Diese Hausarbeit beschäftigt sich mit den beiden Werken "Madame Bovary" und "Effi Briest" und vergleicht die beiden Hauptfiguren Emma und Effi miteinander. Einleitend wird auf die beiden Autoren der Romane eingegangen. Erstens soll ihr eigenes Verhältnis zu den von ihnen geschaffenen weiblichen Hauptfiguren dargelegt werden. Zweitens sollen, zum besseren Verständnis der Wirkungsgeschichte der Werke, Reaktionen der Öffentlichkeit auf die beiden Romane angeführt werden.
Daran anschließend werden sämtliche Stationen des Lebens von Emma Bovary und Effi Briest miteinander verglichen. Herausgearbeitet werden dabei sowohl die Unterschiede als auch die Gemeinsamkeiten, bezogen auf den Charakter beider Frauen, auf die gesellschaftliche Umgebung, in der sie leben, und auf ihr Verhältnis zur Realität.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Autoren
2.1 Flaubert über sein Schreiben
2.2 Flaubert über die Madame Bovary
2.3 Die Kritik an der Madame Bovary
2.4 Fontane und seine Frauengestalten
2.5 Der Ursprung der Romanfigur Effi Briest
2.6 Fontane über die Person Effi Briest
3. Die Kindheit Emmas und Effis
3.1 Emmas Kindheit
3.2 Effi – Das Naturkind
4. Die Ehemänner
4.1 Emma und Charles
4.2 Effi und Instetten
5. Die Ehe
5.1 Emma und die Ehe
5.2 Effi und die Ehe
6. Die Liebhaber
6.1 Emma und Leon
6.2 Emma und Rodolphe
6.3 Effi und Crampas
7. Der Ehebruch
7.1 Emma und der Ehebruch
7.2 Effi und der Ehebruch
8. „Schade, dass es ein Mädchen ist. Aber das andere kann ja nachkommen“ – Die gesellschaftliche Rolle der Frau
8.1 Einleitung
8.2 Emma und ihre Frauenrolle
8.3 Effi und ihre Frauenrolle
9. Der Tod Emmas und Effis
9.1 Emmas Tod
9.2 Effis Tod
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht die Protagonistinnen der Romane "Effi Briest" von Theodor Fontane und "Madame Bovary" von Gustave Flaubert, um ihre gesellschaftliche Stellung und ihre individuellen Lebenswege gegenüberzustellen. Dabei wird analysiert, wie diese Frauen mit gesellschaftlichen Erwartungen und ihren eigenen Lebensentwürfen im Kontext von Ehe und Ehebruch umgehen.
- Biografische und ästhetische Einordnung der Autoren Flaubert und Fontane.
- Analyse der kindlichen Prägung und der Sozialisation beider Romanfiguren.
- Untersuchung der ehrlichen versus idealisierten Erwartungen an das Eheleben.
- Vergleich der Motive und Folgen des Ehebruchs im Spannungsfeld zwischen persönlichem Verlangen und gesellschaftlicher Moral.
- Reflektion über die gesellschaftliche Frauenrolle im 19. Jahrhundert und die Einzelschicksale der Protagonistinnen.
Auszug aus dem Buch
2.4 Fontane und seine Frauengestalten
Fontane legt Wert auf Natürlichkeit und Ehrlichkeit bei seinen weiblichen Hauptfiguren. Ihm sind ihre Schwächen wichtiger als ihre Tugenden. Er drückt dies so aus:
„ich lege nur darauf Gewicht, fühle mich nur dadurch angezogen und dies wohl der Grund, warum meine Frauengestalten alle einen Knacks weghaben. Grade dadurch sind sie mir lieb, ich verliebe mich in sie, nicht um ihrer Tugenden, sondern um ihrer Menschlichkeiten, d.h. um ihrer Schwächen und Sünden willen. Sehr viel gilt mir auch die Ehrlichkeit, der man bei den Magdalenen mehr begegnet als bei den Genoveven“ 11.
Fontane spielt an dieser Stelle auf die Sagengestalt Genoveva von Brabant, die verleumdet und wegen Ehebruchs zum Tode verurteilt wurde, dann jedoch in der Wildnis ausgesetzt wurde, wo sie sechs Jahre lang lebte, bis ihr reuevoller Gemahl sie wieder heimholte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung des Vergleichs zwischen Effi Briest und Emma Bovary sowie Zielsetzung der Arbeit.
2. Die Autoren: Untersuchung der Schreibweise, der Kunstauffassung und der Zielsetzungen von Gustave Flaubert und Theodor Fontane.
3. Die Kindheit Emmas und Effis: Analyse des familiären Hintergrunds und der Erziehung, die die Protagonistinnen geprägt hat.
4. Die Ehemänner: Gegenüberstellung der Beziehung von Emma zu Charles und Effi zu Instetten sowie deren gegenseitige Erwartungen.
5. Die Ehe: Analyse der ehelichen Realität und der Diskrepanz zwischen Wunschbild und ernüchterndem Alltag.
6. Die Liebhaber: Betrachtung der außerehelichen Beziehungen als Ventil für aufgestaute Sehnsüchte.
7. Der Ehebruch: Untersuchung der Motive für den Ehebruch und die unterschiedliche Verarbeitung von Schuld und moralischer Verpflichtung.
8. „Schade, dass es ein Mädchen ist. Aber das andere kann ja nachkommen“ – Die gesellschaftliche Rolle der Frau: Reflexion über die restriktiven gesellschaftlichen Rahmenbedingungen für Frauen im 19. Jahrhundert.
9. Der Tod Emmas und Effis: Analyse des jeweiligen Endes der Protagonistinnen und ihre unterschiedliche Selbsteinschätzung gegenüber der Gesellschaft.
Schlüsselwörter
Theodor Fontane, Gustave Flaubert, Effi Briest, Madame Bovary, Literaturvergleich, Frauenrolle, 19. Jahrhundert, Ehebruch, Identität, Gesellschaftsnormen, Lebensgestaltung, Romananalyse, literarische Figuren, Moral, soziale Schichten.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die Lebenswege und Schicksale der Romanfiguren Effi Briest und Emma Bovary vor dem Hintergrund ihrer jeweiligen gesellschaftlichen Umstände.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die elterliche Sozialisation, moralische Konventionen, die Rolle des Ehebruchs als Ausdruck von Ausbruchsversuchen und die reflektierte Frauenrolle im 19. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen den Werken herauszuarbeiten, um ein besseres Verständnis für die Erwartungen an Frauenfiguren in der Literatur jener Zeit zu gewinnen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Analyse primär angewendet?
Es handelt sich um einen literaturwissenschaftlichen Vergleich, der durch die Analyse von Primärtextstellen und die Einbeziehung ergänzender literaturkritischer Literatur gestützt wird.
Welche Aspekte stehen im Hauptteil der Arbeit im Fokus?
Der Hauptteil behandelt chronologisch die Kindheit, die Ehen, die Affären, den Ehebruch und letztlich den Tod der Protagonistinnen, stets in direkter Gegenüberstellung.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am treffendsten?
Begriffe wie Literaturvergleich, Gesellschaftsnormen, Identitätskonflikte, literarische Analyse, Romantik und Realismus beschreiben den Kern der Arbeit.
Warum spielt die Kindheit der beiden Protagonistinnen eine solche Rolle für den späteren Handlungsverlauf?
Die Kindheit legt den Grundstein für die späteren Erwartungshaltungen an das Leben; während Effi als unbeschwertes Naturkind erzogen wurde, ist Emmas Leben stärker durch romantische Phantasien und Literatur geprägt.
Welchen Stellenwert nimmt der Ehebruch in den beiden Romanen ein?
Der Ehebruch fungiert für beide Frauen als Versuch, aus einer für sie unbefriedigenden oder beengenden Ehe auszubrechen, wobei sie jedoch unterschiedlich mit den gesellschaftlichen Konsequenzen und ihrem Gewissen umgehen.
- Arbeit zitieren
- Maja Tinthoff (Autor:in), 2001, Madame Bovary und Effi Briest. Ein Vergleich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1438674