In dieser Studie wird die Frage verfolgt, ob es Unterschiede zwischen der visuellen Wahrnehmung von JägerInnen und der von NichtjägerInnen gibt. Konkret gefragt: „Gibt es den Jägerblick?“
Da die höhere kognitive visuelle Wahrnehmung nur schwer nachverfolgt werden kann, wird sich in dieser Studie auf die Objekterkennung und die Betrachtung von komplexen Landschaftsbildern beschränkt. Ausschlaggebend für den Nachweis eines „Jägerblickes“ werden die Bewegungen der Augen und das Erkennen von verschiedenen Bildelementen (Tieren) sein.
Die vorliegende Arbeit ist in zwei Teilen aufgebaut. Im Theorieteil werden zunächst physiologische und psychologische Grundlagen beschrieben, die relevant für die Interpretation der Studienergebnisse sind. Im zweiten, methodischen Teil dieser Arbeit wird die Eyetracking-Studie zur visuellen Wahrnehmung von Landschaftsbildern beschrieben. Abgeschlossen wird die Arbeit durch ein zusammenfassendes Fazit und der Reflexion der Studie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
THEORIETEIL: EINFÜHRUNG IN DIE VISUELLE WAHRNEHMUNG
2. Physiologische Grundlagen des Sehens
2.1 Der Aufbau des Auges
2.2 Die Phototransduktion in den Photorezeptoren
2.3 Die neuronale Verarbeitung in der Retina
2.4 Die retinofugale Projektion zum Corpus geniculatum laterale
2.5 Der primäre visuelle Cortex
2.6 Die extrastriären Bereiche des visuellen Cortex
3. Psychologische Grundlagen der visuellen Wahrnehmung
3.1 Theorien der Objektwahrnehmung
3.2 Theorien der Szenenwahrnehmung
4. Aufmerksamkeit und Augenbewegungen
4.1 Selektive visuelle Aufmerksamkeit
4.2 Visuelle Suche und Bindung durch Aufmerksamkeit
4.3 Die Steuerung der Augenbewegungen
METHODENTEIL: DIE EYETRACKING-STUDIE
5. Fragestellung und Hypothesen
6. Material und Methode
6.1 Der Fragebogen
6.2 Die Eyetracking-Methode
6.3 Konzeption der Eyetracking-Studie
6.4 Die Testbilder
7. Durchführung
7.1 Stichprobenanalyse
7.2 Ablauf der Studie
7.3 Datenauswertung
8. Ergebnisse
8.1 Zusammenhänge zwischen den Aspekten der Naturbeziehung
8.2 Ergebnisse der Augenbewegungen von Jägern und Nichtjägern
9. Diskussion
9.1 Zusammenhänge zwischen den Aspekten der Naturbeziehung
9.2 Ergebnisse der Augenbewegungen von Jägern und Nichtjägern
10. Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht mittels einer Eyetracking-Studie, ob sich eine ausgeprägte Naturverbundenheit – konkret bei JägerInnen im Vergleich zu NichtjägerInnen – in spezifischen Mustern der visuellen Wahrnehmung von Landschaftsbildern widerspiegelt, um zu prüfen, ob ein „Jägerblick“ existiert.
- Physiologische und neuronale Grundlagen des menschlichen Sehsinns
- Psychologische Theorien zur Objekt- und Szenenwahrnehmung
- Zusammenhang zwischen Aufmerksamkeitssteuerung und Augenbewegungen
- Methodik der Eyetracking-Datenerhebung und -auswertung
- Komparative Analyse des Blickverhaltens bei verschiedenen Naturlandschaften
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Der Sehsinn ist das bedeutendste Sinnessystem des Menschen. Die Augen bewegen sich ununterbrochen durch das visuelle Feld und sammeln Informationen über die Umwelt. Zu Personen, die besonders gut sehen können, sagt man „Adlerauge“ oder „Du hast Augen wie ein Luchs“. Diese beiden Raubtiere sind auf ihr ausgesprochen gutes Sinnessystem angewiesen, weil sie diese Fähigkeit bei der Jagd nach Beutetieren unterstützt und so ihr Überleben sichert. Was in der heutigen Gesellschaft kaum noch auffällt, auch beim Menschen handelt es sich um ein Raubtier, das sehr stark von seiner Sehleistung abhängig ist. Die Lebensweise der Jäger und Sammler gehört zwar in weiten Teilen der Welt der Vergangenheit an, doch wird die Jagd von vielen Menschen weiterhin ausgeführt, ohne für die Lebensgrundlage zwingend notwendig zu sein. Motivation hierfür ist häufig das Erleben einer sehr engen Beziehung zur Natur, das Ablehnen von aus Massentierhaltung stammendem Fleisch oder der Einsatz für den Artenschutz.
Basierend auf diesen Überlegungen, wird in dieser Studie die Frage verfolgt, ob es Unterschiede zwischen der visuellen Wahrnehmung von JägerInnen und der von NichtjägerInnen gibt. Konkret gefragt: „Gibt es den Jägerblick?“
Da die höhere kognitive visuelle Wahrnehmung nur schwer nachverfolgt werden kann, wird sich in dieser Studie auf die Objekterkennung und die Betrachtung von komplexen Landschaftsbildern beschränkt. Ausschlaggebend für den Nachweis eines „Jägerblickes“ werden die Bewegungen der Augen und das Erkennen von verschiedenen Bildelementen (Tieren) sein.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die Bedeutung des Sehens für Raubtiere und leitet zur Fragestellung über, ob Jäger eine spezifische, naturbezogene visuelle Wahrnehmung besitzen.
2. Physiologische Grundlagen des Sehens: Erläutert den Aufbau des Auges sowie die neuronalen Prozesse von der Phototransduktion in der Retina bis zur Verarbeitung im primären visuellen Cortex.
3. Psychologische Grundlagen der visuellen Wahrnehmung: Zusammenfassung psychologischer Theorien zur Objekt- und Szenenwahrnehmung, einschließlich Gestaltprinzipien und mentaler Modellbildungen.
4. Aufmerksamkeit und Augenbewegungen: Analysiert den Filter-Charakter der Aufmerksamkeit, Bindungsprozesse und die physiologische Steuerung von Fixationen und Sakkaden.
5. Fragestellung und Hypothesen: Formuliert die zentrale Frage nach dem „Jägerblick“ und die zu prüfenden Hypothesen hinsichtlich Naturbeziehung und Blickverhalten.
6. Material und Methode: Detaillierte Darstellung des studiendesigns, des Fragebogens, der Eyetracking-Technik sowie der Konzeption des Bildmaterials.
7. Durchführung: Beschreibt die Stichprobenerhebung, den operativen Ablauf der Befragung und die statistischen Testverfahren zur Datenauswertung.
8. Ergebnisse: Präsentation der erhobenen Daten zu Naturbeziehung, der emotionalen Konnotation von Bildern und den spezifischen Augenbewegungsdaten der Testgruppen.
9. Diskussion: Kritische Reflexion der Ergebnisse im Kontext der psychologischen Theorien und methodischen Einschränkungen der Eyetracking-Studie.
10. Fazit und Ausblick: Zusammenfassende Bewertung der Hypothesen und Empfehlungen für weiterführende Untersuchungen zur visuellen Wahrnehmung in natürlichen Szenen.
Schlüsselwörter
Eyetracking, Visuelle Wahrnehmung, Jägerblick, Aufmerksamkeit, Fixation, Sakkade, Naturverbundenheit, Landschaftswahrnehmung, Objekterkennung, Szenenwahrnehmung, Area of Interest, HeatMap, Scanpath, Testbilder, Sehleistung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Hausarbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht im Rahmen einer Eyetracking-Studie, ob JägerInnen aufgrund ihrer intensiven Auseinandersetzung mit der Natur ein anderes Blickverhalten bei der Betrachtung von Landschaftsbildern zeigen als NichtjägerInnen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Arbeit kombiniert physiologische und psychologische Grundlagen der visuellen Wahrnehmung mit einem methodischen Fokus auf moderne Eye-Tracking-Verfahren zur Untersuchung von Fixationsmustern in Naturlandschaften.
Welches primäre Ziel und welche Forschungsfrage werden verfolgt?
Das Ziel ist der wissenschaftliche Nachweis des umgangssprachlich als „Jägerblick“ bezeichneten systematischen Scannens einer Szenerie; die Leitfrage lautet, ob sich JägerInnen und NichtjägerInnen signifikant in ihrer Betrachtungsweise komplexer Landschaftsbilder unterscheiden.
Welche wissenschaftliche Methode wird zur Erhebung verwendet?
Es wird eine proprietäre Eyetracking-Studie (Tobii-Systeme) durchgeführt, ergänzt durch einen Fragebogen zur Messung der subjektiven Naturverbundenheit und der Einstellung zu Tier- und Artenschutz.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen umfassenden Theorieteil zur neuronalen und psychologischen Verarbeitung visueller Reize sowie einen methodischen Teil, der das studiendesign, die Charakterisierung der Stichprobe und die statistische Auswertung der Blickdaten beschreibt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Eyetracking, Aufmerksamkeit, Jägerblick, Fixationsmuster, Naturverbundenheit, Objekterkennung, HeatMaps, Sakkaden und Area of Interest.
Warum spielt die Fovea eine entscheidende Rolle für die Studie?
Da der Bereich des schärfsten Sehens (Fovea) sehr klein ist, müssen Augen und Kopf fortwährend bewegt werden, um Informationen zu sammeln; die Analyse, wohin diese Fovea-Fixationen fallen, erlaubt Rückschlüsse auf die Aufmerksamkeit der Probanden.
Was zeigt der Vergleich der „Scanpaths“ zwischen Jägern und Nichtjägern?
Die Studie prüft, ob JägerInnen Waldränder systematischer absuchen; die Ergebnisse zeigen bei der Betrachtungs- und Suchaufgabe teils widersprüchliche oder nicht signifikante Unterschiede, was zu einer kritischen Diskussion der methodischen Ansätze führt.
Welchen Einfluss hatte die Instruktion auf das Blickverhalten?
Es konnte festgestellt werden, dass Aufgabenstellungen (einfache Betrachtung versus gezielte Tiersuche) einen deutlichen Einfluss auf das Blickverhalten haben, was die Bedeutung der Top-down-Steuerung bei der Bildverarbeitung unterstreicht.
- Arbeit zitieren
- Teresa Wolf (Autor:in), 2019, Der "Jägerblick". Eine vergleichende Eyetracking-Studie zur Objekterkennung in komplexen Landschaften, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1438759