erlaubt seinem Träger die Selbstverwirklichung und die Differenzierung von anderen Individuen. Das beginnende 20. Jahrhundert war geprägt durch enormen Fortschritt in allen Bereichen. Das 20. Jahrhundert ging in die Modegeschichte ein, als das Jahrhundert der Revolution in der Mode. Die Formen und Linien unterschieden sich nun deutlich von denen der vorangegangenen Zeiten. Als ein wesentliches Beispiel sei hier der Wechsel der Rocklängen genannt. War es bis dahin Usus, dass die Röcke die Beine vollständig bedeckten, wanderten die Rocklängen im 20. Jahrhundert stetig auf und ab. Als neue Tendenz ist zu entdecken, dass der natürliche Körper betont werden soll und ihm Bewegungsfreiraum zugestanden wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Georg Simmels „Philosophie der Mode“ ein und skizziert das Forschungsziel, die Modeentwicklung der Jahrhundertwende unter Berücksichtigung geschlechtsspezifischer Unterschiede zu untersuchen.
2. Die Gesellschaft Anfang des 20. Jahrhunderts: Dieses Kapitel beleuchtet den gesellschaftlichen Wandel durch Industrialisierung, Sozialgesetzgebung und die damit einhergehende neue soziale Klasseneinteilung in Adel, Bürgertum und Proletariat.
3. Der soziale Status der Frau und ihre soziale Identität: Es wird die strikte Trennung von Erwerbsarbeit und privatem Bereich analysiert, durch die die Frau des Bürgertums primär über ihr Äußeres definiert wurde.
4. Der soziale Status des Mannes und dessen soziale Identität: Dieses Kapitel beschreibt die männliche Dominanz in der Arbeitswelt und Politik, wobei Berufstätigkeit den zentralen Pfeiler des männlichen Ansehens bildete.
5. Mode um die Jahrhundertwende- Beginn der Haute Couture: Der Abschnitt erläutert die Bedeutung der Mode als Mittel der Selbstdarstellung und Differenzierung im beginnenden 20. Jahrhundert als Zeitalter der modischen Revolution.
6. Mode der Frau um die Jahrhundertwende: Das Kapitel analysiert den Zusammenhang zwischen sozialer Anerkennung und Mode bei Frauen sowie den Einfluss von Reformbewegungen auf die Kleidung.
7. Mode des Mannes um die Jahrhundertwende: Hier wird die zunehmende Schlichtheit und Nüchternheit der Herrenmode im Kontrast zur weiblichen Mode thematisiert.
8. Der Wandel der Geschlechterrollen im Laufe der Zeit: Der Text skizziert die historische Entwicklung von der klassischen Kernfamilie bis zu den Veränderungen durch Frauenbewegungen und gesellschaftliche Umbrüche im 20. Jahrhundert.
9. Annäherung der männlichen und weiblichen Mode: Dieses Kapitel behandelt die zunehmende Vermischung der Modestile und wie Männer zunehmend Attribute der weiblichen Mode integrieren, während Frauen sich maskulinen Kleidungsstilen bedienen.
10. Schlussbetrachtung: Die Arbeit schließt mit einer Reflexion über die Beständigkeit von Simmels Thesen im Kontext der heutigen, vielfältigen Männertypen und dem Wandel der Identitätskonstruktion.
Schlüsselwörter
Mode, Philosophie der Mode, Georg Simmel, Jahrhundertwende, Geschlechterrollen, Soziale Identität, Bürgertum, Emanzipation, Haute Couture, Kleidungsstil, Industrialisierung, Belle Epoque, Jugendstil, Männermode, Frauenmode
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert das Phänomen Mode als gesellschaftlichen Indikator und untersucht, wie sich gesellschaftliche Rollenbilder von Mann und Frau um die Jahrhundertwende in der Kleidung widerspiegelten.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentral sind die sozialen Rahmenbedingungen des frühen 20. Jahrhunderts, die geschlechtsspezifischen Unterschiede in der modischen Selbstinszenierung und die spätere Annäherung dieser Stile.
Was ist das zentrale Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die Modeentwicklung der Jahrhundertwende auf Grundlage von Georg Simmels „Philosophie der Mode“ zu beschreiben und die Veränderung von Geschlechteridentitäten durch die Mode aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Analyse basierend auf dem Essay von Georg Simmel und verknüpft diese mit historischen Entwicklungen und soziologischen Beobachtungen zur Mode.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der damaligen gesellschaftlichen Strukturen, den Vergleich von männlicher und weiblicher Mode um 1900 sowie den historischen Wandel von Geschlechterrollen bis hin zur modernen Angleichung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Modephilosophie, soziale Identität, Klassenstrukturen, Jahrhundertwende, Geschlechterrollen und historische Modeentwicklung charakterisiert.
Warum spielt die Industrialisierung eine wichtige Rolle für die Mode dieser Zeit?
Die Industrialisierung schuf neue soziale Klassen und einen erhöhten Wohlstand, was die Mode zum Prestigeobjekt machte, um soziale Zugehörigkeit und Abgrenzung nach außen zu tragen.
Wie erklärt die Autorin den Unterschied zwischen der Mode von Mann und Frau um 1900?
Die Autorin argumentiert, dass die Frau ihre soziale Entfaltung über die Mode kompensierte, während der Mann seinen Status primär über seine berufliche Position definierte und Mode für ihn eine untergeordnete Rolle spielte.
Was genau bedeutet der Begriff „Humpelrock“ in diesem Kontext?
Der „Humpelrock“ war ein extremer Modetrend um 1911, bei dem die Röcke so eng geschnitten waren, dass die Trägerin nur sehr kleine Schritte machen konnte; er symbolisierte die Spannung zwischen modischer Ästhetik und praktischer Einschränkung.
Wie bewertet die Arbeit die heutige Annäherung von männlicher und weiblicher Mode?
Die Arbeit sieht darin eine Folge des Individualisierungsprozesses, bei dem Geschlechterrollen aufbrechen und Mode heute für beide Geschlechter verstärkt zur Ausdrucksform individueller Identität wird.
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- Julia Grubitzch (Author), 2009, Mode um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143787