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Tiere in der soziologischen Theorie. Menschlicher und tierischer Standpunkt

Titel: Tiere in der soziologischen Theorie. Menschlicher und tierischer Standpunkt

Essay , 2023 , 12 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Valentina Chesi (Autor:in)

Soziologie - Sonstiges
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Wie lassen sich andere Tiere in einer soziologischen Theorie mitdenken, die nicht nur den menschlichen Standpunkt berücksichtigt, sondern auch nach dem Standpunkt des Tieres fragt? Da diese Frage sehr komplex ist und es viele verschiedenen Positionen abzuwägen gebe, die aber den Rahmen dieses Essay sprengen würden, versuche ich mithilfe der Grundpositionen des Konstruktivismus und Realismus auf diese Frage eine Antwort zu geben. Starten möchte ich zum besseren Verständnis mit einem kurzen Abriss, weshalb andere Tiere lange aus der Soziologie ausgeschlossen wurden. Danach werde ich auf eine Auswahl von Problemen eingehen, die es generell erschweren andere Tiere zu denken. Anschließend werde ich die beiden Grundpositionen darauf untersuchen, wie gut oder schlecht sie sich dafür eignen andere Tiere mitzudenken, um abschließend einen Vorschlag zu machen, wie eine Theorie, mit der man andere Tiere denken kann, aussehen könnte.

In der jüngeren Geschichte sehen wir uns mehreren ökologischen Herausforderungen, etwa dem Klimawandel, dem Artensterben, der Entwaldung und der Verschmutzung gegenübergestellt, die uns mit einer immer größer werdenden Dringlichkeit dazu auffordern unser Verhältnis zur Natur und anderen Tieren zu hinterfragen. Der Mensch ist zu einer Naturgewalt geworden, die in der Lage ist, dass Leben auf der Erde in einer Art und Weise zu verändern, die nicht nur die Lebensgrundlage anderer Tiere gefährdet, sondern letztlich auch unsere eigene. Das Verhältnis des Menschen zu seiner natürlichen Umwelt, ist dabei der ausschlaggebende Faktor, der darüber entscheidet, ob wir uns selbst als Teil der natürlichen Umwelt wahrnehmen oder als ihr etwas Gegenübergestelltes. Aktuell ist letzteres der Fall und wir betrachten uns als losgelöst, vielleicht sogar über den Dingen stehend. Im Glauben die Natur beherrschen zu können, haben wir unterschätzt, welch wichtige Bedeutung sie für unser (Über)leben hat. In welch vielfältigen Weisen sie unser Leben bestimmt und wie naiv die Annahme ist wir könnten außerhalb von ihr existieren. Besonders deutlich wird diese Arroganz in unserem Verhältnis zu anderen Tieren, die wir mit Selbstverständlichkeit für unsere Zwecke nutzen und ihre natürlichen Habitate zerstören. Gleichzeitig sind sie unsichtbar und wurden beispielsweise in den Sozialwissenschaften, wie der Soziologie lange Zeit völlig ignoriert.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Soziologie und Mensch-Tier-Beziehungen

2 Herausforderungen

3 Tiere (mit)denken

4 Conclusion

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht, wie Tiere soziologisch in einer Weise mitgedacht werden können, die nicht nur den menschlichen Standpunkt berücksichtigt, sondern auch die Perspektive der Tiere einbezieht, um ein vollständigeres Bild sozialer Phänomene zu zeichnen.

  • Die bisherige Vernachlässigung von Tieren in der Soziologie aufgrund anthropozentrischer Weltbilder.
  • Die epistemologischen und ontologischen Herausforderungen bei der Erforschung von Mensch-Tier-Beziehungen.
  • Eine kritische Analyse der Rolle des Konstruktivismus in der Mensch-Tier-Soziologie.
  • Die Notwendigkeit einer realistischen Perspektive zur Anerkennung von Tieren als Subjekte.
  • Die Synthese von Konstruktivismus und Realismus als methodischer Ansatz für die Multispezies-Forschung.

Auszug aus dem Buch

Tiere (mit)denken

„If we take the reality of animals seriously and wish to respect, both analytically and ethically, animals as beings independent of human perception of them, then we must be careful to not confuse the animals in our heads with the animals in the world.“ (York & Longo, 2017, S.35)

Nachfolgend werde ich auf den Konstruktivismus und Realismus als Grundpositionen zur Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung eingehen und veranschaulichen das beide Ansätze notwendig sind, um die Mensch-Tier-Beziehung von beiden Seiten, dem menschlichen und tierlichen Standpunkt, denken zu können.

Bei der Erforschung der Mensch-Tier-Beziehung wird bisher meist nur der menschliche Standpunkt untersucht. Dabei geht es konkret um Einstellungen, Werte, Handlungen, usw. des Menschen in Bezug zu anderen Tieren. Hier kommt sehr stark der Konstruktivismus ins Spiel, da es um menschliche Vorstellungen von Tieren geht die sowohl kulturell als auch historisch sehr unterschiedliche ausfallen können. Ein klassisches Beispiel hierfür sind Tierkategorien. So unterscheiden wir beispielsweise zwischen Haus- und Nutztieren. Diese Kategorien haben meist nur begrenzte Gültigkeit im wissenschaftlichen Sinn und bestimmen darüber, wie wir mit bestimmten Tieren umgehen, wobei dies häufig auch im Rechtsystem institutionalisiert ist. (York & Longo, 2017) So gelten in vielen westlichen Kulturen, einerseits Schweine, Hühner und Kühe als essbar und es sind Ausnahmen im Tierschutzgesetz verankert, welche erlauben gesunde Tiere für den menschlichen Konsum zu töten und andererseits ist das unnötige Töten oder Verletzen von Hunden und Katzen nicht nur gesellschaftlich inakzeptabel, sondern auch strafbar. In anderen Ländern, beispielsweise Südostasien werden hingegen jährlich Millionen von Hunden und Katzen für den Konsum getötet. (Kurier, 2020) Dieses Beispiel veranschaulicht, dass die Bedeutung die Tieren von Menschen zugeschrieben wird kulturelle und nicht tiereigene Merkmale sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Soziologie und Mensch-Tier-Beziehungen: Dieses Kapitel thematisiert die bisherige Vernachlässigung von Tieren in der soziologischen Forschung und erläutert den historischen Hintergrund des Natur-Kultur-Dualismus.

2 Herausforderungen: Hier werden die methodischen und erkenntnistheoretischen Schwierigkeiten erörtert, die bei der soziologischen Untersuchung von Tieren als eigenständige Akteure entstehen.

3 Tiere (mit)denken: Dieses Kapitel schlägt eine Kombination aus Konstruktivismus und Realismus vor, um sowohl die menschliche Wahrnehmung als auch die physische Realität von Tieren in der soziologischen Theorie zu integrieren.

4 Conclusion: Das Fazit bekräftigt, dass die Integration tierlicher Perspektiven unerlässlich für eine komplexe und vollständige soziologische Analyse ist und plädiert für einen sowohl-als-auch-Ansatz.

Schlüsselwörter

Soziologie, Mensch-Tier-Beziehung, Konstruktivismus, Realismus, Multispezies-Forschung, Anthropozentrismus, Natur-Kultur-Dualismus, Tierkategorien, Human-Animal-Studies, soziale Konstruktion, Tierliche Perspektive, Relationales Denken, Gesellschaft, Ökologische Krisen, Subjektivität von Tieren.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Verhältnis zwischen Menschen und anderen Tieren aus soziologischer Perspektive und hinterfragt deren bisherige Vernachlässigung in der Disziplin.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die Themen umfassen den Natur-Kultur-Dualismus, die soziologische Konstruktion von Tierkategorien sowie die Herausforderungen einer wissenschaftlichen Einbeziehung tierlicher Lebenswelten.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie Tiere als eigenständige Subjekte soziologisch mitgedacht werden können, ohne sie nur auf menschliche Zuschreibungen zu reduzieren.

Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine theoretische Auseinandersetzung mit den Grundpositionen des Konstruktivismus und Realismus, um daraus einen integrativen methodischen Rahmen für die Mensch-Tier-Soziologie abzuleiten.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Im Hauptteil werden die Schwierigkeiten der Definition von "Tier", die Problematik menschlicher Zugriffsmöglichkeiten auf tierliche Erfahrungen und die notwendige epistemologische Synthese der beiden philosophischen Ansätze diskutiert.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Multispezies-Forschung, Mensch-Tier-Beziehung, soziale Konstruktion und das kritische Hinterfragen anthropozentrischer Perspektiven geprägt.

Warum spielt der Konstruktivismus eine so wichtige Rolle in der Mensch-Tier-Soziologie?

Der Konstruktivismus hilft zu verstehen, warum Menschen bestimmten Tieren unterschiedliche Bedeutungen, Werte und Normen zuweisen (z.B. Haustier vs. Nutztier), was kulturell geprägt ist.

Warum ist laut der Autorin der Realismus für diese Forschung unverzichtbar?

Der Realismus wird benötigt, um Tiere als existierende Wesen jenseits der menschlichen Wahrnehmung anzuerkennen, was Voraussetzung ist, um deren eigene Standpunkte und Bedürfnisse ernsthaft zu erforschen.

Ende der Leseprobe aus 12 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Tiere in der soziologischen Theorie. Menschlicher und tierischer Standpunkt
Hochschule
Leopold-Franzens-Universität Innsbruck  (Soziologie)
Veranstaltung
Wissenschaftstheorie und Methodologie der Sozialwissenschaften
Note
1,0
Autor
Valentina Chesi (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2023
Seiten
12
Katalognummer
V1437916
ISBN (PDF)
9783346994509
ISBN (Buch)
9783346994516
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Soziologie, Human-Animal-Studies Mensch-Tier-Beziehung Konstruktivismus Realismus Tiere Human Animal Studies
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Valentina Chesi (Autor:in), 2023, Tiere in der soziologischen Theorie. Menschlicher und tierischer Standpunkt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1437916
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Leseprobe aus  12  Seiten
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