Global rückt die Suche nach einer gerechten Ordnung immer mehr ins Zentrum der politischen Philosophie. Dabei stellt sich zunehmend die Frage eines gerechten Umgangs der Menschen untereinander sowie des durch die menschliche Natur begründete Naturrecht. Zur theoretischen Reife gelangte der Zusammenhang zwischen dem Menschen als natürliches Wesen und seine daraus ableitbaren Rechte bereits in der Antike. Die Verortung des Naturrechts in der Philosophie, die Abgrenzung des Naturrechts vom positiven Recht und die Problematisierung von Gerechtigkeit bilden die Grundlage eines Begriffsvergleichs zwischen der Antike, dem Mittelalter und der frühen Neuzeit. Im Mittelpunkt steht die Rekonstruktion der historischen Entwicklung des Naturrechtsbegriffs zwischen der Gültigkeit immerwährender natürlicher Rechte und der Vernunftbegabung des Menschen und seine Selbstzweckmäßigkeit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition und Bedeutung des Naturrechtes
2.1 Die Merkmale von Naturrecht
2.2 Naturrecht und Normativität
2.3 Naturrecht und Anthropologie
3. Naturrecht in historischer Perspektive
3.1 Aristoteles
3.1.1 Das Verhältnis von Naturrecht und positiven Recht
3.1.2 Die Gerechtigkeit bei Aristoteles
3.2 Die Stoa
3.3 Thomas von Aquin
3.4 Die Vertragstheoretiker
3.4.1 Das Verhältnis von Naturrecht und positiven Recht
3.4.2 Die Gerechtigkeit im Liberalismus
3.4.3 Das Menschenbild im Liberalismus
4. Moderne Theorien: Der Kommunitarismus
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit rekonstruiert die historische Entwicklung des Naturrechtsbegriffs und analysiert dessen Bedeutung als normativer Maßstab für eine gerechte politische und gesellschaftliche Ordnung im Wandel der Epochen.
- Philosophische Grundlagen des Naturrechtsbegriffs
- Gegenüberstellung von Naturrecht und positivem Recht
- Anthropologische Verankerung des Naturrechts in der Geschichte
- Vergleich klassischer (Aristoteles, Stoa, Aquin) und liberaler Vertragstheorien
- Kritische Reflexion im Kontext des modernen Kommunitarismus
Auszug aus dem Buch
3.3 Thomas von Aquin
Platonische und stoische Elemente fanden Eingang in die christliche Lehre bezüglich des Naturrechtes, insbesondere die Vorstellung eines ewig gültigen Gesetzes, eines lex aeterna sowie eine hierarchische Rangordnung der Dinge. Für Thomas von Aquin sind Gesetze allgemein auf das Gemeinwohl bezogen. Er unterscheidet dabei verschiedene Arten von Gesetzen: das lex naturalis, d. h. das Naturgesetz, das lex aeterna, das ewige Gesetz, das lex humana sowie das lex divina. Zwischen diesen Gesetzesarten besteht dabei eine Rangordnung: das lex aeterna, das ewige Gesetz, das von Gott kommt, hat dabei die höchste Gültigkeit, das Naturrecht ist dabei ein Teil dieses ewigen Gesetzes, ebenso wie das positive Recht, das dem menschlichen Gesetz entspricht. Zwischen diesen Gesetzesarten besteht ein hierarchisches Verhältnis, der Maßstab, der diesen Gesetzen zugrunde liegt, ist dabei die göttliche Vernunft.
Entscheidend bei dieser Rechts- bzw. Gesetzdefiniton ist somit der Bezug zum Gemeinwohl, denn das Recht, auch das Naturrecht, das lediglich ein Teil des göttlichen Rechtes darstellt, beinhaltet den Inbegriff des menschlichen letzten Zieles: das gute Leben bzw. das Gemeinwohl. Das Gesetz ist für Thomas von Aquin also eines der beiden Mittel, mit denen Gott den Menschen zum Guten bewegt: „Diese lex divina steht, wegen ihres Bezugs auf das letzte übernatürliche Ziel des Menschen, über dem Naturgesetz, verdankt ihre Existenz aber nur der Unvollkommenheit des Menschen, dieses Ziel auf natürlichen Weg zu erreichen.“13 (Lohmann, 2002: 179). Das Naturgesetz ist somit ein Teil des göttlichen Gesetzes und bestimmt die Grundrichtungen des menschlichen Handelns. Es beinhaltet dabei alles, was der menschlichen Natur eigen ist. Da der Mensch eine vernünftige Stelle besitzt, bedeutet menschliches Handeln dementsprechend vernünftiges Handeln.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die zentrale Bedeutung einer gerechten Ordnung für die politische Philosophie ein und umreißt die historische Rekonstruktion des Naturrechtsbegriffs.
2. Definition und Bedeutung des Naturrechtes: Dieses Kapitel definiert das Naturrecht als philosophisches Konstrukt und beleuchtet seine pluralistische Interpretation sowie seine metaphysische und individualistische Verankerung.
3. Naturrecht in historischer Perspektive: Das Hauptkapitel untersucht die Entwicklung des Naturrechtsdenkens anhand der Konzepte von Aristoteles, der Stoa, Thomas von Aquin und den Vertragstheoretikern.
4. Moderne Theorien: Der Kommunitarismus: Dieses Kapitel diskutiert die aktuelle Relevanz des Naturrechts, indem es den kommunitaristischen Ansatz als Kritik am normativen Fundament des Liberalismus beleuchtet.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Wandlung des Naturrechts von einer anthropologischen hin zu einer kommunikativen und begründenden Dimension in der Moderne zusammen.
Schlüsselwörter
Naturrecht, Gerechtigkeit, politisches Denken, positives Recht, Vernunftrecht, Anthropologie, Aristoteles, Stoa, Thomas von Aquin, Vertragstheorie, Liberalismus, Kommunitarismus, Normativität, Gemeinwohl, Rechtsphilosophie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und den Wandel des Naturrechtsbegriffs als normatives Leitbild für eine gerechte gesellschaftliche und politische Ordnung.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Felder umfassen die Philosophie des Rechts, die Abgrenzung zum positiven Gesetz, anthropologische Voraussetzungen und die Gerechtigkeitstheorien verschiedener Epochen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die Rekonstruktion der Bedeutung des Naturrechts, um zu verstehen, wie unterschiedliche Denker von der Antike bis zur Moderne menschliche Rechte und Pflichten begründet haben.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es wird eine normativ-ethische und rechtsphilosophische Vergleichsanalyse verwendet, um die Argumentationen der behandelten Philosophen systematisch gegenüberzustellen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Aristoteles, die Stoa, Thomas von Aquin sowie liberale Vertragstheoretiker analysiert, um deren Verständnis von Naturrecht und Gerechtigkeit darzulegen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren den Text?
Zu den prägenden Begriffen gehören das Naturrecht, die Vernunft, das Gemeinwohl, die Autonomie des Individuums und die Unterscheidung von Naturzustand und staatlicher Ordnung.
Wie unterscheidet Thomas von Aquin die verschiedenen Gesetzesarten?
Thomas von Aquin unterscheidet eine hierarchische Rangordnung von der lex aeterna (ewiges Gesetz) über das Naturgesetz bis hin zu positivem und göttlichem Recht, die alle auf das Gemeinwohl ausgerichtet sind.
Warum kritisieren Kommunitaristen den Liberalismus?
Der Kommunitarismus kritisiert den Liberalismus für sein individualistisches und egoistisches Menschenbild und fordert eine Rückbesinnung auf gemeinsame Werte zur Stabilisierung moderner Gesellschaften.
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- Birgit Schröer (Author), 2010, Recht und Gerechtigkeit – Das Naturrecht in historischer Perspektive, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144551