Die folgende Bachelorarbeit untersucht das Bildungspotenzial von Silent Books für eine diversitätsorientierte frühe Literacy-Bildung. Durch die Analyse theoretischer und empirischer Literatur zu Silent Books wird erforscht, wie diese textfreien Bilderbücher die Literacy-Entwicklung von Kindern im Vorschulalter fördern und dabei diversitätssensible Praktiken unterstützen können.
Silent Books, oder textfreie Bilderbücher, bieten einen innovativen Ansatz zur Förderung früher Literacy-Erfahrungen bei Kindern, unabhängig von deren sprachlichen Fähigkeiten. Diese Arbeit beleuchtet die besondere Rolle von Silent Books in der diversitätsorientierten frühkindlichen Bildung und diskutiert, wie diese Medien komplexe Lernkompetenzen anbahnen und zur Teilhabe an Literacy-Erfahrungen beitragen können. Mit einem Fokus auf die Vorschulbildung wird das Potenzial dieser Bücher hinsichtlich Sprachentwicklung, Narrativität, Theory of Mind und Visualität untersucht.
Die Ergebnisse zeigen, dass Silent Books nicht nur die Literacy-Sozialisation in spezifischen Bereichen unterstützen, sondern auch Möglichkeiten für eine diversitätssensible Bildung eröffnen. Diese Erkenntnisse führen zur Entwicklung eines Konzeptes für eine diversitätsorientierte Literacy-Bildung durch Silent Books, welches im Spannungsfeld von Kompetenzförderung und ressourcenorientierter Bildung angesiedelt ist.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1 Frühkindliche Bildung und das Medium Bilderbuch
1.1 Das Feld der Theorien zur frühkindlichen Bildung
1.2 Das Bilderbuch als Medium in der frühkindlichen Bildung
2 Ein Medium mit besonderen Merkmalen: Silent Books
2.1 Definition und Merkmale
2.2 Forschungsstand zu Silent Books
3 Lesesozialisation und diversitätsorientierte Literacy-Praxis
3.1 Emergent Literacy: Zugang zu Sprach- und Schriftkultur
3.2 Diversitätsorientierte Praktiken in der frühen Bildung
3.2.1 Ko-Konstruktives Lernen nach Vygotskij und Teilhabe
3.2.2 Dialogisches Lesen: eine ko-konstruktive Praktik
4 Silent Books: spezifische Aspekte und frühe Literacy
4.1 Sprache
4.1.1 Sprache in der frühkindlichen Bildung
4.1.2 Silent Books: frühe sprachliche Bildung
4.2 Narrativität
4.2.1 Narrativität in der frühkindlichen Bildung
4.2.2 Silent Books: frühe Bildung narrativer Konzepte
4.3 Theory of Mind (ToM)
4.3.1 Theory of Mind in der frühkindlichen Bildung
4.3.2 Silent Books: frühe Bildung der Theory of Mind
4.4 Visualität
4.4.1 Visualität in der frühkindlichen Bildung
4.3.2 Silent Books: frühe Bildung von visuellen Konzepten
4.5 Ergebnisse
5 Diskussion und Beantwortung der Forschungsfrage
6 Konzept: diversitätsorientierte Literacy-Bildung mit Silent Books
7 Fazit und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Bildungspotenzial von textfreien Bilderbüchern („Silent Books“) für eine diversitätsorientierte frühe Literacy-Bildung. Die zentrale Forschungsfrage lautet: Welches besondere Potenzial haben Bilderbücher ohne Text für die Förderung der Literacy-Entwicklung von Kindern im Elementarbereich?
- Bedeutung der frühen Lesesozialisation und Literacy-Entwicklung
- Kompetenzbereiche der Literacy: Sprache, Narrativität, Theory of Mind und Visualität
- Diversitätsorientierte Pädagogik und inklusive Bildungsansätze
- Methodik des ko-konstruktiven Lernens und des dialogischen Lesens
- Praktische Implementierung von Silent Books im frühkindlichen Bildungskontext
Auszug aus dem Buch
4.1.2 Silent Books: frühe sprachliche Bildung
Nach Fuchs & Bindel (2012) kann eine erfolgreiche Sprachförderung, die zu einem „Handeln in und durch Sprache“ führen soll, nur gelingen, wenn die Verwendung von Sprache in komplexer Interaktion geschieht und erfahren wird und nicht durch direkte Instruktion (vgl. S. 193). Weiter konstatieren sie, dass nur die Momente der individuellen und emotionalen Begegnung zur Aufnahme von Sprache führen und dass diese intuitive Sprachaufnahme in einer dynamischen Lerngemeinschaft unabhängig von unterschiedlichen Sprachen geschieht (vgl. ebd. S. 193). Die neuere Forschung zu Silent Books ist insgesamt überschaubar, weist jedoch auf besondere Potenziale hin (vgl. Arizpe, 2014; Volz, 2018a; Moderegger, 2020, S. 139ff). So können das Gespräch zu einem Silent Book oder das Konstruieren der Geschichte „dazu beitragen, Geschichtenkonzepte zu stärken“ (vgl. von Lehmden, 2022, S. 368). Translinguale Praktiken, die im Fall der Silent Books von der Kenntnis der deutschen Sprache unabhängige Zugangsweisen zur Bilderbuchrezeption ermöglichen, bieten entsprechende barrierefreie sprachliche Bildungsmöglichkeiten durch dieses Medium (vgl. Panagiotopoulou, 2016, S. 33).
Moderegger (2020) wies nach, dass „Kinder durch die ungewöhnlich reduzierte Gestaltung und Brüche in der Narration zu Gedanken herausgefordert“ werden, „die weit über ein bloßes Beschreiben von Gesehenem hinausgingen“ (vgl. S. 160). Die Kinder brachten spontan und ohne gezielte Nachfrage „abstrahierende Übertragungen“ hervor und nutzten somit „metaphorische oder symbolisch Lektüreangebote“ (vgl. ebd. S. 160). Besonders bedeutsam für die sprachliche Anregung ist es, dass bei der Rezeption von Silent Books „die Handlungen der Figuren und die Handlungslogik“ aber auch „die Gedanken, Gefühle und Motive“ der Akteur*innen erschlossen werden müssen (Volz, 2020, S. 171) und die Rezipierenden bringen selbst die Stimme der erzählenden Person und „die Figurenrede hervor“ (vgl. ebd. S. 171; Volz, 2018, S. 180).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Überblicksartige Darstellung der Ausgangslage zur frühen Literacy-Bildung, zur Bildungsungleichheit und zur thematischen Einführung der Forschungsfrage zu „Silent Books“.
1 Frühkindliche Bildung und das Medium Bilderbuch: Theoretische Rahmung der frühkindlichen Bildung und interdisziplinäre Untersuchung des Bilderbuchs als klassisches Medium in diesem Bereich.
2 Ein Medium mit besonderen Merkmalen: Silent Books: Abgrenzung des textfreien Bilderbuchs vom textbasierten Medium sowie Überblick über den aktuellen Forschungsstand zu „Silent Books“.
3 Lesesozialisation und diversitätsorientierte Literacy-Praxis: Analyse der Bedeutung von Lesesozialisation und Vorstellung inklusiver, diversitätsorientierter Literacy-Praktiken, insbesondere des dialogischen Lesens.
4 Silent Books: spezifische Aspekte und frühe Literacy: Detaillierte Untersuchung von vier zentralen Literacy-Kompetenzbereichen (Sprache, Narrativität, Theory of Mind, Visualität) im Kontext von „Silent Books“.
5 Diskussion und Beantwortung der Forschungsfrage: Synthese und Diskussion der Rechercheergebnisse zur Klärung des besonderen Potenzials von „Silent Books“ für die frühkindliche Literacy-Bildung.
6 Konzept: diversitätsorientierte Literacy-Bildung mit Silent Books: Vorstellung einer fünfphasigen Konzeptidee für pädagogische Fachkräfte zur Implementierung von „Silent Books“ in der Praxis.
7 Fazit und Ausblick: Kritische Reflexion der Ergebnisse, Beantwortung der Forschungsfrage und Darstellung von offenem Forschungsbedarf.
Schlüsselwörter
Frühkindliche Bildung, Literacy-Bildung, Silent Books, Bilderbücher ohne Text, Lesesozialisation, Diversitätsorientierung, Inklusion, Sprachentwicklung, Narrativität, Theory of Mind, Visual Literacy, Ko-Konstruktion, Dialogisches Lesen, Medienpädagogik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Thema der frühkindlichen Literacy-Bildung und analysiert, inwieweit „Silent Books“ (textfreie Bilderbücher) als Instrument zur Unterstützung von Teilhabechancen und Bildungsgerechtigkeit fungieren können.
Welche zentralen Themenfelder werden in der Arbeit behandelt?
Die zentralen Themen umfassen die frühkindliche Medienpädagogik, die Lesesozialisation, Diversität in Bildungseinrichtungen sowie die spezifische Verzahnung von Bildbetrachtung und sprach- bzw. kompetenzfördernden Narrativen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, auf Basis einer Literaturrecherche das besondere Bildungspotenzial von textfreien Bilderbüchern für die Literacy-Förderung von Kindern im Elementarbereich herauszuarbeiten und daraus praxisnah ein Konzept für Fachkräfte abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Autorin wählt eine hermeneutische Literaturarbeit bzw. Literaturanalyse durch, bei der sie wissenschaftliche Quellen zum Thema aus interdisziplinären Blickwinkeln auswertet und auf die Forschungsfrage bezieht.
Was wird im umfangreichen Hauptteil besprochen?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Literacy-Praktiken sowie eine differenzierte Auseinandersetzung mit vier Schlüsselbereichen: Sprache, Narrativität, Theory of Mind und Visualität im Kontext von „Silent Books“.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie „Frühkindliche Bildung“, „Literacy-Förderung“, „Silent Books“, „Dialogisches Lesen“ und „Diversitätsorientierung“ aus.
Warum sind Silent Books besonders für inklusive Bildungssettings geeignet?
Weil sie einen barrierefreien Zugang ermöglichen, der weitgehend unabhängig von den spezifischen sprachlichen Vorkenntnissen der Kinder ist. Da kein einziger „korrekter“ Text vorgegeben ist, können Kinder verschiedener Herkunftssprachen gleichberechtigt am Dialog über das Gesehene teilhaben.
Welche Rolle spielt die pädagogische Fachkraft?
Die Fachkraft fungiert als „Gatekeeper“ für den Bildungszugang. Sie muss über die didaktischen Möglichkeiten von „Silent Books“ informiert sein und durch eine dialogisch ausgerichtete, selbstreflexive Haltung in der Lage sein, die individuellen Sinnbildungsprozesse der Kinder zu begleiten und zu unterstützen.
- Arbeit zitieren
- Asita Bänsch (Autor:in), 2023, Bilder ohne Worte. Der Einfluss von Silent Books auf die frühkindliche Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1441591