Diese Hausarbeit setzt sich mit der "Leichten Sprache" auseinander, einer Varietät, die geschaffen wurde, um Menschen mit Lernschwierigkeiten den Zugang zu schriftlichen Informationen zu erleichtern. Die Einleitung betont die Bedeutung von Lese- und Schreibfähigkeiten für die alltägliche Kommunikation und hebt die Schwierigkeiten hervor, mit denen Menschen mit Lernschwierigkeiten konfrontiert sind. Rechtliche und politische Anpassungen, insbesondere die Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung von 2011 in Deutschland, sollen diesen Personen Selbstbestimmung und Teilhabe ermöglichen. Leichte Sprache wird als Mittel präsentiert, um sprachliche Barrieren abzubauen.
Die Hausarbeit vergleicht einen standardsprachlichen Ausgangstext mit seiner Übersetzung in Leichte Sprache, wobei der Übersetzungsprozess und seine Auswirkungen auf die Verständlichkeit untersucht werden. Die Wahl eines politischen Textes, dem Bundestagswahlprogramm von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, wird aufgrund seiner gesellschaftlichen Relevanz und der Notwendigkeit eines barrierefreien Zugangs zu politischen Informationen für Menschen mit Lernschwierigkeiten begründet.
Die theoretische Grundlage umfasst die Definition der Leichten Sprache, ihre Einordnung in sprachwissenschaftliche Untersuchungen und die Darstellung grundlegender Richtlinien für Übersetzungen. Hierbei wird der Fokus auf dem BMAS-Ratgeber zur Leichten Sprache gesetzt. Die globale Untersuchung der ausgewählten Texte wird im zweiten Teil durchgeführt, wobei sowohl der typologische als auch der inhaltlich-sprachliche Aufbau beleuchtet werden. Die linguistische Gegenüberstellung anhand von Textauszügen bildet einen wichtigen Teil der Analyse.
In der Schlussbemerkung werden die wesentlichen Erkenntnisse zusammengefasst, wodurch die Forschungsfrage beantwortet wird. Die Gesamtarbeit verfolgt das Ziel, den Prozess der Übersetzung in Leichte Sprache kritisch zu beleuchten und herauszufinden, inwiefern dieser die Verständlichkeit für Menschen mit Lernschwierigkeiten verbessern kann.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Theoretische Grundzüge Leichter Sprache
2.1 Definition und Einordnung Leichter Sprache
2.2 Regeln zur Erstellung Leichter-Sprache-Texte
3 Leichte Sprache in der Praxis. Ein Varietätenvergleich am Beispiel des Parteiprogramms der Grünen zur Bundestagswahl 2021
3.1 Typografischer Vergleich der Texte
3.2 Vergleich der inhaltlich-sprachlichen Gestaltung der Texte
4 Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht linguistisch, wie ein standardisierter politischer Ausgangstext in Leichte Sprache übersetzt wird. Ziel ist es, den Übersetzungsprozess anhand des Bundestagswahlprogramms 2021 der Grünen nachzuzeichnen und zu analysieren, welche sprachlichen Anpassungen vorgenommen wurden, um die Verständlichkeit für Menschen mit Lernschwierigkeiten zu erhöhen.
- Grundlagen und Definition der Leichten Sprache
- Regelwerke zur Erstellung von Leichte-Sprache-Texten
- Typografischer Vergleich der beiden Varietäten
- Analyse der inhaltlich-sprachlichen Gestaltung (Wortwahl, Syntax, Semantik)
- Empirische Einordnung durch das LeiSA-Projekt
Auszug aus dem Buch
Bildliche Sprache
Die Ausdrucksweise im standardsprachlichen Text zeichnet sich durch die Verwendung einer bildhaften Sprache aus. Dies geschieht über verschiedene rhetorische Mittel, wie Metaphern. Statt exemplarisch sachlich darüber zu informieren, dass die Corona-Pandemie einen schwerwiegenden Einfluss auf die Gesellschaft ausgeübt habe, „hat [sie] uns alle bis ins Mark getroffen“ (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN 2021a: 9). Darüber hinaus habe der Zusammenhalt der Menschen in dieser schweren Zeit „in einer ohnehin verwundbaren Welt“ (ebd.) jedoch offenbart, dass sie selbst darüber entscheiden, „ob uns die Krisen über den Kopf wachsen oder wir über sie hinaus.“ (ebd.).
Ebendiese Metaphern können für Leichte-Sprache-Leser aufgrund ihrer Abstraktheit schwierig zu verstehen sein und sollten in Texten für diese Rezipienten vermieden werden (vgl. BMAS 2022: 33). Die Ursache hierfür wird im Folgenden am Beispiel „Die Pandemie hat uns alle bis ins Mark getroffen“ (BÜNDNIS 90 / DIE GRÜNEN 2021a: 9) skizziert.
Die Metapher „bis ins Mark treffen“ drückt auf bildlicher Ebene aus, dass etwas einen starken negativen Einfluss auf eine Person ausgeübt hat. Die Auswirkungen sind dabei so tiefgreifend, dass aus ihnen eine tiefreichende emotionale Belastung oder Verletzung resultiert. Für die Erschließung ebendieser Bedeutung ist jedoch ein Abstraktionsvermögen erforderlich, das auf Weltwissen beruht, da sie nicht unmittelbar aus den geschriebenen Wörtern ersichtlich wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung begründet die Relevanz der Leichten Sprache für gesellschaftliche Inklusion und führt in die Fragestellung der linguistischen Analyse der Wahlprogramm-Übersetzungen ein.
2 Theoretische Grundzüge Leichter Sprache: Dieses Kapitel definiert Leichte Sprache, stellt wichtige Regelwerke vor und diskutiert unter Einbeziehung des LeiSA-Projekts deren Wirksamkeit und Limitationen.
3 Leichte Sprache in der Praxis. Ein Varietätenvergleich am Beispiel des Parteiprogramms der Grünen zur Bundestagswahl 2021: Der praktische Teil der Arbeit führt eine detaillierte Gegenüberstellung der standard- und der Leichte-Sprache-Version hinsichtlich typografischer und inhaltlich-sprachlicher Merkmale durch.
4 Schlussbemerkung: Hier werden die Ergebnisse der Analyse zusammengefasst, die Beobachtung der inhaltlichen Reduktion gedeutet und ein Fazit zur Anpassungsleistung der Leichten Sprache gezogen.
Schlüsselwörter
Leichte Sprache, Barrierefreiheit, Linguistische Analyse, Varietätenvergleich, Parteiprogramm, Bundestagswahl 2021, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, Verständlichkeit, Syntax, Semantik, LeiSA-Projekt, Inklusion, Wortwahl, Sprachwissenschaft, Übersetzung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit einer linguistischen Analyse, die untersucht, wie ein komplexes standardsprachliches Parteiprogramm in eine barrierefreie Version der Leichten Sprache übersetzt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die typografische Gestaltung, der Wortschatz, die syntaktische Struktur und der Umgang mit bildlicher Sprache im Kontext der Leichten Sprache.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, nachzuzeichnen, welche konkreten sprachlichen Anpassungen notwendig sind, um politische Inhalte für Menschen mit Lernschwierigkeiten zugänglich und verstehbar zu machen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine vergleichende linguistische Analyse angewandt, die auf den offiziellen Regelwerken für Leichte Sprache basiert und die Unterschiede zwischen einer standardsprachlichen und einer in Leichte Sprache übersetzten Version systematisch gegenüberstellt.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil analysiert detailliert die typografische Formatierung sowie die inhaltliche und syntaktische Gestaltung, einschließlich des Umgangs mit Metaphern und der inhaltlichen Reduktion.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Arbeit?
Kernthemen sind Leichte Sprache, Barrierefreiheit, linguistische Analyse, politische Kommunikation und die spezifische Sprachvarietät von Parteiprogrammen.
Wie geht die Analyse mit komplexen Sätzen um?
Die Analyse zeigt, dass komplexe Hypotaxen in der Leichten Sprache durch einfache, kurze Hauptsätze ersetzt werden, um die Informationsverarbeitung durch den Rezipienten zu erleichtern.
Welche Rolle spielt die Metaphorik in der Arbeit?
Die Arbeit verdeutlicht am Beispiel von Metaphern, dass bildhafte Sprache hohe Anforderungen an das Abstraktionsvermögen stellt und daher aus Gründen der Barrierefreiheit in Leichte-Sprache-Texten vermieden werden sollte.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Leichte Sprache in politischen Texten. Eine kritische Analyse der Übersetzung für Menschen mit Lernschwierigkeiten, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1438139