„Leben heißt, Anforderungen gegenüberzustehen, sie zu begreifen, die damit
verknüpften Empfindungen in Worte zu fassen und die Anforderungen zu bewältigen
versuchen. Je mehr sich die reale, zu erkennende wie zu verändernde Situation dem
Bild nähert, das sich ein Mensch von ihr macht, umso größer die Chancen einer
Realisierung – vorausgesetzt, daß die Ressourcen hierzu vorhanden sind. Soziale
Probleme entstehen dort, wo diese Ressourcen fehlen“ (HEINER u.a. 1994, 289).
Unsere Hausarbeit zum Thema „Altersarmut – ein Soziales Problem?!“ soll klären,
inwieweit es im Speziellen den älteren und alten Menschen in der Bundesrepublik
möglich ist, diese Anforderungen des Lebens zu erfüllen und damit, ob ihnen genügend
Ressourcen zur Verfügung stehen.
Im Folgenden werden wir nun versuchen, einen Überblick über des gesellschaftliche
Feld der Altersarmut zu geben. Die Tatsache, dass Menschen für ihr Überleben, ihre Existenzsicherung und ihr
Wohlbefinden auf eine menschengerechte Gesellschaft angewiesen sind, ist Grundlage
für soziale Probleme und deren Konsequenzen bezüglich der Teilhabe am Leben in der
Gesellschaft.
Staub – Bernasconi unterscheidet zwischen:
- Ausstattungsproblemen (Probleme nicht erfüllter Bedürfnisse und legitimer
Wünsche, behinderten Lernens und mithin unzureichender Ausstattung von
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Menschen bei gleichzeitig übererfüllten Wünschen anderer Menschen und
Gruppen bis hin zur Luxusausstattung)
- Austauschproblemen (Probleme asymmetrischen Gebens und Nehmens und
damit von Austauschbeziehungen, die nicht auf Gegenseitigkeit beruhen)
- Machtproblemen (Probleme behinderter Machtverhältnisse)
- Kriterienprobleme (Probleme nicht erfüllter, zerstörter, fehlender oder willkürlich
gehandhabter Werte und Kriterien)
(vgl. STAUB-BERNASCONI 1994, 105-106)
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. DEFINITIONEN
2.1 Soziale Probleme
2.1.1 Definition nach Staub - Bernasconi
2.1.2 Weiterer Definitionsversuch Heiner, Meinold, Spiegel und Staub-Bernasconi
2.2 Armut
2.2.1 Definition nach einem Universallexikon
2.2.1.1 Relative, subjektive, absolute und politische Armut
2.2.1.1.1 Relatives Armutskonzept
2.2.1.1.2 Subjektives Armutskonzept
2.2.1.1.3 Absolutes Armutskonzept
2.2.1.1.4 Politisches Armutskonzept
2.2.1.2 Bedeutungswandel von Armut in der europäischen Geschichte
3. DIE DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND
4. STANDARDRENTE – DURCHSCHNITTSRENTE
4.1 Standardrente
4.1.1 Die Höhe der Standardrente
4.2 Durchschnittsrente
4.2.1 Durchschnittliche Rentenzahlbeträge
5. ARMUT AUS SOZIOLOGISCHER PERSPEKTIVE
5.1 Citizenship – Wohlfahrtsstaat
5.2 Armut als soziales Problem und Subkultur
6. INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN ZUR BEKÄMPFUNG DER ALTERSARMUT
6.1 Alterssicherung in der Bundesrepublik Deutschland
6.2 Die Gesetzliche Rentenversicherung
6.2.1 Allgemeiner Überblick
6.2.2 Leistungen der Rentenversicherung
6.2.3 Rente wegen Alters
6.3 Die bedarfsorientierte Grundsicherung
6.3.1 Fakten zur Grundsicherung
6.3.2 Die Höhe der Grundsicherung
7. FAZIT
Zielsetzung und Themen
Die Arbeit untersucht das Phänomen der Altersarmut in der Bundesrepublik Deutschland und hinterfragt, ob älteren Menschen heute genügend Ressourcen zur Verfügung stehen, um ihre Lebensanforderungen zu erfüllen. Dabei werden soziologische Armutsbegriffe, demographische Trends sowie bestehende Sicherungssysteme wie die Rentenversicherung und die Grundsicherung analysiert.
- Definitionen von Armut und sozialen Problemen
- Demographische Entwicklungen in Deutschland
- Struktur der Alterssicherung und Rentensysteme
- Soziologische Perspektiven auf Armut (Citizenship und Subkultur)
- Interventionsmöglichkeiten zur Bekämpfung von Altersarmut
Auszug aus dem Buch
2.2.1.1 Relative, subjektive, absolute und politische Armut
Bei dem Versuch Armut zu definieren kommt man unweigerlich zu sehr verschiedenen Definitionsansätzen. Dies lässt sich leicht erklären, wenn man sich überlegt, dass es verschiedene Blickwinkel gibt, unter denen man den Zustand ,,Armut" sehen kann. Ist man nun arm, weil man Hunger leidet? Ist man arm, weil man sich Dinge nicht leisten kann, die sich andere leicht leisten können? Ist man arm, weil man sich selbst als arm empfindet? Ist man arm, weil der Staat feststellt, dass man Sozialleistungen empfangen sollte?
Obige Fragen zeigen, dass man Armut von ganz verschiedenen Perspektiven sehen kann. Versucht man nun diese verschiedenen Definitionsansätze unter einen Hut zu bringen, d.h. zu kategorisieren, so kann man zu folgender Einteilung gelangen:
2.2.1.1.1 Relatives Armutskonzept
Hier liegt das Erreichen von typisch gesellschaftlichen Standards im Vordergrund. Arm ist der, der hinter allgemein anerkannten minimalen Konsumstandards zurückbleibt. Der Arme steht bei diesem Ansatz immer in Relation zur übrigen Bevölkerung.
1. Ressourcenkonzept: relativer Mangel an Einkommen, Vermögen und Transferleistungen
2. Lebenslagenkonzept: relativ schlechtere Versorgung in Bereichen wie: Wohnung, Arbeit, Hausrat
„Der Begriff relative Armut findet Verwendung zur Beschreibung der materiellen Lage von Personen, deren Einkommen beträchtlich unter dem jeweiligen gesellschaftlichen Durchschnitt liegt.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik der Altersarmut und Skizzierung des Forschungsinteresses hinsichtlich der Ressourcen älterer Menschen.
2. DEFINITIONEN: Theoretische Abgrenzung zentraler Begriffe wie "soziale Probleme" und verschiedene Formen der Armut.
3. DIE DEMOGRAPHISCHE ENTWICKLUNG IN DEUTSCHLAND: Analyse des demographischen Wandels und der zunehmenden Bedeutung der Altersstruktur für das Rentensystem.
4. STANDARDRENTE – DURCHSCHNITTSRENTE: Erläuterung der Rentenberechnungsgrößen und Analyse statistischer Rentenbeträge nach verschiedenen Kriterien.
5. ARMUT AUS SOZIOLOGISCHER PERSPEKTIVE: Beleuchtung soziologischer Theorien zur Armut, insbesondere das Citizenship-Modell und das Konzept der Subkultur.
6. INTERVENTIONSMÖGLICHKEITEN ZUR BEKÄMPFUNG DER ALTERSARMUT: Darstellung der deutschen Alterssicherungssysteme, der gesetzlichen Rentenversicherung und der bedarfsorientierten Grundsicherung.
7. FAZIT: Zusammenfassende Einschätzung zur Notwendigkeit politischer und sozialarbeiterischer Maßnahmen gegen Altersarmut.
Schlüsselwörter
Altersarmut, Soziale Probleme, Rentenversicherung, Grundsicherung, Demographie, Relative Armut, Absolutes Armutskonzept, Generationenvertrag, Sozialpolitik, Alterssicherung, Lebensstandard, Soziale Ungleichheit, Armutsgrenze, Wohlfahrtsstaat.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Problematik der Altersarmut in der Bundesrepublik Deutschland und der Frage, inwieweit älteren Menschen ausreichend Ressourcen für eine menschenwürdige Lebensführung zur Verfügung stehen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Felder umfassen die Definition von Armut, die demographische Entwicklung, das Rentensystem sowie soziologische Erklärungsansätze für soziale Ungleichheit im Alter.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen Überblick über das gesellschaftliche Feld der Altersarmut zu geben und zu klären, wie der Staat und die Sozialarbeit mit den Anforderungen dieser Lebensphase umgehen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Auseinandersetzung, die auf der Literaturanalyse soziologischer Konzepte sowie der Auswertung bestehender Renten- und Armutsstatistiken basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in begriffliche Grundlagen, demographische Analysen, eine detaillierte Betrachtung der Rentensysteme sowie eine Diskussion über politische und sozialarbeiterische Interventionsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Alterssicherung, Grundsicherung, soziale Problematik, demographischer Wandel und soziologische Armutstheorien charakterisiert.
Welche Rolle spielt der "Generationenvertrag" im Kontext der Arbeit?
Der Generationenvertrag wird als Grundlage des deutschen Rentensystems diskutiert, wobei die Arbeit kritisch hinterfragt, ob er aufgrund der demographischen Verschiebung in Zukunft noch tragfähig ist.
Was unterscheidet das absolute vom relativen Armutskonzept?
Das relative Armutskonzept betrachtet den Mangel im Verhältnis zum gesellschaftlichen Durchschnitt, während das absolute Konzept auf das Unterschreiten physischer Mindeststandards (z.B. Nahrung) fokussiert.
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- Judith Hilden (Author), 2003, Altersarmut. Ein soziales Problem!?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14426