Ein großes Ziel der heutigen Grundschularbeit muss es sein, Kinder zu befähigen, selbstständig und eigenverantwortlich zu Handeln und im Besonderen zu Lernen.
Von ihnen wird in Zukunft gefordert sich eigenständig weiterzubilden und fortlaufend zu entwickeln. Für diesen Reife- und Bildungsprozess bedarf es Handwerkszeug, welches die Lernenden bereits in den ersten Schuljahren ihres Lebens ergründen und benutzen lernen sollen. Ein Pool aus Methoden und Lernstrategien, aus dem Konzept des Selbstgesteuerten Lernens, soll die Lernenden dann dabei unterstützen, lebenslang eigeninitiativ lernen zu können.
Diesem Anspruch bedarf ein Paradigmenwechsel, welcher auch umfassend in dieser Arbeit beleuchtet wird. Die Rolle der Lehrenden hat sich, im Zuge der autonomiefördernden Entwicklung der Lernenden, ebenfalls grundlegend gewandelt. Kinder sollen nicht mehr belehrt werden, sondern durch eine anregende Lernumgebung und angepasste didaktische und pädagogische Prinzipien der Lernperson, lernen selbst zu lernen. Selbstständiges Lernen muss somit das zentrale Ziel heutiger Schularbeit werden.
Beginnen wird diese Ausarbeitung mit der Erläuterung von entsprechender Fachtermini und zentralen Theorien zum Selbstgesteuerten Lernen“. Diese Arbeit wird sich abschließend in dem Forschungsvorhaben explizit mit der „neuen Rolle“ der Lehrenden beschäftigen wie auch mit der Kooperation von Lernenden in selbstgesteuerten Lernprozessen. Dort soll ergründet werden, in wieweit sich die Lehrenden in ihren neuen Aufgabenbereich einfinden und wie die selbstgesteuerten Lernprozesse der Schülerinnen und Schüler durch das Arbeiten in kooperativen Lernarrangements beeinflusst werden. Nach einer Gesamtanalyse dieser beiden Aspekte wird diese Arbeit mit einem Fazit abschließen.
Inhaltsverzeichnis
1. Konzeptionelle Klärung des Begriffs „Selbstgesteuertes Lernen“
2. Begründungszusammenhänge zum „Selbstgesteuerten Lernen“
2.1 Gesellschaftlicher Begründungszusammenhang
2.2 Lerntheoretischer Begründungszusammenhang
2.3 Bildungstheoretischer Begründungszusammenhang
3. Selbststeuerung vs. Fremdsteuerung
4. Schülerinnen und Schüler als selbstgesteuerte Lernende
4.1 Hauptstrategien der Lernenden beim „Selbstgesteuerten Lernen“
4.1.1 Kognitive Strategien
4.1.1.1 Memorierungsstrategien
4.1.1.2 Elaborationsstrategien
4.1.1.3 Organisations- und Transformationsstrategie
4.1.2 Metakognitive Lernstrategien
4.1.3 Motivationale Lernstrategien
4.1.3.1 Selbstwirksamkeit als Lernmotivation
4.1.3.2 Erfolgszuversichtliche Strategien als Lernmotivation
4.1.3.3 Intrinsische Motivation
5. Phasen des selbstgesteuerten Lernens
5.1 Planung
5.2 Durchführung
5.3 Bewertung
6. Die „neue Rolle“ der Lehrenden
7. Die Grundschule als kindliche Lernumgebung
8. Das „Selbstgesteuerte Lernen“ und seine Unterrichtsmethodik
8.1 Kooperative Lernarrangements
8.2 Die Lernspirale
9. Das Forschungsvorhaben
9.1 Rahmenbedingungen
9.1.1 Grund- und Hauptschule Altenbruch
9.1.2 Schülerinnen und Schüler der Klasse 1a
9.1.3 Lernspirale „Wie packe ich meinen Schulranzen?“
9.2 Datenerhebung in Bezug auf die „neue Rolle“ der Lehrenden
9.3 Datenerhebung in Bezug auf die Kooperation der Lernenden in selbstgesteuerten Lernprozessen
9.4 Datenauswertung in Bezug auf die „neue Rolle“ der Lehrenden
9.4.1 Interview
9.4.1.1 Kollegium (Paraphrase, Generalisierung)
9.4.1.2 Fachteam (Paraphrase, Generalisierung)
9.4.1.3 Reduktion aus den Gruppeninterviews
9.4.2 Beobachtungen (Auswertung, Interpretation)
9.5 Datenauswertung in Bezug auf die Kooperation der Lernenden in selbstgesteuerten Lernprozessen
9.5.1 Interview
9.5.1.1 Kollegium (Paraphrase, Generalisierung)
9.5.1.2 Fachteam (Paraphrase, Generalisierung)
9.5.1.3 Reduktion der Gruppeninterviews
9.5.2 Beobachtungen (Auswertung, Interpretation)
9.6 Gesamtanalyse und -auswertung der empirischen Daten
9.6.1 ...in Bezug auf die „neue Rolle“ der Lehrenden
9.6.1 ...in Bezug auf die Kooperation von Lernenden in selbstgesteuerten Lernprozessen
10. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit zielt darauf ab, den Paradigmenwechsel in der Grundschule hin zum selbstgesteuerten Lernen zu untersuchen und die veränderte Rolle der Lehrenden sowie die Kooperation von Lernenden in diesem Prozess kritisch zu beleuchten.
- Theoretische Fundierung des Konzepts „Selbstgesteuertes Lernen“
- Analyse der veränderten Lehrerrolle (Vom Lehrenden zum Coach)
- Bedeutung kooperativer Lernarrangements (z.B. Lernspirale)
- Empirische Untersuchung in einer Grundschulklasse
- Reflexion von Rahmenbedingungen und Gelingensfaktoren im Unterricht
Auszug aus dem Buch
8.2 Die Lernspirale
Die Lernspirale ist eine Methode, die bereits in der Grundschule eingesetzt wird, um Kompetenzen zu erwerben und auf lebenslanges, selbstständiges Lernen vorzubereiten.
Der Unterricht, in dem diese Methode eingesetzt werden kann, folgt einem problemorientierten Konzept, welches zu einem Lernprodukt führt (vgl. Klippert 2001). Im Fokus stehen zudem offene Aufgaben und Lernsituationen, die den Kindern die Möglichkeit bieten, eigenverantwortlich und selbstorganisiert zu arbeiten.
Klippert, der Begründer der Lernspirale, vergleicht die Methode mit einem Spiralbohrer, der sich immer weiter und weiter in die Materie hineinfrisst. Während dieses Vorgangs wiederholen sich Methoden und Inhalte (vgl. Darstellung 7). Des Weiteren unterscheidet er zwischen Makrospiralen und Mikrospiralen. Eine Makrospirale teil sich in drei Phasen (Sensibilisierungsphase, Informationsphase, Transferphase, vgl. Darstellung 7) und ergibt sich, wenn ein komplexes Unterrichtsthema in „Arbeitsinseln“ zerlegt wird. Organisiert, betreut und moderiert werden diese von Lehrkräften. Jede „Arbeitsinsel“ hält dann Phasen für die Schülerinnen und Schüler bereit, die jede für sich, mehrschichtige Aktivitäten erfordern.
In der ersten Phase der Markospirale, der Sensibilisierungsphase, werden das Vorwissen und die Voreinstellungen der Grundschulkinder aktiviert. In der Informationsphase hingegen, erlangen die Schülerinnen und Schüler neue Kenntnisse zum Unterrichtsgegenstand. In der letzten Phase der Makrospirale, wenden die Kinder ihre neues Wissen, verknüpft mit dem Vorwissen, auf eine neue Aufgabe an und vertiefen das Gelernte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Konzeptionelle Klärung des Begriffs „Selbstgesteuertes Lernen“: Dieses Kapitel definiert die theoretischen Grundlagen und die facettenreiche Bedeutung des Begriffs, wobei das Selbst und die Steuerungsprozesse im Vordergrund stehen.
2. Begründungszusammenhänge zum „Selbstgesteuerten Lernen“: Hier werden die gesellschaftlichen, lerntheoretischen und bildungstheoretischen Notwendigkeiten für den Wandel hin zu mehr Selbstständigkeit in der Grundschule erörtert.
3. Selbststeuerung vs. Fremdsteuerung: Das Kapitel untersucht das Spannungsfeld zwischen diesen beiden Polen und plädiert für ein sinnvolles Mischverhältnis im Unterricht.
4. Schülerinnen und Schüler als selbstgesteuerte Lernende: Fokus auf notwendige Lernstrategien (kognitiv, metakognitiv, motivational), die Kinder für den Erfolg benötigen.
5. Phasen des selbstgesteuerten Lernens: Einteilung in Planung, Durchführung und Bewertung als prozesshafte Struktur.
6. Die „neue Rolle“ der Lehrenden: Darstellung des Wandels von der instruierenden Lehrkraft zum Coach, Berater und Lernorganisator.
7. Die Grundschule als kindliche Lernumgebung: Diskussion der schulischen Rahmenbedingungen und der Notwendigkeit offener Lernumgebungen.
8. Das „Selbstgesteuerte Lernen“ und seine Unterrichtsmethodik: Erläuterung von Methoden wie Kooperativen Lernarrangements und der spezifischen Methode der Lernspirale.
9. Das Forschungsvorhaben: Detaillierte Beschreibung der praktischen Durchführung und Auswertung eines Forschungsprojekts in einer Grundschulklasse.
10. Fazit: Zusammenfassende Einschätzung der Ergebnisse und Ausblick auf zukünftige Anforderungen an Schule und Lehrerbildung.
Schlüsselwörter
Selbstgesteuertes Lernen, Grundschule, Lernspirale, Kooperatives Lernen, Lehrerrolle, Selbstwirksamkeit, Lernstrategien, Schulentwicklung, Unterrichtsmethode, Eigenverantwortung, Lernumgebung, Qualitative Forschung, Metakognition, Motivation, Bildungstheorie
Häufig gestellte Fragen
Was ist der Kern dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie das Konzept des selbstgesteuerten Lernens in der Grundschule implementiert werden kann und wie sich dadurch die Rolle der Lehrkräfte sowie die Zusammenarbeit der Schüler verändert.
Welche zentralen Themenbereiche werden bearbeitet?
Im Zentrum stehen die theoretische Definition von Selbststeuerung, die Erläuterung von Lernstrategien, die praktische Gestaltung offener Lernumgebungen und die empirische Analyse von Unterrichtsphasen durch eine Lehrkraft.
Was ist das Hauptziel der Forschungsarbeit?
Es soll herausgefunden werden, wie sich Lehrkräfte in ihre neue Rolle einfinden und inwiefern Grundschüler in kooperativen Arrangements tatsächlich selbstgesteuert lernen können.
Welche Forschungsmethode wurde angewandt?
Die Autorin wählte einen qualitativen Forschungsansatz, basierend auf Hospitationen, Gruppeninterviews mit Lehrkräften und der Analyse von Unterrichtssituationen.
Welche Inhalte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine umfassende theoretische Fundierung zu Strategien und Lernphasen sowie einen empirischen Teil, der das Projekt „Lernspirale“ in einer Grundschulklasse dokumentiert.
Welche Keywords beschreiben die Arbeit am besten?
Zu den prägenden Begriffen gehören Selbstgesteuertes Lernen, Lernspirale, Lehrerrolle, Kooperatives Lernen und Grundschule.
Was bedeutet die „neue Rolle“ der Lehrkraft konkret?
Die Lehrkraft tritt weniger als Wissensvermittler auf, sondern agiert als Lernberater, Coach und Motivator, der Lernumgebungen schafft und den Dialog mit den Kindern sucht, statt nur Frontalunterricht zu halten.
Was ist eine Lernspirale und wie funktioniert sie?
Die Lernspirale ist eine methodische Struktur, bei der Lerninhalte problemorientiert und in verschiedenen Phasen (Sensibilisierung, Information, Transfer) vertieft werden, um den Schüler schrittweise zur Selbstorganisation zu führen.
- Quote paper
- Bachelor of Science Marie-Christine Nitzsche (Author), 2009, Selbstgesteuertes Lernen in der Grundschule, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144300