Der Anlass zu dieser Rede ist ohne Übertreibung als der bisherige politische Höhepunkt im Sinne des bedeutsamsten und weitreichendsten Ereignisses für die Bundesrepublik seit ihrem Bestehen zu bezeichnen. Gleichzeitig ist damit das Grundgesetz bzw. dessen Präambel sozusagen in Erfüllung gegangen.
Inhaltsverzeichnis
I. Vorbemerkung
II. Der Redekontext
III. Der Redner
III.1 Richard von Weizsäcker
III.2 V. Weizsäcker als Redner
III.3 Das Amt des Bundespräsidenten
IV. Die Rede zum Staatsakt in Berlin
IV.1 Zur Makrostruktur
IV.2 Zur Mikrostruktur
V. Schluss
V.I Schlussüberlegungen und Zusammenfassung
V.II Weiterführende Forschungsfragen
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit verfolgt das Ziel, die Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker zum Staatsakt anlässlich der Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990 rhetorisch zu analysieren, um die inhaltliche und sprachliche Ausgestaltung dieser historisch bedeutsamen Nachkriegsrede zu durchdringen.
- Biografische und rhetorische Profilierung Richard von Weizsäckers
- Analyse des historischen Redekontextes und der spezifischen Situation
- Strukturelle Untersuchung der Rede (Makro- und Mikrostruktur)
- Rhetorische Einordnung mittels antiker und moderner Stilmittel
- Reflexion über die Rolle des Bundespräsidenten als politischer Akteur
Auszug aus dem Buch
IV.2 Zur Mikrostruktur
Cicero schlägt in seinem Werk "De oratore" vor, "den Stoff und die Gedanken zur Einleitung (...) entweder von dem Angeklagten oder vom Gegner oder von der Sache selbst (...)herzuleiten". Vorletzteres wählte v. Weizsäcker als prooemium, dem Anfang der Redeeinleitung (exordium) Es entspricht einem Redeanfang in medias res, dass bereits im ersten Satz "das Entscheidende(...), was uns an diesem Tag bewegt", nämlich die Erfüllung der Präambel des Grundgesetzes benannt wird. Eine Anrede des Publikums fehlt ebenso wie jegliche Art von captatia benevolentiae, der Erlangung des Wohlwollens.
Schnörkellos beschreibt er im folgenden die Situation Deutschlands wie sie sich ihm darstellt. Von Dankbarkeit und Freude, aber auch Verantwortung, von der geschichtlichen Chance ebenso wie von den Sorgen und Ängsten spricht er. Betonung legt er auf die bestehenden Grenzen zu den deutschen Nachbarn, welche in der Vergangenheit soviel Unheil gebracht hätten, jetzt aber zu Brücken werden sollten. Die, alle Hörer, ja die ganze Bevölkerung inkludierende Bekräftigung "Das ist unser Wille" zeugt von dem Anspruch des Redners, für ein Kollektiv zu sprechen. So geschieht es mehrfach im ersten Absatz. Die Gefühle und Empfindungen des Orators erhalten dadurch den, sicherlich intendierten Anschein von wegweisender Allgemeingültigkeit.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Vorbemerkung: Einführung in die Zielsetzung und die methodische Vorgehensweise der rhetorischen Analyse der Weizsäcker-Ansprache.
II. Der Redekontext: Einordnung der Rede als historischer Höhepunkt der Bundesrepublik und Beschreibung der einzigartigen rhetorischen Situation.
III. Der Redner: Darstellung der biografischen Hintergründe Richard von Weizsäckers, seines Stils als Redner und der repräsentativen Funktion des Bundespräsidentenamtes.
IV. Die Rede zum Staatsakt in Berlin: Analyse des formalen Aufbaus, der Makrostruktur sowie der stilistischen Mittel und argumentativen Strategien im Detail.
V. Schluss: Synthese der Analyseergebnisse sowie kritische Reflexion der rhetorischen Leistung und weiterführende Forschungsfragen.
Schlüsselwörter
Richard von Weizsäcker, Deutsche Einheit, Politische Rhetorik, Staatsakt, Grundgesetz, Präambel, Nachkriegsrede, Stilmittel, Mikrostruktur, Makrostruktur, Politische Kommunikation, Redeanalyse, Bundespräsident, Geschichtliche Verantwortung, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit befasst sich mit einer rhetorischen Analyse der Ansprache von Bundespräsident Richard von Weizsäcker anlässlich des Staatsaktes zur Deutschen Einheit am 3. Oktober 1990.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Untersuchung umfasst die rhetorische Analyse, die politische Biographie des Redners, die historische Einordnung des Redeanlasses sowie die Untersuchung sprachlicher und argumentativer Strukturen.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor mit dieser Analyse?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Richard von Weizsäcker durch sprachliche Mittel und argumentative Strategien die historische Bedeutung der Wiedervereinigung für die Bundesrepublik vermittelte.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Die Arbeit nutzt die klassische rhetorische Analyse, indem sie die Rede chronologisch untersucht und rhetorische Figuren sowie argumentative Strukturen identifiziert und bestimmt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit primär behandelt?
Im Hauptteil liegt der Fokus auf der Gliederung der Rede in Makro- und Mikrostrukturen, der Analyse von Stilelementen wie Antithesen und rhetorischen Fragen sowie der inhaltlichen Auseinandersetzung mit der deutschen Geschichte und Verantwortung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen: Richard von Weizsäcker, Deutsche Einheit, Politische Rhetorik, Staatsakt, Grundgesetz und politische Kommunikation.
Wie bewertet der Autor den Sprachstil von Richard von Weizsäcker?
Der Autor ordnet die Sprache in das "genus medium" ein, lobt die Klarheit und die rhetorische Brillanz, die jedoch stets auf Allgemeinverständlichkeit abzielt, ohne dabei in unnötigen Zierrat zu verfallen.
Welche Rolle spielt die Präambel des Grundgesetzes in Weizsäckers Rede?
Die Präambel durchwebt die gesamte Rede als roter Faden; sie dient dem Redner dazu, die Wirklichkeit sprachlich nachzuvollziehen und den historischen Bogen von 1948 bis 1990 zu spannen.
Was schlussfolgert der Autor über die Wirkung des Redners?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass Weizsäcker seine Aufgabe erfolgreich erfüllt, indem er durch nüchterne Belehrung (docere) überzeugt und dabei das Wohl des Menschen in den Vordergrund stellt.
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- MA Sebastian Hoos (Author), 1993, Eine rhetorische Analyse der Ansprache des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker bei dem Staatsakt zur Deutschen Einheit in der Philharmonie zu Berlin am 3.Oktober 1990, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144155