[…]Diese Arbeit setzt es sich zum Ziel, zu zeigen, dass umfassende Reformen unumgänglich waren. Es wird die Situation in der Sowjetunion am Ende der 1970er und zu Beginn der 1980er Jahre dargestellt, die es erforderte, dass tief greifende Veränderungen begonnen werden mussten. Die Ursachen für die Lage der Wirtschaft, der Gesellschaft und des politischen Systems werden aus einer zusammenfassenden Darstellung der Jahre nach 1953 herausgearbeitet. Die vorliegende Arbeit konzentriert sich dabei auf die Situation in der Sowjetunion selbst. Die Außenpolitik wird in einem kurzen eigenständigen Exkurs jedoch ebenfalls zusammengefasst.
Die gesamte Arbeit gliedert sich wie folgt: Nach dieser Einleitung werden die wichtigsten Ereignisse unter Chruščev und Brežnev zusammengefasst. Dabei folgt die Darstellung weitestgehend einem chronologischen Ablauf und fasst abschnittsweise zusammengehörige Fakten zusammen. Daran schließt sich die bereits erwähnte Zusammenfassung zur Außenpolitik an. Kapitel 3 widmet sich der Schilderung der gesellschaftlichen Lage in der Sowjetunion am Ende der 70er Jahre und stellt diese als eine der Haupttriebfedern für Reformen heraus. Das Kapitel 4 fasst die gesamte Lage kurz zusammen. Dann wird dargestellt, dass alle bisherigen Reformversuche zur Zeit Chruščevs und Brežnevs nicht in der Lage waren, die Probleme abzuwenden oder zu lösen und die Notwendigkeit von funktionierenden Reformen letztlich begründet.
Um den Rahmen der Arbeit nicht zu weit zu fassen, werden zusätzliche Informationen in den Anhang ausgelagert. Anhang A gibt eine kurze Beschreibung des politischen Systems der Sowjetunion. Daran schließen sich Abbildungen zur Industrieproduktion und zum Nettoeinkommen in der Sowjetunion an.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in der SU seit 1953
2.1. Politische und wirtschaftliche Situation in der SU
2.1.1. Machtergreifung und Reformversuche Chruševs
2.1.2. Machtergreifung und Reformversuche Brežnevs
2.1.3. Die Amtszeit Andropovs und Černenkos
2.1.4. Außenpolitische Situation in der Sowjetunion
2.2. Die gesellschaftliche Situation in der SU vor den Reformen der 1980er Jahre
3. Die Situation in der Sowjetunion am Vorabend der Reformen und ihre Notwendigkeit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Lage der Sowjetunion zwischen 1953 und den frühen 1980er Jahren, um die Unausweichlichkeit der Reformen zu Beginn der Gorbačev-Ära zu belegen.
- Analyse der Machtwechsel und Reformversuche unter Chrušev und Brežnev
- Untersuchung der wirtschaftlichen Stagnation und bürokratischen Überlastung
- Darstellung der gesellschaftlichen Frustration und aufkeimenden Protestbewegungen
- Exkurs zur außenpolitischen Entwicklung und dem Konkurrenzkampf mit den USA
- Begründung der Reformunfähigkeit des sowjetischen Systems vor 1985
Auszug aus dem Buch
Die gesellschaftliche Situation in der SU vor den Reformen der 1980er Jahre
Bisher wurde die Entwicklung der Sowjetunion betrachtet, wie sie hauptsächlich von den beiden prägenden Personen Chrušev und Brežnev geprägt wurde. Nun folgt eine Zusammenfassung der Auswirkungen auf den Staat und die Gesellschaft und darauf aufbauend eine Begründung der Notwendigkeit von Reformen.
Betrachtet man die wirtschaftliche Entwicklung, so fallen die wiederholten Versuche auf, die wirtschaftliche Lage der Sowjetunion und damit der Menschen zu verbessern. Die beschriebenen Reformen, z.B. 1957 unter Chrušev (Verwaltungsreform) oder auch die Versuche Brežnevs, die Wirtschaft mit Reformen auf Wachstumskurs zu bringen, brachten nicht den jeweils gewünschten Erfolg und oftmals verfehlte die gelenkte Planwirtschaft die gesetzten Ziele der 5-Jahrpläne. Dennoch konnte die Wirtschaft durchaus Wachstumsraten vorweisen. Die Menschen der Sowjetunion hatten ihren Anteilt daran. Das Einkommen der meist in den Städten lebenden Arbeiter und Angestellten stieg in den Jahren zwischen 1955 und 1975 um bis zu einhundert Prozent. Obwohl es nicht gelang, den Unterschied des Lebensstandards der Menschen zwischen Stadt- und Landbevölkerung anzugleichen, so wurde doch die Situation der Landbevölkerung ebenfalls verbessert. Die Einkommen der Bauern verdreifachten sich seit den 50er Jahren ebenfalls. Hinzu kamen verbesserte Grund- und soziale Absicherung, z.B. in Form von Mindestlöhnen für Landarbeiter, Kinderzuschüsse oder Renten- und Invalidenversicherungen seit 1971.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die zentrale Forschungsfrage dar, die Unausweichlichkeit umfassender Reformen in der Sowjetunion Ende der 1970er Jahre zu beweisen.
2. Politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung in der SU seit 1953: Dieses Kapitel arbeitet chronologisch die Machtphasen von Chrušev, Brežnev sowie Andropov und Černenko auf und untersucht die jeweiligen wirtschaftlichen, innen- und außenpolitischen Kurswechsel.
3. Die Situation in der Sowjetunion am Vorabend der Reformen und ihre Notwendigkeit: Das Fazit fasst die strukturellen Defizite, den technologischen Rückstand und die gesellschaftliche Stagnation zusammen, die eine systemische Erneuerung unter Gorbačev zwingend erforderlich machten.
Schlüsselwörter
Sowjetunion, Reformen, Chrušev, Brežnev, Planwirtschaft, Entstalinisierung, Stagnation, Nomenklatura, Gesellschaft, Wirtschaft, Außenpolitik, Reformunfähigkeit, Unzufriedenheit, Machtkonzentration, Perestroika
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der Sowjetunion in den Jahrzehnten vor den Reformen unter Michail Gorbačev.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die Schwerpunkte liegen auf den Reformversuchen nach Stalin, den Machtstrukturen innerhalb der KPdSU sowie der zunehmenden wirtschaftlichen und sozialen Krise Ende der 1970er Jahre.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, dass die tief greifende Krise der Sowjetunion Ende der 70er Jahre umfassende Reformen unumgänglich machte.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Verfasserin?
Die Arbeit basiert auf einer chronologischen Analyse historischer Ereignisse, der Auswertung von Wirtschaftsdaten und einer zusammenfassenden Darstellung der politischen Entwicklung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert die Ären von Chrušev und Brežnev, beleuchtet wirtschaftliche Planungen sowie gesellschaftliche Veränderungen und gibt einen Exkurs zur sowjetischen Außenpolitik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Sowjetunion, Reformen, Stagnation, Planwirtschaft, Entstalinisierung und der sozioökonomische Wandel der Bevölkerung.
Welche Rolle spielte die sogenannte Tauwetter-Periode unter Chrušev?
Sie war eine Zeit der Entstalinisierung und des wirtschaftlichen Aufbruchs, in der erste Versuche unternommen wurden, das starre bürokratische System zu dezentralisieren.
Warum wird die Ära Brežnev als Phase der Stagnation bezeichnet?
Obwohl zunächst politische Stabilität angestrebt wurde, führte die zunehmende Überalterung der Parteiführung, der Verzicht auf notwendige Reformen und die Machtkonzentration zu einem immobilien System.
Welche Auswirkungen hatte die Versorgungslage auf die Bevölkerung?
Die mangelhafte Verfügbarkeit und Qualität von Konsumgütern, gepaart mit einer verfehlten Wirtschaftspolitik, führte zu einer breiten gesellschaftlichen Frustration und Kriminalität.
Wie reagierte das System auf den wachsenden öffentlichen Protest?
Trotz der Unterdrückung von Dissidenten und der Kontrolle durch die Nomenklatura konnte das System den zunehmenden Wunsch nach Freiheit und den Vergleich mit westlichen Standards nicht dauerhaft verhindern.
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- Natali Bese (Author), 2009, Die Notwendigkeit von Reformen in der Sowjetunion der 1980er Jahre, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/143941