Normen bilden die Leitideen für die Rechtsprechung und die Struktur des politischen Zusammenlebens. Die Legitimität und der Geltungsanspruch dieser Pfeiler der politischen Gemeinschaft ist Untersuchungsgegenstand der vorliegenden Arbeit. Die Schwierigkeit einer angemessenen Rechtfertigung von handlungsanleitenden verallgemeinerten Werturteilen ist bedingt durch die Tatsache, dass es in der Welt eine Fülle von divergierenden Beurteilungsmaßstäben für moralische Handlungen gibt. Der Pluralität und Diversität von Normen in den Gemeinschaften der Welt muss Tribut gezollt werden. Es ist ein philosophischer Gemeinplatz, dass es keine absoluten Normen geben kann. Der Rekurs auf objektiv gute und richtige Normen ist bei der Formulierung einer Theorie nicht zulässig. Diese Position bezeichne ich als ethischen Relativismus. Hinzu kommt die Standardauffassung in der Philosophie, dass es keine objektive Verwendung von moralischen Werturteilen gibt, die präskriptiv sind. Der ontologische Status der Wörter „gut“ und „schlecht“ ist fraglich. Um nicht eine de gustibus non est disputandum Mentalität in der Ethik einreißen zu lassen muss man Alternativlösungen zur Begründung normativer Werturteile heranziehen. Zwei Theoriekonzeptionen, die den Anspruch auf universale Normen erheben ohne jedoch fundamentale Annahmen zu machen, sind Gegenstand dieser Arbeit. Deren Legitimierungsversuche werden auf ihre argumentative Koheränz und Relevanz hin untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1.EINLEITUNG
2. ETHISCHER RELATIVISMUS UND ETHISCHER SUBJEKTIVISMUS
3. DIE SINGER’SCHE KONZEPTION
3.1 SINGERS UTILITARISTISCHE ARGUMENTATION
3.2 INHALTLICHE DISKUSSION DER SINGER’SCHEN SPENDENPFLICHT
4. MARTHA NUSSBAUMS ESSENTIALISTISCHE KONZEPTION
4.1 DIE NEOARISTOTELISCHE METHODE DES ESSENTIALISMUS
4.2 INHALTLICHE DISKUSSION DER THEORIE:
5. ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht, wie ethischer Subjektivismus und Relativismus innerhalb normativer Theorien in den Internationalen Beziehungen begegnet werden kann. Ziel ist es, anhand der Konzeptionen von Peter Singer und Martha Nussbaum aufzuzeigen, wie nicht-relativistische normative Ansätze entwickelt werden können, die dennoch das konkrete ethische Subjekt in den Mittelpunkt stellen.
- Grundlagen des ethischen Relativismus und Subjektivismus
- Die utilitaristische Ethikkonzeption nach Peter Singer
- Kritische Analyse der Singerschen Spendenpflicht
- Die essentialistische, neoaristotelische Theorie von Martha Nussbaum
- Vergleich der Aggregationsprinzipien beider Ansätze
Auszug aus dem Buch
3. Die Singer’sche Konzeption
Singer stellt eine normative Theorie auf, deren Aussagen universelle Gültigkeit zukommen soll. Es handelt sich um eine teleologische Theorie, in der den Handlungskonsequenzen eine besondere Rolle zugewiesen wird. Die Normativität seiner Forderungen rechtfertigt er mittels des utilitaristischen Kalküls. Die Motivation seiner praktischen Ethikkonzeption ist es, auf der Individuenebene für die Umstrukturierung der Wertebasis in den Wohlstandsgesellschaften zu argumentieren. Seiner Ansicht nach muss das moralische konzeptuelle Schema von Wohlstandsländern verändert werden. Singers erklärtes Ziel ist es, die Hilfeleistung für Armutsländer zu erhöhen. Dazu postuliert eine universalistische Spendenpflicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1.EINLEITUNG: Einführung in die Problematik der Rechtfertigung moralischer Werturteile im Kontext ethischen Relativismus und Vorstellung der Forschungsarbeit.
2. ETHISCHER RELATIVISMUS UND ETHISCHER SUBJEKTIVISMUS: Terminologische Präzisierung der Begriffe und Untersuchung der Anziehungskraft subjektivistischer Positionen.
3. DIE SINGER’SCHE KONZEPTION: Darstellung der teleologischen und utilitaristischen Ethik von Peter Singer mit Fokus auf die Spendenpflicht.
3.1 SINGERS UTILITARISTISCHE ARGUMENTATION: Herleitung der utilitaristischen Argumentationsfigur und Begründung der normativen Verpflichtung.
3.2 INHALTLICHE DISKUSSION DER SINGER’SCHEN SPENDENPFLICHT: Analyse der institutionellen Ebene, der Adressaten sowie möglicher ökonomischer Argumentationen für die Spendenpflicht.
4. MARTHA NUSSBAUMS ESSENTIALISTISCHE KONZEPTION: Vorstellung des Ansatzes basierend auf der Annahme eines archetypischen Konsenses über die Eigenschaften des Menschseins.
4.1 DIE NEOARISTOTELISCHE METHODE DES ESSENTIALISMUS: Erläuterung der empirischen Methode zur Bestimmung grundlegender Fähigkeiten menschlichen Lebens.
4.2 INHALTLICHE DISKUSSION DER THEORIE: Untersuchung der zwei-stufigen Konzeption menschlicher Fähigkeiten und Funktionen zur Definition eines guten Lebens.
5. ZUSAMMENFASSUNG: Zusammenführender Vergleich der beiden Ansätze hinsichtlich ihrer Tauglichkeit gegen den Relativismus.
Schlüsselwörter
Normative Theorien, Internationale Beziehungen, Ethischer Relativismus, Ethischer Subjektivismus, Peter Singer, Martha Nussbaum, Utilitarismus, Spendenpflicht, Essentialismus, Menschenrechte, Politische Philosophie, Moralische Werturteile, Handlungskonsequenzen, Lebensstandard, Gerechtigkeitsprinzip
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie man innerhalb der Internationalen Beziehungen normativen Theorien begegnen kann, die mit dem ethischen Subjektivismus oder Relativismus konfrontiert sind.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Mittelpunkt stehen die moralphilosophische Begründung von Handlungen, die Differenz zwischen Relativismus und Objektivität sowie die praktische Anwendung von Ethik auf globale Armutsfragen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist aufzuzeigen, wie durch die Theorien von Peter Singer und Martha Nussbaum universelle, nicht-relativistische Normen etabliert werden können, ohne die Bedeutung des konkreten Individuums zu vernachlässigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative Analyse zweier Theoriekonzeptionen, wobei die logische Konsistenz und politische Relevanz der Ansätze von Singer und Nussbaum geprüft werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung von Singers Utilitarismus und Nussbaums neoaristotelischem Essentialismus sowie deren spezifische Anwendung auf moralische und politische Anforderungen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den zentralen Begriffen gehören Utilitarismus, Essentialismus, normative Theorie, globale Gerechtigkeit und das "gute Leben" nach Nussbaum.
Inwiefern unterscheidet sich Singers Ansatz von klassischen utilitaristischen Modellen?
Singer verwendet eine "Minimalkonzeption" des Utilitarismus und ergänzt sein Prinzip um eine prima facie Klausel, um eine absolute Pflicht zur Selbstaufopferung zu vermeiden.
Was versteht Martha Nussbaum unter ihrer "dichten vagen Theorie des Guten"?
Es handelt sich um eine Liste basaler menschlicher Fähigkeiten und Funktionsfähigkeiten, die als normativer Rahmen für politisches Handeln dienen soll, ohne dabei metaphysisch dogmatisch zu sein.
- Quote paper
- Barbara Kowatsch (Author), 2006, Wie kann dem ethischen Subjektivismus und dem Relativismus innerhalb der normativen Theorien in den Internationalen Beziehungen begegnet werden? , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143872