Die Darstellung jugendspezifischer Ausdrucksweise der Zeitschrift BRAVO im Wandel der Zeit


Hausarbeit (Hauptseminar), 2009

21 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Vorbemerkungen
2.1 Zur Vorgehensweise
2.1.1 Allgemeines
2.1.2 Lexikalische Vorgehensweise
2.2 Zum Untersuchungsgegenstand

3. Linguistische Merkmale von Jugendsprache
3.1 Definitionen von Jugend
3.2 Sprachliche Charakteristika von Jugendsprache
3.3 Einordnung in Neulands Klassifikationsmodell

4. Forschungsergebnisse
4.1 Anglizismen
4.2 Verstärkungspartikel
4.3 Interjektionen
4.4 Redensarten
4.5 Sonstige
4.5.1 Verben
4.5.2 Substantive
4.5.3 Adjektive
4.5.4 Wortbildung

5. Fazit

6. Literaturverzeichnis

1. Einleitung

Diese Arbeit soll sich mit der Darstellung jugendspezifischer Ausdrucksweise der Zeitschrift BRAVO im Wandel der Zeit beschäftigen. Angefangen in den sechziger Jahren bis in das Jahre 2009 soll nach sprachlichen Auffälligkeiten gesucht werden, die Merkmale aufweisen anhand deren man auf die spezifische Verwendung Jugendlicher schließen kann.

Zuerst jedoch sollen einige allgemeine Vorbemerkungen gemacht werden, die Vorgehensweise erläutert und erklärt werden, warum es sich bei dieser Arbeit um eine lexikalische Untersuchung handelt. Anschließend wird kurz der Untersuchungsgegenstand, die Jugendzeitschrift BRAVO, die in der heutigen Zeit als eines der größten jugendadressiertes Medium gilt und aufgrund des nicht so eingeschränkten Klientels[1] als relativ allgemein angesehen werden kann, vorgestellt.

Des Weiteren folgt eine kurze Definition von Jugend, um die Gruppe kennenzulernen, um die es sich handelt und eine Darstellung der typischen Merkmale von Jugendsprache.

Als letztes werden die Forschungsergebnisse vorgestellt, die einer tabellarischen Übersicht entnommen werden, welche in Anglizismen, Verstärkungspartikeln, Redensarten, Interjektionen und Sonstiges gegliedert ist. Hier werden exemplarisch Lexeme vorgestellt, welche ich meine, jugendspezifischer Ausdrucksweise zuordnen zu können.

Darauf hinzuweisen sei, dass Probleme bei dieser Untersuchung nicht ausgeblieben sind. Zum einen wird die BRAVO von Erwachsenen verfasst und gibt daher nur ein Abbild von jugendspezifischer Ausdrucksweise wieder. Vermutlich versucht die Macher der BRAVO die Ausdrucksweise Jugendlicher zu imitieren, da sie so besser ihrer Leserschaft erreichen. Selber geben die BRAVO-Macher an, der „Spiegel der Jugend“[2] sein zu wollen.

Leider kommt es meines Erachtens aber dazu, dass viele vermeintlich „jugendsprachliche“ Ausdrücke über Jahre beibehalten werden, die sicherlich nicht mehr aktuell der Jugendsprache zuzuordnen sind, da auch Personen außerhalb eines jungen Alters diese benutzen und sie somit fest im deutschen Wortschatz integriert sind. Zudem ist es schwierig zu unterscheiden, welche Lexeme nun einfach nur von der Standardsprache abweichen oder welche explizit jugendspezifisch sind. Dies kann daran gesehen werden, dass ich versucht habe die Wörter des Jahres 2009 die ich im Zuge meiner Forschung aus der BRAVO herausgeschrieben habe und welche eindeutig von der Standardsprache abwichen, mit Wörterbüchern zur Jugendsprache[3] zu vergleichen und nicht eine Übereinstimmung gefunden habe. Jedoch muss auch angemerkt werden, dass es ebenso fraglich ist, wie wissenschaftlich und verlässlich die von mir zu Rate gezogenen Wörterbücher sind. Niemals kann solch ein Medium also Datenerhebungen wie Fragebögen oder Interviews mit Jugendlichen selbst ersetzen.

Somit muss schon im Vorfeld eingeräumt werden, dass die Sprache der BRAVO nicht mit dem wirklichen Sprachgebrauch Jugendlicher übereinstimmt, einer allgemeinen Annäherung jedoch gerecht werden könnte.

2. Vorbemerkungen

Bevor ich zu meinen Forschungsergebnissen und einem vorhergehenden theoretischen Teil komme, möchte ich zuerst erläutern, wie ich vorgegangen bin und um welchen Untersuchungsgegenstand es sich handelt.

Zudem soll an dieser Stelle angemerkt werden, dass der Terminus „Jugendsprache“ stets in Anführungszeichen stehend aufgefasst werden soll – auch wenn diese der Einfachheit halber weggelassen werden -, da es eine Jugendsprache im Sinne einer eigenständigen Sprache nicht gibt. Dies resultiert daraus, dass es zum Einen keine eigene Grammatik oder normative Regeln gibt und auch die Jugend kann nicht als homogene Gruppe angesehen werden, da gerade im sprachlichen Bereich Faktoren wie regionale und soziale Herkunft, sowie das biologische und soziale Alter durchaus eine Rolle spielen[4]. Eher sollte Jugendsprache als eine Abweichung der Standardsprache angesehen werden, die junge Menschen dazu benutzen, um sich von der Erwachsenenwelt abzugrenzen und Themen, die zu ihren Interessensgebieten gehören sprachlich eindeutig zu kennzeichnen und sich somit auch in gewisser Hinsicht eine – zumindest semantisch gesehene – eigene Lebenswelt schaffen.

Hinzu kommt, dass mein Untersuchungsgegenstand von Erwachsenen verfasst wird und sich an Heranwachsende richtet. Dies impliziert wiederum, dass es von vornherein keine realitätsgetreue Abbildung des sprachlichen Gebrauchs Jugendlicher geben kann, sondern nur eine artifizierte Art der Aufnahme jugendlicher Ausdrucksweise. Daher auch der Gebrauch des im Titel genannten Terminus der „jugendspezifischen Ausdrucksweise“.

Hinzu kommt, dass ich Jugendsprache der umgangssprachlich/saloppen oder der umgangssprachlich/vulgären Stilschicht zuordne und nicht der gehobenen oder normalsprachlichen Stilschicht[5]. Dies bezeugt meine Vermutung, dass die Macher der BRAVO diese Stilschichten für sich nutzen, um jugendlicher zu wirken und somit ihrer Leserschaft gerecht zu werden.

2.1 Zur Vorgehensweise

2.1.1 Allgemeines

Um die jugendspezifische Ausdrucksweise in der Jugendzeitschrift BRAVO im Wandel der Zeit zu untersuchen, wurden Zeitschriftausgaben der Jahre 1961, 1970, 1980, 1990, 2000 und 2009[6] als Forschungsgegenstand benutzt. Dies ermöglicht die Beleuchtung einer jugendsprachlichen Darstellung im Abstand von ca. 10 Jahren. Des Weiteren habe ich die Forschung eingegrenzt, indem nur die erste Seite und der Roman beziehungsweise ab Heft 33/1980 der Foto-Roman untersucht wurden. Die erste Seite der BRAVO erweist sich deshalb als wertvoller Untersuchungsgegenstand, da man hier einen kontinuierlichen Wandel im Laufe der Zeit beobachten kann, sowohl in der sprachlichen Gestaltung als auch im Layout. Leider muss angemerkt werden, dass im Heft 18/1970 keine erste Seite existiert, zumindest kein Text vorhanden ist, der untersucht werden könnte. Der Roman und vor allem die Foto-Love-Story sind deshalb von großer Bedeutung, da hier jugendliche Figuren agieren und es so scheint, als würden der geschriebene Text in den Sprechblasen, welche in den dargestellten Fotos integriert werden, mit der tatsächlich gesprochenen Sprache dieser Heranwachsenden übereinstimmen.

Um meine Ergebnisse zu veranschaulichen erstellte ich eine Tabelle mit den Kategorien Anglizismen, Verstärkungspartikeln, Redensarten, Interjektionen und Sonstiges, welches nicht genau einzuordnen war, jedoch auch jugendsprachliche Züge aufwies oder zumindest von der Standardsprache abwich. Zu dieser Einteilung kam ich durch eine Entlehnung einer Einteilung von Henne[7] und einer Kategorisierung jugendspezifischer Ausdrucksweise in den Neuen Medien, die bei Neuland[8] dargestellt werden. Sie spricht von „subkulturellen Sprachstilen Jugendlicher“[9], das soll heißen, dass sich Sprachstile aufgrund von Freizeitkulturen entwickeln, die sich sicherlich von denen der Erwachsenen abgrenzen. In diesem Zusammenhang kann auch der von mir beobachtete Anstieg von Anglizismen in der BRAVO erklärt werden, der mit dem Einfluss einer angloamerikanischen Kultur, gerade im Bereich der Musikindustrie zusammenhängen könnte.

Die Verstärkungspartikel dienen dazu, etwas in betonender Art und Weise zum Ausdruck zu bringen. Wörter werden nicht nur durch Adjektive beschrieben, sondern gleichzeitig werden diese Beschreibungen noch einmal verstärkt durch die Hinzufügung von Partikeln. Denn Sinn sehe ich darin, dass Jugendliche versuchen sich generell von der Erwachsenenwelt abzugrenzen und sie durch die Verstärkungspartikel ihre Interessen noch einmal explizit hervorheben wollen.

Ebenso dienen Interjektionen, die im täglichen Sprachgebrauch sicherlich auch von älteren Generationen benutzt werden, dem Ausdruck von Emotionen.

Jugendspezifisch hieran ist allerdings, dass diese Interjektionen auch im schriftlichen Sprachgebrauch benutzt werden. So bringen Teenager ihre Gefühlsregungen beispielsweise in Chats mit derlei Interjektionen zum Ausdruck. Die BRAVO hingegen benutzt diese hauptsächlich in den Foto-Romanen, um die dort dargestellten mündlichen Konversationen zu unterstreichen.

Unter Sonstiges wurde all das zusammengestellt, was einzeln dargestellt zu ausufernd geworden wäre. Zu nennen wären hier beispielsweise Verben, Adjektive oder auch Substantive, sowie besondere Schreibweisen oder Abkürzungen.

2.1.2 Lexikalische Vorgehensweise

Da sich meine Untersuchungen auf rein lexikalischer Ebene abspielen, sollen hier ein paar Worte zu dieser Vorgehensweise gesagt werden.

Zum Einen habe ich dieses Verfahren gewählt, da, wie Henne sehr treffend ausdrückt, „die lexikalische Ebene […] die bevorzugte Spielwiese jugendlicher Sprecher“[10] ist. Des Weiteren handelt es sich bei meinem Untersuchungsgegenstand um ein verschriftlichtes Medium, somit fallen rhetorische Aspekte automatisch raus.

Zudem bin ich der Meinung, dass eine pragmatische oder soziolinguistische Betrachtung zu weit führen würden und auch kaum möglich wären, da die BRAVO wie gesagt den Federn Erwachsener entspringt, welche versuchen, eine möglichst getreue Abbildung der Ausdrucksweise ihrer Klienten darzustellen. Auch wird eine diachrone Betrachtung durch eine lexikalisch orientierte Forschung unterstützt, da es sich um ähnliche Themengebiete handelt und so der Sprachwandel genauer dargestellt werden kann.

Somit halte ich also eine Fokussierung auf den in der BRAVO dargestellten Wortschatz Jugendlicher für am sinnvollsten.

2.2 Zum Untersuchungsgegenstand

An dieser Stelle soll eine kurze Beschreibung des Untersuchungsgegenstands folgen. Es handelt sich um die Jugendzeitschrift BRAVO, die wöchentlich erscheint. Ihre Auflage lag im Jahre 2000[11] bei ca. 805000 und stellt somit die größte Jugendzeitschrift in Deutschland dar. Neben der normalen BRAVO gibt es Ableger, wie die BRAVO screenfun und BRAVO Girl!, die sich an eine spezielle Leserschaft, wie beispielsweise nur junge Leserinnen wendet[12], die aber in dieser Arbeit keine weitere Beachtung mehr finden werden. Die Hauptleserschaft der BRAVO besteht aus 12-15 jährigen[13] Teenagern weiblichen und männlichen Geschlechts gleichermaßen und genau an diese Zielgruppe wendet sich die Zeitschrift auch. Hierbei muss beachtet werden, dass sich unter diesen Umständen die Leserschaft kontinuierlich wandelt. Nicht umsonst bezeichnet Knoll[14] die BRAVO als „Leitmedium im ständigen Generationenwechsel“. Neben Themen wie Musik gibt es Rubriken wie das Fernsehen, Lifestyle, Lustiges und nicht zuletzt Aufklärung[15], die ab den 1970er Jahren im Zuge der 68er Revolution einen Aufschwung erfuhr und heutzutage nicht mehr aus der BRAO wegzudenken ist. Dieser Schnitt ermöglicht konkret zu sehen, dass sich diese Zeitschrift ab diesem Zeitpunkt an eine jugendliche Leserschaft wendet, denn noch 1961 ist es meines Erachtens ohne Kenntnis der damaligen Lebensweise Jugendlicher schwer zu erkennen, ob diese Zeitschrift sich tatsächlich ausschließlich an Heranwachsende wendet oder auch an Erwachsene, wie es heute sicherlich nicht mehr der Fall ist.

Allgemein kann man zum Medium Bravo sagen, dass es von Erwachsenen für Jugendliche geschrieben wird, zu den Unterhaltungsmedien zuzuordnen ist und es Rubriken gibt, in denen die Jugendlichen selbst zu Wort kommen können oder Fragen stellen dürfen, wie in der Rubrik des Dr. Sommer-Teams der Fall ist, welche allerdings auch erst Anfang der 70er Jahren im Zuge der 68er Revolution und der sexuellen Aufklärung aufkam. Auffallend hierbei ist, dass die Leserbriefe meines Erachtens kaum jugendspezifische Ausdrucksweise enthalten, somit kann man entweder annehmen, dass diese fingiert sind oder wie Reuter[16] davon ausgehen, dass Jugendliche in dieser Kommunikationssituation dazu veranlasst werden, „zu einer an diesen Umstand angepasst, hier Standardsprache zu greifen“. Dies allerdings soll nicht Thema meiner Arbeit sein.

Im Weiteren komme ich zu einem theoretischen Teil, nämlich zu linguistischen Merkmalen von Jugendsprache, um diese als Grundlage für meine Forschung zu benutzten.

3. Linguistische Merkmale von Jugendsprache

3.1 Definitionen von Jugend

„Jugend“ muss man unter verschiedenen Blickwinkeln betrachten.

Einerseits kann es entwicklungspsychologisch gesehen werden und bedeutet hier der Übergang vom Kindesalter in die Adoleszenz. Die Adoleszenz wird in diesem Falle zwischen dem vierzehnten bis zum einundzwanzigsten Lebensjahr angesiedelt. In dieser Zeit erleben die Heranwachsenden körperlich gesehen die Pubertät, also das Einsetzen der Geschlechtsreife. Hinzu kommen auch erweiterte kognitive Fähigkeiten ab dem zwölften Lebensjahr, es können nun abstrakte Schlussfolgerungen und hypothetische Denkannahmen erbracht werden[17]. In diesem Zeitraum entwickelt der Mensch seine eigene Persönlichkeit.

[...]


[1] die BRAVO richtet sich an Jungen und Mädchen gleichermaßen und die Themen sind relativ weitläufig

[2] Knoll/Monssen-Egberding 2000

[3] PONS (2008/2009): Wörterbuch der Jugendsprache. Deutsch-Englisch/Französisch/Spanisch. Stuttgart.

[4] vgl. Androutsopoulus 1998, Chun 2007, Henne 1986 und Pohl 2007

[5] vgl. Klappenbach/Steinitz, 1964ff

[6] im Folgenden werden die Zeitschriften nach Heftnummer und Jahrgang zitiert

[7] vgl. Henne 1986

[8] vgl. Neuland 2008

[9] s. Neuland 2008,S.133

[10] s. Henne 1986, S. 209

[11] über einen neueren Stand der Auflage konnte keine verlässliche Quelle gefunden werden und somit belasse ich es dabei bei einer Zahl des Jahres 2000

[12] vgl. Knoll/Monssen-Engberding 2000

[13] vgl. Reuter 2006

[14] s. Knoll/Monssen-Engberding 2000

[15] vgl. hierzu Schimpf 1997

[16] s. Reuter 2007, S.22

[17] vgl. Zimbardo/ Gerrig 2004

Ende der Leseprobe aus 21 Seiten

Details

Titel
Die Darstellung jugendspezifischer Ausdrucksweise der Zeitschrift BRAVO im Wandel der Zeit
Hochschule
Universität Koblenz-Landau
Note
1.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
21
Katalognummer
V144291
ISBN (eBook)
9783668183773
ISBN (Buch)
9783668183780
Dateigröße
418 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
darstellung, ausdrucksweise, zeitschrift, bravo, wandel, zeit
Arbeit zitieren
Julia Fluck (Autor), 2009, Die Darstellung jugendspezifischer Ausdrucksweise der Zeitschrift BRAVO im Wandel der Zeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144291

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