In dieser Abhandlung wird die Entstehung und Entwicklung des Entwässerungssystems der Schweiz aus tektonischer und klimatischer Sicht erläutert. Eine Geschichte vom Oligozän bis heute.
Flusssysteme in Mitteleuropa zeichnen sich durch eine lange und wechselnde Geschichte aus, welche vor allem von den Faktoren Tektonik, Sedimentation, Erosion und Klima sowie deren Interaktionen bestimmt wird. In den letzten Jahrhunderten dagegen traten vor allem anthropogene Einflüsse in den Vordergrund. Flüsse sind ein Anzeiger für all diese Prozesse, wobei sich oft nur deren jüngsten Abschnitte rekonstruieren lassen.
Die Schweiz als Teil Mitteleuropas wird rezent von einigen großen Flüssen durchzogen. Mit dem Rhein und der Rhone entspringen im Gotthardmassiv zwei der längsten Flüsse Europas, deren Entwicklung hier beschrieben wird. Der Rhein ist mit einer Länge von 375 km innerhalb der Schweizer Staatsgrenzen der dort längste Flussabschnitt. Seine beiden Quellflüsse sind der Vorder- und Hinterrhein, welche beide den Alpen entspringen und sich bei Reichenau-Tamins zum nördlich fließenden Alpenrhein vereinen. Dieser fließt dann bis in den Bodensee und von dort in westlicher Richtung als Hochrhein weiter.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Rhein
2.1 Entstehung und Entwicklung des Rheins
2.2 Pleistozäne Dynamik
3. Die Aare
4. Die Rhone
5. Anthropogene Einflüsse
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die geologische und anthropogene Entwicklungsgeschichte der wichtigsten Schweizer Flusssysteme, insbesondere des Rheins, der Aare und der Rhone, unter Berücksichtigung klimatischer und tektonischer Einflussfaktoren.
- Geologische Entstehungsgeschichte von Rhein, Aare und Rhone
- Interaktion zwischen Tektonik und Klima bei Flusslaufänderungen
- Pleistozäne Dynamik und morphologische Prozesse
- Auswirkungen anthropogener Eingriffe auf die Flussökologie
- Historische Flussbegradigungen und deren Folgen
Auszug aus dem Buch
Die Entstehung eines Ur-Rheins
Die Entstehung eines Ur-Rheins lässt sich vermutlich mit dem Einbrechen des Mittelrheingrabens im Rheinischen Schiefergebirge im Oligozän vor ca. 30 Ma verknüpfen. Im Miozän führte ein klimabedingtes Absenken des Meeresspiegels um etwa 70 m dazu, dass der Rhein seinen Lauf weiter nach Norden verlängern konnte. Grund dieser Regression war die Ausbildung des zirkumpolaren Meeresstroms durch fortschreitende Isolierung des antarktischen Kontinentes, wodurch es zu einer Vereisung der Antarktis bei gleichzeitiger Bindung von gewaltigen Wassermengen kam (Eberle et al. 2010).
Im Oligozän (vor ca. 28 Ma) erfolgte nach Süden hin eine Verlängerung in Zusammenhang mit tektonischen Hebungsbewegungen der Alpen und des Vorlandes, belegt durch große Schwemmfächer aus den Alpen. Das Miozän dagegen war geprägt von flächenhafter Abtragung und vielerorts weitgehendem Reliefausgleich, aufgrund einer langen tektonischen Ruhephase. Im durch erneute Hebungen gekennzeichneten Oberpliozän gelang es dem Rhein, die Wasserscheide am Kaiserstuhl zu durchbrechen, die Aare anzuzapfen und nach Norden zu leiten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Thematik der Flusssysteme Mitteleuropas und deren historisch wechselhafte Entwicklung durch natürliche und anthropogene Faktoren.
2. Der Rhein: Darstellung der komplexen geologischen Geschichte des Rheins von der Entstehung im Oligozän bis hin zu den pleistozänen Veränderungen des Flussverlaufs.
3. Die Aare: Analyse der Ursprünge der Aare in den Berner Alpen und deren geologische Anbindung an das Aare-Rheinsystem nach einer Umlenkung im Pliozän.
4. Die Rhone: Überblick über den Ursprung und Verlauf der Rhone in der Schweiz sowie deren geologische Vergangenheit in der Westschweizer Molasse.
5. Anthropogene Einflüsse: Betrachtung der Auswirkungen menschlicher Eingriffe, wie Flussbegradigungen und landwirtschaftliche Nutzung, auf die Flussläufe in den letzten Jahrhunderten.
Schlüsselwörter
Rhein, Aare, Rhone, Tektonik, Klima, Sedimentation, Erosion, Pleistozän, anthropogene Einflüsse, Flussbegradigung, Molassebecken, Geomorphologie, Alpen, Reliefentwicklung, Hochwasserschutz
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit behandelt die langfristige geologische und morphologische Entwicklung der wichtigsten Schweizer Flusssysteme unter Berücksichtigung natürlicher und anthropogener Einflüsse.
Welche Flusssysteme stehen im Fokus?
Der Schwerpunkt liegt auf den drei großen Schweizer Flüssen Rhein, Aare und Rhone.
Welches wissenschaftliche Hauptziel wird verfolgt?
Das Ziel ist die Rekonstruktion und Dokumentation des Einflusses von Tektonik und Klima auf die Entwicklung und Veränderung der Flussläufe im Laufe der Erdgeschichte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Die Forschungsarbeit basiert auf einer Literaturanalyse geologischer und geomorphologischer Fachpublikationen, um die historische Entwicklung der Flusssysteme zu skizzieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Betrachtung der Einzelflüsse sowie eine Zusammenfassung über die Auswirkungen menschlicher Eingriffe auf diese Systeme in den letzten Jahrhunderten.
Durch welche Schlüsselbegriffe ist die Arbeit charakterisiert?
Zentrale Begriffe sind Tektonik, Rheingeschichte, pleistozäne Dynamik, anthropogene Eingriffe und Reliefausgleich.
Wie beeinflusste die Vereisung der Antarktis den Verlauf des Rheins?
Durch die Vereisung sanken die Meeresspiegel weltweit, was dem „Ur-Rhein“ die Möglichkeit gab, seinen Lauf durch ein tiefergelegtes Niveau weiter nach Norden zu verlängern.
Welche Rolle spielte die Anzapfung der Aare für den Rhein?
Die Anzapfung der Aare im Pliozän war ein entscheidender geologischer Prozess, der den unter Lauf des Rheins maßgeblich veränderte und die Entwässerung des Molassebeckens Richtung Norden forcierte.
Welche negativen Folgen hatten die Flussbegradigungen im 19. und 20. Jahrhundert?
Die Begradigungen führten zu einer erhöhten Fließgeschwindigkeit, verstärkter Tiefenerosion, der Absenkung des Grundwasserspiegels und verstärkten Überschwemmungsereignissen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2017, Entwicklung des Entwässerungssystems in der Schweiz. Interaktion von Klima und Tektonik, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1438317