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Interruption as Style

Die Unterbrechung als dramaturgisches Strukturmerkmal in Luis Buñuels Filmen 'Der diskrete Charme der Bourgeoisie' und 'Das Gespenst der Freiheit'

Title: Interruption as Style

Term Paper (Advanced seminar) , 2009 , 23 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Stefanie Graf (Author)

Film Science
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Sucht man in der Internet Movie Database (IMDB) nach Luis Buñuel so findet man 34 Filme bei denen der Spanier im Laufe eines halben Jahrhunderts Regie führte. Buñuels Oeuvre erstreckt sich von dem weltbekannten surrealistischen Frühwerk EIN ANDALUSISCHER HUND (UN CHIEN ANDALOU) von 1929 über mexikanische Genrefilme in den 50er Jahren bis hin zu dem in Frankreich produzierten Spätwerk, zudem unter anderem BELLE DE JOUR (1967) mit Catherine Deneuve in der Hauptrolle zählt. Wie also bei so einer Bandbreite an Werken ein Thema, gar einen einzelnen Film für eine Hausarbeit auswählen?
Ich habe mich bei dieser Frage vom Aufbau, der Struktur der Filme leiten lassen. Dabei bin ich auf ein Strukturmerkmal buñuelscher Filme gestoßen, dass vor allem bei DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE (LE CHARME DISCRET DE LA BOURGEOISIE (1972)) und DAS GESPENST DER FREIHEIT (LE PHANTÔME DE LA LIBERTÉ (1974)) eklatant wird: die Unterbrechung.
Was der amerikanische Filmkritiker Jonathan Rosenbaum in seiner Kritik zu DER DISKRETE CHARME DER BOURGEOISIE konstatierte, trifft umso mehr zu, wenn man auch den folgenden Film Buñuels betrachtet. „Interruption as Style“ (Rosenbaum 1972, S.2); die Unterbrechung der scheinbar etablierten Narration wird zur eigentlichen Handlung und schließlich zum dramaturgischen Prinzip erhoben. Wenn die Unterbrechung zum Dauerzustand wird, hat dies natürlich Auswirkungen auf die Erzählweise. Diese wird sich zwangsläufig weg von einer linear erzählten Geschichte zu einer nonlinearen, episodischen Erzählweise entwickeln. In der folgenden Arbeit sollen die dramaturgischen Mittel vorgestellt werden, die Buñuel benutzt, um die Entwicklung seiner Geschichte immer wieder selbst zu unterlaufen. Das Hauptaugenmerk soll dabei auf der Frage liegen, was durch Buñuels Strategie der Unterbrechung letztlich ausgesagt wird. Wenn die Erzählung einer sich linear entwickelnden Geschichte nicht mehr möglich erscheint, was impliziert das dann für das Verständnis der Welt und der Historie?

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der diskrete Charme der Bourgeoisie und das Gespenst der Freihiet

2.1 Synopsis: Der diskrete Charme der Bourgeoisie

2.2 Synopsis: Das Gespenst der Freiheit

3. Diskontinuierliche Narration

3.1 Episodisches Erzählen

3.2 Gruppe vs. Beziehungsgeflecht

3.3 Strategien der Unterbrechung

3.3.1 Zufälle

3.3.2 Träume

3.3.3 Zuschauer

3.4 Die fragmentierte Gesellschaft

3.4.1 Brüchige Konventionen

3.4.2 Zyklen

4. Fazit

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit analysiert die Funktion der Unterbrechung als zentrales dramaturgisches Strukturmerkmal in Luis Buñuels Filmen „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Buñuel durch die systematische Destruktion linearer Erzählweisen nicht nur eine inhaltliche Kritik an bürgerlichen Normen und Konventionen übt, sondern durch den gezielten Bruch mit Zuschauererwartungen eine reflektierte Auseinandersetzung mit der Natur des Erzählens selbst erzwingt.

  • Die Rolle der Unterbrechung als stilistisches und narratives Prinzip.
  • Analyse der episodischen Narration und ihrer Auswirkung auf die Figurenkonstellation.
  • Die Bedeutung des Zufalls als strukturgebendes Element gegen die moderne Rationalität.
  • Die demontierende Wirkung der Traumlogik auf die Unterscheidung von Realität und Fiktion.
  • Kritik an sozialen Konventionen und der Relativität bürgerlicher Distinktionsmechanismen.

Auszug aus dem Buch

3.3.1 Zufälle

Was motiviert einen Erzähler dazu, seine Geschichte durch Unterbrechungen immer wieder selbst zu unterlaufen? Vielleicht ist es der Versuch, die Bedeutung des Zufalls filmisch darzustellen. Für Buñuel ist der Zufall „der große Meister aller Dinge“ (Buñuel 1983, S.162). Das heißt, die Welt und das alltägliche Leben werden maßgeblich durch den Zufall gestaltet. Der Zufall jedoch ist für die Menschen nicht fassbar, er ist per definitionem genau das, was nicht vorhersagbar ist. Die große Bedeutung, die Buñuel dem Zufall beimisst, resultiert zwangsläufig aus seinem Atheismus. Denn die Verneinung der Existenz Gottes bedeutet die Verneinung einer übergeordneten Macht, die das Leben sinngebend leitet. Doch nicht nur die Religion, die den Zufall durch einen angeblichen Willen Gottes in Schicksal transformiert, versucht ihn zu domestizieren, auch die Etablierung von Kultur, sozialen Konventionen und Gesetzen ist der andauernde Versuch, den Zufall und damit das Unvorhersehbare auf ein Minimum zu reduzieren, ihn aus der eigenen Lebenswelt zu verbannen.

„Die Gesetze, die Bräuche, die historischen und gesellschaftlichen Bedingungen einer gewissen Entwicklung, eines gewissen Fortschritts, alles was vermeintlich zur Durchsetzung, zum Vorwärtsschreiten, zur Stabilität einer Kultur beiträgt, der wir durch das Glück oder das Missgeschick unserer Geburt angehören, alles das bildet einen täglichen, und hartnäckigen Kampf gegen den Zufall. Nie ganz vernichtet, zählebig und listenreich, versucht er sich der gesellschaftlichen Notwendigkeit anzupassen.“ (Buñuel 1983, S. 164).

Der Zufall wird als unerwünschter Eindringling in die rational geordnete Welt wahrgenommen. Das Konzept des Zufalls steht dementsprechend nicht nur dem religiös fundierten Glauben an das Schicksals diametral gegenüber, es ist auch unvereinbar mit dem Ordnungsprinzip der Moderne; der Rationalität.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Luis Buñuel ein und begründet die Auswahl der zwei Filme „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“ aufgrund ihres gemeinsamen Strukturmerkmals: der Unterbrechung.

2. Der diskrete Charme der Bourgeoisie und das Gespenst der Freihiet: Dieses Kapitel liefert eine synoptische Übersicht der beiden untersuchten Filme und stellt die Entstehungszusammenhänge sowie die zentrale Bedeutung der Filme innerhalb Buñuels Spätwerk dar.

3. Diskontinuierliche Narration: Das Hauptkapitel untersucht die theoretischen und praktischen Grundlagen der von Buñuel genutzten Erzählstrategien, die eine Abkehr von der klassischen Dramaturgie hin zu einer fragmentierten Struktur markieren.

4. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass Buñuels dauerhafter Bruch mit erzählerischen Konventionen seine inhaltliche Botschaft über die Relativität sozialer Normen strukturell widerspiegelt.

Schlüsselwörter

Luis Buñuel, Unterbrechung, Diskontinuierliche Narration, Zufall, Bourgeoisie, Soziale Konventionen, Surrealismus, Episodisches Erzählen, Zuschauererwartung, Filmdramaturgie, Distinktion, Postmodern, Traumsequenzen, Identität, Narrative Struktur.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Luis Buñuel in seinen Filmen „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ und „Das Gespenst der Freiheit“ das Stilmittel der Unterbrechung nutzt, um lineare Erzählstrukturen aufzubrechen.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die Arbeit behandelt Themen wie die Bedeutung des Zufalls, die Kritik an bürgerlichen Gesellschaftsritualen, die Funktion von Träumen und die gezielte Täuschung von Zuschauererwartungen durch filmische Konventionen.

Welches Ziel verfolgt die Analyse?

Das Ziel ist es zu ergründen, was Buñuels Strategie der Unterbrechung aussagt: Wenn eine linear erzählte Geschichte unmöglich wird, impliziert dies eine Kritik an unserem Verständnis von Welt und Historie.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Die Arbeit nutzt die filmwissenschaftliche Analyse von Dramaturgie und Narration, gestützt durch soziologische Konzepte (insbesondere Pierre Bourdieus Habitus-Theorie) und filmtheoretische Grundlagen des episodischen Erzählens.

Was bildet den inhaltlichen Schwerpunkt des Hauptteils?

Der Hauptteil analysiert die Strategien der Unterbrechung (Zufall, Träume, Zuschaueransprache) und die daraus resultierende Fragmentierung der bürgerlichen Gesellschaft und deren Normen.

Welche Schlagworte charakterisieren diese Publikation am besten?

Wichtige Begriffe sind insbesondere die Unterbrechung als Stilprinzip, der atheistische Blick auf den Zufall und die Relativität gesellschaftlicher Konventionen.

Wie unterscheidet sich die Darstellung des Zufalls in den beiden Filmen?

Während der Zufall in „Der diskrete Charme der Bourgeoisie“ eher auf der Handlungsebene die Vorhaben der Gruppe unterbricht, geht Buñuel im „Gespenst der Freiheit“ weiter und lässt den Zufall die gesamte Filmstruktur und Montage bestimmen.

Warum spielt das „Essen“ eine so zentrale Rolle für die Argumentation des Autors?

Das Essen fungiert als bürgerliches Ritual zur Abgrenzung vom Proletariat. Da die Gruppe ihr Vorhaben des Essens jedoch niemals vollenden kann, wird ihre gesellschaftliche Relevanz und ihr Selbstverständnis als unproduktiv entlarvt.

Was bedeutet der Titel „Interruption as Style“ im Kontext der Arbeit?

Der Begriff, entlehnt von Jonathan Rosenbaum, beschreibt, dass die Unterbrechung der Narration bei Buñuel kein störender Einzelfall ist, sondern zum eigentlichen dramaturgischen Prinzip des Films erhoben wird.

Welche Rolle nimmt der Zuschauer in Buñuels Dramaturgie ein?

Der Zuschauer wird durch die gezielte Unterbrechung seiner Erwartungen aktiv in den Prozess der Bedeutungsbildung einbezogen, was Buñuel zu einem Vorreiter einer zuschauerzentrierten Dramaturgie macht.

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Details

Title
Interruption as Style
Subtitle
Die Unterbrechung als dramaturgisches Strukturmerkmal in Luis Buñuels Filmen 'Der diskrete Charme der Bourgeoisie' und 'Das Gespenst der Freiheit'
College
Johannes Gutenberg University Mainz  (Filmwissenschaft / Mediendramaturgie)
Course
Hauptseminar Luis Buñuel
Grade
1,0
Author
Stefanie Graf (Author)
Publication Year
2009
Pages
23
Catalog Number
V144332
ISBN (eBook)
9783640538355
ISBN (Book)
9783640538454
Language
German
Tags
Dramaturgie Film Luis Bunuel Zufall Diskontinuität Erzählstruktur Surrealismus Kino Narration surrealistischer Film
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Stefanie Graf (Author), 2009, Interruption as Style, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144332
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