Die Anwendung pretialer Mittel zur Betriebslenkung ist keine neue Erscheinung, sondern geht auf die Jahrhundertwende zurück. In Deutschland sind FLICK und AEG als Pioniere auf dem Gebiet der pretialen Betriebslenkung zu nennen. In den USA waren es Unternehmen wie DUPONT und GENERAL MOTORS, die in den zwanziger Jahren pretiale Mittel als Steuerungsinstrumente einführten.
In dem 1948 veröffentlichten zweiten Band “Pretiale Wirtschaftslenkung” stellt SCHMALENBACH die von ihm entwickelte Pretiale Betriebslenkung vor. Die pretiale Lenkung ist ein Steuerungsinstrument für delegierte und damit dezentral getroffene Entscheidungen innerhalb eines Unternehmens. SCHMALENBACH bietet mit seinem Konzept eine Alternative zu der damals vorherrschenden direkten, bürokratischen Führung durch Anweisungen bzw. Befehle, die sich in Deutschland während des zweiten Weltkrieges in der Extremform des “Führerprinzips” widerspiegelte. Der wichtigste Unterschied der beiden Führungsinstrumente ist darin zu sehen, dass die pretiale Lenkung nicht direkt durch Anordnungen, sondern indirekt durch Preise Einfluss auf die Mitarbeiter des Unternehmens nimmt. Daher leitet sich auch die Bezeichnung pretiale Betriebslenkung ab.
Ziel dieser Arbeit ist es die theoretischen Grundlagen des Konzepts der pretialen Betriebslenkung von SCHMALENBACH vorzustellen. Aufgezeigt werden die daraus resultierenden Anforderungen sowohl an die Organisation als auch an den Verrechnungspreis und es werden die wichtigsten Erkenntnisse dieses Kapitels zusammengefasst. Abschließend wird die pretiale Lenkung als Steuerungsinstrument kritisch gewürdigt.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Die pretiale Lenkung
2.1 Anforderungen an die Organisation
2.1.1 Ergebnisverantwortung
2.1.2 Organisatorische Abgrenzung
2.1.3 Entscheidungsbefugnisse
2.1.4 Ergebnisermittlung
2.2 Anforderungen an den Verrechnungspreis
2.2.1 Verfahren der Verrechnungspreisbildung
2.2.2 Wertbasen für die Verrechnungspreise
2.2.3 Grenzkosten als Wertbasis
2.2.4 Grenznutzen als Wertbasis
2.2.5 Marktpreise als Wertbasis
2.2.6 Höhe der Verrechnungspreise
2.3 Zusammenfassung
3 Kritische Würdigung der pretialen Lenkung
3.1 Wirtschaftliche Ressourcennutzung
3.2 Erhöhung der Transparenz
3.3 Steigerung der Motivation
3.4 Konfligierende Verrechnungspreisfunktionen
3.5 Potentielle Zielkonflikte
3.6 Ausnahmebereiche der pretialen Lenkung
3.7 Marktorientierung des pretial gelenkten Bereichs
4 Fazit
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Ziel dieser Arbeit ist es, die theoretischen Grundlagen des Konzepts der pretialen Betriebslenkung nach Schmalenbach darzustellen, die daraus resultierenden Anforderungen an Organisation und Verrechnungspreisbildung zu erläutern und das Steuerungsinstrument abschließend einer kritischen Würdigung zu unterziehen.
- Grundlagen und Entstehungsgeschichte der pretialen Betriebslenkung
- Organisatorische Anforderungen an die Ergebnisverantwortung in Unternehmen
- Methoden der Verrechnungspreisbildung auf Basis von Grenzwerten
- Kritische Analyse von Zielkonflikten und Anreizwirkungen
Auszug aus dem Buch
2.1.1 Ergebnisverantwortung
Für die Wirksamkeit der pretialen Lenkung eines Bereichs muss der Bereichsleiter die Verantwortung für das Ergebnis seines Bereichs übernehmen, da nur dann der Preis seine lenkende Funktion ausüben kann. Die Übertragung der Ergebnisverantwortung ist daher als konstitutives Merkmal eines pretial gelenkten Bereichs anzusehen. Die Verantwortung des Bereichsergebnisses erfordert eine organisatorische Abgrenzung, eine Delegation von Entscheidungsbefugnissen und eine separate Ergebnisermittlung des Verantwortungsbereichs.
In den folgenden Abschnitten wird auf jede dieser drei Voraussetzungen näher eingegangen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historischen Anfänge der pretialen Betriebslenkung in Deutschland und den USA sowie die Definition des Konzepts als Alternative zur direkten, bürokratischen Führung.
2 Die pretiale Lenkung: Hier werden die theoretischen Grundzüge sowie die notwendigen organisatorischen Rahmenbedingungen und die Anforderungen an eine grenzkostenorientierte Verrechnungspreisbildung dargelegt.
3 Kritische Würdigung der pretialen Lenkung: Dieses Kapitel setzt sich kritisch mit den Vor- und Nachteilen des Konzepts auseinander, wobei insbesondere Zielkonflikte, Motivationsfaktoren und Herausforderungen bei der Umsetzung thematisiert werden.
4 Fazit: Das Fazit fasst die Kernerkenntnisse zusammen und bewertet die Eignung der pretialen Lenkung als Instrument der Dezentralisierung unter Berücksichtigung der unternehmensspezifischen Anforderungen.
Schlüsselwörter
Pretiale Betriebslenkung, Schmalenbach, Verrechnungspreise, Ergebnisverantwortung, Lenkpreis, Grenzkosten, Grenznutzen, Marktpreis, Unternehmensführung, Dezentralisierung, Kostenrechnung, Anreizsystem, Ergebnisbeteiligung, Ressourcenallokation, Betriebsorganisation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das Konzept der "Pretialen Betriebslenkung" nach Eugen Schmalenbach, ein Steuerungsinstrument, das dezentrale Entscheidungen innerhalb eines Unternehmens durch indirekte Preissteuerung beeinflusst.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themenfelder umfassen die organisatorischen Voraussetzungen, die Bestimmung von Verrechnungspreisen auf Basis von Grenzwerten und die kritische Würdigung der Auswirkungen auf Motivation und Unternehmenseffizienz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die theoretischen Grundlagen des Schmalenbachschen Konzepts detailliert vorzustellen und aufzuzeigen, wie dieses Modell eine alternative, indirekte Steuerung zu klassischen, bürokratischen Anweisungen ermöglicht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretisch-analytische Arbeit, die primär auf der Literaturrecherche und der systematischen Aufarbeitung der Schmalenbachschen Schriften sowie aktueller betriebswirtschaftlicher Sekundärliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die notwendigen Organisationsstrukturen, die Kriterien für eine effektive Verrechnungspreisbildung und die Vor- und Nachteile der Anwendung dieses Modells intensiv diskutiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Pretiale Lenkung, Verrechnungspreise, Grenzkosten, Ergebnisverantwortung und Dezentralisierung geprägt.
Warum spielt die Ergebnisverantwortung eine so zentrale Rolle?
Ohne Ergebnisverantwortung kann der Verrechnungspreis seine lenkende Wirkung nicht entfalten, da der Bereichsleiter nur dann motiviert ist, durch sein Handeln das Bereichsergebnis zu optimieren.
Was unterscheidet den Betriebspreis vom Betriebswert?
Der Betriebswert stellt die optimale Geltungszahl (das theoretische Optimum) dar, während der Betriebspreis die in der Praxis tatsächlich angesetzte Zahl in der Kalkulation bezeichnet.
Warum lehnt Schmalenbach Preisverhandlungen zwischen Bereichen ab?
Schmalenbach sieht in Verhandlungen die Gefahr, dass Marktstellungen ausgenutzt werden ("unötig hohe" Preise) oder die Preisbildung durch Verhandlungstaktik statt durch Kosten-Nutzen-Verhältnisse verzerrt wird.
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- Diplom Kaufmann Stefan Ebbinghaus (Author), 2010, Managementkonzepte: Pretiale Lenkung nach Schmalenbach, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144540