Zu: Franz Marc - "Blaues Pferd 1"


Hausarbeit, 2003
15 Seiten, Note: 2

Leseprobe

Gliederung

1.) Der Lebenslauf Franz Marcs und die Gründung des „Blauen Reiters“

2.) Franz Marc „Blaues Pferd 1“ (1911)
2.1) Bildbeschreibung / Komposition
2.2) Farbgebung
2.3) Die Bedeutung des Tierbildes bei Franz Marc
2.4) Marcs künstlerische Weiterentwicklung am Beispiel
„Der Turm der blauen Pferde“

3.) Kunstgeschichtliche Einordnung des Werkes

4.) Anhang
4.1) Bibliographie
4.2) Skizze: „Junges Pferd in Berglandschaft“

1.) Der Lebenslauf Franz Marcs und die Gründung des „Blauen Reiters“:

Franz Marc wird am 8. Februar 1880 in München geboren und schreibt sich nach dem Abitur im Oktober 1899 für das Studium der Theologie und Philologie in München ein. Doch 1900 überkommen ihn Zweifel am Beruf des Pfarrers, die ihn ein Jahr später den Entschluss fassen lassen, Maler zu werden. Daraufhin schreibt er sich an der Münchner Akademie bei Wilhelm von Diez und Gabriel Hackl ein. Im Sommer 1903 unternimmt Marc mit seinem Studienfreund Friedrich Lauer eine mehrmonatige Studienreise in die Bretagne und nach Paris. Durch die Begegnung mit den Werken von Courbet, Delacroix, Manet und den französischen Impressionisten, möchte er das Studium an der Akademie abbrechen und sich von nun an im Selbststudium weiterbilden. 1904 bezieht er sein erstes Atelier in der Kaulbachstasse in München. Im März 1907 bricht Marc zu seiner zweiten Reise nach Paris auf, während er von der Malerei der beiden Meister Vincent van Gogh und Paul Gauguin nachhaltig beeindruckt wird. Ende Juni des selben Jahres zieht er in ein Atelier in der Schellingstrasse.

Im März 1909 gründet sich die „Neue Künstlervereinigung München“ mit dem vorrangigen Ziel, Kunstausstellungen zu organisieren. Erster Vorsitzender war Wassily Kandinsky, zweiter war Alexej von Jawlensky. Im Januar 1910 sucht August Macke Franz Marc auf, nachdem er Gemälde von ihm gesehen hat. 1911 beginnt Marcs Freundschaft mit Wassily Kandinsky, und noch im selben Jahr wird er zum 3. Vorsitzenden der Neuen Künstlervereinigung München gewählt. Marc und Kandinsky arbeiten mit zeitweiliger Unterstützung durch August Macke an der Konzeption eines Almanachs, den sie „Der Blaue Reiter“ nennen wollen. Aufgrund erheblicher Meinungsverschiedenheiten über künstlerische Auffassungen, erklären Kandinsky und Marc im Dezember 1911 ihren Austritt aus der Künstlervereinigung. Daraufhin schliessen sich Marc und Kandinsky zu einer neuen Künstlergruppe, genannt „Der Blaue Reiter“, zusammen und eröffnen diese mit ihrer ersten Ausstellung am 18. Dezember 1911 in der Galerie Thannhauser in München. „Der Blaue Reiter“ war nie eine organisierte Künstlervereinigung, sondern ein lockerer Bund Gleichstrebender. Von den wichtigen Namen sind dem „Blauen Reiter“ zuzuzählen: Kandinsky, Marc, Macke, Klee und Jawlensky. Im Mai 1912 erscheint der Almanach „Der Blaue Reiter“ als Programmschrift, in dem aktuelle Beiträge zur Kunst, Musik und Literatur erscheinen. Die Maler des „Blauen Reiter“ wandten sich dem Geistigen zu; sie sprachen das innere Gefühlsleben an und versuchten beim Betrachter geistige Prozesse in Gang zu bringen.

Der Kriegsausbruch 1914 sprengt die Gruppe auseinander und Franz Marc wird einberufen und ab Ende August an der Westfront eingesetzt. Während der Kriegsjahre entsteht ein sehr bedeutsames Skizzenbuch, das Franz Marc angefertigt hat. Am 4. März 1916 wird er bei einem Erkundungsritt in der Nähe von Verdun durch einen Granatsplitter getötet. 1937 gilt Marc als „entarteter“ Künstler, woraufhin 130 seiner Werke in den deutschen Museen beschlagnahmt werden.[1]

2.) Franz Marc „Blaues Pferd 1“ (1911)

2.1) Bildbeschreibung / Komposition

Das „Blaue Pferd 1“ (1911) ist eines von Marcs berühmtesten Bildern. Es wurde mit Öl auf Leinwand gemalt und besitzt die Maße 112,5 x 84,5 cm. Heute ist es in der Städtischen Galerie im Lenbachhaus in München zu besichtigen.

Auf dem Gemälde ist ein „aufgerichtetes, kantig- ungelenkes blaues Fohlen voll jugendlicher Kraft zu erkennen, das den Kopf wie sinnend zur Seite neigt“[2]. „Es verhält dicht vor dem Betrachter und füllt mehr als die linke Bildhälfte aus“[3], auch hebt es sich von der bunten Hügellandschaft im Hintergrund ab. Dieser ist in verschiedene Bildgründe eingeteilt, die nicht eindeutig definierbar sind, da es fließende Übergänge in den Farben und Hügelformationen gibt, die sich bis an den oberen Rand des Bildes ausdehnen. Das Pferd gibt den Eindruck eines Vermittlers zwischen Vorder- und Mittelgrund. Vorne rechts im Bild ist eine Agave zu erkennen, die eine Huldigung an Gauguin sein soll. Insgesamt ist der Vordergrund detaillierter, aber trotzdem einfach gehalten, während die geometrischen, kreisförmigen Hügel im Hintergrund mit zunehmender Entfernung immer zarter dargestellt sind, teilweise sogar nur noch in weiß.

Es ist ein eindeutiger Pinselduktus erkennbar, der dem Bild einen strichigen Ausdruck mit teilweise kantigen, teilweise harmonischen Übergangen verleit. Die Komposition des Bildes ist eindeutig geometrisch durchdacht. Zum einen zieht sich eine Diagonale durch das ganze Bild, angefangen im linken oberen Eck in Form eines grünen Streifens, über die Brust des Pferdes, bis hin zur Blattkrümmung der Pflanze im rechten unteren Eck. Zum anderen sind zwei Parallelen jeweils von links unten nach rechts oben in der Strichführung der Hügel zu erkennen: die obere führt genau hinter dem Kopf und Hals des Pferdes vorbei, die untere hinter den Beinen. Die sich wiederholenden geometrischen Formen eines Halbkreises sowohl in der Hügellandschaft als auch am gesamten Körper des Tieres, vermitteln eine innere Harmonie im gesamten Bild.

Insgesamt gesehen besitzt das Werk eine leichte Aufsicht: der erste Blick fällt auf den Kopf des Pferdes, dann wandert er nach unten auf den Körper, und schließlich auf die rechte Bildhälfte.

2.2) Farbgebung

Marcs Werk ist geprägt von seiner anti-naturalistischen Darstellung des Pferdes und der Landschaft. Das Bildganze wird beherrscht von einem Spannungsfeld komplementärer Farbkontraste. „Das koehlersche junge und ungeschickt dastehende Pferd malt Marc bläulich-weiß“[4] mit dunkelstem Marineblau in Hufe und Mähne. „Alle Farben ringsherum leuchten in morgendlicher Frische und Unverbrauchtheit. Auf dem Grunde ein helles Grün und Zinnober, im Bildmittelpunkt zwischen den Beinen ein strahlendes Kadmiumgelb, das sich zwischen eine Schichtung karminroter Hügel schiebt. Diese werden dunkelviolett und über sie erhebt sich eine hohe, blaue Bergkuppe. Aber die höchste Wölbung des Bildes wird von der Mähne des jungen Pferdes gebildet.“[5] Zuoberst schließt ein zartrosa Himmel den Bildrand harmonisch ab.

[...]


[1] - Franz, Erich (Hrsg.), Franz Marc: Kräfte der Natur 1912-1915. Wesfalen-Lippe 1993
- www.ebe-online.de/home/fmg/marc/marc.htm
- www.seilnacht.tuttlingen.com/Lexikon/Express.htm

[2] Der Blaue Reiter im Lenbachhaus München, Ausst. Kat. München. München 2000, S.

[3] Lankheit, Klaus, Franz-Marc-Sein Leben und seine Kunst. Köln 1976, S.73

[4] Schardt, Alois J., Franz Marc. Berlin 1936, S.80

[5] Schardt, 1936, S.81

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Zu: Franz Marc - "Blaues Pferd 1"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kunstgeschichte)
Note
2
Autor
Jahr
2003
Seiten
15
Katalognummer
V14403
ISBN (eBook)
9783638198189
ISBN (Buch)
9783638746885
Dateigröße
554 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Franz, Marc, Blaues, Pferd
Arbeit zitieren
Corinna Friedrich (Autor), 2003, Zu: Franz Marc - "Blaues Pferd 1", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14403

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