Der herrschende und in Zukunft noch wachsende Fachkräftemangel in Deutschland führt zu hohen Kosten und ist damit ein Wachstumshemmnis. Das macht eine kontrollierte Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte notwendig. Das kanadische Punktesystem kann als Vorbild für ein deutsches System gelten. Es ist untergliedert in 6 Kriterien.
Das Punktesystem bringt Vorteile (z.B. Schnell integrierbare Einwanderer, Flexibilität und Transparenz) aber auch Nachteile (Aufwand bei der Erstellung/Anpassung des Systems)
Dadurch, dass es sich um einen angebotsorientierten Ansatz handelt, wird die Nachfrageseite auf dem Arbeitsmarkt nicht beachtet. Mit einigen Modifikationen ließe sich dieses System gut nach Deutschland übertragen. Vorgenommen werden müssten Veränderungen mit Blick auf den Arbeitsmarkt, eine Größenordnung der Einwanderung müsste festgelegt werden und vor allem muss dafür gesorgt werden, dass Deutschland attraktiv für qualifizierte Immigranten ist.
1. Einleitung
Angesichts des aktuellen Fachkräftemangels wird der Ruf der Wirtschaftsverbände nach aktiver Steuerung der Migration und der Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands in der Konkurrenz um hochqualifizierte Fachkräfte immer lauter. Temporäre Zuwanderung niedrig qualifizierter Arbeitskräfte, Familiennachzug und Migration aus humanitären Gründen sind nicht Gegenstand dieser Arbeit. Beschäftigt wird sich mit der Frage, ob und wie sich das kanadische Punktesystem als Referenzmodell zur Steuerung der Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte in Deutschland eignet. Die Arbeit konzentriert sich auf den Aspekt der Umsetzbarkeit eines flexiblen Punktesystems ausgerichtet an der Situation des Arbeitsmarktes, wobei demographische Aspekte ausgegrenzt wurden. Zunächst werden anhand theoretischer Modelle der Zusammen-hang von Zuwanderung qualifizierter Fachkräfte auf den Arbeitsmarkt des Einwanderungs-landes, makroökonomisches Kalkül, und das mikroökonomische Kalkül des potentiellen Einwanderers dargestellt. In der Individualwanderung qualifizierter Fachkräfte ist der Aspekt der Einwanderung ein wesentlicher Bestandteil dieses Kalküls. Im folgenden Teil wird die Relevanz von Migrationssteuerung durch empirische Daten verdeutlicht. Der vierte Teil der Arbeit befasst sich mit der aktuellen gesetzlichen Regelung in beiden Ländern und evaluiert die Auswirkungen der jeweiligen Migrationspolitik.
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Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Ökonomische Bedeutung der Zuwanderung von Hochqualifizierten
3 Selbstselektionsprozess und empirische Relevanz
4 Status Quo in Deutschland und Kanada
4.1. Regelungen in Deutschland
4.1.1. Analyse und Evaluation
4.2. Das kanadische Punktesystem
4.2.1. Analyse und Evaluation
5 Unterschiedliche Rahmenbedingungen
5.1. Die Bedeutung des europäischen Kontextes
5.2. Verständnis der Integration und Akzeptanz von Zuwanderern als Folge historischer Entwicklung und Basis politischer Entscheidungen
5.3. Amtssprache
6 Fazit der Arbeit
7 Literaturverzeichnis
8 Anhang
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht, inwieweit das kanadische Punktesystem als Referenzmodell für die Steuerung der Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte in Deutschland dienen kann. Im Fokus steht dabei die ökonomische Umsetzbarkeit eines flexiblen, arbeitsmarktorientierten Modells unter Berücksichtigung der spezifischen rechtlichen und sozialen Rahmenbedingungen in Deutschland.
- Analyse theoretischer Modelle zur Migrationssteuerung
- Vergleich der aktuellen Zuwanderungssituation in Deutschland und Kanada
- Evaluation des kanadischen Punktesystems als Steuerungsinstrument
- Diskussion europäischer Rahmenbedingungen und deren Einfluss auf die nationale Migrationspolitik
- Untersuchung sozioökonomischer Faktoren wie Integration und Spracherwerb
Auszug aus dem Buch
4.2. Das kanadische Punktesystem
Im Gegensatz zu Deutschland, wo erst ein Prozess der Neuorientierung in der Migrations- und Integrationspolitik begonnen hat, wird in Kanada seit Jahrzehnten aktive Einwanderungspolitik betrieben. Bereits 1967 wurde unabhängigen Migranten, Arbeitnehmer ohne kanadische Angehörige, über das Einwanderungsgesetz ermöglicht sich nach abgeschlossenem Selbstselektionsprozess über ein Punktesystem zur Auswahl zu stellen (Bauer 1998:81).
Im Laufe der Jahre gab es über 30 Änderungen oder Ergänzungen. Die letzte große Reform namens „Immigration and Refugee Protection Act“ fand 2002 statt. Grundprinzip des Punktesystems ist die bedarfsgerechte Selektion als mengenpolitisches Instrument von Seiten staatlicher Entscheidungsträger. Zur Anwendung kommen quantitative und qualitative Steuerungselemente. Eine festgelegte Zuwanderungsquote steckt den quantitativen Rahmen ab und als qualitativer Maßstab dient ein aufgestellter Punktekatalog nach personenbezogenen Merkmalen. (Steinhardt et al. 2005:78; Straubhaar 2002).
Das zuständige kanadische Ministerium für Staatsbürgerschaft und Immigration CIC spricht in der Kategorie „Skilled workers and professionals“ qualifizierte Facharbeiter und Einwanderungswillige mit gehobenen Berufen an, deren berufliche Fähigkeiten im Interesse Kanadas liegen. Es wird nach 6 Hauptkriterien ausgewählt, aus denen insgesamt eine aktuelle Untergrenze (pass mark) von 67 bei maximal 100 erzielbaren Punkten erreicht werden muss. Allein im Kriterium Bildung, bemessen nach Abschlussart und Studiendauer bzw. Schulzeit, werden ein Viertel der Punkte vergeben, gefolgt vom Kriterium der Sprachkenntnisse in den Amtssprachen Englisch und Französisch, welches 24 Punkte ermöglicht. 21 Punkte können nachgewiesene Berufserfahrungen einbringen, wo eine essentielle Mindestanforderung von einer einjährigen Dauer besteht. Bei Nichterfüllung wird keine Einreiseerlaubnis erteilt unabhängig von sonstigen Punkterzielungen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problemstellung des Fachkräftemangels ein und definiert das Ziel, die Eignung des kanadischen Punktesystems für Deutschland zu evaluieren.
2 Ökonomische Bedeutung der Zuwanderung von Hochqualifizierten: Das Kapitel erläutert modelltheoretisch und empirisch die Arbeitsmarkteffekte von Zuwanderung auf neoklassischer Basis und betont die Komplementarität von Fachkräften.
3 Selbstselektionsprozess und empirische Relevanz: Hier werden Modelle zur Selbstselektion von Migranten diskutiert und die Schwierigkeiten bei der empirischen Erfassung von Beschäftigungs- und Lohneffekten thematisiert.
4 Status Quo in Deutschland und Kanada: Dieses Kapitel stellt die rechtlichen Regelungen beider Länder gegenüber und evaluiert die Auswirkungen der jeweiligen Migrationspolitik auf die Anwerbung von Fachkräften.
5 Unterschiedliche Rahmenbedingungen: Die Analyse konzentriert sich auf europäische Kontextfaktoren, soziale Integrationsaspekte sowie die Bedeutung der Amtssprache für eine erfolgreiche Migrationssteuerung.
6 Fazit der Arbeit: Das Fazit fasst die Eignung eines Punktesystems für Deutschland zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit begleitender Maßnahmen in den Bereichen Qualifikationsanerkennung und politische Integration.
7 Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der für die Arbeit herangezogenen Primär-, Sekundär- und Tertiärquellen.
8 Anhang: Detaillierte Darstellung des kanadischen Punktesystems in tabellarischer Form zur Veranschaulichung der Bewertungskriterien.
Schlüsselwörter
Zuwanderung, Punktesystem, Hochqualifizierte, Migrationspolitik, Deutschland, Kanada, Arbeitsmarkt, Humankapital, Fachkräftemangel, Integration, Zuwanderungsgesetz, Qualifikationsstrukturen, Selbstselektion, Gemeinschaftspräferenz, Wirtschaftsstandort
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit?
Die Arbeit analysiert, ob und wie das kanadische Punktesystem als Modell zur Steuerung der Zuwanderung hochqualifizierter Fachkräfte in Deutschland implementiert werden könnte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die ökonomische Theorie der Arbeitsmarktintegration, der Vergleich zwischen deutscher und kanadischer Einwanderungsgesetzgebung sowie der Einfluss soziopolitischer Rahmenbedingungen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, die Umsetzbarkeit eines flexiblen, punktbasierten Auswahlverfahrens für Fachkräfte unter Berücksichtigung der deutschen Arbeitsmarktsituation und EU-rechtlicher Vorgaben zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt modelltheoretische Analysen (neoklassische Ansätze) sowie einen vergleichenden Ländervergleich zwischen Deutschland und Kanada, ergänzt durch die Auswertung empirischer Migrationsdaten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse bestehender Gesetze (Zuwanderungsgesetz vs. kanadisches Punktesystem), den Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sowie den regulatorischen Einschränkungen durch den europäischen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Schlüsselwörtern gehören: Zuwanderung, Punktesystem, Hochqualifizierte, Fachkräftemangel, Integration, Migrationssteuerung und Humankapital.
Wie bewerten die Autoren das deutsche Zuwanderungsgesetz?
Die Autoren kritisieren das deutsche Gesetz als teilweise restriktiv; insbesondere das hohe Mindestgehalt und die bürokratischen Vorrangprüfungen werden als hinderlich für die Anwerbung von Hochqualifizierten eingestuft.
Welche Bedeutung hat die Sprache im kanadischen Modell?
Die Sprachkenntnisse in den Amtssprachen Englisch und Französisch sind ein entscheidendes Kriterium für die Einreise und machen einen signifikanten Teil des kanadischen Punktesystems aus.
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- Martin-Sebastian Koops (Author), Ute Schwarz (Author), 2008, Ein Punktesystem für Zuwanderung qualifizierter Arbeitskräfte: Das kanadische Vorbild und mögliche Anwendungen für Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144547