Die Fußballbundesliga nahm am 24. August 1963 ihren Spielbetrieb auf. Die im Vergleich zu anderen europäischen Nationen relativ späte Einführung einer Profiliga in Deutschland - in England wurde die professionelle Football League (FL) bereits 1888 gegründet, Ungarn, Österreich und die Tschechoslowakei zogen kurz nach dem ersten Weltkrieg, Italien, Frankreich und Spanien schließlich Anfang der dreißiger Jahre nach 1 - ist sicherlich auch auf die vor allem in Deutschland herausragende Stellung des Amateurismus, der zu Zeiten der Weimarer Republik "von seinen Protagonisten zu einem quasireligiösen Kultprinzip erhoben worden" 2 war, zurückzuführen; daß die ungarischen Brüder Eydinger, die 1919 versuchten, den Berufsfußball in Berlin einzuführen, schon nach sechs Wochen scheiterten 3, war wahrscheinlich nicht zuletzt die Folge grundsätzlicher Vorbehalte gegenüber dem professionell betriebenen Sport. Die späte Bildung einer zentralisierten Spielklasse im deutschen Fußball, deren Gründung schon in den zwanziger Jahren allein aufgrund des für Reisen benötigten Zeitaufwandes nur im Zusammenhang mit einer angemessenen Bezahlung der Spieler möglich erschien 4, kann jedoch nicht einzig mit einem generellen Widerstand gegen das Profitum erklärt werden. Dieser war nämlich selbst in der Weimarer Republik nicht unüberwindbar, und die Formierung einer Reichsliga mißlang in den dreißiger Jahren zweimal nur infolge innen- beziehungsweise außenpolitischer Veränderungen. Die Gründung der Bundesliga stellte letztlich nicht das Ende eines Kommerzialisierungsprozesses im deutschen Fußball, sondern nur eine wichtige Entwicklung in diesem Prozeß dar, der schon lange zuvor begonnen hatte, aber nach 1963 beschleunigt wurde und in der Erlaubnis zur Umwandlung der Vereine in Kapitalgesellschaften seinen (vorläufigen) Höhepunkt fand. Im Folgenden sollen daher neben der Geschichte der Bundesliga, die vor allem unter dem Aspekt der Kommerzialisierung dargestellt wird, auch die zahlreichen früheren Versuche zur Einführung des Berufsfußballs in Deutschland sowie die Einbindung des Profifußballs in die deutsche Gesellschaft beschrieben werden.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DIE VORGESCHICHTE DER BUNDESLIGA
2.1 Professionalisierungsversuche vor dem zweiten Weltkrieg
2.2 Semiprofessioneller Fußball unter dem Vertragsspielerstatut: 1948-1963
2.3 Gegen alle Widerstände: Die Bundesliga wird beschlossen
3. DER PREIS DES SPORTS: DIE GESCHICHTE DER BUNDESLIGA
3.1 Die Grundlagen der Bundesliga: Bundesligastatut und Auswahlverfahren
3.2 Die Vor- und Nachteile der finanziellen Beschränkungen
3.3 Der Bundesliga-Skandal
3.4 Neue Geldquellen
3.5 Die Bundesliga nach dem Bosman-Urteil
4. BERUFSFUßBALL ALS SPIEGEL DER LEISTUNGSGESELLSCHAFT?
5. SCHLUßBEMERKUNG
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die historische Entwicklung der deutschen Fußballbundesliga unter besonderer Berücksichtigung der zunehmenden Kommerzialisierungsprozesse im Profifußball. Die zentrale Forschungsfrage fokussiert sich darauf, wie der Spagat zwischen der traditionellen Gemeinnützigkeit der Vereine und den ökonomischen Zwängen des modernen Leistungs- und Wirtschaftsbetriebs historisch bewältigt wurde und welche Auswirkungen dies auf das soziale Gefüge des Sports hatte.
- Historische Professionalisierungsversuche und die Entstehung der Bundesliga
- Finanzielle Regulierungen, deren Umgehung und der Bundesliga-Skandal
- Der Einfluss von TV-Geldern, Sponsoring und Merchandising auf die Vereinsstrukturen
- Die Auswirkungen des Bosman-Urteils auf Spielertransfers und internationale Wettbewerbsfähigkeit
- Fußball als soziologischer Spiegel einer leistungsorientierten Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
Der Bundesliga-Skandal
Die mangelnde profihafte Einstellung der beteiligten Spieler und deren "Konzentration auf die Durchsetzung materieller Ansprüche" waren gewiß zwei der Gründe für den Bestechungsskandal, der 1971 aufgedeckt wurde; nur auf den eigenen kurzfristigen finanziellen Gewinn bedacht, gerieten für bestechungswillige Spieler die Konsequenzen ihres Verhaltens für ihre Mitspieler, aber auch für Berufskollegen, die in Vereinen spielten, auf die sich die Machenschaften nachteilig auswirkten, zur Nebensache. Eine weitere Ursache lag in dem bereits zuvor angesprochenen fehlenden Gemeinsinn der Vereine, für die die Interessen einer Liga, aus der sie (zumindest theoretisch) jederzeit ausgeschlossen werden konnten, den individuellen Vereinsinteressen nachgeordnet sein mußten.
Obwohl das mögliche Ausbleiben eines Meistertitels oder eine Teilnahme am Messe-beziehungsweise (ab der Saison 1971/72) UEFA-Pokal wirtschaftlich wie sportlich — gemessen am Erwartungsdruck — als ein ähnlicher Mißerfolg wie der Abstieg gewertet werden kann, sind Vereinsvorstände, deren Klubs auch in der nächsten Saison mit Sicherheit noch am Spielbetrieb der Bundesliga teilnehmen, grundsätzlich mehr auf die Wahrung der Reputation der gesamten Liga bedacht als solche, deren abstiegsbedrohte Vereine möglicherweise im nächsten Jahr ohnehin nicht mehr in der Bundesliga spielen.
Zusammenfassung der Kapitel
EINLEITUNG: Die Arbeit gibt einen Überblick über die Genese der Bundesliga und beleuchtet die langwierigen Prozesse der Professionalisierung im deutschen Fußball.
DIE VORGESCHICHTE DER BUNDESLIGA: Dieses Kapitel analysiert die Widerstände gegen den Profitumsgedanken und den Weg vom Vertragsspielerstatut zur Gründung der Liga.
DER PREIS DES SPORTS: DIE GESCHICHTE DER BUNDESLIGA: Die Untersuchung befasst sich mit den ökonomischen Grundlagen, den Folgen finanzieller Beschränkungen, dem Skandal von 1971 sowie der Auswirkung des Bosman-Urteils auf den Transfermarkt.
BERUFSFUßBALL ALS SPIEGEL DER LEISTUNGSGESELLSCHAFT?: Hier wird der Fußball als soziologisches Phänomen betrachtet, das die Ideale und Widersprüche unserer leistungsorientierten Gesellschaft reflektiert.
SCHLUßBEMERKUNG: Das Fazit fasst die Entwicklung des Fußballs vom Sportverein hin zum kommerziellen Millionenprodukt zusammen und bewertet die Rolle des DFB.
Schlüsselwörter
Bundesliga, Kommerzialisierung, Profifußball, DFB, Vertragsspielerstatut, Bundesliga-Skandal, Leistungsgesellschaft, Bosman-Urteil, Sponsoring, Fernsehrechte, Vereine, Spielertransfer, Professionalisierung, Wirtschaftsbetrieb.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet die historische Transformation der Fußballbundesliga von ihren Anfängen bis hin zum hochkommerzialisierten modernen Sportbetrieb.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der Gründungsgeschichte, den regulatorischen Herausforderungen, den finanziellen Entwicklungen und den soziologischen Auswirkungen des Profifußballs auf die Gesellschaft.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird analysiert, wie sich die Bundesliga durch finanzielle und strukturelle Anpassungen zu einem kommerziellen Produkt entwickeln konnte, ohne dabei die sportliche Attraktivität und die öffentliche Akzeptanz zu verlieren.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer historischen Analyse unter Verwendung von Fachliteratur, zeitgenössischen Dokumenten und sportwissenschaftlichen Quellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Darstellung der frühen Professionalisierungsversuche, die Geschichte der Bundesligastrukturen sowie die Analyse der Einflussfaktoren wie Bestechungsskandale und das Bosman-Urteil.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Zentrale Begriffe sind Bundesliga, Professionalisierung, Kommerzialisierung, DFB, Bosman-Urteil und Leistungsgesellschaft.
Wie wirkte sich das Bosman-Urteil auf die Bundesliga aus?
Das Urteil beendete die Ablöseforderungen bei Vertragsende und hob Beschränkungen für EU-Ausländer auf, was zu einer deutlichen Internationalisierung der Kader und gestiegenen Gehältern führte.
Welche Bedeutung hatte der Bundesliga-Skandal 1971?
Der Skandal deckte die tiefgreifenden Probleme bei der Professionalisierung auf und zwang den DFB dazu, die Strukturen hinsichtlich Lizenzen und Kontrollmechanismen grundlegend zu reformieren.
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- Thomas Bednarz (Author), 2000, Sport und Kommerzialisierung: Das Beispiel der Fußballbundesliga, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14400