Im Jahre 1979, ein paar Tage nach der Unterzeichnung des Friedensvertrages zwischen Ägypten und Israel, flog der israelische Journalist Amos Elon nach Ägypten und schrieb seine Erfahrungen die er hier gemacht hatte nieder. Er schrieb unter anderem darüber, wie er sich zu Beginn seines Besuchs mit einem Kollegen aus dem Hotel in dem sie sich befanden entfernte, was schon aus Sicherheitsgründen nicht erlaubt war, um in die Innenstadt von Kairo zu gelangen. Im Bus Richtung Zentrum geschah dann etwas Unerwartetes: Sie wurden als Israelis identifiziert und als solche herzlich begrüßt. Es fielen Sätze wie: „Willkommen! Israel sehr gut. Ägypten sehr gut. Frieden sehr gut!“. Einige Tage zuvor hätte man an so einen Dialog zwischen einem Israeli und einem Ägypter in einem Bus in Kairo nicht denken können. Zu festgesetzt war das Bild des Feindes. Ein Feind mit dem man Jahrzehnte keinen Kontakt und keine richtige Kommunikation aufbauen konnte. So kam es dazu, dass man den „Feind“ nur aus den Erzählungen kannte, die in eigenen Kreisen entstanden. Doch mit dem Friedensvertrag von Camp David 1979 hatte sich in beiden Ländern etwas verändert, die Narrative schienen sich von einem Tag auf den anderen zu etwas Neuen zu morphieren. Hier stellt sich die Frage, was sich hier in diesem Prozess genau verändert hat. Um auf ein Ergebnis zu kommen, wäre es sinnvoll die vorliegende Arbeit chronologisch aufzubauen. Ich werde etwas zurückblicken um die Entstehung des Konfliktes und die Narrativen, welche sich zwischen diesen beiden Ländern entwickelt haben, darstellen zu können. Danach mache ich einen Sprung auf die Haupteinflussquelle der Narrativänderungen: Dem Friedensprozess zwischen Ägypten und Israel, welches mit dem Vertrag von Camp David endet. Nun kann ich zu meiner wie bereits oben schon angegebener Fragestellung gelangen und die Veränderungen der gegenseitigen Wahrnehmung des nun „alten“ Feindes in beiden Ländern erörtern und vergleichen.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Entstehung des Konfliktes und der Narrative
1.1 Konflikt
1.2 Narrative
2. Friedensprozess zwischen Israel und Ägypten
2.1 Die Lage in Israel und Ägypten nach dem Jom-Kippur Krieg
2.2 Sadat besucht Jerusalem
2.3 Friedensgipfel in Camp David
3. Änderung der Narrative
3.1 Ägyptische Narrative
3.2 Israelische Narrative
Aktuelle Lage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Einfluss des israelisch-ägyptischen Friedensprozesses, insbesondere des Camp-David-Abkommens von 1979, auf die gegenseitige Wahrnehmung und die nationalen Narrative beider Länder. Im Zentrum steht die Frage, wie sich die Darstellung des jeweiligen "Feindbildes" im historischen Verlauf durch diplomatische Annäherung verändert hat.
- Entstehung und historische Wurzeln des arabisch-israelischen Konflikts
- Die Rolle des Jom-Kippur-Krieges für die politische Einsicht zur Friedensfindung
- Die diplomatische Bedeutung von Anwar as-Sadats Besuch in Jerusalem
- Der Friedensgipfel in Camp David und seine Auswirkungen auf die Region
- Vergleichende Analyse der ägyptischen und israelischen Erzählungen (Narrative)
Auszug aus dem Buch
2.2 Sadat besucht Jerusalem
Der Ägyptische Präsident Anwar As-Sadat zeigte seinen Willen zum Frieden bereits vor dem Yom-Kippur-Krieg, als er Israel einen Frieden anbot, mit der Voraussetzung der im Sechs-Tage-Krieg besetzten Gebiete wieder in Ägyptische Hand zu überlassen. Diese Forderung, welche sich auch in der UN-Resolution 242 wiederfindet, wurde damals von Israel abgelehnt. Auch nach dem Krieg zeigte sich der Präsident verhandlungswillig, was man unter anderem der Aussage entnehmen konnte, dass er am 5. September 1975 den Suezkanal wieder für die internationale Schifffahrt eröffnen und 800 000 evakuierte Bewohner der Suezkana... seine Aussage. Daraufhin vollzog Israel einen einseitigen Truppenabzug und im Oktober desselben Jahres wurde das Sinai-Abkommen unterzeichnet, das eine Truppenentflechtung in dem Gebiet vorsah.
Am 9. November 1977 sprach Sadat sogar über einen Besuch in Jerusalem: „Ich bin bereit zu ihnen zu gehen, selbst zum Knesset um mit Ihnen hier zu sprechen, wir haben keine Zeit zu verlieren!“. Zehn Tage später, also am 19. November 1977 kam es zu dem historischen Besuch des Präsidenten in Jerusalem. Dies wurde von der Welt mit großem Erstaunen und großer Überraschung aufgenommen, wobei bei genauerem hinsehen bereits Vorzeichen bestanden. Wie schon erwähnt, wurden durch die Pendeldiplomatie der Nixon/Kissingerpolitik und diversen Friedensgesprächen wie auf der Genfer Friedenskonferenz 1973 Grundsteine gelegt, so war es eine Frage der Zeit bis zu der ersten richtigen Annäherung. Israel erlangte auch Sadats vertrauen, als der Geheimdienst Informationen an die Ägypter weiterleitete, worin es um ein Anschlag gegen Sadat ging.
Außerdem lud Begin Sadat nach dessen Ansprache vor dem ägyptischen Parlament öffentlich nach Israel ein um ihm entgegen zu kommen. Als Anwar as- Sadat am 19. November 1977 in Jerusalem ankam, begrüßten ihn die Israelis mit großer Euphorie. Tausende ägyptische Flaggen, die spontan hergestellt wurden, ... Dies war das erste Mal, dass ein arabischer Führer Israel offiziell als Staatsgast besuchte und war von der Symbolik kaum zu übertreffen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Thematik der sich wandelnden Feindbilder durch den Friedensvertrag von 1979 und Darlegung der methodischen Vorgehensweise.
1. Entstehung des Konfliktes und der Narrative: Untersuchung der soziologischen Konfliktdefinition und der historischen Genese der Narrative beider Völker.
2. Friedensprozess zwischen Israel und Ägypten: Analyse der politischen Lage nach 1973, der diplomatischen Initiativen von Kissinger, des historischen Besuchs Sadats in Jerusalem und der Ergebnisse des Camp-David-Gipfels.
3. Änderung der Narrative: Darstellung der spezifisch ägyptischen und israelischen Perspektiven auf den jeweils anderen Staat und deren Wandel im Zeitverlauf.
Aktuelle Lage: Reflexion über die Beständigkeit des Friedensvertrages nach 30 Jahren und die anhaltende Relevanz der Erzählungen in der Gegenwart.
Schlüsselwörter
Nahostkonflikt, Israel, Ägypten, Friedensprozess, Narrative, Camp David, Anwar as-Sadat, Menachem Begin, Jom-Kippur-Krieg, UN-Resolution 242, Feindbild, Pendeldiplomatie, Friedensvertrag, Geschichte, Geopolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert, wie der Friedensschluss zwischen Israel und Ägypten im Jahr 1979 das öffentliche Bild und die Erzählungen (Narrative) über den jeweiligen Nachbarstaat in beiden Ländern nachhaltig beeinflusst hat.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die Entstehung des Nahostkonflikts, die politische Zäsur durch den Jom-Kippur-Krieg, der diplomatische Durchbruch durch Sadats Jerusalem-Besuch sowie der Vergleich der ägyptischen und israelischen Geschichtserzählungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Transformation der gegenseitigen Wahrnehmung vom jahrzehntelangen "Erzfeind" hin zu einer diplomatischeren Koexistenz nachzuzeichnen und die Rolle der Narrative dabei kritisch zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit gewählt?
Die Arbeit verfolgt einen chronologischen historischen Ansatz, der durch die Auswertung historischer Literatur und diplomatischer Abkommen gestützt wird, um den Wandel der Wahrnehmungsprozesse zu erfassen.
Was umfasst der Hauptteil der Publikation?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Konfliktgenese, den detaillierten Friedensprozess (inklusive Camp David) und die differenzierte Darstellung der unterschiedlichen nationalen Narrative beider Seiten.
Welche Schlüsselbegriffe sind charakteristisch für dieses Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Narrative, Friedensprozess, Camp-David-Abkommen, Feindbild und diplomatische Annäherung definiert.
Welchen Einfluss hatte der Jom-Kippur-Krieg auf die Friedensbemühungen?
Der Krieg führte auf beiden Seiten zu der Einsicht, dass eine militärische Lösung nicht dauerhaft erfolgreich sein kann, was den Weg für die spätere "Pendeldiplomatie" und die Friedensgespräche ebnete.
Wie reagierte die israelische Bevölkerung auf Anwar as-Sadats Besuch in Jerusalem?
Der Besuch löste große Euphorie in der israelischen Bevölkerung aus, da Sadat als Friedensbote wahrgenommen wurde, was einen deutlichen Bruch mit dem bisherigen Bild des ägyptischen Staates darstellte.
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- Cagdas Cicek (Author), 2009, Der Israelisch-Ägyptische Frieden und dessen Einfluss auf die Narrative beider Länder, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143928