Einleitung
Martin Heidegger ist einer der meist gelesensten Geisteswissenschaftler, und das
nicht nur in Deutschland. Seine philosophischen Ansatzpunkte geben durchaus
Anlass zum diskutieren und nachdenken.
Heidegger lebte in einer Zeit der Inhumanität, in der er einen hohen Status genoss
und Teil des Systems war.
In meiner Hausarbeit „Martin Heidegger: Nationalsozialismus und
Technikphilosophie“ möchte ich der Frage nachgehen, inwiefern er in seinen beiden
Vorträgen „Die Frage nach der Technik“ und „Die Kehre“ aus der Nachkriegszeit
eine gewisse Erklärung für sein Handeln im Nationalsozialismus gibt. Dabei soll der
erste Teil einen historischen Überblick über die Person Heidegger während der NSZeit
geben. Hierbei wird auf seine Haltung gegenüber dem NS-Regime/Hitler und
sein Handeln eingegangen, die möglicherweise gewisse Gründe für seine neuen
Gedanken an seiner Technikphilosophie seien könnten und von der Wissenschaft als
versteckte Opposition gegenüber sich selbst gewertet werden. Bevor es jedoch zur
Analyse seiner bereits genannten zwei Vorträge kommt, möchte ich im zweiten Teil
eine Definition des Begriffes Technik als auch dessen Technikfolgen geben. Im
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Martin Heidegger und der Nationalsozialismus
2. Technik und Technikfolgen
2.1.Technik
2.2.Technikfolgen
3. Die Technikphilosophie
4. Martin Heidegger: Die Technik und die Kehre
4.1.Die Frage nach der Technik
4.2.Die Kehre
5. Schlussteil
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verbindung zwischen Martin Heideggers historischem Handeln im Nationalsozialismus und seinen technikphilosophischen Ausführungen in der Nachkriegszeit. Dabei wird analysiert, inwiefern seine Spätwerke „Die Frage nach der Technik“ und „Die Kehre“ als implizite Auseinandersetzung oder Rechtfertigung seiner früheren politischen Positionen gewertet werden können.
- Historische Einordnung Heideggers im NS-Regime
- Begriffsbestimmung von Technik und deren Auswirkungen
- Entwicklung und Status der Technikphilosophie
- Analyse der Heideggerschen Konzepte „Ge-stell“ und „Kehre“
Auszug aus dem Buch
4.1. Die Frage nach der Technik
„Die Frage nach der Technik“ aus der Vortragssammlung „Die Technik und die Kehre“ ist ein Vortrag Heideggers aus dem Jahre 1953, der versucht ein Verständnis über die Technik zu erarbeiten – es handelt sich hierbei also um ein „spätes“ Werk Heideggers.
Laut Heidegger stehen „Technik“ und das „Wesen der Technik“ in keiner Äquivalenz zueinander. Auch das „Wesen der Technik“ beinhaltet gar nichts „Technisches“, weshalb der Mensch auch nie dieses Wesen begreifen wird.
„Wir erfahren darum niemals unsere Beziehung zum Wesen der Technik, solange wir nur das Technische vorstellen und betreiben, uns damit abfinden oder ihm ausweichen.“
Ein Beispiel für diese Problematik bietet uns die Roman-Figur Walter Faber aus dem Buch „Homo Faber“ von Max Frisch. Faber spiegelt als Ingenieur den kalkulierenden Geist der Technik wieder, der die Maschinenkunst als Technik, jedoch keineswegs als Sinnbild der Technik wahrnimmt. Er ist somit eben doch blind und erkennt die Dinge um sich herum nicht wie sie sind (z.B. er sieht nicht, dass seine Geliebte seine Tochter ist). Dieses Dilemma bildet einen technikphilosophischen Ansatzpunkt, da die Blindheit, die Faber selbst konstruiert hat – mithilfe der Technik - ihm den Blick für das „Technische“ nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Fragestellung zur Verbindung von Heideggers Technikphilosophie und seinem politischen Agieren im Nationalsozialismus.
1. Martin Heidegger und der Nationalsozialismus: Historische Analyse von Heideggers Rolle und seinen politischen Positionen während der Zeit des Nationalsozialismus.
2. Technik und Technikfolgen: Definition des Technikbegriffs von der Antike bis zur Industrialisierung sowie Einordnung primärer gesellschaftlicher Technik-Problemfelder.
3. Die Technikphilosophie: Überblick über die Disziplin der Technikphilosophie als relativ junge philosophische Strömung des 20. Jahrhunderts.
4. Martin Heidegger: Die Technik und die Kehre: Detaillierte philosophische Untersuchung von Heideggers Spätwerk, insbesondere der Begriffe „Ge-stell“ und „Kehre“.
5. Schlussteil: Kritische Auswertung und Resümee zur Abwesenheit persönlicher Selbstreflexion bei Heidegger im Kontext seines Gesamtwerks.
Schlüsselwörter
Martin Heidegger, Nationalsozialismus, Technikphilosophie, Die Frage nach der Technik, Die Kehre, Ge-stell, Technikfolgen, Seinsgeschick, Rektoratsrede, Philosophie, Moderne Technik, Antisemitismus, Entbergen, Mensch, Aristoteles.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen und politischen Person Martin Heidegger und hinterfragt den Zusammenhang zwischen seinem Wirken während des Nationalsozialismus und seiner späteren Technikphilosophie.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf Heideggers politischer Haltung in der NS-Zeit, der Definition von Technik sowie der Analyse seiner Vorträge „Die Frage nach der Technik“ und „Die Kehre“.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es zu ergründen, ob Heidegger in seinen späten Vorträgen eine Erklärung oder Aufarbeitung seines früheren politischen Handelns liefert.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit nutzt die Analyse von Primärquellen Heideggers sowie die Einbeziehung fachwissenschaftlicher Sekundärliteratur zur historischen und philosophischen Einordnung.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Heideggers Gedankengänge zu den Begriffen „Ge-stell“ und „Kehre“ analysiert und anhand literarischer Beispiele wie „Homo Faber“ veranschaulicht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren den Text?
Wesentliche Begriffe sind Heidegger, Nationalsozialismus, Technikphilosophie, Ge-stell und die Seinsfrage.
Warum wird Walter Faber aus „Homo Faber“ als Beispiel angeführt?
Faber dient als Fallbeispiel für einen Menschen, dessen technisches Kalkül den Blick für das eigentliche Wesen der Dinge und die Realität verstellt.
Wie bewertet die Autorin die Haltung Heideggers nach dem Krieg?
Die Autorin kritisiert, dass Heidegger eine explizite persönliche Selbstreflexion oder Stellungnahme zu seinen NS-Verbindungen auch in der Nachkriegszeit konsequent verweigerte.
- Quote paper
- Anonym (Author), 2009, Martin Heidegger: Nationalsozialismus und Technikphilosophie , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143806