Die langjährige Teilung Deutschlands war nicht nur eine geografische, sondern hat auch zu einer sozialen Spaltung geführt. Durch die ideologisch bedingte Marginalisierung von Religion in der DDR kam es zu einer starken Säkularisierung der ostdeutschen Gesellschaft.
Die Frage die sich stellt ist, ob es nach der Wende zu einer Wiederbelebung der Religion kam. Anschließend sollen Gründe für das Eintreten bzw. Nichteintreten dieses Phänomens gefunden werden.
Eine weitere zentrale Frage ist, ob ein ähnlicher Prozess zu diesem Zeitpunkt auch in der BRD stattfand. Worin bestehen die Ähnlichkeiten und worin die Unterschiede? Wo liegen dafür die Ursachen?
Allerdings beschränkt sich diese Arbeit auf die beiden wichtigsten Glaubensrichtungen in Deutschland, das evangelische sowie das katholische Christentum. Die Entwicklung anderer Religionen, wie zum Beispiel die des Islams, werden nicht in die Analyse miteinbezogen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rollen und Funktionen von Religion innerhalb einer Gesellschaft
3. Religion und Kirche in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg
4. Religiosität und Kirchlichkeit nach der Wiedervereinigung
4.1 Kirchenmitgliedschaft
4.2 Kirchgangshäufigkeit
4.3 Der Glaube an Gott
5. Religion und Kirchlichkeit im heutigen Deutschland
5.1 Konfessionszugehörigkeit
5.2 Religiosität im heutigen Deutschland
6. Fazit
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die Arbeit untersucht die Entwicklung der Religiosität und Kirchlichkeit in den alten und neuen Bundesländern im Kontext des sozialen Wandels nach der Wiedervereinigung. Ziel ist es, die Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland zu analysieren und zu klären, ob die erwartete Renaissance der Religion in den neuen Bundesländern eingetreten ist oder ob der Einfluss der DDR-Säkularisierung weiterhin nachwirkt.
- Analyse der Rollen und Funktionen von Religion in der Gesellschaft.
- Untersuchung der historischen Ausgangslage nach dem Zweiten Weltkrieg.
- Vergleichende Betrachtung von Kirchenmitgliedschaft und Kirchgangshäufigkeit.
- Diskussion des Gottesglaubens und der religiösen Selbstverortung.
- Bewertung des Einflusses der sozialistischen Säkularisierung auf die heutige Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
4.1 Kirchenmitgliedschaft
Religion und deren Ausübung wurde in der DDR zwar nicht aktiv unterdrückt, war aber, ganz im Sinne der sozialistischen Ideologie, verpönt. Die religiösen Institutionen blieben in der Tat die einzigen unabhängigen sozialen Institutionen in der DDR (McCutcheon, 2000:90). Diese Stellung erlaubte es ihnen vom Staat independente Ansichten zu formulieren. Teilweise stimmten diese Forderungen (Opposition gegen das Wettrüsten und die Aufstellung von Nuklearwaffen etc.) mit denen der Regierung überein, so dass die Kirche im Vergleich zu anderen Ostblockstaaten noch relativ frei agieren konnte (McCutcheon, 2000:91).
Ungeachtet dessen, dass die Regierung der DDR also keine Politik der totalen religiösen Unterdrückung verfolgte, betrieb der Staat eine von ihm finanzierte Säkularisierung (McCutcheon, 2000:91). Dies kann erklären, warum die Kirche in Ostdeutschland über die Jahre einen Großteil ihrer Mitglieder verloren hat. Während 1949 noch über 90% der Ostdeutschen Mitglieder einer der beiden christlichen Großkirchen waren (vgl. 3.), gehörten 1990, also im Jahr des Untergangs der DDR, nur noch 25% der evangelischen und etwa 4% der katholischen Kirche an. Die größte Gruppe innerhalb der Bevölkerung bildeten die Konfessionslosen mit knapp 70% (Pollack, 2000:19). Im Vergleich dazu, hatten die Kirchen in Westdeutschland zwar auch erhebliche Mitgliedereinbußen zu verzeichnen, aber dennoch stehen sie in keinem Verhältnis zu denen in Ostdeutschland. Stieg der Anteil der Konfessionslosen während den 40jährigen Geschichte der DDR um etwa das Zehnfache, verdoppelte sich diese Zahl in der BRD nur von etwa vier Prozent im Jahre 1950 auf etwa 10 Prozent im Jahre 1990 (Pollack, 2000:19). Der Anteil der Kirchenmitglieder belief sich immer noch auf 85% der Bevölkerung, wobei die Anteile in etwa gleich auf die katholische und die evangelische Kirche verteilt waren (Pollack, 2000:19).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Vorstellung der Forschungsfrage bezüglich der sozialen Spaltung Deutschlands durch Säkularisierung und die Zielsetzung der Arbeit.
2. Rollen und Funktionen von Religion innerhalb einer Gesellschaft: Theoretische Herleitung der drei Elemente von Religion nach Durkheim (Überzeugungen, Praktiken, moralische Gemeinschaft).
3. Religion und Kirche in Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg: Darstellung des hohen Stellenwerts der Kirchen als moralische Instanz im Nachkriegsdeutschland und die einsetzende Enttraditionalisierung in den 60er Jahren.
4. Religiosität und Kirchlichkeit nach der Wiedervereinigung: Empirischer Vergleich der Kirchenbindung und des Gottesglaubens in Ost- und Westdeutschland nach 1990.
5. Religion und Kirchlichkeit im heutigen Deutschland: Analyse aktueller Daten zur Konfessionszugehörigkeit und religiösen Praxis, die eine anhaltende Stagnation im Osten belegen.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass die deutsche Teilung in religiöser Hinsicht auch heute noch deutlich spürbar ist.
Schlüsselwörter
Religiosität, Kirchlichkeit, Säkularisierung, DDR, Wiedervereinigung, Kirchenmitgliedschaft, Gottesglauben, Ostdeutschland, Westdeutschland, Volkskirche, Enttraditionalisierung, Sozialstruktur, Konfessionslosigkeit, Religionsmonitor.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Hausarbeit untersucht die Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Religiosität in den alten und neuen Bundesländern nach der Wiedervereinigung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Kirchenmitgliedschaft, Kirchgangshäufigkeit, der individuelle Glaube an Gott sowie die historische Entwicklung der Säkularisierung in der DDR und BRD.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Religion in der modernen pluralistischen Gesellschaft ihre Aufgaben noch erfüllen kann und inwieweit der ostdeutsche Säkularisierungsprozess nachwirkt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine soziologische Analyse, die auf Sekundärdaten (statistische Erhebungen und soziologische Fachliteratur, z.B. Religionsmonitor) basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Analyse bis nach dem Zweiten Weltkrieg, eine Untersuchung der Lage nach der Wiedervereinigung und eine Betrachtung des heutigen Stands in Deutschland.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Säkularisierung, Volkskirche, Konfessionszugehörigkeit, DDR-Einfluss und der soziologische Vergleich von Ost- und Westdeutschland.
Warum blieb die erwartete Renaissance der Religion im Osten aus?
Die Arbeit legt dar, dass eine jahrzehntelange Entfremdung von kirchlichen Institutionen dazu geführt hat, dass auch nach Wegfall des politischen Drucks kein Wiedereintritt oder ein gesteigertes Interesse erfolgte.
Gibt es signifikante Unterschiede in der religiösen Praxis zwischen Ost und West?
Ja, die Studie zeigt, dass der Anteil derer, die weder öffentlich noch privat religiöse Praktiken ausüben, in den neuen Bundesländern drastisch höher ist als in den alten Bundesländern.
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- Neele Siebers (Author), 2009, Religiosität und Kirchlichkeit in den alten und neuen Bundesländern, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144282