Dieser Sammelband enthält vier Hausarbeiten.
In der ersten Arbeit soll genauer beleuchtet werden, wie das Christentum sich gegenüber homosexuellen Paaren positioniert. Hierbei wird ein besonderer Bezug auf den deutschen Lebensraum vorgenommen. Es soll zunächst auf den Begriff der Homosexualität und den Umgang mit gleichgeschlechtlichem Zusammenleben in der Vergangenheit eingegangen werden. Im Anschluss werden Auszüge aus der Bibel dargelegt, die das gleichgeschlechtliche Miteinander thematisieren. Im weiteren Verlauf soll die aktuelle Position der evangelischen Kirche sowie der katholischen Kirche in Deutschland erörtert werden. Abschließend werden die Erkenntnisse zusammengefasst und diskutiert.
Die zweite Arbeit setzt sich mit der Diskriminierung von Homosexuellen im Mittelalter auseinander. Sie geht der Frage nach, welcher Umgang mit Homosexualität im Mittelalter gepflegt wurde und in welchen gesellschaftlichen Schichten sie auftauchte. Der Fokus richtet sich dabei auf homosexuelle Vorfälle bei Männern in Köln in den Jahren 1448 und 1500.
In der dritten Arbeit soll die These diskutiert werden, dass homosexuelle Frauen in der Öffentlichkeit der Weimarer Republik nicht wahrgenommen wurden. Es werden die Erklärungsansätze diskutiert, die in der Sexualwissenschaft für die weibliche Homosexualität bestanden. Insbesondere wird der Erklärungsansatz von Magnus Hirschfeld behandelt, da dieser auch in der homosexuellen Bewegung angenommen wurde. Dabei soll beleuchtet werden, wie die Wissenschaft auf homosexuelle Frauen reagierte und es soll versucht werden erste Erklärungen zu finden, warum dies dazu beigetragen haben könnte, dass homosexuelle Frauen in der Öffentlichkeit nicht repräsentiert waren.
Die vierte Arbeit beschäftigt sich mit der Fragestellung „Wie sah die Lebenssituation eines männlichen Homosexuellen im Nationalsozialismus aus?“. Weitere Unterfragen, beispielsweise „Wie kam es zu der Verfolgung männlicher Homosexueller? Wieso betraf die Verfolgung hauptsächlich männliche Homosexuelle? Wie sah die Verfolgung aus? Welche Sanktionen und Bestrafungen hatten sie zu erwarten? Wie konnte Homosexualität gleichzeitig strafbar und dennoch in gewissen Kreisen praktiziert und geduldet werden?“, werden im Zuge dieser Arbeit untersucht und beantwortet.
Inhaltsverzeichnis der Beiträge
Homosexualität in der christlichen Kirche. Gleichgeschlechtliches Zusammenleben in der Bibel
1. Einleitung
2. Homosexualität
2.1 Definition
2.2 Geschichtliche Entwicklung
3. Bibelstellen mit Bezug auf die Homosexualität
3.1 Das alte Testament
3.2 Das neue Testament
3.3 Auswertung und Diskussion der Bibelstellen
4. Aktuelle Positionen der Kirche in Deutschland
4.1 Die evangelische Kirche
4.2 Die römisch-katholische Kirche Deutschlands
5. Fazit
Homosexualität und Diskriminierung im Mittelalter. Die "stumme Sünde"
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Verfolgung der Homosexuellen in Köln
2. Drei aufgezeichnete sodomitische Vorkommnisse
2.1 Der Fall des Johann Greeffroide
2.2 Der Fall des Seger Sydverwers
2.3 Der Fall des Jacobs dem Grecken
3. Allgemeine Schlussfolgerung der betrachteten Quellen
III. Fazit
IV. Wissenschaftlicher Apparat
Homosexuelle Frauen in der Weimarer Republik
1. Einleitung
2. Erklärungsansätze für die weibliche Homosexualität
2.1 Die Erklärungsansätze der Sexualwissenschaft
2.2 Der Umgang homosexueller Frauen mit dern Erklärungen der Sexualwissenschaft
3. Die Frauen- und die Homosexuellenbewegungen und der Umgang mit weiblicher Homosexualität
4. Treffpunkte homosexueller Frauen
5. Die Darstellung homosexueller Frauen in zeitgenössischen Schriften
6. Zeitschriften homosexueller Frauen
7. Fazit
Homosexualität im Nationalsozialismus. Diskriminierung, Verfolgung und Bestrafung
1. Einleitung
2. Zum Forschungsstand
3. Homosexualität im Nationalsozialismus
3.1 Homosexualität in der NS-Ideologie
3.2 Männerbünde im Nationalsozialismus
3.3 Der Fall Ernst Röhm und die Verschärfung des Paragraphen 175 RStGB
3.4 Diskriminierung, Verfolgung und Bestrafung
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Dieser Sammelband bietet eine interdisziplinäre historische Untersuchung der gesellschaftlichen, rechtlichen und religiösen Haltungen gegenüber Homosexualität im deutschen Raum. Das Hauptziel der Arbeit ist es, die Entwicklung der Diskriminierung, Verfolgung und den sich wandelnden Umgang mit LGBT-Themen von der kirchlichen Tradition über das Mittelalter und die Weimarer Republik bis hin zur systematischen Verfolgung im Nationalsozialismus aufzuzeigen.
- Religiöse Bewertung von Homosexualität in biblischen Texten und christlichen Kirchen.
- Strafrechtliche Verfolgungspraxis von "Sodomie" im spätmittelalterlichen Köln.
- Gesellschaftliche Wahrnehmung und Selbstorganisation von lesbischen Frauen in der Weimarer Republik.
- Die systematische Diskriminierung und systematische Ausgrenzung von homosexuellen Männern im Nationalsozialismus.
Auszug aus dem Buch
3.1 Homosexualität in der NS-Ideologie
Um die Ursachen und Funktionen der Homosexuellenverfolgung im Dritten Reich zu untersuchen ist es notwendig, sich die NS-Ideologie vor Augen zu führen. Die Diskriminierung, Kriminalisierung und Ausmerzung, nicht nur Homosexueller, sondern aller „minderwertiger“ Gruppen, ruhte auf dem Gedanken des „Herrenvolkes“, welches geschaffen werden sollte. Dafür war es in den Augen der Nationalsozialisten nicht nur nötig fremde Völker zu vernichten, sondern ebenso das eigene Volk zu selektieren. Für die Neuordnung der Volksgemeinschaft diente die Rassenlehre als Grundlage und Begründung der Verfolgung. Der Mensch wurde nicht als Individuum, sondern als Typ wahrgenommen. Ausgewählte Kriterien wurden als Rechtfertigung genutzt bestimmte Menschen als „anders“ zu betiteln, sie auszugrenzen und ihnen gleichzeitig das Recht abzusprechen „anders“ zu sein. Wer von der erstrebten gesellschaftlichen Norm abwich, galt als minderwertig. Diese Normen wurden von den führenden Politikern und Wissenschaftlern der NS-Gesellschaft festgelegt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die historische Aufarbeitung der Verfolgung unter dem Nationalsozialismus ein und hinterfragt die späte wissenschaftliche Resonanz.
2. Zum Forschungsstand: Hier wird der Überblick über die Entwicklung der Forschung zur NS-Antihomosexuellenpolitik und die Schwierigkeit der Quellenlage dargelegt.
3. Homosexualität im Nationalsozialismus: Analysiert wird die ideologische Verortung, die Rolle von Männerbünden, der Sturz Röhms und die verschärfte Verfolgungspraxis.
4. Fazit: Zusammenfassung der systematischen Vernichtung und Diskriminierung sowie der langwierigen Aufarbeitung der traumatischen Erlebnisse der homosexuellen Opfer.
Schlüsselwörter
Homosexualität, Deutschland, Nationalsozialismus, Diskriminierung, Verfolgung, Kirche, Bibel, Mittelalter, Weimarer Republik, Sexualwissenschaft, Paragraph 175, Gestapo, NS-Ideologie, Männerbund, Entmenschlichung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Anliegen dieses GRIN-Sammelbands?
Das Buch analysiert historisch, wie Homosexualität in verschiedenen Epochen – von der christlichen Kirche über das Mittelalter bis hin zur NS-Zeit – stigmatisiert, verfolgt oder gesellschaftlich bewertet wurde.
Welche zentralen Themenfelder deckt das Werk ab?
Die Beiträge behandeln die kirchliche Sexualmoral, die städtische Strafrechtsgeschichte im Mittelalter, lesbisches Leben in der Weimarer Republik und die systematische systematische Verfolgung im Dritten Reich.
Welches primäre Erkenntnisziel verfolgt die Sammlung?
Es soll aufgezeigt werden, wie die Diskriminierung homosexueller Menschen Teil gesellschaftlicher und ideologischer Konstruktionen war und welche Kontinuitäten dabei erkennbar sind.
Welche wissenschaftliche Methodik liegt den Beiträgen zugrunde?
Die Autoren nutzen eine historische Analyse, die auf Archivalien, zeitgenössischen Schriften, theologischen Texten und bestehender Forschungsliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil zur NS-Zeit konkret behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der NS-Ideologie, der "Säuberung" der Männerbünde, dem Fall Ernst Röhm sowie den polizeilichen Verfolgungsmechanismen wie der "Homokartei".
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am stärksten?
Wichtige Begriffe sind Homosexualität, Stigmatisierung, Verfolgung, NS-Ideologie und rechtliche Ausgrenzung.
Wie wird in der Untersuchung die Rolle der Kirche dargestellt?
Es wird aufgezeigt, dass die Kirche durch Auslegungen von Bibelstellen und die Klassifizierung von Homosexualität als Sünde eine maßgebliche Rolle bei der Rechtfertigung und Aufrechterhaltung der Stigmatisierung spielte.
Welche Schlussfolgerung zieht der Beitrag zum Nationalsozialismus?
Der Beitrag schließt, dass die systematische Diskriminierung und Vernichtung von Homosexuellen eine enorme Dimension erreichte und die gesellschaftliche Akzeptanz erst sehr spät und unzureichend erfolgte.
- Arbeit zitieren
- GRIN Verlag (Hrsg.) (Herausgeber:in), Lara Tillen (Autor:in), Greta Gamba (Autor:in), Moritz Fastabend (Autor:in), Paulina Tiepermann (Autor:in), 2024, Vielfältige Perspektiven auf Homosexualität. Eine historische Analyse von LGBT-Themen in der Kirche, im Mittelalter, in der Weimarer Republik und im Nationalsozialismus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1443323