Das Streben nach ganzheitlichem Wohlbefinden und gesundheitlichen Vorteilen hat Yoga in der westlichen Welt zu einer weit verbreiteten Praxis gemacht. Die präventive Wirkung und die ganzheitliche Betrachtung des Menschen tragen dazu bei, dass Yoga zunehmend auch in therapeutischen Kontexten Anwendung findet. Trotz dieser Entwicklung fehlt es in den Sozialarbeitswissenschaften noch weitgehend an einer eingehenden Auseinandersetzung mit Embodiment-Ansätzen wie Yoga.
Diese Arbeit setzt genau hier an und führt eine explorative Untersuchung zum Einsatz von Yoga in der Sozialen Arbeit durch. Die Autorin, selbst Sozialarbeitende und Yogalehrerin, entwickelte einen Yogaworkshop für Studierende der Sozialen Arbeit an der EAH-Jena. Ziel war es, herauszufinden, wie in den Sozialarbeitswissenschaften ein Bewusstsein für Yoga als komplementäre Praxis etabliert werden kann.
Der theoretische Teil beginnt mit einer grundlegenden Definition und einem historischen Überblick zu Yoga. Dabei werden insbesondere das Yogasutra von Patanjali und Hatha Yoga beleuchtet. Im Anschluss wird die Frage nach der Wirkungsweise von Yoga aufgegriffen, wobei das autonome Nervensystem, Bottom-Up- und Top-Down-Regulierung sowie aktuelle Forschungsergebnisse eine Rolle spielen.
Der Blick richtet sich dann darauf, wie Yoga in die Soziale Arbeit integriert werden kann. Gemeinsamkeiten, Möglichkeiten, Chancen, aber auch Grenzen und Bedingungen werden diskutiert, unter besonderer Berücksichtigung von Traumasensibilität und Qualifizierung. Der theoretische Teil schafft so eine Grundlage für die nachfolgende praktische Untersuchung.
Im praktischen Teil wird der entwickelte Yogaworkshop für Studierende analysiert. Durch leitfadengestützte Interviews und Gruppenauswertungen werden Erkenntnisse über den Bedarf von Studierenden an Selbstfürsorge und praktischen Fähigkeiten während ihres Studiums gewonnen. Die Ergebnisse werden mit den theoretischen Erkenntnissen verknüpft und dienen als Ausgangspunkt für weitere Forschungsvorhaben.
Diese Arbeit trägt dazu bei, den Einsatz von Yoga in den Sozialarbeitswissenschaften zu fördern. Der Fokus liegt darauf, Sozialarbeitenden ein zusätzliches Werkzeug für die individuelle Betreuung ihrer Klient:innen bereitzustellen. Durch die Verbindung von theoretischem Wissen und praktischer Anwendung wird ein Beitrag zur Etablierung eines Bewusstseins für Yoga als komplementäre Praxis in der Sozialen Arbeit geleistet.
Inhaltsverzeichnis
1 HINTERGRUND DER ARBEIT
2 ZIELE UND AUFBAU
3 WAS IST YOGA?
3.1 BEGRIFFSDEFINITION UND HISTORISCHER ÜBERBLICK
3.2 DAS YOGASUTRA VON PATANJALI
3.3 HATHA YOGA
3.4 IM YOGA VERWENDETE TECHNIKEN
3.5 ZUSAMMENFASSUNG DER ERKENNTNISSE
4 WIE WIRKT YOGA?
4.1 DAS AUTONOME NERVENSYSTEM
4.2 BOTTOM- UP UND TOP- DOWN REGULIERUNG DURCH YOGA
4.3 AKTUELLER FORSCHUNGSSTAND
4.4 ZUSAMMENFASSUNG DER ERKENNTNISSE
5 WIE KANN YOGA IN DIE SOZIALEN ARBEIT INTEGRIERT WERDEN?
5.1 GEMEINSAMKEITEN
5.2 MÖGLICHKEITEN UND CHANCEN
5.3 GRENZEN UND BEDINGUNGEN
5.4 TRAUMASENSIBILITÄT UND QUALIFIZIERUNG
5.5 ZUSAMMENFASSUNG DER ERKENNTNISSE
6 DER WORKSHOP – VORÜBERLEGUNGEN
6.1 INHALT UND AUFBAU
6.2 TEILNEHMENDE UND ABLAUF
7 VORGEHEN ZUR AUSWERTUNG
8 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE
8.1 ERGEBNISSE DER GRUPPENAUSWERTUNG
8.2 ERGEBNISSE DER INTERVIEWS
8.3 ZUSAMMENFASSUNG DER ERKENNTNISSE UND DISKUSSION
9 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Potenzial von Yoga als komplementäre Praxis in der Sozialen Arbeit. Unter der leitenden Forschungsfrage, wie ein Bewusstsein für Yoga in diesem Fachdiskurs etabliert werden kann, wird die heilende und regulierende Wirkung von Yoga – insbesondere im Hinblick auf das autonome Nervensystem – analysiert und durch einen selbst entwickelten Yoga-Workshop für Studierende praktisch erprobt.
- Grundlagen der Yoga-Philosophie und ihre Relevanz für psychosoziale Arbeit.
- Die neurobiologische Wirkweise von Yoga (Bottom-Up- und Top-Down-Regulation).
- Möglichkeiten der Integration von Yoga in den sozialarbeiterischen Alltag.
- Qualifizierungsbedarfe für eine traumasensible Yoga-Praxis.
- Evaluation der Akzeptanz und Nutzbarkeit von Yoga-Techniken durch Studierende der Sozialen Arbeit.
Auszug aus dem Buch
3.1 Begriffsdefinition und historischer Überblick
Der Begriff Yoga stammt aus dem Sanskrit und lässt unter Betrachtung der historischen und religiösen Bedeutung, sowie der sprachgeschichtlichen Ableitung keine eindeutige Übersetzung zu (vgl. Deutzmann, 2002, S. 45-72). Er leitet sich von dem Wort „YUJ“ ab, dem im Allgemeinen zwei Bedeutungen zugesprochen werden. Zum einen wird es als „Vereinigung“ oder als „zu vereinigen“ übersetzt. Sarbacker (2021) erklärt, dass sich dieses Zusammenbringen einerseits auf die Vereinigung von Körper und Geist beziehen kann. Andererseits bezieht es sich in theistischen und monistischen Kontexten aber auch auf das Vereinigen vom eigenen innersten Selbst bzw. der Seele (ātman) mit dem Größeren¹ (paramātman).
Weiterhin führt sie aus, dass das Wort „YUI“ mit der englischen Infinitivsform des Verbs „to yoke“ verwandt ist, was im Deutschen so viel bedeutet wie „anjochen“ oder „anspannen“. Historisch bezieht es sich auf das Anschirren von Zugtieren vor einen Wagen und verweist auf das Disziplinieren von Körper und Geist (vgl. Sarbacker, 2021, S. 2). Yoga kann unter begrifflicher Betrachtung dementsprechend als eine Methode verstanden werden, die sich auf das Vereinen und Disziplinieren von Körper, Geist und Seele bezieht und dadurch die Ansicht der Untrennbarkeit zwischen diesen Komponenten unterstreicht (vgl. Strauss, 2005, S. 2-3).
Zusammenfassung der Kapitel
1 HINTERGRUND DER ARBEIT: Die Autorin legt ihre Motivation und Erfahrungen aus der Arbeit als Sozialarbeiterin und Yogalehrerin dar, die den Ursprung für das Thema bilden.
2 ZIELE UND AUFBAU: Dieses Kapitel skizziert die methodische Vorgehensweise, bestehend aus einer theoretischen Einordnung und der Evaluation eines selbst entworfenen Workshops.
3 WAS IST YOGA?: Es werden Grundlagen der Yoga-Tradition, das Yogasutra von Patanjali und gängige Techniken erläutert.
4 WIE WIRKT YOGA?: Der Fokus liegt auf der Wirkungsweise von Yoga auf das autonome Nervensystem und den aktuellen Forschungsstand.
5 WIE KANN YOGA IN DIE SOZIALEN ARBEIT INTEGRIERT WERDEN?: Diskussion über Schnittstellen zwischen Yogapraxis und sozialer Arbeit sowie Chancen und Grenzen einer Integration.
6 DER WORKSHOP – VORÜBERLEGUNGEN: Die Konzeption des Workshops für Studierende der EAH-Jena wird vorbereitet.
7 VORGEHEN ZUR AUSWERTUNG: Darstellung der methodischen Vorgehensweise bei der Datenerhebung durch Gruppenauswertung und Interviews.
8 DARSTELLUNG DER ERGEBNISSE: Auswertung der gesammelten Daten aus dem Workshop und den begleitenden Befragungen.
9 ZUSAMMENFASSUNG UND AUSBLICK: Reflexion der Erkenntnisse und Einordnung des Themas für die zukünftige sozialarbeiterische Praxis.
Schlüsselwörter
Soziale Arbeit, Yoga, embodied practices, Körperwahrnehmung, Autonomes Nervensystem, traumasensibles Yoga, Stressprävention, Selbstfürsorge, Achtsamkeit, Regulationsfähigkeit, Psychohygiene, Yoga-Workshop, Studierende, Methodik, Empowerment.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beleuchtet den Nutzen von Yoga als ergänzende Methode in der Sozialen Arbeit, um die Selbstfürsorge von Fachkräften und die Unterstützung von Klient*innen zu stärken.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Yoga-Philosophie, neurobiologische Stressregulation, traumasensible Praxisansätze und die Anwendung von Yoga in psychosozialen Arbeitsfeldern.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Bewusstsein für Yoga als komplementäres Werkzeug in der Sozialen Arbeit zu vermitteln, um Klient*innen und Sozialarbeitende in ihrer Selbstregulation zu unterstützen.
Welche wissenschaftliche Methodik wird verwendet?
Es handelt sich um eine explorative Untersuchung mit einem theoriegeleiteten Literaturvergleich sowie der qualitativen Evaluation eines eigens durchgeführten Workshops mittels Gruppenauswertung und Interviews.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische fundierte Auseinandersetzung mit der Wirkweise von Yoga auf das Nervensystem und einen praktischen Teil, in dem ein Workshop für Studierende konzipiert, durchgeführt und ausgewertet wurde.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Soziale Arbeit, Yoga, psychische Gesundheit, Stressregulation, Achtsamkeit und Selbstfürsorge.
Wie wurde der Workshop an der EAH-Jena evaluiert?
Die Evaluation erfolgte durch Feedback unmittelbar nach dem Workshop sowie durch leitfadengestützte Interviews mit Teilnehmenden zwei Monate später.
Gibt es Vorbehalte gegenüber Yoga in der Sozialen Arbeit?
Ja, in den Befragungen wurde deutlich, dass teilweise Vorurteile bestanden und die Integration in den Arbeitsalltag zunächst als schwierig oder nicht anwendbar empfunden wurde.
- Arbeit zitieren
- Josefine Weisheit (Autor:in), 2023, Der Einsatz von Yoga in der Sozialen Arbeit am Beispiel eines selbst entwickelten Yoga-Workshops für Studierende, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1441638