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Von der Gleichheit zum Kapitalismus?

Title: Von der Gleichheit zum Kapitalismus?

Term Paper (Advanced seminar) , 2003 , 29 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Anne-Katrin Maser (Author)

Politics - Political Theory and the History of Ideas Journal
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Summary Excerpt Details

Die „Two Treatises of Government“ gelten als ein einflussreiches Werk der liberalen
politischen Theorie. Vor allem auf Lockes „Second Treatise“ beriefen sich die
Autoren der Amerikanischen Unabhängigkeitserklärung, Liberale und auch die
Theoretiker der französischen Revolution. In der Geschichte des Naturrechts und der
Ökonomie gilt Locke als der Begründer der Arbeitstheorie, denn zum ersten Mal
wurde im Naturrecht ein Besitzanspruch durch Arbeit begründet. Die bisherigen
Ergebnisse der Forschung zu Lockes Eigentumstheorie gestalten sich jedoch sehr
kontrovers. Nach Strauß steuert Locke in seiner Abhandlung den „spirit of capitalism“
verbunden mit einem uneingeschränkten Eigentumsrecht1 an und versucht diesen
theoretisch zu untermauern. Macpherson sieht Locke als Verfechter eines bürgerlichen
Klassenstaates mit dem Ziel des Eigentumsschutzes.2 Im Gegensatz zu Macpherson
interpretiert Tully Locke als einen Verfechter von Volkssouveränität, in dessen
Theorie Eigentum konventional3 und damit Gegenstand eines Gesellschaftsvertrages
bleibt.4
Aufgrund dieser kontroversen Meinungen zu Lockes politischer Philosophie, ist es
mein Ziel, die neuen Ansätze Lockes in der Eigentumstheorie herauszuarbeiten und
diese mit den traditionellen Annahmen der Naturrechtslehre zu kontrastieren. In der
Betrachtung der „Two Treatises of Government“ konzentriere ich mich auf die
Verknüpfung der zentralen Begriffe Arbeit und Eigentum und die von Locke
entwickelte Arbeitstheorie. Die Entwicklung der Appropriationstheorie vollzieht sich
hauptsächlich im V. Kapitel „Of Property“, dem ich daher besondere Aufmerksamkeit
schenke. Berücksichtigung bei der Untersuchung der Eigentumstheorie Lockes finden
auch die Entstehungsumstände und die zeitgeschichtliche Einordnung der
Abhandlungen, da Locke als politischer Philosoph und pragmatisch orientierter
Politiker auch auf die konkreten gesellschaftlichen Probleme in England zu seiner Zeit
Bezug nimmt.
Diese Arbeit möchte die Argumentationsschritte Lockes nachzeichnen und dabei
besonders auf Begriff und Funktion des Eigentums sowie dessen Stellenwert in der
politischen Philosophie Lockes eingehen.[...]

1 Vgl.: Strauss, Leo: Natural Right and History, Chicago 1953, S.246.
2 Vgl.: Macpherson, Crawford B: Die politische Theorie des Besitzindividualismus von Hobbes bis
Locke, Frankfurt/M. 1990, S.249f.
3 ebenso Strauß
4 Vgl.: Tully, James: A Discourse on Property: John Locke and his Adversaries, Cambridge 1979.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Leben und Wirken John Lockes

3. Die Entstehungsumstände der „Two Treatises of Government“

4. Die Abwehr der Thesen Filmers

5. Die Kontroverse zur Begriffsdefinition von Property in der Literatur

6. Der Property Begriff in den „Two Treatises of Government“

6.1. Die weite Definition von Property

6.2. Die Trias von Leib, Seele und äußeren Gütern

6.3. Die enge Definition von Property

6.4. Die doppeldeutige Besetzung von Property

7. Die Herleitung des Rechts auf Eigentum

8. Die klassische Theorie von Privateigentum

9. Die Verknüpfung von Arbeit und Eigentum

10. Die Aneignungsschranken

11. Die Einführung des Geldes

12. Zusammenfassung

13. Literaturverzeichnis

Zielsetzung und thematische Schwerpunkte

Die vorliegende Arbeit untersucht John Lockes Eigentumstheorie in seinem Werk „Two Treatises of Government“, mit dem Ziel, die neuen Ansätze zur Begründung von Privateigentum herauszuarbeiten und diese kritisch mit traditionellen Naturrechtsannahmen sowie kontroversen Forschungsmeinungen zu kontrastieren.

  • Analyse des Property-Begriffs und dessen Bedeutungsumfang bei Locke.
  • Untersuchung der Arbeitstheorie als Legitimationsgrundlage für Eigentum.
  • Einordnung der Entstehungsumstände und der zeitgeschichtlichen Intention des Werkes.
  • Diskussion der Aneignungsschranken und deren Aufhebung durch die Einführung des Geldes.
  • Erörterung des Zusammenhangs zwischen Lockes Eigentumslehre und den Anfängen liberal-kapitalistischer Gesellschaftstheorien.

Auszug aus dem Buch

9. Die Verknüpfung von Arbeit und Eigentum

In Lockes Theorie stehen Arbeit und Eigentum als zentrale Begriffe und werden miteinander verknüpft. Auch vor Locke gab es schon Ansätze, die Kategorien Arbeit und Eigentum zu verbinden, so von James Tyrrell, einem Freund Lockes. Das Verbinden von Erwerb und Besitz und die intensive Auseinandersetzung mit dieser Theorie wie Locke sie vornimmt, kannte man zu seiner Zeit jedoch nicht. Da aber Locke den Erwerb von Eigentum von einer Zustimmung anderer lösen wollte und eine vertragliche Begründung des Eigentums ablehnte, musste er einen neuen Weg der Eigentumsaneignung entwickeln.

Damit stellt sich nun die zentrale Frage, in welchem Verhältnis Arbeit und Eigentum zueinander stehen und welche Funktion sie in der Argumentation Lockes haben. Johannes Hahn definiert Arbeit im Sinne Lockes wie folgt: „Arbeit ist somit in der Appropriationstheorie eine unmittelbar moralisch begründete, da naturgesetzlich motivierte Tätigkeit, die dem Individuum unmittelbar angebunden und nicht ´entfremdbar´ ist.“

Die Arbeitstheorie Lockes nimmt ihren Ausgangspunkt in der Annahme, dass jeder Mensch ein ursprüngliches Eigentum an sich selbst besitzt. „Every Man has a property in his own Person“(II §27) und damit exklusive Besitzrechte an all jenen Rechtsgütern, die ihm von Natur aus zukommen, er besitzt ein „selfownership“. Damit verbunden ist die Arbeit seines Körpers. Jedes Individuum verfügt von Geburt an über diese eigentumserzeugende Kraft. „From all which is evident, that though the things of Nature are given in common, yet Man (by being Master of himself and Proprietor of his own Person and the Actions or Labour of it) had still in himself the Great Foundation of Property...“ (II § 44). Dieser Besitz am eigenem Körper ist der Ursprung von Privateigentum. Dies stellt einen Bruch mit den bis dato vertretenen Theorien dar. Die Okkupationstheorie ging davon aus, dass die Menschen einen kollektiven Besitz an der Natur hatten und sich daraus dann das Privateigentum ableitete. Locke hingegen argumentiert, dass das Individualeigentum ein direktes und ursprüngliches Recht ist, das von dem Recht an der eigenen Person abgeleitet wird und somit Besitzrechte an Naturgütern autonom begründet.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Lockes „Two Treatises of Government“ als einflussreiches Werk der liberalen Theorie und Definition des Forschungsziels.

2. Leben und Wirken John Lockes: Darstellung des biografischen Hintergrunds und des Einflusses von Lord Shaftesbury auf das Denken Lockes.

3. Die Entstehungsumstände der „Two Treatises of Government“: Historische Kontextualisierung der Streitschrift als politisches Instrument zur Legitimation der Whig-Politik gegen absolutistische Bestrebungen.

4. Die Abwehr der Thesen Filmers: Erläuterung, wie Locke Filmers absolutistische Herrschaftstheorie widerlegt, indem er individuelles Eigentum als vorstaatliches Naturrecht begründet.

5. Die Kontroverse zur Begriffsdefinition von Property in der Literatur: Beleuchtung der Forschungsdebatte über die doppelte Verwendung des Property-Begriffs bei Locke.

6. Der Property Begriff in den „Two Treatises of Government“: Detaillierte Analyse von Lockes weitem und engem Eigentumsverständnis.

7. Die Herleitung des Rechts auf Eigentum: Ableitung des Eigentumsrechts aus dem natürlichen Prinzip der Selbsterhaltung, gestützt durch Vernunft und göttliches Gebot.

8. Die klassische Theorie von Privateigentum: Abgrenzung zu Naturrechtsjuristen wie Grotius und Pufendorf hinsichtlich der Notwendigkeit eines gesellschaftlichen Konsenses für Eigentumserwerb.

9. Die Verknüpfung von Arbeit und Eigentum: Zentrale Darlegung der Arbeitstheorie als Legitimationsgrundlage für individuelles Sacheigentum.

10. Die Aneignungsschranken: Erörterung der ursprünglichen Grenzen der Aneignung durch das Gebot der Selbsterhaltung und der Gleichwertigkeit.

11. Die Einführung des Geldes: Analyse der Folgen der Geldeinführung für die Überwindung natürlicher Schranken, die Akkumulation von Kapital und die entstehende soziale Ungleichheit.

12. Zusammenfassung: Synthese der Ergebnisse über Lockes Eigentumstheorie und deren Rolle im Kontext des Liberalismus.

13. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Quellen und Sekundärliteratur.

Schlüsselwörter

John Locke, Eigentumstheorie, Arbeitstheorie, Property, Two Treatises of Government, Naturrecht, Selbsterhaltung, Appropriation, Liberalismus, Kapitalismus, Lohnarbeit, Gemeineigentum, Privateigentum, Staatszweck.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die Eigentumstheorie von John Locke in seinem Hauptwerk „Two Treatises of Government“ und untersucht, wie er Privateigentum philosophisch herleitet und begründet.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Zentrum stehen die Begriffe Arbeit und Eigentum, deren Verknüpfung sowie die zeitgeschichtliche Einordnung von Lockes politischen Theorien im 17. Jahrhundert.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es, Lockes neue Ansätze in der Eigentumstheorie aufzuzeigen, diese gegen traditionelle Naturrechtslehren abzugrenzen und zu hinterfragen, ob Locke ein Verfechter kapitalistischer Strukturen ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine theoretisch-philosophische Analyse, die Lockes Originaltexte (Primärquellen) intensiv interpretiert und mit verschiedenen Forschungsmeinungen (Sekundärliteratur) kontrastiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil behandelt die Entstehungsumstände des Werkes, die Auseinandersetzung mit Filmer, die Begriffsdefinition von Property, die Herleitung des Eigentumsrechts durch Arbeit sowie die Auswirkungen der Einführung des Geldes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Zu den prägenden Schlüsselwörtern gehören: John Locke, Eigentumstheorie, Arbeitstheorie, Property, Naturrecht, Kapitalismus und Liberalismus.

Wie unterscheidet Locke zwischen weitem und engem Eigentumsbegriff?

Im weiten Sinne umfasst Property die unantastbaren Rechtsgüter Leben, Freiheit und Vermögen. In der engen Definition bezieht sich der Begriff spezifisch auf den Besitz an materiellen Gütern, Land und Vermögensgegenständen.

Welche Rolle spielt die Arbeit bei der Aneignung von Eigentum?

Die Arbeit ist bei Locke das legitimierende Prinzip. Durch das Vermischen der eigenen Arbeitskraft mit der Natur (einem ursprünglich gemeinsamen Gut) wird das Produkt zum exklusiven Eigentum des Individuums.

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Details

Title
Von der Gleichheit zum Kapitalismus?
College
Dresden Technical University  (Instiut für politische Theorie)
Course
Liberalismustheorien
Grade
1,0
Author
Anne-Katrin Maser (Author)
Publication Year
2003
Pages
29
Catalog Number
V14394
ISBN (eBook)
9783638198103
Language
German
Tags
Gleichheit Kapitalismus Liberalismustheorien
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Anne-Katrin Maser (Author), 2003, Von der Gleichheit zum Kapitalismus?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14394
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