Die frühe Neuzeit markiert für die deutsche Sprache eine Umbruchs- und Übergangszeit. Diese Arbeit untersucht ein interessantes linguistisches Merkmal dieser Epoche, die werden-Periphrase, die die Modalperiphrase mit wollen oder sollen ablöste. Dabei werden Unstimmigkeiten zwischen theoretischer Einordnung und sprachpraktischem Usus betrachtet, insbesondere anhand des Fremdsprachenlehrwerks "The Eloquent Master of Languages". Dieses Werk behandelt die vier Haupteuropäischen Sprachen Französisch, Italienisch, Englisch und Hochdeutsch. Der Fokus liegt zunächst auf dem englischen Teil, wobei Grammatik- und Dialogteil analysiert werden. Die Arbeit gibt einen Überblick über den theoretischen Hintergrund, präsentiert die Analyse des Werks und endet mit einer Zusammenfassung und Ausblick auf weitere Forschungsmöglichkeiten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretischer Hintergrund
2.1 Fremdsprachenlehrwerke
2.2 Die werden-Periphrase
3. Analyse
3.1 The eloquent Maſter of Languages
3.2 Die werden-Periphrase im Grammatikteil
3.3 Die werden-Periphrase im Dialogteil
4. Zusammenfassung und Ausblick
5. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Diskrepanz zwischen der theoretischen Einordnung der Futurkonstruktionen in frühneuhochdeutschen Grammatiktiteln und deren tatsächlichem sprachpraktischen Gebrauch. Im Zentrum steht dabei die Frage, wie die werden-Periphrase im Vergleich zu älteren Modalperiphrasen (wie wollen/sollen + Infinitiv) in einem spezifischen Fremdsprachenlehrwerk des späten 17. Jahrhunderts verwendet wird.
- Historische Entwicklung der Zukunftsperiphrasen im Frühneuhochdeutschen
- Bedeutung und Struktur frühneuzeitlicher Fremdsprachenlehrwerke als Wissensquelle
- Kontrastive Analyse von Grammatiktheorie und praktischem Sprachgebrauch
- Methodische Untersuchung der werden-Periphrase im Vergleich zur Modalperiphrase
- Kontextualisierung der Übersetzungstechniken in Dialogteilen
Auszug aus dem Buch
3.3 Die werden-Periphrase im Dialogteil
Der englische Dialogteil von The eloquent Maſter of Languages setzt sich wie oben erwähnt aus drei Kapiteln zusammen, die durch eigene Überschriften voneinander abgegrenzt sind und einige Unterschiede zueinander aufweisen. In dem ersten Kapitel werden Gespräche zusammengetragen, die für Sprachbücher übliche Alltagssituationen beschreiben und damit den klassischen Dialogteil abbilden. Sie bestehen aus kurzen Sätzen mit einer relativ eindeutigen Übersetzung. Das zweite und dritte Kapitel bestehen aus englischen Sprichwörtern, wobei das zweite Kapitel kürzere, nach Alphabet sortierte Sprichwörter enthält, während das dritte Kapitel längere Sprichwörter enthält, an die sich die Auflistung von einer Reihe von „Tugend-Lehren“ (The eloquent Master of Languages, 1693) anschließt.
Während der Analyse des gesamten Dialogteils wurde 125 Mal eine Futurform mit will oder shall in den englischen Beispielsätzen gefunden. Dabei wurde die konditionale Verwendung sowie eine klare modale Verwendung, bei der der Infinitiv nach dem will fehlt und die daher nicht temporal gedeutet werden kann, wie etwa in Beispiel (1), aus dem Datensatz ausgeschlossen.
(1) Marry your ſon when you will but your daughter when you can.
(The eloquent Master of Languages, 1693)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung umreißt die sprachgeschichtliche Relevanz der frühen Neuzeit und definiert das Ziel der Arbeit, die Verwendung der werden-Periphrase in einem spezifischen Werk zu untersuchen.
2. Theoretischer Hintergrund: Dieses Kapitel liefert den Kontext über die Entstehung und Struktur frühneuzeitlicher Fremdsprachenlehrwerke sowie den sprachhistorischen Wandel von der Modalperiphrase zur werden-Periphrase.
3. Analyse: Der Analyseteil untersucht das Werk "The eloquent Maſter of Languages" hinsichtlich seines Aufbaus, der Grammatikerklärungen zum Futur und des tatsächlichen Usus in den Dialogen.
4. Zusammenfassung und Ausblick: Das Fazit fasst die Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis zusammen und schlägt weitere linguistische Forschungsmöglichkeiten für andere Sprachkombinationen vor.
5. Literaturverzeichnis: Hier werden alle verwendeten Quellen und die untersuchten historischen Sprachlehrwerke aufgelistet.
Schlüsselwörter
Frühneuhochdeutsch, werden-Periphrase, Futur, Fremdsprachenlehrwerk, Sprachgeschichte, Modalperiphrase, Dialogteil, Grammatikteil, Sprachwandel, Sprachpraxis, Übersetzungstechnik, historische Linguistik, 17. Jahrhundert, Sprachbewusstsein, Sprachlehrbuch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie die Zukunftsform (Futur) in einem ausgewählten frühneuhochdeutschen Fremdsprachenlehrwerk des Jahres 1693 theoretisch und praktisch behandelt wird.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der historische Sprachwandel von Modalperiphrasen zur werden-Periphrase sowie die Analyse von Fremdsprachenlehrwerken als Spiegelbild der damaligen Sprachpraxis.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, die Diskrepanz zwischen der in Lehrwerken postulierten theoretischen Norm und dem nachweisbaren sprachlichen Gebrauch in den Dialogteilen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine korpusbasierte Analyse von Futurformen (will/shall vs. werden) innerhalb eines historischen Sprachbuchs durchgeführt, ergänzt durch einen Vergleich von Grammatik- und Dialogteilen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in die Epoche und die Sprachlehrwerke sowie eine detaillierte Auswertung von "The eloquent Maſter of Languages".
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Frühneuhochdeutsch, werden-Periphrase, Sprachwandel, Fremdsprachenlehrwerk und historische Linguistik beschreiben den Fokus treffend.
Was macht "The eloquent Maſter of Languages" für die Forschung so interessant?
Das Werk ist besonders, da es sechs Sprachen beinhaltet und durch die Kombination von Grammatikregeln und praktischen Dialogen unterschiedliche Sprachverwendungsebenen direkt vergleichbar macht.
Wie unterscheidet sich der Grammatikteil vom Dialogteil in Bezug auf das Futur?
Während der Grammatikteil beide Optionen (werden und wollen) als korrekt bzw. möglich darstellt, überrascht der Dialogteil durch eine noch starke Nutzung der älteren Modalperiphrasen.
Welche Bedeutung haben die Sprichwörter in dieser Untersuchung?
Die Sprichwörter dienen als Quelle für "freiere" Übersetzungen, bei denen der Gebrauch der werden-Periphrase im Vergleich zu wörtlich übersetzten Alltagsgesprächen signifikant variiert.
- Arbeit zitieren
- Stella Bremer (Autor:in), 2021, Die Entwicklung der werden-Periphrase im Frühneuhochdeutschen. Eine Analyse am Beispiel des Fremdsprachenlehrwerks "The Eloquent Master of Languages", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1440847