Farming Systems Research als Methode zur Arbeitsanalyse


Seminararbeit, 2002
29 Seiten, Note: 2,0

Leseprobe

Inhalt

1 Einleitung
1.1 Einführung in die Thematik
1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

2 Merkmale der afrikanischen Agrarwirtschaft

3 Farming Systems Research in der Theorie
3.1 Farming Systems Research als mehrstufiger Prozess
3.2 Methodischer und disziplinärer Beitrag von Farming Systems Research
3.3 Training und Maßnahmenpolitik

4 Farming Systems Research in der Praxis
4.1 Studie zu den Auswirkungen von Haushaltskriterien auf die Produktivität in Burkina Faso
4.2 Studien zur Rolle und Status der Frau in Senegal, Burkina Faso und der Elfenbeinküste
4.3 Studie zum verbesserten Einsatz von Ziegen und Schafen in Nigeria
4.4 Studie zu Konflikten innerhalb der Haushalte in Kamerun
4.5 Studie zum Haushaltsmanagement in Botswana

5 Kritik und Anregungen
5.1 Über das Buch
5.1.1 Hat das Buch sein Ziel erreicht?
5.1.2 Wurde FSR ausreichend, deutlich und widerspruchsfrei dargestellt?
5.1.3 Kam es zu einer kritischen Auseinandersetzung mit FSR und zu Lösungsvorschlägen?
5.2 Über Farming Systems Research
5.2.1 Erscheint Farming Systems Research als durchführbar und sinnvoll?
5.2.2 Erscheint Farming Systems Research als eine geeignete Methode zur Arbeitsanalyse?
5.2.3 Ist Farming Systems Research eine Methode zur optimalen Arbeitsanalyse im Sinne Spittlers?

6 Schlussbetrachtung

7 Literaturverzeichnis

1 Einleitung

1.1 Einführung in die Thematik

Die zunehmende Urbanisierung sowie das Bevölkerungswachstum in weiten Teilen Afrikas haben zur Folge, dass der Bedarf an Nahrungsmitteln steigt, ohne jedoch dass die Agrarproduktion im gleichen Maße zunimmt. In Industrieländern kann das Missverhältnis zwischen ländlichem Angebot und städtischer Nachfrage durch eine erhebliche Mehrproduktion aufgrund von fortschrittlicher Agrartechnologie ausgeglichen werden. Zudem ermöglicht eine Spezialisierung in der Agrarproduktion einen für manche Agrarprodukte erreichten Ertrag über den Eigenbedarf hinaus, so dass die Produkte im Austausch gegen andere Waren und Industriegütern exportiert werden können. In den meisten Ländern Afrikas machen jedoch die fehlende agrarwirtschaftliche Technologie und die damit zusammenhängende fehlende Spezialisierung und Marktintegration eine Mehrproduktion zur großflächigen Versorgung mit Agrarprodukten sehr schwierig.

Vor diesem Hintergrund trafen sich im März 1984 Ethnologen, Ökonomen, Politikwissenschaftler, Agrarwissenschaftler und Entwicklungshilfepraktiker auf einer von der Ford und Rockefeller-Stiftung organisierten Konferenz in Italien. Ziel ihres Zusammenkommens war das Zusammentragen der Erkenntnisse über die Ursachen der zu geringen Agrarproduktivität in den Teilen Afrikas südlich der Sahara sowie über die Potenzialbereiche einer Verbesserung der Situation. Im Zentrum der Konferenz stand hierbei das so genannte Farming Systems Research, im Folgenden FSR genannt. FSR bezeichnet einen Prozess, in welchem durch Forschung in kleinbäuerlichen Haushalten und durch direkten Kontakt mit den Haushaltsmitgliedern Bereiche der einzelnen Arbeitsprozesse identifiziert werden, welche die Argrarproduktivität limitieren. Auf der Basis dieser Ergebnisse werden im Rahmen eines FSR-Projektes unter Berücksichtigung sämtlicher sozioökonomischer Faktoren der Haushalte neue Strategien bzw. Technologien entwickelt und eingeführt, von denen man annimmt, dass diese zu einer Zunahme der Produktivität führen. Zu diesen Strategien bzw. Technologien zählen z.B. der Einsatz von Maschinen, der Anbau neuer Agrarsorten oder die Verschiebung der Erntezeit. Die einzelnen Beiträge im Rahmen dieser Konferenz sind in dem Buch von Joyce Lewinger (Hrsg.): Understanding Africa’s Rural Households and Framing Systems (1986) veröffentlicht.

1.2 Ziel und Aufbau der Arbeit

Ziel der vorliegenden Arbeit ist die kritische Auseinandersetzung mit dem oben genannten Buch von Lewinger und des in ihm vorgestellten Konzeptes des FSR. Um dieses Ziel zu erreichen soll zunächst der Inhalt des Buches dargestellt werden. In Anlehnung an Hydens Beitrag sollen hierbei in Kapitel 2 die Merkmale afrikanischer Agrarwirtschaft vorgestellt werden. Im Anschluss daran folgt Kapitel 3 zur Theorie von FSR. Hier soll zunächst dessen Konzept sowie dessen Ablauf näher vorgestellt werden, wie es Norman, Baker und Gerhart in ihren Beiträgen tun. Daraufhin soll der methodische und disziplinäre Beitrag von FSR zu traditionellen Haushaltsstudien vorgestellt werden, wobei die Beiträge von Low, Gyer und McKee bearbeitet werden. Schließlich sollen in diesem Kapitel die Aspekte Training und Maßnahmenpolitik, wie von Rukuni und Berry beschrieben, näher erläutert werden. In Kapitel 4 sollen die FSR-Projekte aus der Praxis vorgestellt werden, über die Jones, Savane, Peters, Vierich, Okali und Sumberg in ihren Aufsätzen berichten.

Nachdem der Inhalt des Buches zusammengefasst und wiedergegeben wurde, folgt schließlich in Kapitel 5 die kritische Auseinandersetzung mit sowohl dem Buch als auch dem Konzept von FSR. Hierbei sollen zwei Fragekomplexe beantwortet werden:

Zum Buch:

- Wird das Buch dem Ziel der Konferenz, d.h. dem Zusammentragen von Ursachen zu geringer Agrarproduktion sowie dem Aufzeigen von Potenzialbereichen zur Verbesserung der Situation gerecht?
- Wird FSR in dem Buch deutlich dargestellt? Sind sich die Autoren einig oder widersprechen sich ihre Vorstellung von FSR?
- Kommt es zu einer kritischen Darstellung von FSR bzw. zu Lösungsvorschlägen?
Zu FSR:
- Erscheint FSR durchführbar und sinnvoll?
- Erscheint FSR als geeignete Methode, Arbeitsprozesse zu analysieren?
- Ist FSR eine Methode zur optimalen Arbeitsanalyse im Sinne Spittlers?

Bei der Vorstellung einer optimalen Analyse von Arbeit werde ich mich an den 1998 von Spittler veröffentlichten Forschungsbericht über die Hirtenarbeit der Tuareg im südlichen Zentralsahara, Air, orientieren.[1] Mit seiner Veröffentlichung hat Spittler das oft vernachlässigte Thema der Arbeit als wichtiges Forschungsgebiet in der Ethnologie etabliert. Kennzeichnend für seine Arbeit ist, dass er die Hirtenarbeit unter zwei Aspekten untersucht. Dies ist zum einen der Aspekt der Technik, wobei das Schwergewicht auf der Beschreibung des Hütens liegt. Zum anderen ist es der Aspekt des sozialen Handelns, wozu nicht nur Kenntnisse, Fertigkeiten und Ausdauer, sondern auch Gefühle wie Angst, Freude, Einsamkeit und Strapazen gehören. Die Berücksichtigung beider Aspekte zählt meiner Meinung nach zu einer optimale Analyse von Arbeitsprozessen. Optimal in dem Sinne, da sie eine Grundlage bietet für das Erkennen der Notwendigkeit einer Technologieeinführung zur Verbesserung der Arbeitsprozesse sowie für die Vorhersage der zu erwartenden Veränderungen aufgrund einer Einführung. Aus diesem Grund soll der Frage nachgegangen werden, ob FSR diesem Anspruch einer Methode zur optimalen Arbeitsanalyse gerecht wird bzw. ob eine derartige Analyse in den von den Autoren vorgestellten Projekten aus der Praxis tatsächlich erfolgte. Die wichtigsten Ergebnisse der Arbeit sollen in Kapitel 6 in Form einer Schlussbetrachtung zusammengefasst.

2 Merkmale der afrikanischen Agrarwirtschaft

Die afrikanische Agrarwirtschaft wird bestimmt durch kleinbäuerliche Haushalte. Diese setzten sich aus Familienmitgliedern zusammen, welche gleichzeitig einem ökonomischen Risiko wie auch einem Umweltrisiko ausgesetzt sind. Nicht die langfristige Produktivitätssteigerung, sondern das kurzfristige Vermeiden von Risiko hat für sie daher höchste Priorität. Für Hyden sind vier Faktoren für diese Form der Agrarwirtschaft kennzeichnend. Der erste Faktor ist das Fehlen von Technik. So ist die afrikanische Landwirtschaft geprägt von großflächigem, extensiven Anbau, bei dem der Boden mit nur sehr einfacher Technik relativ gering genutzt wird. Anders als z.B. in Lateinamerika, wo Großgrundbesitzer riesige Flächen Land besitzen, haben die kleinbäuerlichen Haushalte in Afrika nicht die notwendige Kapazität, durch neue Technologien und der damit möglichen Spezialisierung ihre Produktivität zu erhöhen.[2]

Als zweites Merkmal der afrikanischen Agrarwirtschaft nennt Hyden die Autonomie der kleinbäuerlichen Haushalte. Da ihre relativ einfachen Technologien keine Spezialisierung in der Produktion erlauben, kommt kaum ein Austausch mit anderen Produktionssystemen zustande. Vielmehr produzieren die Haushalte unabhängig voneinander. Da ein kleinbäuerlicher Haushalt für all seine Bedürfnisse selbst aufkommen muss, findet sich in den Haushalten eine sehr ausgeprägte Arbeitsteilung zwischen den Familienmitgliedern. Dies hat zur Folge, dass wenn ein Familienmitglied ausfällt, sei es weil der Mann für Lohnarbeit in die Stadt zieht, oder die Kinder zur Schule gehen, die Agrarproduktion sehr darunter leidet. Eine weitere Konsequenz aus der Autonomie der kleinbäuerlichen Haushalte ist, dass sie die staatlichen Maßnahmen zur Produktivitätssteigerung als „fremde“ Eingriffe empfinden, denen sie sich leicht entziehen können. Afrikanische Regierungen haben daher einen weitaus geringeren Einfluss auf die Agrarwirtschaft, als es in anderen Gegenden, wie z.B. Asien oder Lateinamerika, der Fall ist. In Anbetracht dieser Autonomie ist es für Hyden unverständlich, dass die meisten Entwicklungsprogramme im Agrarbereich ohne Berücksichtigung der individuellen Umstände der kleinbäuerlichen Haushalte geplant werden.[3]

Als dritter Faktor nennt Hyden die in vielen Regionen Afrikas zu beobachtende Urbanisierung. Diese findet statt, ohne dass es im ländlichen Gebiet eine Überschussproduktion gibt, was zur Folge hat, dass auf dem Land Arbeitskräfte fehlen. Um dies auszugleichen, investieren Migranten, die in die Stadt ziehen, oft noch weiterhin in Agrarmaßnahmen in ihrem ehemaligen Dorf. Bei der Analyse von Arbeitsprozessen kleinbäuerlicher Haushalte ist es wichtig, diese informellen und fast unsichtbaren Einkommens- und Ressourcenverteilungen zu berücksichtigen.[4]

Als viertes Merkmal nennt Hyden die Tatsache, dass es sich bei der afrikanischen Agrarwirtschaft um eine so genannte „Economy of Affection“ handelt, in welcher wirtschaftliches Handeln weniger durch rationale Überlegungen als vielmehr durch soziale Faktoren beeinflusst wird. Eine große Rolle spielen hierbei soziale Netzwerk, die aufgrund von Merkmalen wie Heirat, Blutsverwandtschaft, gemeinsamer Interessen oder Religion ad hoc und informal gebildet werden und als Einflussfaktoren auf Agrarmaßnahmen sehr schwierig vorherzusehen sind. Die „Economy of Affection“ kann sich z.B. darin ausdrücken, dass Bauern für ihren Nachwuchs in neues Land investieren, selbst wenn dies ihre gesamte Agrarproduktivität senkt.[5]

Die Autonomie der kleinbäuerlichen Haushalte sowie die Vielfalt und Verworrenheit der sozialen Beziehungen machen laut Hyden eine Einführung von neuen Technologien zur Verbesserung der Produktivität nur möglich, wenn es vorweg zu einer intensiven Analyse der Haushalte und ihrer Arbeitsprozesse kommt. Wichtig ist, dass in dieser Analyse nicht nur technische sondern auch soziale Aspekte berücksichtigt werden. Hierin sieht Hyden die Begründung für FSR als optimale Analysemethode.[6]

3 Farming Systems Research in der Theorie

3.1 Farming Systems Research als mehrstufiger Prozess

FSR hat sich in den 70er Jahren aus der Tatsache heraus entwickelt, dass im Rahmen von Entwicklungsprogrammen in ländlichen Gebieten Afrikas immer wieder Technologien eingeführt wurden, welche von den dort ansässigen Landwirten nicht akzeptiert und übernommen wurden.[7] Zurückgeführt wurde dies auf die durch die traditionellen Forschungsansätzen oft vernachlässigten sozialen Faktoren der kleinbäuerlichen Haushalte. So wurde zunehmend deutlich, dass man vor der Einführung neuer Technologien zur Produktivitätssteigerung durch Forschung direkt auf den Höfen und durch direkten Kontakt mit den dort ansässigen Familien nicht nur deren ökonomische sondern auch sozialen Zwänge im Arbeitsprozess analysieren muss. Auf Basis einer solchen allumfassenden Analyse, wie sie im Rahmen eines FSR-Projektes stattfindet, werden schließlich die für die jeweiligen Bedingungen der Haushalte zugeschnittenen Technologien zur Produktivitätssteigerung eingeführt. Von diesen so entwickelten Technologien geht man aus, dass sie schnell und problemlos von den Landwirten aufgenommen werden.[8] Den genauen Ablauf eines FSR-Projektes stellen sowohl Norman und Baker als auch Gerhart in ihren Artikeln vor, wobei sich ihre Darstellungen nur geringfügig unterscheiden.

Im Zentrum des FSR-Prozesses steht das so genannte Farming System, d.h. die landwirtschaftliche Familie. Neben der Familie vor Ort auf dem Hof werden hierzu auch Personen gezählt, die entfernt wohnen, aber Einfluss auf die Entscheidungsprozesse im Haushalt haben. Der mehrstufige FSR Research Prozess beginnt damit, dass die einzelnen Farming Systeme in einer Region identifiziert werden und so genannte Empfehlungsbereiche ausfindig gemacht werden. Unter Empfehlungsbereiche versteht man eine homogene Gruppe von Farming Systemen, welche ähnliche Merkmale aufweisen und unter ähnlichen Bedingungen agieren. Von ihnen wird angenommen, dass sie dieselben Empfehlungen für neue Technologien annehmen und nutzen werden. Aus einem Empfehlungsbereich wird schließlich ein repräsentativer Hof ausgewählt, bei welchem die Untersuchungen vor Ort durchgeführt werden. Fragen zu denen hier Antworten gesucht werden, sind z.B. wer welche Arbeit wann verrichtet, wer auf welche Ressourcen Zugriff hat, wer welche Entscheidungen trifft und inwieweit einzelne Arbeitskräfte andere ersetzten können. Die Beantwortung dieser Fragen ist wichtig, um Problemfelder zu identifizieren, die einer Erhöhung der Agrarproduktivität im Wege stehen bzw. um Veränderungen im Farming System durch die Einführung neuer Technologien vorhersagen zu können. Auf Basis dieser Befragungen werden schließlich die neuen Technologien entwickelt. In der darauf folgenden Testphase werden die vielversprechensten Technologien in den repräsentativen Höfen eingesetzt und daraufhin getestet, ob die erwünschten Veränderungen eintreten. Die Technologie mit den besten Testergebnissen und der größten Akzeptanz wird schließlich im gesamten Empfehlungsbereich eingesetzt. Die Einführung wird durch Personaltraining, Technologie-Demonstrationen, Lieferung des Inputs sowie im Marketingbereich unterstützt.[9]

FSR ist ein dynamischer Prozess bei dem es während allen Phasen zu wechselseitigen Beziehungen zwischen Landwirten, Wissenschaftlern und Agenturen kommt.[10] Die Agenturen vermitteln zwischen den ländlichen Gebieten und den Wissenschaftlern und arbeiten eng mit nationalen und internationalen Agrarforschungszentren zusammen, in denen eine hohe Anzahl von Wissenschaftlern aus den verschiedensten Fachbereichen angestellt sind. Während wissenschaftliche Langzeituntersuchungen nationaler Agrarforschungszentren in den Entwicklungsländern meist an Kostenproblemen scheitern, besteht für die Regionen somit die Möglichkeit, durch die Agenturen an internationale Zentren vermittelt zu werden. Diese internationalen Agrarforschungszentren bieten ihrem Auftraggeber in den jeweiligen Ländern an, die Forschungsprogramme zu konzipieren sowie nationale Wissenschaftler zu trainieren. Nicht zuletzt werden die internationalen Zentren im Gegensatz zu den nationalen Zentren auch im größeren Maße durch internationale Geldgeber unterstützt, so dass sie eine finanzielle Absicherung der Untersuchung sichern können.[11]

3.2 Methodischer und disziplinärer Beitrag von Farming Systems Research

Mit dem methodischen und disziplinären Beitrag von FSR zu traditionellen Haushaltsstudien beschäftigen sich Low, Guyer und McKee in ihren Beiträgen. Demnach hebt sich FSR von traditionellen Untersuchungen ab, indem es sowohl Prozesse innerhalb der Haushalte als auch zwischen den einzelnen Haushalten berücksichtigt. Zudem unterscheidet es sich durch seine interdisziplinäre Herangehensweise.

Die Berücksichtung der Intra-Haushaltsprozesse wird dadurch gewährleistet, indem die FSR-Wissenschaftler im Rahmen eines so genannten On-Farm-Research ihre Untersuchungen direkt vor Ort bei den kleinbäuerlichen Höfen durchführen, während traditionelle Haushaltsstudien auf separaten Forschungsstationen stattfinden.[12] Im Zentrum der Untersuchung von FSR stehen hierbei sämtliche Entscheidungsprozesse innerhalb der Haushalte, wobei vor allem die Arbeits- und Ressourcenaufteilung zwischen den Haushaltsmitgliedern eine wichtige Rolle spielt.[13] Die neben der Beobachtung zusätzliche Befragung der Haushaltsmitglieder findet stets unter der Annahme statt, dass die Landwirte selbst zur Entwicklung der Technologie Wertvolles beizutragen haben.“[14]

Neben den Intra-Haushaltsprozessen betrachtet FSR darüber hinaus sämtliche soziale und ökonomische Verbindungen zwischen den einzelnen Höfen. Hierzu zählt vor allem, wie sich der einzelne Haushalt auf dem Markt verhält. Kennzeichnend für diese so genannte haushaltsökonomische Perspektive, welche den kleinbäuerlichen Haushalt als Teil eines Gesamtmarktes sieht, ist dass der Hof nicht nur als Produktions- sondern gleichzeitig auch als Konsumeinheit gesehen wird. Im Zentrum steht hierbei die Entscheidungen der Haushalte, die Ressourcen für ihre Produktion auf dem Markt zu erwerben oder diese aber selbst zur Verfügung zu stellen sowie die Entscheidung ihre Produktion zu verkaufen oder aber selbst zu konsumieren. Hierbei soll herausgefunden werden, unter welchen Bedingungen die Haushalte welche Entscheidung treffen. Eine ganz wesentliche Rolle spielt bei diesen Entscheidungen die zur Verfügung stehende Zeit. Dies heißt z.B. dass wenn eine neue Technik zwar zu einer höheren Produktion führt, aber auch gleichzeitig mehr Zeit der Haushaltsmitglieder beansprucht, in welcher die Personen normalerweise etwas anderes produzieren würden, so muss überlegt werden, ob diese Nichtproduktion im Vergleich zu der durch die neue Technologie ermöglichte Mehrproduktion negativ ins Gewicht fällt. Man spricht hierbei auch von so genannten Opportunitätskosten. Ist eine Frau z.B. mit der Haferernte beschäftigt, anstatt sich sonst in dieser Zeit um die Essenszubereitung zu kümmern, so sind die Opportunitätskosten nicht sehr hoch. Würde sie aber stattdessen Güter produzieren, die sie teuer auf dem Markt verkauft, sind die Opportunitätskosten hoch.[15]

[...]


[1] vgl.: Spittler, Gerd: Hirtenarbeit. Die Welt der Kamelhirten und Ziegenhirtinnen von Timia. Köln, 1998

[2] vgl.: Hyden, Goran: The Invisible Economy of Smallholder Agriculture in Africa. In: Lewinger, Joyce (Hrsg.): Understanding Africa’s Rural Households and Framing Systems, Boulder und London, 1986, S.15ff.

[3] vgl.: Hyden, Goran: a.a.O., S.17ff.

[4] vgl.: Hyden, Goran: a.a.O., S.19ff.

[5] vgl.: Hyden, Goran: a.a.O., S.23ff.

[6] vgl.: Hyden, Goran: a.a.O., S.30ff.

[7] vgl.: Norman, D.W., Baker, C.D.: Components of Farming Systems Research, FSR, Credibility, and Experiences in Botswana. In: Lewinger, J.: a.a.O., S.36

[8] vgl.: Gerhart, John D.: Farming Systems Research, Productivity, and Equity. In: Lewinger, J.: a.a.O, S.62

[9] vgl.: Norman, D.W., Baker, C.D.: a.a.O, S.38ff.

[10] vgl.: Norman, D.W., Baker, C.D.: a.a.O, S.40

[11] vgl.: Gerhart, John D.: a.a.O., S.60

[12] vgl.: Low, Allan: On-Farm Research and Household Economies. In: Lewinger, J.: a.a.O., 71ff.

[13] vgl.: McKee, Katharine: Household Analysis as an Aid to Farming Systems Research: Methodological Issues. In: lewinger, J.: a.a.O., S.190

[14] vgl.: Low, Allan: a.a.O, S.71ff.

[15] vgl.: Low, Allan: a.a.O, S.71ff.

Ende der Leseprobe aus 29 Seiten

Details

Titel
Farming Systems Research als Methode zur Arbeitsanalyse
Hochschule
Freie Universität Berlin  (Ethnologie)
Veranstaltung
Ethnologie der Arbeit
Note
2,0
Autor
Jahr
2002
Seiten
29
Katalognummer
V14431
ISBN (eBook)
9783638198387
Dateigröße
604 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Farming, Systems, Research, Methode, Arbeitsanalyse, Ethnologie, Arbeit
Arbeit zitieren
Ulrike Rohn (Autor), 2002, Farming Systems Research als Methode zur Arbeitsanalyse, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14431

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