Nach einführenden begrifflichen Klärungen (Abschnitt 2) folgen in zwei Hauptabschnitten zunächst theoretische Überlegungen zur Grundlegung und Charakterisierung der Leiharbeit (in Abschnitt 3) sowie empirische Analysen mit einem internationalen Vergleich der Leiharbeit in Großbritannien (GB) und in Deutschland (DE). Der Teilarbeitsmarkt der Leiharbeit in GB gilt als relativ entwickelt und stärker ausgedehnt, so dass sich ein solcher Vergleich dadurch besonders rechtfertigen lässt (Abschnitt 4). Die Arbeit schließt mit einem zusammenfassenden Abschnitt und dem Versuch eines Ausblicks zur zukünftigen Entwicklung der Leiharbeit in DE.
Im grundlegenden Theorieteil werden auf der Basis einer breit angelegten Literaturbearbeitung wesentliche Argumente zugunsten der Entwicklung der Leiharbeitsverhältnisse aus der Sicht der beteiligten Akteure, der Entleihunternehmen, der Leiharbeitnehmer und der Verleiher, herausgearbeitet. Die Darstellung enthält eine systematische Analyse der jeweils relevanten Interessen und Determinanten. Neben der ausführlichen Literaturrecherche enthält die Diplomarbeit mehrere kompakte Zusammenfassungen in Form von tabellarischen Darstellungen. Des Weiteren werden nachteilige Merkmale der Leiharbeit unter dem Stichwort prekärer Arbeitsbedingungen hervorgehoben.
In analoger Weise folgt sodann die empirische Analyse im vierten Abschnitt, die wegen unzureichender Daten in GB schwierig durchzuführen war. Der Autor vergleicht hier Umfang und Entwicklung der Leiharbeit in beiden Ländern, die qualitative Merkmale von Leiharbeitnehmern sowie die arbeitsmarktpolitische Brückenfunktion bzw. Klebeeffekte der Leiharbeit (trotz allzu lückenhafter Quellenmaterialien in GB). In Abstimmung mit dem Theorieteil werden schließlich auch die nachteiligen Merkmale der Prekarität untersucht.
Abschließend werden Theorieteil und die Länder miteinander verglichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Zur wissenschaftlichen Arbeit
1.1 Problemstellung und Zielsetzung
1.2 Begründung des Gliederungskonzepts
2 Begriffsbestimmungen: Leiharbeit, andere atypische Beschäftigungsformen und das Normalarbeitsverhältnis
2.1 Bestimmung nach Erwerbstätigkeitsmerkmalen
2.2 Bestimmung nach Flexibilitätscharakter
3 Theoretische Grundlagen zur Leiharbeit
3.1 Grundsätzliches Prinzip der Verleihung – das Dreiecksverhältnis
3.2 Arbeitsrecht als institutioneller Rahmen und Determinante
3.2.1 Aspekte der rechtlichen Ausgestaltung
3.2.2 SCHLAGLICHT: Der „Gleichbehandlungsgrundsatz“ in der Leiharbeit
3.3 Motive für Leiharbeit aus Sicht der Beteiligten
3.3.1 Überblick leiharbeitsrelevanter ökonomischer Theorien
3.3.2 Arbeitsnachfrageseitige Motive
3.3.2.1 Personalanpassungsfunktion
3.3.2.2 Rekrutierungsfunktion
3.3.2.3 Kostenreduktion
3.3.3 Arbeitsangebotsseitige Motive
3.3.3.1 Brückenfunktion und Klebeeffekt
3.3.3.2 Genuine Motive
3.3.4 Rolle und Interessen der Verleiher
3.4 Nachteile bei Leiharbeit aus Sicht der Beteiligten
3.4.1 Nachteile für Leiharbeitnehmer – „Prekarisierung“ durch Leiharbeit?
3.4.2 Nachteile für Unternehmen
3.5 Zusammenfassung und abschließende Betrachtung: Die Determinanten der Leiharbeit
4 Deutsch-britische Gegenüberstellung
4.1 Rechtliche Situationen und Entwicklungen
4.1.1 Leiharbeitsregulierung
4.1.2 SCHLAGLICHT: Die „Personal-Service-Agenturen“ in Deutschland
4.1.3 Arbeitsmarktregulierung und -konstitution
4.2 Empirische Befunde
4.2.1 Zu den Datenlagen der Länder
4.2.2 Umfang und Entwicklung
4.2.3 Merkmale von Leiharbeitnehmern, Verleihern und Entleihern
4.2.4 Motive der Leiharbeiter und Übergangsraten in der Leiharbeit
4.2.5 Motive der Entleiher
4.2.6 Zur Prekarisierung
4.2.7 Zu den SCHLAGLICHTERN
4.2.7.1 Der „Gleichbehandlungsgrundsatz“ in Europa
4.2.7.2 Die „Personal-Service-Agenturen“ in Deutschland
5 Zusammenfassende Analyse
5.1 Vergleich: Theoretische Aspekte vs. empirische Befunde
5.2 Vergleich: Deutschland vs. Großbritannien
6 Bewertung und Ausblick
Zielsetzung & Themen
Die Diplomarbeit untersucht, ob Leiharbeit ein probates Instrument zur Flexibilisierung des Arbeitsmarktes darstellt. Dabei wird analysiert, inwieweit Leiharbeit den Interessen von Unternehmen, Arbeitnehmern und Verleihern gerecht wird, unter besonderer Berücksichtigung der Problematiken Prekarisierung und Prozyklizität im deutsch-britischen Vergleich.
- Theoretische Begründungsansätze für Leiharbeit aus Sicht der Beteiligten.
- Analyse der arbeitsrechtlichen Rahmenbedingungen (insbes. Gleichbehandlungsgrundsatz).
- Empirischer Vergleich der Leiharbeitsmärkte in Deutschland und Großbritannien.
- Untersuchung der Integrationsfunktion (Brückenfunktion und Klebeeffekt) und Prekarisierungstendenzen.
- Bewertung der ökonomischen und arbeitsmarktpolitischen Effekte von Personal-Service-Agenturen.
Auszug aus dem Buch
3.1 Grundsätzliches Prinzip der Verleihung – das Dreiecksverhältnis
Die LA spielt sich in einem (vertraglichen) Dreiecksverhältnis ab. An diesem nehmen als Akteure teil: (1) Entleiher, (2) LAN (quasi: „Entleihter“) und (3) Verleiher. Zwischen ihnen findet die LA als Vorgang kurz definiert statt als „a triangular arrangement in which a temporary work agency (TWA) hires a worker for the purpose of placing him or her at the disposal of a third party, the user enterprise, for a temporary assignment.”
Diese trianguläre Vertragsbeziehung gilt in der LA universell, exklusive des LAN-Status. Die über die grundsätzliche Vertragskonstruktion hinausgehenden Gesetzesregulierungen können sich dabei national unterscheiden; für Europa zeigt sich bspw. eine große Variantenvielfalt. Abbildung 1 illustriert das nämliche Dreiecksverhältnis in grafischer Form ausführlicher mit den vertraglichen und monetären (kursiv markiert) Leistungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Zur wissenschaftlichen Arbeit: Einführung in die Problemstellung, Zielsetzung der Arbeit und Erläuterung des gewählten Gliederungskonzepts.
2 Begriffsbestimmungen: Leiharbeit, andere atypische Beschäftigungsformen und das Normalarbeitsverhältnis: Abgrenzung der Leiharbeit von anderen atypischen Beschäftigungsformen anhand von Erwerbstätigkeitsmerkmalen und Flexibilitätsaspekten.
3 Theoretische Grundlagen zur Leiharbeit: Analyse der theoretischen Begründungsansätze für Leiharbeit unter Berücksichtigung der unterschiedlichen Akteursperspektiven und des rechtlichen Rahmens.
4 Deutsch-britische Gegenüberstellung: Empirische Untersuchung und Vergleich der Leiharbeitsmärkte, Regulierungen und Auswirkungen in Deutschland und Großbritannien.
5 Zusammenfassende Analyse: Gegenüberstellung von Theorie und Empirie sowie direkter Vergleich zwischen Deutschland und Großbritannien zur Ableitung zentraler Erkenntnisse.
6 Bewertung und Ausblick: Abschließende kritische Einschätzung der Leiharbeit als Flexibilisierungsinstrument und Ausblick auf zukünftige Entwicklungen.
Schlüsselwörter
Leiharbeit, Arbeitsmarkt, Normalarbeitsverhältnis, atypische Beschäftigung, Prekarisierung, Flexibilisierung, Dreiecksverhältnis, Deutschland, Großbritannien, Personalanpassung, Rekrutierung, Gleichbehandlungsgrundsatz, Personal-Service-Agenturen, Arbeitsmarktsegmentierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit bewertet Leiharbeit als Instrument zur Arbeitsmarktflexibilisierung anhand theoretischer Ansätze und empirischer Daten im deutsch-britischen Vergleich.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Motive der beteiligten Akteure (Entleiher, Verleiher, Arbeitnehmer), die Rolle des Arbeitsrechts, die Prekarisierung von Leiharbeitnehmern und die Wirksamkeit der Leiharbeit bei der Integration in den Arbeitsmarkt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, zu analysieren, ob Leiharbeit ein probates Instrument zur Flexibilisierung für alle beteiligten Seiten darstellt, oder ob sie vornehmlich zu einer Prekarisierung der Arbeitsbedingungen führt.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Autor wählt einen komparativen Ansatz, der theoretische ökonomische Modelle (z.B. Transaktionskostentheorie, Segmentationstheorie) mit einer empirischen Auswertung von Datenbeständen aus Deutschland und Großbritannien verknüpft.
Was steht im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil erarbeitet die theoretischen Grundlagen der Leiharbeit, analysiert deren Funktionen (z.B. Personalanpassung, Rekrutierung) und stellt diese den empirischen Realitäten sowie den jeweiligen nationalen Regulierungsansätzen gegenüber.
Welche Schlüsselbegriffe prägen die Analyse?
Begriffe wie Prekarisierung, Prozyklizität, Klebeeffekt, Brückenfunktion und das Dreiecksverhältnis bilden das theoretische Gerüst der Argumentation.
Welche spezifische Rolle nehmen Personal-Service-Agenturen (PSA) ein?
PSAen fungieren in Deutschland als vermittlungsorientiertes Instrument zur Integration von Arbeitslosen in den ersten Arbeitsmarkt, deren Effektivität im Kontext der Hartz-Gesetzgebung kritisch beleuchtet wird.
Wie unterscheidet sich die Regulierung zwischen Deutschland und Großbritannien?
Während Deutschland durch ein reguliertes System mit dem Arbeitnehmerüberlassungsgesetz (AÜG) geprägt ist, zeichnet sich der britische Arbeitsmarkt durch eine lange Historie der Deregulierung und eine geringere gesetzliche Schutzintensität aus.
Zu welchem Fazit kommt der Autor hinsichtlich der Prekarisierung?
Die Arbeit identifiziert zwar messbare Prekarisierungstendenzen bei Lohn und Arbeitsbedingungen, betont jedoch, dass diese oft in der Segmentierung des Arbeitsmarktes und spezifischen Merkmalsunterschieden der Leiharbeitnehmer begründet liegen.
Ist Leiharbeit ein effektives Sprungbrett in ein Normalarbeitsverhältnis?
Die empirischen Analysen deuten darauf hin, dass die Sprungbrett- oder Brückenfunktion oft hinter den Erwartungen zurückbleibt, weshalb der Klebeeffekt insbesondere für Niedrigqualifizierte eher skeptisch zu bewerten ist.
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- Alexander Hilger (Author), 2009, Leiharbeit als probates Flexibilisierungsinstrument des Arbeitsmarktes?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144496