Vergleich und Analyse von Gottlieb Schicks "Apoll unter den Hirten"


Seminararbeit, 2005

15 Seiten, Note: 1,7


Leseprobe

Gliederung:

1.) Gottlieb Schick: ein kurzer Lebenslauf

2.) Gottlieb Schick „Apoll unter den Hirten“
2.1) Der Klassizismus
2.2) Bildbeschreibung
2.3) Mythologische Ansätze im Bild
2.4) Vergleich mit den Skizzen
2.5) Thema des Gemäldes

3.) Zeitgenössische Kritik

4.) Anhang
4.1) Skizzen
4.2) Bibliographie.

1.) Gottlieb Schick: ein kurzer Lebenslauf

Gottlieb Schick wurde 1776 in Stuttgart geboren. 1787 wurde er in derHohen Karlsschule zum Studium der Kunst aufgenommen. Die Schule bot Zutrittfür alle Stände, was auch in der bildenden Kunst grosse Veränderungen mit sichbrachte, da nicht mehr nur französische Hofkünstler, sondern auch Landeskinder inder Kunst Fuß fassen konnten. Künstler wie Schick trugen dazu bei, dass dieTrennung zwischen höfischer und bürgerlicher Kunst aufgehoben wurde. Dass„Schwäbischer Klassizismus“ auch „Bildungskunst“ genannt wird, ist eine Folgedavon. Mitten in Schicks Lehrzeit wurde die Karlsschule aufgehoben, woraufhin er1795 das Atelier seines Lehrmeisters Hetsch verließ, da dieser nach Rom ging, undnun Schüler von Dannecker wurde. Beiden verdankte Schick viel: von Hetschübernahm er die Beschäftigung mit der Antike, und von Dannecker die Bemühungum grosse plastische Form und Natürlichkeit des Ausdrucks. 1799 ging Schick nachParis, wo er Unterricht bei Jacques-Louis David erhielt. Nach einem neuerlichenkurzen Aufenthalt in Stuttgart ging er 1802 nach Rom, wo er bis 1811 blieb. Indieser Zeit entstanden Schicks Hauptwerke, unter anderem auch „Apoll unter denHirten“. Schick wird mitten in die Stilepoche des Klassizismus hineingeboren, erfragt aber nicht nach dessen theoretischen Grundlagen, sondern er ist ein sehreigenständiger, bereits zur Romantik tendierender Künstler. Sein Anliegen ist, dass„die Bildnisse in einem gewissen Stil idealisiert werden müssen, aber nicht nachdem allgemeinen Ideal, sondern nach dem Ideal der bestimmten Person, die derKünstler darzustellen hat“1. In Rom galt Schick für ein Jahrzehnt als der besteMaler, allerdings kann man ihn nicht als Bahnbrecher des Klassizismus bezeichnen,da er hierfür zu spät lebte. Er starb 1812 als leider noch sehr junger Künstler inStuttgart.

2.) Gottlieb Schick “Apoll unter den Hirten”

2.1) Der Klassizismus

Der Klassizismus bezeichnet eine Stilepoche zwischen 1750 und 1830. Inseiner entschiedenen Gegenbewegung zum Barock, der zu einerHerrscherikonographie wurde und den Malern jegliche Freiheit nahm, entwickelteer sich aus dem „Sturm und Drang“ und der Aufklärung mit der Forderung nachFreiheit in der Kunst. Ziel dieser Strömung war es, den Barock zu überwinden, undzu einer “klassischen“ Formstrenge zu finden. Der Klassizismus ist eine allgemeineBezeichnung all jener Kunstströmungen, die sich bewusst auf antike Vorbilderberufen. Johann Joachim Winckelmann, deutscher Archäologe und Philologewidmete sich auch intensiv dem Studium der bildenden Künste. Er strebte eineErneuerung der Kunst an, mit der Orientierung an der Antike um die idealeSchönheit darzustellen, denn „innere und äussere Schönheit zeichnet die antikeFigur aus“2. 1755 veröffentlichte er seine Gedanken über die Nachahmung dergriechischen Werke in der Malerei- und Bildhauerkunst, woraufhin er gerühmtwurde als Theoretiker der griechischen Ästhetik. Diese ist für ihn „eine edle Einfaltund eine stille Grösse, sowohl in der Stellung als auch im Ausdruck“3. Die Götterwurden dargestellt mit den sinnlichen und geschlechtlichen Organen des Menschen,aber sie mussten trotzdem noch als Götter erkennbar sein. Sie sind „Mensch undGott, ein erhobenes und hinabgestiegenes Wesen zugleich“4.

Neben Winckelmanns Aufsatz über die Wiedererweckung antiker Mythologie, diecharakteristisch für den Klassizismus ist, hat auch eine kunsttheoretischeAbhandlung Goethes Ende des 18. Jahrhunderts einen grundlegenden Einfluss aufdie Kunst zu der Zeit. Goethe schreibt zusammen mit seinem Freund HeinrichMeyer in seiner Kunstzeitschrift „Die Propyläen“ über die Eigengesetzlichkeit derKunst. Ihre Forderung ist, dass Themen „welche nicht sich selbst aussprechen, nichtin ganzem Umfange, nicht in völliger Bedeutung vor den Sinn des Auges gebracht werden können“5, nicht gemalt werden sollten. Das bedeutet der bildnerischeGegenstand des Gemäldes sollte aus sich selbst heraus verständlich sein ohneVorwissen der Antike oder biblischen Themen. Als Richtlinie für die Künstlerlegten sie hierzu einen Themenkatalog an, welche Themen darstellbar sind undwelche nicht. Goethe und Meyer teilten die Gegenstände ein in vorteilhaft,gleichgültig und widerstrebend. Von den grossen christlichen Themen gelten alswiderstrebend zum Beispiel der Kruzifixus, die Dreieinigkeit, die unbefleckteEmpfängnis Mariae, und das Abendmahl. Neben der Einteilung der verschiedenenGegenstände legten sie auch noch eine Rangordnung der verschiedenenFachrichtungen fest. An oberster Stelle stand die Menschendarstellung, gefolgt vonTier- und zu aller letzt, da sie objektiv den geringsten Wert haben, die Landschafts-Darstellungen. Mit dieser Unterteilung übernehmen sie die Kunstlehre aus dem 16.und 17. Jahrhundert, die außerdem noch, wie auch im Klassizismus, Wert legte aufdas Schöne und Ideale in der Kunst und die Verehrung der Antike6.

2.2) Bildbeschreibung

Das Gemälde „Apoll unter den Hirten“ gilt als eines der bedeutendstenWerke des Klassizismus. Es wurde mit Öl auf Leinwand gemalt und besitzt dieMaße 178,5 x 232 cm und ist heute in der Staatsgalerie von Stuttgart zu besichtigen.Das Gemälde ist sowohl in der Darstellung der Landschaft, erkennbar durch denaufklaffenden Himmel in der Bildmitte, als auch durch die Personenkonstellation inzwei gegeneinander gesetzte Bildhälften unterteilt. Die Gesamtkomposition zeigt 18Figuren in einem Halbkreis zueinander gewandt, sitzend oder stehend inmitten einerblühenden Landschaft. Auf der linken Seite zentriert sitzt Apoll auf einem Felsen,den linken Arm weit ausgestreckt und die rechte Hand auf seine Leier stützend.Über seiner linken Schulter liegt ein Ziegenfell. Ein junges Mädchen mit nacktemOberkörper sitzt zu seiner linken und blickt ihn mit Verzückung von unten heraufan. Hinter ihr steht ein Greis auf seinen Stock gestützt, sein Haupt ebenfalls aufApoll gerichtet, während ein kleiner Junge mit anmutigem und zugleich schelmischem Blick hinter ihm hervor lugt. Am linken äusseren Bildrand sitzt engumschlungen ein junges Liebespaar, ebenfalls den Blick auf Apoll gerichtet. ImVordergrund liegt ein junger Jäger, den Kopf in die eine Hand gestützt und seinenHund neben ihm mit der anderen Hand besänftigend. In der rechten Bildhälfte imVordergrund sitzen zwei Hirten mit tiefer Betrachtung an Apoll gerichtet. Hinterihnen sitzen drei junge Mädchen, eine davon mit nacktem Oberkörper, alleebenfalls mit ihrem Blick auf den Gott gerichtet. Neben ihnen steht eine Gruppe mitdrei fast nackten Kindern, wobei eines von ihnen und ein kleiner Säugling, der vorihm sitzt, den Blick schweifen lassen. Hinter den Kindern steht ein junger Mann,der einen Knaben mit einer Panflöte auf Apoll hinweist. Diese zwei Figuren undzwei der Kinder in der Bildmitte sind die einzigen, die Apoll nicht dieAufmerksamkeit und Gebanntheit schenken wie die anderen, erkennbar daran, dasssie ihr Gesicht abwenden. Der junge Mann ist die Darstellung des Königs Admetus,der König Thessaliens, unter dem Apoll ein Jahr lang dienen musste. SeineAbwendung zeigt seine Autonomie dem Gott gegenüber. Der Knabe, dem er sichzuwendet ist die Übergangsfigur zu den Satyrn am rechten äusseren Bildrand. Sierepräsentieren die niedere, triebgesteuerte Natur. Auch die Kinder in der Bildmittesind Mittlergestalten zwischen der Götter- und der Menschenwelt. Im Hintergrundsind einige Häuser zu sehen, und ein alter Mann der mit erhobenen Händen aneinem Feuer kniet. Daneben ist eine Herde zu sehen, die von ihrer Trinkstelle,einem nahe gelegenen See, zurückkehrten. Am rechten äusseren Bildrandverstecken sich hinter Büschen und Bäumen zwei Satyrn. Die Figuren füllen dasgrosse Format fast ganz aus und lassen der paradiesischen Landschaft nur imHintergrund Raum zu einem Blick in die Tiefe. Doch obwohl sie nur als stützenderHintergrund zur Figurendarstellung dienen soll, ist sie präzise ausgearbeitet undganz auf die Komposition der axialen Ordnung abgestimmt, unter anderem auchdurch das Tal in der Mitte des Bildes und den hohen Baumbewuchs an denSeitenrändern. Vergleicht man die Landschaft mit Skizze 1 wird deutlich, dass auchhier ein enormer Entwicklungsprozess stattgefunden hat. Im Gegensatz zur Skizzebesteht hier ein völliger Einklang und Harmonie zwischen Mensch und Natur.

[...]


1 Gauss, Ulrike (Hg.), Gottlieb Schick. Ein Maler des Klassizismus, Ausstellungskatalog Stuttgart. Stuttgart 1976, S. 12

2 Notiertes Zitat meiner Mitschriften, leider in meinen Quellen nicht gefunden

3 Microsoft, Encarta Enzyklopädie 2005. Microsoft Corporation 1993 - 2004

4 Körner, Gudrun, Gottlieb Schick: Apoll unter den Hirten, in: Schwäbischer Klassizismus. Zwischen Ideal und Wirklichkeit. 1770-1830, Ausst. Kat. Stuttgart, hrsg. von Christian von Holst. Stuttgart 1993, S.311

5 Einem, Herbert von, Deutsche Malerei des Klassizismus und der Romantik. 1760 bis 1840. München 1978, S.43

6 Einem, 1978, S.44

Ende der Leseprobe aus 15 Seiten

Details

Titel
Vergleich und Analyse von Gottlieb Schicks "Apoll unter den Hirten"
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Kunstgeschichte)
Note
1,7
Autor
Jahr
2005
Seiten
15
Katalognummer
V144112
ISBN (eBook)
9783668673656
ISBN (Buch)
9783668673663
Dateigröße
518 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Analyse, Vergleich, Kunst, Gottlieb Schick, Apoll unter den Hirten
Arbeit zitieren
Corinna Friedrich (Autor), 2005, Vergleich und Analyse von Gottlieb Schicks "Apoll unter den Hirten", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144112

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