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La Bruyère, die höfische Gesellschaft und die Neudefinition eines alten Ideals

Historische Untersuchung zur Moralistik im Zeitalter Ludwigs XIV.

Titel: La Bruyère, die höfische Gesellschaft und die Neudefinition eines alten Ideals

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2009 , 27 Seiten , Note: 1,7

Autor:in: Lars Rahn (Autor:in)

Philosophie - Philosophie des 17. und 18. Jahrhunderts
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Jean de La Bruyère gilt, wie La Rochefoucauld als einer der berühmtesten Vertreter der der französischen Moralistik des 17. Jahrhundert. Seine Maximen, Reflexionen und literarischen Porträts sind das Ergebnis genauer Beobachtungen seines Umfelds und beziehen sich dabei auf geistige, wie auch gesellschaftliche Gebiete des Lebens.
Die Kunstform, welche dieser Moralisten verwendete, ist dabei sehr vielseitig, Sie zeichnet sich durch knappe Äußerungen, durch Maximen aus, wie sie schon La Rochefoucauld verwendete und die nur das Notwendigste mitteilen. Der Leser soll animiert werden, sich mit diesen „Orakelsprüchen“ auseinander zusetzen und angehalten sein sich selbst bzw. seine Mitmenschen zu prüfen. Daneben finden sich die Porträts, welche die Gesellschaft überspitzt und auf ironische Art und Weise widerspiegeln. Die pädagogische Aufgabe der „Charaktere“ La Bruyère’s ist es, dabei dem Menschen eine Hilfestellung zu geben, um sich in der Welt, die mehr und mehr aus dem Schein am Hofe und seiner Kopie in der Stadt, besteht, zurechtzufinden.
Diese Erziehung ist jedoch nicht offensichtlich oder direkt, sondern sie wird dem Leser angeboten, ihm selbst überlassen. Jean de La Bruyère schreibt in der Einleitung seines Werkes die „Charactères“ an das Publikum: „[…] wenn es einige der hier dargestellten Mängel an sich erkennt, [kann es] sich danach verbessern. Das ist der einzige Zweck, den das ist der einzige Zweck, den man vor Augen haben soll, dies auch der Erfolg, auf den man sich aber weniger verlassen darf.“
Der Autor La Bruyère hat in seinem Buch, wie der Vater der Charaktere Theophrast, den Menschen in der Gesellschaft dargestellt und dies mit seinen besonderen, jedoch meist negativen Eigenschaften. Die Sitten am Hofe Ludwigs XIV. sind eben nicht das, worauf der Mensch nach Meinung des Autors hinarbeiten sollte, vielmehr soll er diese falschen Sitten erkennen können und sie selbst vermeiden. Zu diesem Zweck stellt La Bruyère elegante und satirische Weise die Verfehlungen seiner Zeit da. Anders als La Rochefoucauld konzentriert er sich nicht auf die Leidenschaft, welche er aber als Ausgangspunkt der Verfehlungen nimmt. Der Moralist fokussiert vielmehr die Formen, in welchen die Leidenschaften jener Zeit auftreten und versucht diese für alle Sichtbar zu machen. Das der Höfling von Versailles dafür das Beispiel ist, hat La Bruyère erkannt und bewusst genutzt.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Eine kurze Biographie zu Jean de La Bruyère und den Bedingungen seines Schaffens

3. Der Souverän oder dem Staate – La Bruyère, Revolutionär oder Kritiker der Monarchie?

4. Der Höfling, der habile homme und die Leidenschaften

5. Der Schein einer schönen Gesellschaft

6. La Bruyère, ein Anhänger des Volkes

7. Einfaches Volk und Tradition als einzige Vorrausetzungen für den guten Menschen

8. Schlussbetrachtung

9. Quellen- und Literaturverzeichnis

9.1. Quellenverzeichnis

9.2. Literaturverzeichnis

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk des französischen Moralisten Jean de La Bruyère im historischen Kontext des 17. Jahrhunderts unter Ludwig XIV. Das Hauptziel besteht darin, La Bruyères Analyse der höfischen Gesellschaft und die von ihm propagierte Neudefinition des Ideals des "honnête homme" zu beleuchten, wobei insbesondere die Spannung zwischen Schein und Sein sowie die Rolle des einfachen Volkes als moralisches Gegenmodell analysiert werden.

  • Kritik an der höfischen Günstlingswirtschaft und dem Absolutismus
  • Untersuchung der Leidenschaften wie Ehrsucht und Hochmut im sozialen Gefüge
  • Die Transformation des Ideals vom "Ehrbaren Mann" zum "habile homme"
  • Der Stellenwert des einfachen Volkes als unkorrumpierte Alternative zur städtischen und höfischen Moral

Auszug aus dem Buch

Der Höfling, der habile homme und die Leidenschaften

Das Problem der Günstlingswirtschaft, welches La Bruyère scharf kritisiert ist eng mit dem Absolutismus und der höfischen Politik verbunden. Dies ist eben ein Phänomen, welches in Staatsformen zu finden ist, in welchen alles von einer Person abhängt. Mit der Schmeichelei schafft es der Höfling in hohe Ämter zu gelangen und dies ohne dafür Qualifiziert zu sein. „Die Machtvollkommenheit und das Genie des Fürsten eben ihnen die Wege, ersparen ihnen Schwierigkeiten und lassen Alles über ihr Erwarten gedeihen.“ Im letzten Satz stellt La Bruyère jedoch klar, was diese Männer in hohen Positionen doch in Wahrheit sind. „Sie haben das Verdienst von Unterbeamten.“ Wie sind Sie aber dennoch in hohe Stellungen gelangt? La Bruyère beschreibt diese Gunstzuweisung sehr anschaulich und mit Witz. „[…] Sie sind davon überrascht und betäubt. Endlich kommen sie zur Besinnung und finden sich ihres Glücksternes würdig. Und als ob Geistesbeschränktheit und Glück zwei unverträgliche Dinge wären, oder als ob es unmöglich wäre, zugleich glücklich und dumm zu sein, trauen sie sich Verstand zu […]“ La Bruyère sieht im eigenen Verdienst und in gesellschaftlicher Nützlichkeit des Menschen und dessen Würdigung das Ziel, nicht aber die Würdigung des Scheins.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in La Bruyères Werk "Charactères" als pädagogisches Instrument zur Selbstprüfung und zur Entlarvung der Scheinwelt am Hofe Ludwigs XIV.

2. Eine kurze Biographie zu Jean de La Bruyère und den Bedingungen seines Schaffens: Darstellung der Lebensstationen La Bruyères und der Einflüsse durch seine bürgerliche Herkunft, seine juristische Ausbildung sowie seine Anstellung bei der Familie Condé.

3. Der Souverän oder dem Staate – La Bruyère, Revolutionär oder Kritiker der Monarchie?: Analyse der politischen Positionierung La Bruyères, der zwischen konservativem Traditionalismus und der Kritik an den Missständen des absolutistischen Systems vermittelt.

4. Der Höfling, der habile homme und die Leidenschaften: Erörterung der Günstlingswirtschaft am Hof, der Verdrängung des "Ehrbaren Mannes" durch den taktischen "habile homme" und der Macht der Leidenschaften.

5. Der Schein einer schönen Gesellschaft: Untersuchung der gesellschaftlichen Selbstdarstellung, der Instrumentalisierung von Konversation und der Entlarvung des Hochmuts in den höheren Kreisen.

6. La Bruyère, ein Anhänger des Volkes: Aufzeigen des positiven Gegenbildes zum korrumpierten Adel durch das einfache, naturnahe Landvolk, welches nicht von Schein und Intrige durchdrungen ist.

7. Einfaches Volk und Tradition als einzige Vorrausetzungen für den guten Menschen: Vertiefung des traditionellen Ideals als notwendigen Anker gegen die Unmoral und Oberflächlichkeit der Epoche.

8. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zur Einordnung La Bruyères als Moralist, der das Individuum zur Selbstreflexion anregt und den Schein der Gesellschaft kritisch dekonstruiert.

9. Quellen- und Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur zur historischen Untersuchung.

Schlüsselwörter

La Bruyère, Moralistik, Absolutismus, Hofgesellschaft, honnête homme, habile homme, Ehrsucht, Gesellschaftskritik, Schein, Sein, Tradition, Ludwig XIV, Charakterporträts, Aufklärung, Menschenbild

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der vorliegenden Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit befasst sich mit der historischen Untersuchung der französischen Moralistik des 17. Jahrhunderts am Beispiel von Jean de La Bruyère und dessen Werk "Charactères".

Welche zentralen Themenfelder werden in der Untersuchung behandelt?

Zentrale Themen sind die Kritik am höfischen Absolutismus, die Analyse der sozialen Schichten (Adel vs. Volk) sowie der Wandel moralischer Ideale unter dem Druck gesellschaftlicher Konventionen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist die Erforschung von La Bruyères Blick auf die höfische Gesellschaft und seine Argumentation für ein tugendhaftes, traditionsbewusstes Leben als Gegenmodell zu absolutistischen Missständen.

Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?

Es handelt sich um eine literatur- und ideengeschichtliche Untersuchung, die philosophische Texte La Bruyères mit zeitgenössischen Quellen und aktueller Forschungsliteratur vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil analysiert die Lebensbedingungen des Autors, das Phänomen des "honnête homme", die Kritik an Günstlingswirtschaft und Ehrsucht sowie die Rolle des Volkes als moralisches Korrektiv.

Durch welche Schlüsselwörter wird die Arbeit charakterisiert?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Moralistik, Absolutismus, Schein und Sein, soziale Diskrepanzen, Tradition sowie die literarische Charakterzeichnung definieren.

Wie bewertet der Autor die Rolle des Königs Ludwig XIV. im Werk von La Bruyère?

Der Autor argumentiert, dass La Bruyères Lobreden auf den König eher als notwendige Schutzmaßnahme für die Veröffentlichung seines Werkes zu interpretieren sind, während er den Regierungsstil des Absolutismus dennoch kritisiert.

Warum sieht La Bruyère im Landvolk ein moralisches Vorbild?

Für La Bruyère ist das Volk die einzige Gruppe, die noch von der Natur geprägt und durch das Streben nach unverdienter Gunst oder Schein, wie es am Hof herrscht, bisher unberührt geblieben ist.

Was unterscheidet den "habile homme" vom ursprünglichen Ideal des "Ehrbaren Mannes"?

Während der "Ehrbare Mann" für La Bruyère moralische Integrität und eigenes Können verkörpert, ist der "habile homme" ein opportunistischer Taktiker, der sein Handeln rein an egoistischen Zielen und am Machterhalt ausrichtet.

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten  - nach oben

Details

Titel
La Bruyère, die höfische Gesellschaft und die Neudefinition eines alten Ideals
Untertitel
Historische Untersuchung zur Moralistik im Zeitalter Ludwigs XIV.
Hochschule
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald  (Institut für Philosophie)
Veranstaltung
Grundzüge europäischer Moralistik
Note
1,7
Autor
Lars Rahn (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
27
Katalognummer
V143865
ISBN (eBook)
9783640531691
ISBN (Buch)
9783640532049
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bruyère Gesellschaft Neudefinition Ideals Historische Untersuchung Moralistik Zeitalter Ludwigs
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Lars Rahn (Autor:in), 2009, La Bruyère, die höfische Gesellschaft und die Neudefinition eines alten Ideals, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143865
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Leseprobe aus  27  Seiten
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