Dieser Sammelband enthält vier Hausarbeiten.
Die erste Arbeit enthält einen inhaltlichen Vergleich des Goethegedichts "Der Besuch" und der Elegie 1,3 des lateinischen Autors Properz. Berücksichtigt wurden damit inhaltliche, formale und zeitgeschichtliche Faktoren. Der erste Hauptteil beschäftigt sich mit dem Goethegedicht, der zweite mit der Elegie. Im dritten Teil wurde ein abschließender Vergleich mit Fazit erstellt.
Die zweite Arbeit beschäftigt sich mit dem Bild der Frau im 18 .Jahrhundert und der Fragestellung, inwieweit die Romanfigur Charlotte dem Rollenbild der Frau im 18. Jahrhundert entspricht. Charlotte stammt aus dem Roman "Die Wahlverwandtschaften" von Johann Wolfgang von Goethe. Dabei bezieht sich die Fragestellung auf die Rolle der Hausfrau, der Mutter und der Ehefrau.
Die dritte Arbeit soll den Bildungsroman Wilhelm Meisters Lehrjahre von Johann Wolfgang von Goethe und dessen darauffolgenden fragmentarischen Roman Heinrich von Ofterdingen von Novalis vergleichen.
Im ersten Teil wird auf die progressive Universalpoesie eingegangen, die von Schlegel und Novalis erstmals geprägt und entwickelt wurde. Anschließend wird sich mit der Figur Heinrichs, welche als kritische Erwiderung Wilhelms gegenübergestellt werden kann, näher beschäftigen.
Im weiteren Verlauf soll genauer auf die Darstellung und das Verhalten einzelner weiblicher Charaktere beider obigen genannten Werke eingegangen werden, insbesondere diese, welche den Verlauf beider Romane besonders beeinflussen und prägnant herausstechen. Die Reihe der Frauenfiguren in Wilhelm Meisters Lehrjahre ist zu umfangreich, um im Rahmen einer Hausarbeit umfassend und ihrer Ausmaße gerecht analysiert zu werden, infolgedessen wird sich auf die Analyse Mignons spezialisieren, aber auch Mariane und Mathilde in ihrem dargestellten Ausdruck betrachten, da diese den literarischen Werken ihre besondere Dynamik verleihen.
In der vierten Arbeit wird anhand der Figur Lotte das Frauenbild in "Die Leiden des jungen Werther" analysiert und kontextualisiert.
Es soll geklärt werden, wie Lotte als Frau in Die Leiden des jungen Werthers vom Protagonisten dargestellt wird und was dies über Werthers Bild der Frau aussagt. Dabei soll zunächst auf das typische Frauenbild des 18. Jahrhunderts, die Rolle der Frau in Ideal und Realität eingegangen werden, um Lotte und Werthers Vorstellungen und Erwartungen zu kontextualisieren. [...]
Inhaltsverzeichnis
"Die Frauen sind silberne Schalen, in die wir goldene Äpfel legen“. Zu den Gedichten 1,3 von Properz und „Der Besuch“ von Goethe
Einführung
Properz I, 3
Zeitgeschichtliche Einordnung
Formale Analyse
Gliederung der Elegie
Sprachliche Auffälligkeiten
Inhaltliche Analyse
Mythologische Episoden – Abschnitt I
Ariadne
Andromeda
Bacchantin
Der Liebhaber – Abschnitt II
Cynthia – Abschnitt III
Typische Motive der römischen Liebeselegie
Symbolik und Interpretation
Goethes’ Der Besuch
Einordnung
Gliederung des Gedichts und Inhalt
Sexuelle Anspielungen
Gesamtinterpretation
Abschließender Vergleich
Symbolik
Gemeinsamkeiten und Unterschiede
Schlussbemerkung
Charlotte in "Die Wahlverwandtschaften" von Goethe. Inwiefern entspricht diese Romanfigur dem Rollenbild einer Frau im 18. Jahrhundert?
Einleitung
Das Frauenbild im 18. Jahrhundert
Die Ehefrau
Die Mutter
Die Hausfrau
Charlotte als Ehefrau
Charlotte als Mutter
Charlotte als Hausfrau
Novalis' "Heinrich von Ofterdingen" und Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" und das jeweils dargestellte Frauenbild.
Vorwort
Die romantische Universalpoesie
Heinrich von Ofterdingen als Gegenentwurf einer weitergedachten Idealvorstellung von Wilhelm Meister
Die Frau als romantische Begleiterscheinung
Mariane und Mathilde – eine knappe Gegenüberstellung
Mignon-das androgyne Wesen
Gedankenschluss
Werthers Frauenbild. Was sagen die Äußerungen des verliebten Werthers in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" über seine Sicht auf Frauen aus?
Einleitung
Die Frau im 18. Jahrhundert
Lotte
Häuslichkeit, Familie & gesellschaftliche Konvention
Kultur & Natur
Erotische Frau & unschuldiges Mädchen
Mündigkeit & Autonomie
Werthers Ideal
Zielsetzung & Themen
Dieser GRIN-Sammelband widmet sich der vielschichtigen Untersuchung weiblicher Rollenbilder in der Literatur des 18. Jahrhunderts anhand prominenter Werke wie Properz' Elegien, Goethes "Der Besuch", "Die Wahlverwandtschaften" und "Die Leiden des jungen Werthers" sowie Novalis' "Heinrich von Ofterdingen". Die Arbeit hinterfragt, inwieweit die dort dargestellten Frauenfiguren den zeitgenössischen gesellschaftlichen Idealen von Ehefrau, Mutter und Hausfrau entsprechen und wie die männlichen Autoren ihre Sicht auf das Weibliche in ihr dichterisches Schaffen integrieren.
- Analyse antiker und neuzeitlicher Frauenmotive in der Literatur
- Untersuchung des Spannungsfeldes zwischen Autonomieanspruch und gesellschaftlichen Erwartungen
- Vergleich literarischer Vorbilder und ihrer Rezeption in der Epoche
- Darstellung der Rolle als Ehefrau, Mutter und Hausfrau im historischen Kontext des 18. Jahrhunderts
- Diskussion der poetischen Darstellung des Weiblichen als Inspirationsquelle oder Projektionsfläche
Auszug aus dem Buch
Cynthia – Abschnitt III
Gedichtabschnitt III beginnt mit dem Erwachen Cynthias. Dieser Vorgang wird sehr detailliert beschrieben, es lässt sich vor dem geistigen Auge visualisieren, wie Cynthia unter Einfluss des Mondes die Augen aufschlägt, sich orientiert, und wie es der Text sagt, auf ihren Ellenbogen gestützt den an ihrem Bett sitzenden Liebhaber anspricht. Der nun folgende Perspektivwechsel wird deutlich durch den Wechsel von der zweiten Person in Gedichtabschnitt II zur dritten Person im Abschnitt III. Erinnert man sich an die mythologischen Vergleiche gleich zu Beginn des Gedichtes, ließe dies meiner Meinung nach zunächst einmal auf eine freudige Reaktion Cynthias hoffen, die nach einer langen Zeit der Einsamkeit und der dadurch entstandenen Erschöpfung - durch die Vergleiche vom Beginn doch so deutlich betont - ihren Geliebten sehnlichst erwartet und frohen Mutes empfängt.
Was nun allerdings folgt, erfüllt diese Erwartungshaltung des Lesers keineswegs und wird in der Sekundärliteratur häufig als „Scheltrede“ bezeichnet. Harrison formuliert Cynthias Erwachen und ihre erste Reaktion auf die Rückkehr des Sprechers so: „She wakes up and shows her true and less elevated character, shrewishly nagging the poet for staying out late with another woman.” Auch Cynthia quält offensichtlich die Sorge, ihr Geliebter könnte sie in seiner Abwesenheit mit einer anderen Frau betrügen, ganz wie Properz diesem Vergehen auf ihrer Seite bereits in Vers 30 einen Gedanken schenkte. Ganz nach Art einer emanzipierten Frau – betrachtet man die Scheltrede im Sinne der Liebeselegie, vielleicht auch nach Art einer „domina“ gegenüber ihrem „servus“ – lässt Cynthia nun eine Flut an Vorwürfen über das elegische Ich herab. Auffällig ist hier die fehlende Antwort seinerseits; eine eventuelle Reaktion auf diese Vorwürfe Cynthias wird der Vorstellung des Lesers überlassen. Das Gedicht endet, und hier schließt sich der Kreis zum Anfang, mit Cynthias Beschreibung, wie sie nach langem Warten auf den Sprecher der Schlafgott Sopor übermannt und sie erschöpft wieder zur Ruhe kommen lässt.
Zusammenfassung der Kapitel
"Die Frauen sind silberne Schalen, in die wir goldene Äpfel legen“. Zu den Gedichten 1,3 von Properz und „Der Besuch“ von Goethe: Diese Untersuchung vergleicht antike Elegien von Properz mit Goethes Gedicht „Der Besuch“ und analysiert das Motiv der schlafenden Frau sowie die zugrunde liegende Symbolik.
Charlotte in "Die Wahlverwandtschaften" von Goethe. Inwiefern entspricht diese Romanfigur dem Rollenbild einer Frau im 18. Jahrhundert?: Diese Analyse beleuchtet Charlottes ambivalente Rolle und ihr Scheitern an den gesellschaftlichen Erwartungen als Ehefrau, Mutter und Hausfrau in Goethes Roman.
Novalis' "Heinrich von Ofterdingen" und Goethes "Wilhelm Meisters Lehrjahre" und das jeweils dargestellte Frauenbild.: Die Studie untersucht Frauenfiguren wie Mignon, Mariane und Mathilde in ihrem Stellenwert innerhalb der romantischen Universalpoesie und deren Funktion für die männlichen Protagonisten.
Werthers Frauenbild. Was sagen die Äußerungen des verliebten Werthers in Goethes "Die Leiden des jungen Werthers" über seine Sicht auf Frauen aus?: Diese Arbeit dekonstruiert Werthers Idealisierung von Lotte und prüft, inwieweit seine subjektive Sichtweise das zeitgenössische bürgerliche Frauenbild reflektiert oder unterläuft.
Schlüsselwörter
Literatur des 18. Jahrhunderts, Frauenbild, Goethes Wahlverwandtschaften, Werther, Properz, Liebeselegie, Romantische Universalpoesie, Geschlechterrollen, Soziale Konventionen, Feminine Identität, Mignon, Mathilde, Cynthia, Literarische Analyse, Subjektivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Sammelband?
Die Arbeit analysiert die Darstellung von Frauenbildern in der Literatur des 18. Jahrhunderts anhand ausgewählter Werke bedeutender Klassiker und Romantiker.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die Rollenzuschreibungen für Frauen als Ehefrauen, Mütter und Hausfrauen sowie deren Spiegelung in den persönlichen Idealen der männlichen Protagonisten und Autoren.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen realem Rollenbild im 18. Jahrhundert und der spezifischen literarischen Ausgestaltung der Frauenfiguren in den analysierten Texten kritisch zu hinterfragen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Publikation nutzt literaturwissenschaftliche Analysen, Vergleiche zwischen Primärtexten und eine Verankerung in der historischen Sekundärliteratur sowie zeitgenössischen Geschlechtertheorien.
Was wird im Hauptteil der verschiedenen Beiträge behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in philologische und inhaltliche Analysen der Gedichte und Romane, wobei insbesondere Symbolik, Charakterentwicklung und die Beziehung zwischen den Geschlechtern untersucht werden.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben den literarischen Epochen und Autoren dominieren Begriffe wie Geschlechterrollen, Subjektivität, Idealbild, Ehefrau und häusliche Konventionen das inhaltliche Spektrum.
Wie unterscheidet sich Goethes "Der Besuch" von der Properz-Elegie?
Während Properz eine unversöhnliche, durch Alkohol und Eifersucht geprägte Situation beschreibt, verleiht Goethe seinem Werk eine "goethesche" Note, die mit einem "Happy End" und stärkerer Betonung der romantischen Liebe endet.
Warum spielt die Rolle der "Mutter" eine so zentrale Rolle bei der Analyse von Charlotte in "Die Wahlverwandtschaften"?
Die Analyse zeigt, dass Charlottes Scheitern an gesellschaftlichen Normen besonders in ihrem Konflikt zwischen persönlichem Wunsch nach Zweisamkeit und der ihr zugedachten, aufopfernden Mutterrolle sichtbar wird.
Welche Rolle spielt die "Scheltrede" bei der Analyse von Properz?
Die Scheltrede von Cynthia markiert den Wendepunkt des Gedichts, an dem die idealisierte Fantasie des Sprechers auf die kritische Realität der Frau trifft.
Warum wird Mignon in der Analyse als androgynes Wesen betrachtet?
Mignon verkörpert durch ihre wechselnden Zuschreibungen – halb Kind, halb Erwachsene, ihr Knäbchen-Aspekt und ihre tragische Schicksalsrolle – ein Symbol der Ambivalenz in Goethes "Wilhelm Meister".
- Citation du texte
- GRIN Verlag (Hrsg.) (Éditeur), Jasmin Karimi (Auteur), Janis Alina Hindelang (Auteur), 2024, Frauenbilder in der Literatur des 18. Jahrhunderts. Analyse von Properz, Goethe, Novalis und Werther, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1439107