Erinnert man sich an die Antike zurück, so ist es der Titan Atlas, der das
Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt. Die „alte Welt“ grenzte im fernsten Westen
an ein unendliches Meer, das schliesslich nach dem Titanen benannt wurde: der
Atlantische Ozean (STETS 1981, S. 804).
„Afrika gehört zwei großen tektonischen Erdregionen an. Das Atlasgebirge ist ein Glied
des Gürtels der in der Tertiärzeit1 gefalteten Hochgebirge, die Südeuropa und Asien
durchziehen. Das übrige Afrika, das wir als die afrikanische Platte2 bezeichnen können,
bildet zusammen mit dem außerandinen Südamerika, Arabien, Vorderindien und
Australien ein einst zusammenhängendes Gebiet gleichartigen Baus, das keine jüngere
Faltung mehr erlitten hat, und von E. Suess als Gondwanaland bezeichnet worden ist“
(JAEGER 1954, S. 53).
Das vorangehende Zitat von Fritz Jaeger zeigt, dass Afrika, im Gegensatz zu Gegenden
wie Südamerika oder Europa, ein Kontinent ist, der nicht mit verschiedenen
Hochgebirgen glänzen kann, deren Höhen sich im Bereich der Superlative bewegen.
Gebirge finden sich auf diesem Kontinent nur als vereinzelte Akzente in der
Eintönigkeit der Flächen und treten nicht als konstituierende Elemente des Großreliefs
auf, wie in Südamerika oder Eurasien (WIESE 1997, S. 28). Nachdem in Afrika
vorwiegend flaches Relief die Landschaft prägt und einstige Gebirge durch
Verwitterung und Abtragung eingeebnet worden sind, möchte ich mich im Zuge dieser
Arbeit mit dem somit aus der Landschaft herausragenden Atlasgebirge beschäftigen
(JAEGER 1954, S. 53).
Neben einer allgemeinen Lagebeschreibung des Gebirges geht die Arbeit genauer auf
die Entstehung ein. Nach eingehender Betrachtung der Gliederung des Gebirgssystems,
soll der geologische Bau des Atlasgebirges beleuchtet werden. Um den Rahmen der
Arbeit nicht zu sprengen und zusammenfassender vorzugehen, beschäftige ich mich an
diesem Punkt speziell mit zwei Beispielregionen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Atlasgebirge
2.1 Lage
2.2 Entstehung
3 Gliederung
3.1 Rif-Atlas
3.2 Mittlerer Atlas
3.3 Hoher Atlas
3.3.1 Westlicher Hoher Atlas
3.3.2 „Massif Ancien“
3.3.3 Zentraler Hoher Atlas
3.3.4 Östlicher Hoher Atlas
3.4 Tell-Atlas
3.5 Sahara-Atlas
4 Geologischer Bau
4.1 Bau des Hohen Atlas
4.2 Bau des Mittleren Atlas
5 Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Atlasgebirge als bedeutende geologische Einheit in Nordwestafrika zu charakterisieren. Dabei steht die Forschungsfrage im Mittelpunkt, wie das Atlasgebirge in seiner topographischen Gliederung beschaffen ist und welche tektonischen Prozesse seinen geologischen Bau maßgeblich bestimmt haben.
- Allgemeine geographische Lage des Atlasgebirgssystems
- Genese und tektonische Entstehung des Gebirgsraumes
- Detaillierte morphologische Gliederung in verschiedene Atlas-Züge
- Analyse des spezifischen geologischen Aufbaus
- Vergleich der baulichen Strukturen am Beispiel des Hohen und Mittleren Atlas
Auszug aus dem Buch
2.2 Entstehung
Der Atlas entstand ähnlich wie die Alpen durch die Kollision zwischen Afrika und Europa und ist somit Teil des alpidischen Orogengürtels. Vor der Gebirgsbildung entstand hier am südlichen Rand des Urmittelmeeres Thetys durch die Öffnung des Atlantik ein von Gräben, Horsten und pull-apart Becken geprägtes Grabensystem. Es wurden z.T. Basalte gefördert und mächtige marine Sedimente in den tiefer gelegenen Bereichen abgelagert. Im Zuge der Gebirgsbildung wurden diese Gesteine gehoben und teilweise wieder abgetragen. Hierbei gaben die älteren Verwerfungen die Struktur des entstehenden Gebirges vor. Die Atlasketten sind somit kein Deckengebirge wie die Alpen oder das Rif, bei denen Gesteinsdecken entlang flach liegender Überschiebungen über große Strecken verschoben wurden. Vielmehr handelt es sich bei diesem Gebirge um eine Inversion eines intrakontinentalen Grabensystems, weswegen es eher steile Überschiebungen mit vergleichsweise geringer Transportweite gibt. Durch starke Hebung und Erosion ist im Gebiet des Jbel Toubkal das präkambrische Grundgebirge freigelegt worden.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Bedeutung des Atlas ein und ordnet das Gebirge tektonisch in den afrikanischen Kontext sowie den alpidischen Orogengürtel ein.
2 Das Atlasgebirge: Dieses Kapitel beschreibt das Relief und die klimatische Einordnung des Gebirges sowie dessen geographische Ausdehnung über Marokko, Algerien und Tunesien.
3 Gliederung: Hier erfolgt eine detaillierte Aufteilung des Atlassystems in seine sechs Hauptbestandteile, darunter Rif-Atlas, Hoher Atlas und Sahara-Atlas, inklusive ihrer individuellen Merkmale.
4 Geologischer Bau: Dieser Hauptteil analysiert die Gesteinszusammensetzung, die Schichtfolge und die spezifische tektonische Ausprägung des Hohen sowie Mittleren Atlas.
5 Schluss: Das Fazit fasst die Komplexität des Atlasgebirges zusammen und betont den Erkenntnisgewinn über die verschiedenen Strukturen des Gebirgssystems.
Schlüsselwörter
Atlasgebirge, Nordafrika, Orogenese, Geologie, Tektonik, Hoher Atlas, Mittlerer Atlas, Sedimente, Faltengebirge, Jbel Toubkal, Plattentektonik, Schollengebirge, Relief, Gliederung, Bruchtektonik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der geographischen Gliederung und dem geologischen Aufbau des Atlasgebirges in Nordwestafrika.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die tektonische Entstehung, die räumliche Gliederung in verschiedene Gebirgszüge sowie die Untersuchung des geologischen Baus, insbesondere beim Hohen und Mittleren Atlas.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, ein Verständnis für die komplexen Strukturen des Atlasgebirges zu vermitteln und die Entstehungsgeschichte sowie den geologischen Aufbau systematisch darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autorin nutzt eine zusammenfassende Literaturanalyse und wertet geographische sowie geologische Fachpublikationen und Kartenmaterial aus, um das Thema strukturiert aufzuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die einzelnen Teilgebiete des Atlas (Rif, Mittlerer Atlas, Hoher Atlas, Tell-Atlas, Sahara-Atlas) detailliert beschrieben und anschließend der geologische Bau sowie die Gesteinsformationen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Atlasgebirge, Orogenese, Tektonik, Schollengebirge und geologischer Bau charakterisiert.
Warum unterscheidet sich die Entstehung des Atlas von der der Alpen?
Im Gegensatz zu den Alpen, die als typisches Deckengebirge gelten, ist der Atlas primär durch die Inversion eines intrakontinentalen Grabensystems entstanden, was zu steileren Überschiebungen und geringerer Transportweite der Gesteinsschichten führte.
Welche Rolle spielt das „Massif Ancien“ innerhalb des Hohen Atlas?
Das „Massif Ancien“ stellt morphologisch den höchsten Teil des Gebirges dar und zeichnet sich durch seinen Aufbau aus paläozoischen Schichten und präkambrischen Serien aus.
Was unterscheidet den Rif-Atlas von anderen Teilen des Atlasgebirges?
Der Rif-Atlas wird geologisch oft als Deckengebirge eingestuft, das geotektonisch eng mit der Betischen Kordillere in Südspanien verknüpft ist, im Gegensatz zur eher intrakontinentalen Prägung der übrigen Atlas-Züge.
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- Elisabeth Junge (Author), 2010, Das Atlasgebirge, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144429