Die zweite Moderne beinhaltet eine Radikalisierung der Prinzipien der Moderne und gerät in Konflikt mit den grundlegenden Institutionen der ersten Moderne. Der expandierende Westen fordert das Individuum stärker, denn es entstand eine unruhige Übergangsgesellschaft mit mehr Chancen, aber auch mehr Risiken für das Individuum. Es hat sich eine Weltgesellschaft ohne gesicherten Sozialstaat gebildet. Diese Weltgesellschaft ist charakterisiert von einem Wechsel aus Zerstörung und Innovation, gepaart mit einem Wertewandel.
Inhaltsverzeichnis
1. Die reflexive (enttraditionalisierte) Moderne: Demographische Verschiebungen und normative Umbrüche
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den fundamentalen Wandel der Gesellschaft von der ersten zur zweiten, reflexiven Moderne und analysiert, wie demographische Verschiebungen sowie sozioökonomische Faktoren die individuellen Lebensentwürfe und Generationenbeziehungen nachhaltig verändern.
- Übergang von der industriegesellschaftlichen Moderne zur reflexiven Moderne
- Einfluss demographischer Veränderungen auf die Familienstruktur und Arbeitswelt
- Die Rolle der Individualisierung und Wahlbiographien in der modernen Gesellschaft
- Veränderungen im Generationenvertrag und neue soziale Unsicherheiten
Auszug aus dem Buch
Die reflexive (enttraditionalisierte) Moderne: Demographische Verschiebungen und normative Umbrüche
Der Beginn der ersten Moderne ist im 18. Jahrhundert zu finden und die erste Moderne wird auch „Zeitalter der Verheißungen“ genannt. Sie gilt als eine Epoche des Sozialstaates, wobei die Politik das Zentrum bildete. Die tragende Säule der Gesellschaft war die Familie, die aufgrund gesicherter beruflicher Karrieren relativ gut finanziell gefestigt war. Es gab einen Expansionszuwachs, der zur Sicherung der Wirtschaft und des Wohlstandes der Gesellschaft beitrug. Die erste Moderne ist die Zeit der Industrialisierung mit voranschreitender Bürokratisierung. Das führte zu einem Umbruch in der Gesellschaft und bedeutete für das Individuum Veränderungen in der Biographie.
Die zweite, also die reflexive Moderne, deren Beginn Ende des 20. Jahrhunderts anzusiedeln ist, beinhaltet eine Radikalisierung der Prinzipien der Moderne (wie beispielsweise Autonomie des Individuums, Rationalisierung und Rückgang der Erwerbsarbeit). Die zweite Moderne gerät in Konflikt mit den grundlegenden Institutionen der ersten Moderne (Nationalstaat). Der expandierende Westen, in dem Neues entsteht, fordert das Individuum stärker, denn es entstand eine unruhige Übergangsgesellschaft mit mehr Chancen, aber auch mehr Risiken für das Individuum. Es hat sich eine Weltgesellschaft ohne gesicherten Sozialstaat gebildet. Diese Weltgesellschaft ist charakterisiert von einem Wechsel aus Zerstörung und Innovation, gepaart mit einem Wertewandel, der allerdings nicht gleichbedeutend mit einem Werteverlust ist.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Die reflexive (enttraditionalisierte) Moderne: Demographische Verschiebungen und normative Umbrüche: Dieses Kapitel erläutert den historischen Wandel von der ersten zur zweiten Moderne und die damit einhergehenden gesellschaftlichen sowie demographischen Transformationsprozesse.
Schlüsselwörter
Reflexive Moderne, Individualisierung, Enttraditionalisierung, demographischer Wandel, Wahlbiographie, Globalisierung, Generationenvertrag, Arbeitswelt, Familienmodell, Risikogesellschaft, soziale Unsicherheit, Wertewandel, Lebensplanung, industrielle Moderne.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den Übergang von der klassischen industriellen Moderne hin zur sogenannten reflexiven oder enttraditionalisierten Moderne.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen der gesellschaftliche Strukturwandel, die Veränderung der Lebensläufe, der demographische Wandel sowie die Auswirkungen von Individualisierungs- und Globalisierungsprozessen auf die Familie und den Arbeitsmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die demographischen Verschiebungen und die resultierenden neuen Zeithorizonte der Lebensplanung sowie deren Herausforderungen für das Individuum und die Gesellschaft verständlich aufzuarbeiten.
Welche wissenschaftliche Perspektive wird eingenommen?
Die Arbeit basiert auf soziologischen Theorien der reflexiven Modernisierung, wobei insbesondere die Ansätze von Ulrich Beck und Anthony Giddens diskutiert werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Auflösung traditioneller Klassen- und Familienstrukturen, der Zunahme von Wahlbiographien sowie den finanziellen und sozialen Belastungen durch eine alternde Gesellschaft.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind unter anderem Individualisierung, reflexive Moderne, Wahlbiographie, Generationenvertrag und soziale Unsicherheit.
Wie hat sich das Bild der Familie im Laufe der Moderne verändert?
Die Familie wandelte sich von einer stabilen, durch klare Rollenverteilung geprägten Einheit zu kleineren, flexibleren Modellen, die häufig mit höherem Druck und Instabilität konfrontiert sind.
Welchen Einfluss hat die „Entbettung“ auf soziale Beziehungen?
Durch die von Giddens beschriebene „Entbettung“ werden soziale Beziehungen aus lokalen Kontexten gelöst, was einerseits Freiheit schafft, aber andererseits die Bindungskraft traditioneller Strukturen schwächt.
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- Sonja Deml (Author), 2010, Die reflexive (enttraditionalisierte) Moderne, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144476