Im Kontext der Entstehung und besonders des Einsatzspektrums der Gruppe Wagner, wird das Ziel dieser Arbeit die Frage sein, ob die Gruppe Wagner entweder ein Asset der neuen russischen Außenpolitik seit 2021 ist oder als eigenständiges privates Militärunternehmen in Kontext ihrer Aktivitäten in der Ukraine und anderen Staaten angesehen werden kann. Um dieser Fragestellung nachzugehen, erfolgt zunächst im zweiten Kapiteln dieser Arbeit die Erörterung der neuen russischen Außenpolitik und den daraus abgeleitete Sicherheits- und Militärstrategie seit 2021. Daran knüpft sich im dritten Kapitel eine Evaluation des Begriffs „Private Military Company“ und ihre rechtliche Abgrenzung zum Söldnerwesen im internationalen als auch im russischen Recht an. Das vierte Kapiteln betrachtet die Aktivitäten und Hintergründe der Gruppe Wagner in Afrika und der Ukraine, um so die Grundlage für eine Einordnung der Gruppe Wagner als privates Militärunternehmen oder militärisches Asset Russland zu bilden. In der Schlussbetrachtung erfolgt der Versuch einer Einordnung und Beschreibung der Funktion der Gruppe Wagner im Kontext ihrer Einsätze und der russischen Außenpolitik.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1. Russlands neue Außenpolitik und außenpolitische Ambitionen
1.2. Veränderte Sicherheitsstrategie 2021
1.3. Besonderheiten der russischen Militärdoktrin
2. Rahmenbedingungen zu „Private Military Companies“
2.1. Definition Söldnerwesen und PMCs
2.2. Es muss also gemäß der geltenden internationalen Rechtslage, trotz offensichtlicher Parallelen, zwischen Söldnern und Angehörigen von PMCs unterschieden werden. Völkerrechtliche Rahmenbedingungen zu Söldnern
2.3. Rechtliche Rahmenbedingungen von PMC in Russland
3. Einordnung der „Gruppe Wagner“
3.1. Einordnung der Gruppe Wagner als PMC
3.2. Aktivitäten der Gruppe Wagner in Afrika – Operationen und Finanzierung
3.3. Die Gruppe Wagner als Teil des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine – ein Asset Moskaus?
3.4. Diskussion der Gruppe Wagner als eigenständige PMC oder staatseigenes Asset Russlands und seiner neuen Außenpolitik
4. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der sogenannten „Gruppe Wagner“ im Kontext der russischen Außen- und Sicherheitspolitik seit 2021, mit besonderem Fokus auf deren Aktivitäten im Ukraine-Konflikt sowie in verschiedenen afrikanischen Staaten, um zu klären, ob es sich dabei um ein eigenständiges privates Militärunternehmen oder ein staatlich gesteuertes Instrument russischer Machtprojektion handelt.
- Analyse der russischen Außen- und Sicherheitspolitik sowie deren Militärdoktrin.
- Rechtliche Differenzierung zwischen privaten Militärunternehmen (PMCs) und Söldnerwesen.
- Evaluation der strukturellen Organisation und Finanzierung der Gruppe Wagner.
- Untersuchung der operativen Einsätze in Libyen, Mali und der Ukraine.
- Diskussion über den Status der Gruppe Wagner als staatliches Instrument („Asset“) gegenüber ihrem Charakter als eigenständige PMC.
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Mit dem Beginn der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim durch paramilitärische Verbände im Jahr 2014 läutete die Russische Föderation eine neue Ära ihrer außen- und sicherheitspolitischen Ambitionen ein. Im Kern dieses politischen Wandels steht das veränderte Weltbild Russlands unter der autokratischen Führung der Regierung Wladimir Putins. Hierbei ist die Annexion der Krim, Fake-News Kampagnen, Geheimdienstoperationen gegen Regierungskritiker und besonders der Angriffskrieg gegen die Ukraine ein Ausdruck dieser veränderte Weltsicht und Selbstwahrnehmung (Bildung, 2022, S. 48-55). Diese Weltsicht beruht auf vermeintlich national-kulturellen russischen Werten, welche auch als „Russische Welt“ oder in Russisch als „russkij mir“ (RM) (Nagel, 2022) bezeichnet wird. Diese Selbstwahrnehmung kann als einer der Auslöser für die veränderten außen- und sicherheitspolitischen Ambitionen rezipiert werden. Integraler Bestandteil in der Verbreitung dieser neuen Weltsicht spielen für Russland die Aktivitäten und die Fähigkeiten seiner militärischen Assets, wie sie bereits 2014 auf der Krim mit den sogenannten „little green men“ (Bílková 2015), zum Einsatz kamen.
Solche Arten asymmetrischer Kriegsführung finden aktuell auch während des Angriffskriegs der russischen Streitkräfte auf die Ukraine durch private Militärunternehmen ihre Anwendung, wobei sich besonders die Gruppe Wagner durch ihre Grausamkeit und ihre zahlreichen Kriegsverbrechen einem Namen in der Weltöffentlichkeit gemacht hat. Die Einsätze der Gruppe Wagner reichen von der Ukraine bis in mehrere afrikanischen Staaten sowie von aktiver Beteiligung an einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg über militärische Ausbildungmissionen bis hin zum Schutz afrikanischer Staatspräsidenten (Die Wagner-Gruppe - Russlands geheime Söldner (2/2) - Die ganze Doku | ARTE, ohne Datum). Im Kontext der Entstehung und besonders des Einsatzspektrums der Gruppe Wagner, wird das Ziel dieser Arbeit die Frage sein, ob die Gruppe Wagner entweder ein Asset der neuen russischen Außenpolitik seit 2021 ist oder als eingeständiges privates Militärunternehmen in Kontext ihrer Aktivitäten in der Ukraine und anderen Staaten angesehen werden kann.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung skizziert den wandelnden außenpolitischen Kurs Russlands seit der Krim-Annexion 2014 und führt die Forschungsfrage ein, ob die Gruppe Wagner als staatliches Asset oder autarkes Militärunternehmen agiert.
2. Rahmenbedingungen zu „Private Military Companies“: Das Kapitel differenziert auf Basis des Völkerrechts und russischer Gesetzgebung zwischen klassischem Söldnerwesen und modernen privaten Militärunternehmen.
3. Einordnung der „Gruppe Wagner“: Es folgt eine Evaluierung der Entstehungsgeschichte, Finanzierung und operativen Tätigkeit der Gruppe Wagner in Afrika und der Ukraine, um ihre Einbettung in die russische Strategie zu analysieren.
4. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und resümiert, dass die Gruppe Wagner ein wesentliches, wenn auch abstrahierbares Werkzeug im Kontext der hybriden Kriegsführung und der russischen Außenpolitik darstellt.
Schlüsselwörter
Gruppe Wagner, Private Military Companies, PMCs, russische Außenpolitik, Völkerrecht, hybride Kriegsführung, Söldnerwesen, Ukraine-Krieg, Afrika, Sicherheitsstrategie, Russische Welt, Wladimir Putin, militärische Assets, staatliche Steuerung, asymmetrische Kriegsführung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die rechtliche und politische Natur der "Gruppe Wagner" und prüft, ob diese als eigenständiger privater Akteur agiert oder als instrumentelles "Asset" der russischen Außenpolitik unter Wladimir Putin fungiert.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus der Untersuchung?
Zentral sind die Analyse der aktuellen russischen Sicherheitsstrategie, die Definition und rechtliche Abgrenzung von privaten Militärunternehmen (PMCs) im internationalen Recht sowie die praktische operative Rolle von Wagner in Konfliktgebieten.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Gruppe Wagner seit 2021 als Asset der neuen russischen Außenpolitik oder als ein bezüglich seiner Aktivitäten eigenständiges privates Militärunternehmen zu bewerten ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es erfolgt eine deskriptive und analytische Aufarbeitung der Thematik durch eine Literatur- und Dokumentenanalyse, ergänzt durch die Auswertung sicherheitspolitischer Strategiepapiere und juristischer Definitionen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit theoretisch und praktisch behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Herleitung der PMCs und deren rechtliche Grauzonen sowie einen praktischen Teil, der die Einsätze der Gruppe Wagner in Libyen, Mali und der Ukraine detailliert beleuchtet.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere das Konzept der "Russischen Welt", die "hybride Kriegsführung", der Status der "plausible deniability" (glaubhafte Abstreitbarkeit) sowie die Einordnung der PMCs nach russischem Strafrecht.
Welche besondere Bedeutung hat das russische Strafrecht für die Wagner-Gruppe?
Das Dokument weist darauf hin, dass private Militärunternehmen in Russland formal verboten sind, das Gesetz aber durch vage Formulierungen und selektive Auslegung der Justiz eine Grauzone schafft, die der Gruppe Wagner operativen Spielraum ermöglicht.
Wie bewertet die Arbeit die Verbindung zwischen Wagner und dem russischen Staat im Mali/Libyen-Kontext?
Die Arbeit identifiziert klare personelle und logistische Verflechtungen zur russischen Führung, wobeiWagner-Einsätze oft nicht nur klassische militärische Aufgaben erfüllen, sondern strategische Kommunikationsziele im Sinne russischer geopolitischer Ambitionen verfolgen.
- Arbeit zitieren
- Ruben Bestehorn (Autor:in), 2023, Analyse der Rolle der Gruppe Wagner. Russisches Außenpolitikinstrument oder privates Militärunternehmen?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1438774