Bei der aktuellen Finanzkrise wurden viele Sündenböcke identifiziert. Das Versagen
der Ratingagenturen, falsche Strukturen in der Managementvergütung, fehlgreifende
aufsichtsrechtliche Rahmenbedingungen für Banken und die sich weltweit
verbreitende IFRS-Bilanzierung. Doch gerade letztgenannter Paradigmenwechsel
vom historical cost accounting (HCA) hin zum fair value accounting
(FVA) hat diesen verstärkt in den Fokus der Kritik gerückt. Austrocknende
Märkte für die weitverbreiteten und komplizierten Verbriefungsprodukte führten
zu einer verstärkten Abwehrhaltung der Banken. Diese halten viele der toxischen
Wertpapiere in den Bilanzen und sind von deren Wertverlusten verstärkt betroffen.
Konjunkturell bedingte Marktschwankungen werden durch prozyklische
Tendenzen der gemischten Wertkonzeption des mixed model Ansatzes und durch
die Anknüpfung von rechnungslegungsfremden Zwecken an die IFRSBerichterstattung
verstärkt. Der Startpunkt einer verhängnisvollen Abwärtsspirale
ist gesetzt, in der der fair value als Brandbeschleunigers fungiert. Durch die
Stellung der Kreditinstitute als Finanzintermediäre sind auch realwirtschaftliche
Konsequenzen die Folge. Die Rolle der Banken muss daher besonders beleuchtet
werden.
Inhaltsverzeichnis
1 PROBLEMSTELLUNG
2 DER FAIR VALUE IM REGELWERK DER IFRS
3 DER FAIR VALUE ALS BESCHLEUNIGER DER FINANZKRISE
3.1 Unterschiedliche Erfolgsverbuchung im Rahmen des mixed model
3.2 Die Bilanz als Bemessungsbasis der Managemententlohnung
3.3 Aufsichtsrechtliche Eigenkapitalanforderungen
3.4 Position der Banken
3.5 Fair value accounting vs. historical cost accounting in der Finanzkrise
4 LÖSUNGSANSÄTZE
4.1 Economic cycle reserving
4.2 Korrektur der IFRS Werte für regulatorische Zwecke
4.3 Glättung der Marktpreise
4.4 Leverage ratio
4.5 Maßnahmen der deutschen Bundesregierung
4.6 Diskussion
5 THESENFÖRMIGE ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Rolle der Fair-Value-Bilanzierung als verstärkender Faktor innerhalb der Finanzmarktkrise, wobei insbesondere die Auswirkungen auf das Bankwesen, regulatorische Anforderungen und Anreizstrukturen für das Management analysiert werden, um daraus potenzielle Lösungsansätze abzuleiten.
- Analyse der Fair-Value-Bilanzierung im IFRS-Regelwerk
- Untersuchung prozyklischer Effekte auf die Eigenkapitalausstattung von Banken
- Bewertung der Bilanz als Grundlage für Managementanreize
- Diskussion regulatorischer Maßnahmen wie "Economic Cycle Reserving"
- Kritische Würdigung der "Bad-Bank"-Modelle und internationaler Bilanzierungsstandards
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Bilanz als Bemessungsbasis der Managemententlohnung
Der frühere Gewinn- wie auch Verlustausweis in Verbindung mit der Kontraktfunktion der Bilanz verkürzt den Horizont der Manager, da deren Gehaltsansprüche oftmals eng mit bestimmten Erfolgskennziffern des Unternehmens gekoppelt sind. Der Anreiz durch aktionistisches Handeln Gewinne durch z.B. Investitionen in spekulative, blasenartig wachsende Vermögenswerte kurzfristig zu maximieren und somit prozyklische Tendenzen zu verstärken wird größer. Es liegt daher im Eigeninteresse des Managements, eine für seine Entlohnung ungünstige bilanzielle Darstellung zu vermeiden und bilanzpolitische Spielräume opportunistisch zu seinen Gunsten zu nutzen. Der systematische Informationsvorsprung des Managements konnte durch die Hinwendung zur Marktwertbilanzierung zwar eingeschränkt werden. Im Rahmen der Ermittlungshierarchie sowie der aktuellen Möglichkeiten der Umklassifizierung von Wertpapieren ist jedoch weiterhin Raum für Manipulationen.
Durch Abkehr von objektiven Marktpreisen zugunsten subjektiver Bewertungsmethoden und deren Parametern kann eine Verschleierungstaktik verwirklicht werden und macht eine Vergleichbarkeit von Unternehmensabschlüssen nur noch eingeschränkt möglich. Auch wenn dieser Modellwert durchaus von Relevanz ist, dessen Anfälligkeit für Manipulationen oder subjektive Fehleinschätzungen seitens des Managements ist jedoch gegeben. Diese gehen daher ein nicht unerhebliches Risiko ein, bei den Eigenkapitalgebern Rechtsklagen zu bewirken, sollte sich eine Abschreibung infolge der Anwendung eines solchen Modells als fehlerhaft erweisen. Den Nachweis ob die getätigten Abschreibungen hierbei wesentlich unter dem Fundamentalwert liegen, haben aber selbst Finanzinstitute noch nicht erbracht, obwohl diese hieran aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein gesteigertes Interesse haben dürften.
Zusammenfassung der Kapitel
1 PROBLEMSTELLUNG: Einführung in die Kritik an der Fair-Value-Bilanzierung und deren Rolle als möglicher Brandbeschleuniger in der Finanzkrise.
2 DER FAIR VALUE IM REGELWERK DER IFRS: Erläuterung der konzeptionellen Grundlagen der Fair-Value-Bewertung innerhalb der IFRS und deren hierarchischer Ermittlungsstruktur.
3 DER FAIR VALUE ALS BESCHLEUNIGER DER FINANZKRISE: Detaillierte Analyse der prozyklischen Wirkungen, der Auswirkungen auf Manageranreize, regulatorische Eigenkapitalvorgaben und die spezifische Situation von Banken.
4 LÖSUNGSANSÄTZE: Diskussion potenzieller regulatorischer und bilanzpolitischer Gegenmaßnahmen wie zyklusabhängige Reserven, Anpassungen bei der Eigenkapitalberechnung und staatliche Stabilisierungsinstrumente.
5 THESENFÖRMIGE ZUSAMMENFASSUNG: Komprimierte Darstellung der zentralen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen der Untersuchung.
Schlüsselwörter
Fair Value, Finanzmarktkrise, IFRS, Bilanzierung, Banken, Eigenkapitalanforderungen, Basel II, Prozyklität, Risikomanagement, Managemententlohnung, Marktwert, Bilanzpolitik, Unternehmenspublizität, Finanzmarktregulierung, Bad Banks
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem Einfluss der Fair-Value-Bilanzierung auf die Entstehung und Verschärfung der Finanzmarktkrise, insbesondere im Hinblick auf deren prozyklische Wirkungen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen bei den IFRS-Rechnungslegungsstandards, den Auswirkungen auf das Eigenkapital von Banken, der Managementvergütung sowie verschiedenen Lösungsansätzen zur Stabilisierung des Finanzsystems.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern die Fair-Value-Bilanzierung als Katalysator oder Beschleuniger der Krise gewirkt hat und welche regulatorischen Maßnahmen zur Milderung dieser Effekte sinnvoll sind.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literatur- und Standardanalyse, ergänzt durch die Auswertung empirischer Daten zu Ratingveränderungen und bankpraktischen Fallbeispielen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Schwächen des Fair-Value-Ansatzes in Krisenzeiten, die Interaktion mit Eigenkapitalregulierungen nach Basel II und die diskussionswürdigen Lösungsansätze wie "Economic Cycle Reserving".
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fair Value, Prozyklität, Basel II, Finanzmarktregulierung und Bilanzpolitik im Bankensektor.
Wie wirkt sich die Fair-Value-Bilanzierung auf das Management aus?
Der Autor argumentiert, dass durch die Koppelung der Managementvergütung an bestimmte Bilanzkennzahlen ein Anreiz besteht, bilanzpolitische Spielräume für eine kurzfristige Erfolgsoptimierung zu nutzen.
Welche Rolle spielen Ratingagenturen in diesem Kontext?
Ratingagenturen stehen aufgrund ihrer Fehleinschätzungen toxischer Finanzprodukte und der daraus resultierenden prozyklischen Abwertungsspirale massiv in der Kritik, was eine Überprüfung ihrer Methoden geboten erscheinen lässt.
- Arbeit zitieren
- Holger Meyndt (Autor:in), 2009, Die fair value-Bilanzierung als Katalysator und Beschleuniger der Krise, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144203