Als Folge von Fehlernährung und Bewegungsmangel nimmt die Prävalenz von Adipositas und Übergewicht bereits im Kindergartenalter zu [Graf et al. 2007]. Besonders in diesem Alter ist Bewegung enorm wichtig, da Kinder so ihre Umwelt kennen lernen und sich durch Bewegung ausdrücken [Meinel & Schnabel 2007]. Durch Adipositas kann die motorische Leistungsfähigkeit negativ beeinflusst werden. Um diesem Trend entgegen zu wirken, sollten frühzeitige Gegenmaßnahmen, z. B. bereits in Kindergärten, unternommen werden.
Einen ersten Ansatz stellt das KiMo - (Kindergarten Mobil) Projekt dar. Im Rahmen dieser Studie wurden in 27 Kindergärten die anthropometrischen Daten sowie die motorische Leistungsfähigkeit der Kinder erhoben. Unterteilt wird die Anzahl der Kindergärten in eine Interventionsgruppe (16 Kindergärten) und eine Kontrollgruppe (11 Kindergärten). Bei der Interventionsgruppe wurde als Maßnahme das Projekt den Eltern in Form eines Elternabends nach dem ersten Testdurchlauf vorgestellt, die Ergebnisse der Tests mitgeteilt, sowie die Übermittlung eines gesunden Lebensstil durch Bewegung in Sportvereinen nahe gelegt. Anschließend erhielt jedes Kind einen Pass indem die erreichten Leistungen mit Bronze-, Silber- und Gold-Medaillen bewertet wurden. Bei der Kontrollgruppe fanden diese Interventionsmaßnahmen erst nach dem zweiten Testdurchlauf statt. In der Interventions-, sowie Kontrollgruppe wurde der Effekt auf die genannten Parameter nach ca. einem halben Jahr in einem zweiten Testdurchlauf überprüft.
Neben der Erhebung der anthropometrischen Daten wurden die Kinder im Alter von 3-6 Jahren mit dem Karlsruher Motorik Screening getestet [Bös et al. 2004]. Dabei wurden Koordination, Schnellkraft, Kraftausdauer, Beweglichkeit und Schnelligkeit der Kinder erfasst. Zur Beurteilung der individuellen Leistungsfähigkeit wurde ein alters- und geschlechtskorrigiertes Klassifikationssystem verwendet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
2. Adipositas (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
3. Motorik (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
3.1. Motorik und Bewegung
3.2. Fähigkeiten und Fertigkeiten
3.2.1. Motorische Fähigkeiten
3.2.2. Motorische Fertigkeiten
3.3. Motorische Basisfähigkeiten
3.3.1. Schnelligkeit
3.3.2. Koordination
3.3.3. Beweglichkeit
3.4. Die motorische Entwicklung im Kleinkindalter und frühes Kindesalter
4. Methodik (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
4.1. Untersuchungsbeschreibung
4.1.1. Untersuchungskollektiv
4.1.2. Untersuchungsdesign
4.1.2.1. Untersuchungszeitraum
4.1.2.2. Voruntersuchung T1
4.1.2.3. Fragebogen
4.1.2.4. Intervention
4.1.2.5. Nachuntersuchung T2 / Abschlusselternabend der Interventionsgruppe
4.2. Testverfahren
4.2.1. Anthropometrische Daten
4.2.2. Motorische Tests
4.2.2.1. Standweitsprung – SWS (KMS 3-6)
4.2.2.2. Stand and Reach – SR (KMS 3-6)
4.2.2.3. Sit and Reach – SiR
4.2.2.4. Einbeinstand – EBS (KMS 3-6)
4.2.2.5. Seitliches Hin- und Herspringen – SHH (KMS 3-6)
4.2.2.6. Pendellauf
4.2.3. Testauswertung
4.3. Statistische Datenverarbeitung
5. Ergebnisse
5.1. Anthropometrische Daten zu T1 (Patrizia Michen)
5.1.1. Gruppenspezifische Analyse der anthropometrischen Daten zu T1
5.1.2. BMI - Klassifikation nach T1
5.2. Motorische Daten zu T1 (Simone Gartmann)
5.2.1. Klassifikation des KMS zu T1
5.3. Zusammenhang zwischen Anthropometrie und Motorik zu T1 (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
5.3.1. Motorik der Gesamtgruppe in den verschiedenen BMI – Klassifikationen zu T1
5.3.1.1. Leistungen im Pendellauf
5.3.1.2. Leistungen im Standweitsprung
5.3.1.3. Leistungen im Stand and Reach
5.3.1.4. Leistungen im Sit and Reach
5.3.1.5. Leistungen im Einbeinstand
5.3.1.6. Leistungen im Seitlichen Hin- und Herspringen
5.3.2. Gruppenspezifische Analyse des Zusammenhangs zwischen Anthropometrie und Motorik zu T1
5.3.2.1. Leistungen im Pendellauf
5.3.2.2. Leistungen im Standweitsprung
5.3.2.3. Leistungen im Stand and Reach
5.3.2.4. Leistungen im Sit and Reach
5.3.2.5. Leistungen im Einbeinstand
5.3.2.6. Leistungen im Seitlichen Hin- und Herspringen
5.4. Anthropometrische Daten im Längsschnitt (Patrizia Michen)
5.4.1. BMI – Klassifikationen im Längsschnitt
5.5. Motorische Daten im Längsschnitt (Simone Gartmann)
5.5.1. Pendellauf
5.5.2. Standweitsprung (SWS)
5.5.3. Stand and Reach (SR)
5.5.4. Sit and Reach (SiR)
5.5.5. Einbeinstand 3,0cm (EBS 3,0)
5.5.6. Einbeinstand 4,5cm (EBS 4,5)
5.5.7. Seitliches Hin- und Herspringen (SHH)
5.6. Zusammenhang zwischen Anthropometrie und Motorik im Längsschnitt (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
5.6.1. Gesamtgruppe in den verschiedenen BMI – Klassifikation im Längsschnitt
5.6.1.1. Leistungen im Pendellauf
5.6.1.2. Leistungen im Standweitsprung
5.6.1.3. Leistungen im Stand and Reach
5.6.1.4. Leistungen im Sit and Reach
5.6.1.5. Leistungen im Einbeinstand
5.6.1.6. Leistungen im Seitliches Hin- und Herspringen
5.6.2. Gruppenspezifische Analyse des Zusammenhangs zwischen Anthropometrie und Motorik im Längsschnitt
5.6.2.1. Leistungen im Pendellauf
5.6.2.2. Leistungen im Standweitsprung
5.6.2.3. Leistungen im Stand and Reach
5.6.2.4. Leistungen im Sit and Reach
5.6.2.5. Leistungen im Einbeinstand
5.6.2.6. Leistungen im Seitliches Hin- und Herspringen
5.7. Sportliche Aktivität
5.7.1. Zusammenhang zwischen sportlicher Aktivität und BMI (Patrizia Michen)
5.7.2. Zusammenhang zwischen Schulabschluss der Eltern und BMI der Kinder (Patrizia Michen)
5.7.3. Zusammenhang zwischen Vereinsmitgliedschaft und Motorik (Simone Gartmann)
6. Diskussion
6.1. Diskussion der Methodik
6.1.1. Diskussion der Erhebung der anthropometrischen Daten (Patrizia Michen)
6.1.2. Diskussion der Erhebung der motorischen Daten (Simone Gartmann)
6.2. Diskussion der Interventionsmaßnahmen (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
6.3. Diskussion der anthropometrische Daten (Patrizia Michen)
6.3.1. Die Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im nationalen und internationalen Vergleich
6.3.2. Interventions- und Kontrollgruppe im Vergleich
6.3.3. Zusammenhang zwischen Anthropometrie und Motorik – Gesamtgruppe sowie Interventions- und Kontrollgruppe im Vergleich
6.3.4. Zusammenhang zwischen Anthropometrie und sportlicher Aktivität – Gesamtgruppe sowie Interventions- und Kontrollgruppe im Vergleich
6.4. Diskussion der motorischen Daten (Simone Gartmann)
6.4.1. Gesamtgruppe sowie Interventions- und Kontrollgruppe im Vergleich
6.4.2. Zusammenhang zwischen Motorik und Vereinsmitgliedschaft
7. Zusammenfassung (Simone Gartmann & Patrizia Michen)
8. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht den Effekt einer niederschwelligen Präventionsmaßnahme (KiMo - Kindergarten Mobil) auf den Body Mass Index (BMI) und die motorische Leistungsfähigkeit von Kindergartenkindern, um frühzeitig dem Problem des zunehmenden Übergewichts bei Kindern im Vorschulalter entgegenzuwirken.
- Prävalenz von Übergewicht und Adipositas bei Kindergartenkindern
- Einfluss von Präventionsmaßnahmen auf anthropometrische Daten
- Veränderung motorischer Leistungsfähigkeit durch niederschwellige Interventionen
- Zusammenhang zwischen körperlicher Aktivität, BMI und Motorik
- Rolle des familiären Umfelds und der Vereinsmitgliedschaft
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
Adipositas im Kindesalter ist ein weltweit immer größer werdendes Problem. Die „Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland“ (KiGGS, 2003-2006) hat herausgefunden, dass 15% der Kinder und Jugendlichen in Deutschland, d.h. jedes 6.-7. Kind bzw. Jugendlicher, übergewichtig sind. Adipositas liegt bei etwa 6,3% vor. Bereits im Alter von drei bis sechs Jahren liegt der Anteil der Übergewichtigen bei 9% und der Anteil der Adipösen bei 2,9%. Insbesondere in den westlichen Industrienationen nimmt die Häufigkeit sowie das Ausmaß der Adipositas im Kindesalter stetig zu. Die weltweite Prävalenz an Adipositas hat sich in den letzten 20 Jahren verdoppelt (ROTH et al., 2002).
Eine familiäre Vorbelastung, wie übergewichtige Eltern, eine bestimmte ethnische Zugehörigkeit und ein niedriger sozialer Status, gemessen an Einkommen und Schulbildung der Eltern, sind Risikofaktoren für die Entstehung und Verstärkung von Übergewicht oder Adipositas im Kindes- und Jugendalter.
Bei der Hälfte der adipösen Kinder und Jugendlichen liegt mindestens eine Folgeerkrankung (Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörung, Diabetes mellitus Typ 2, orthopädische Komplikationen) bzw. ein weiterer Risikofaktor (z.B. Hyperinsulinämie) vor (AGA, 2006).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Beschreibt die zunehmende Problematik von Übergewicht und Adipositas im Kindesalter sowie die Bedeutung motorischer Fähigkeiten für eine gesunde kindliche Entwicklung.
2. Adipositas: Definiert Adipositas medizinisch, erläutert die Problematik der Bestimmung bei Kindern mittels BMI-Perzentilen und diskutiert Risikofaktoren.
3. Motorik: Erläutert die theoretischen Grundlagen von Motorik und Bewegung, unterscheidet motorische Fähigkeiten und Fertigkeiten sowie Basisfähigkeiten und beschreibt die motorische Entwicklung im frühen Kindesalter.
4. Methodik: Beschreibt detailliert das KiMo-Projekt, die Untersuchungsstichprobe, das Design der Intervention in Kindergärten sowie die eingesetzten Testverfahren und statistischen Auswertungsmethoden.
5. Ergebnisse: Präsentiert die erhobenen Daten zu Anthropometrie und Motorik zu den Zeitpunkten T1 und T2 sowie deren Zusammenhänge und die Auswirkungen der sportlichen Aktivität.
6. Diskussion: Setzt die Ergebnisse in den Kontext bestehender Literatur, diskutiert kritisch die angewandte Methodik, die Wirksamkeit der Interventionsmaßnahmen sowie den Einfluss von Sportvereinsmitgliedschaften.
7. Zusammenfassung: Fasst die Kernergebnisse der Studie zusammen und leitet Empfehlungen für präventive und therapeutische Ansätze ab.
Schlüsselwörter
Adipositas, Übergewicht, Motorik, Kindergarten, Prävention, Intervention, Body Mass Index, BMI, motorische Entwicklung, Sportverein, körperliche Aktivität, KiMo, Vorschulalter, anthropometrische Daten, Gesundheitsförderung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Diplomarbeit untersucht die Auswirkungen eines niederschwelligen Präventionsprojekts namens "KiMo" auf den BMI und die Motorik von Kindergartenkindern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Adipositasprävention im Vorschulalter, motorische Entwicklung, der Einfluss von Interventionen auf den BMI sowie Zusammenhänge zwischen körperlicher Aktivität und Motorik.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es herauszufinden, ob eine frühzeitige, niederschwellige Präventionsmaßnahme im Kindergarten Einfluss auf die Anthropometrie und motorische Leistungsfähigkeit der Kinder nehmen kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Interventionsstudie mit 27 Kindergärten, die in eine Interventions- und eine Kontrollgruppe unterteilt wurden. Daten wurden anthropometrisch und durch standardisierte Motoriktests (KMS 3-6, Pendellauf, Sit and Reach) zu zwei Zeitpunkten erhoben.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der theoretischen Herleitung von Adipositas und Motorik, der methodischen Beschreibung des KiMo-Projekts sowie einer ausführlichen Darstellung und Diskussion der Ergebnisse hinsichtlich der Entwicklung von BMI und motorischen Daten im Längsschnitt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Adipositas, Übergewicht, Motorik, Kindergarten, Prävention, BMI, körperliche Aktivität, motorische Entwicklung.
Welche Rolle spielt das familiäre Umfeld bei der Intervention?
Das familiäre Umfeld wird durch Elternabende und die Informationsvermittlung über das Projekt einbezogen, da Eltern maßgeblich die Rahmenbedingungen für Ernährung und Bewegung ihrer Kinder setzen.
Was lässt sich zur Nachhaltigkeit des Projekts sagen?
Die Ergebnisse zeigen positive kurzfristige Effekte. Eine langfristige Nachhaltigkeit konnte im Rahmen dieser Studie noch nicht endgültig geklärt werden und sollte in zukünftigen Untersuchungen evaluiert werden.
- Quote paper
- Patrizia Michen (Author), Simone Gartmann (Author), 2008, Kindergarten Mobil (KiMo), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144124