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Derek Jarmans BLUE - Ein Film als Performance?

Titel: Derek Jarmans BLUE - Ein Film als Performance?

Hausarbeit (Hauptseminar) , 2001 , 21 Seiten , Note: 2,0

Autor:in: Uwe Sperlich (Autor:in)

Theaterwissenschaft, Tanz
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die Performance-Kunst des ausgehenden 20. Jahrhunderts offenbart sich in den verschiedensten Ausprägungen, von Jérome Bels „The Last Performance“, Xavier Le Roys „Lecture Performance“ und Rebecca Horns Körperskulpturen, über Judith Butlers „Haß spricht“, John L. Austins Sprechakttheorie und Yves Kleins „Anthropometrien“, zu den Wiener Aktionisten, bis hin zu den Selbstverletzungen und Selbstverstümmelungen eines Stelarc oder einer Marina Abramovic. Ausdrücke wie Performance, Aktionskunst und Happening erscheinen austauschbar, denn eine eindeutige Definition scheint nicht möglich. So unterschiedlich wie die einzelnen Performer, sind auch die Gegenstände und Medien, die sie in Ihren Performances verwenden: Von einigen Fleischerhaken, die sich Stelarc in seinen Körper bohrt, um sich daran aufzuhängen, zum Tennisschläger bei Jérome Bel, den Frauen die Yves Klein durch Farbe gezogen hat, um seine „Anthropometrien“ zu schaffen, bis hin zum eigenen Körper, den Xavier Le Roy in seiner Performance eigenartig verformt. Mit der zunehmenden Disponibilität und Transportfähigkeit audio-visueller Medien haben auch sie Einzug in die Performance-Kunst gehalten. Das Medium Film nimmt dabei jedoch eine Sonderstellung ein. Zwar werden Film und Video in Performances integriert und häufig genutzt, doch einen Film alleine sieht man in einer Performance nie, oder fast nie. Dies liegt wohl in der Natur des Mediums Film. Aufgrund der sehr speziellen Nutzung, Herstellung und Aufführungsform scheinen einem Film die Merkmale einer Performance zu fehlen. Doch wie sind diese eigentlich Merkmale abgrenzt? Ein Film kann eigentlich keine Performance sein. Oder vielleicht doch? Diese Frage versucht die vorliegende Arbeit anhand eines konkreten Beispiels zu klären. Derek Jarmans Film Blue weist einige besonders interessante performative Aspekte auf, die einer näheren Betrachtung bedürfen. Hierzu werden zuerst einige wichtige Merkmale von Performances skizziert, dann wird das Leben und Werk von Derek Jarman näher betrachtet. Im Anschluß wird auf die Entstehungsgeschichte des Films Blue eingegangen, die von nicht unerheblicher Bedeutung ist. Danach wird der Film auf seine besonderen Merkmale hin untersucht. Abschließend sollen die performativen Aspekte des Films herausgearbeitet und kritisch hinterfragt werden.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Merkmale von Performances

3. Leben und Werk von Derek Jarman

3.1. Lebenslauf

3.2. Künstlerische Einflüsse

4. Entstehungsgeschichte des Film Blue

5. Blue

5.1. Inhalt

5.2. Thematik und Bedeutung der Farbe "Blau"

5.3. Performative Aspekte in Blue

5.4. Kritische Betrachtung

6. Schlußbemerkung

Zielsetzung und Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die performativen Aspekte in Derek Jarmans Film „Blue“ und geht der zentralen Forschungsfrage nach, ob ein Film als Performance-Kunstwerk klassifiziert werden kann oder ob er lediglich Dokumentationscharakter besitzt.

  • Grundlagen der Performance-Kunst und ihre Abgrenzung zum Medium Film.
  • Biografische und künstlerische Hintergründe von Derek Jarman.
  • Die Entstehungsgeschichte von „Blue“ als Resultat einer Performance.
  • Analyse des Films hinsichtlich seiner Thematik, Bedeutung der Farbe Blau und performativer Elemente.
  • Kritische Einordnung des Werkes im Hinblick auf den Performance-Begriff.

Auszug aus dem Buch

5.2. Thematik und Bedeutung der Farbe "Blau"

Das Thema des ‚Sehens‘ zieht sich durch den gesamten Film. Einerseits bezieht es sich auf die ‚Unsichtbarkeit‘ Homosexueller in der damaligen britischen Gesellschaft, welches unter anderem ein Grund für die Ausbreitung von AIDS war. Im krassen Gegensatz dazu steht die Tatsache, dass man in Blue eigentlich nichts sieht und Jarman dabei gegen alle Regeln des Kinos verstößt: „In Blue, Jarman begins by upsetting the most basic dominance in cinema: that of image over sound.“ Blue ist geradezu ein Musterbeispiel für die Verschmelzung von Form und Inhalt. Die Gegenüberstellung von einem monotonen blauen Bild und der Sprache sind wichtige Teile von Jarmans ästhetischer Strategie. Die Farbe „Blau“ besitzt dabei viele unterschiedliche Deutungsmuster, denn: „Jarman is not using the colour field in a modernist way, or at least there are other ways in which it has meaning. For Jarman, the blue is primarily a metaphor. It is also a self-reflexive statement about the medium of cinema.“

Blau kann einerseits die äußere Welt repräsentieren, aber auch für das Sehvermögen an sich stehen, das Jarman während dem Entstehen des Films langsam verlor. Es steht aber auch für die eigene Angst Jarmans vor der medizinischen Diagnose, im Originaltext als „blue funk“ bezeichnet. Als „blue frost at work“ bezeichnet „Blau“ die Krankheit AIDS gegen die Jarman ankämpft und durch die er viele Freunde verlorenen hat. Und auch diese Freunde finden sich in der Farbe „Blau“ wieder, denn „[they] faded like flowers cut by the scythe of the blue-bearded reaper [as they] cross the cobalt river [to] approach the indigo shore.”

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das breite Feld der Performance-Kunst ein und stellt die Kernfrage, ob das Medium Film, speziell am Beispiel von Derek Jarmans „Blue“, als performativ betrachtet werden kann.

2. Merkmale von Performances: Es werden grundlegende Kriterien wie physische Präsenz, Einmaligkeit und die Verschmelzung von Kunst und Leben erarbeitet, um Performance-Kunst von traditionellen Medien abzugrenzen.

3. Leben und Werk von Derek Jarman: Dieses Kapitel skizziert Jarmans Werdegang vom Maler und Bühnenbildner zum kontroversen Filmemacher, geprägt durch seine Auseinandersetzung mit AIDS und Homosexualität.

4. Entstehungsgeschichte des Film Blue: Hier wird dargelegt, dass der Film aus einer performativen AIDS-Benefizveranstaltung hervorging, bei der Jarman eine Hommage an Yves Kleins „Symphonie Monotone“ vollzog.

5. Blue: Die Analyse untersucht den Film in Bezug auf seinen Inhalt, die symbolische Bedeutung der Farbe Blau und das Fehlen klassischer filmischer Strukturen zugunsten einer performativen Wirkung.

6. Schlußbemerkung: Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass „Blue“ aufgrund des Mediums Film keine „echte“ Performance ist, aber als Dokumentation einer einmaligen performativen Praxis verstanden werden sollte.

Schlüsselwörter

Derek Jarman, Blue, Performance-Kunst, AIDS, Filmtheorie, Yves Klein, Performative Aspekte, Homosexualität, Autobiografie, Kunstfilm, Zeitgenössische Kunst, Visuelle Kultur, Körpergedächtnis.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?

Die Arbeit beschäftigt sich mit der Untersuchung, ob Derek Jarmans letzter Film „Blue“ aufgrund seiner spezifischen Machart und Entstehungsgeschichte in die Kategorie der Performance-Kunst eingeordnet werden kann.

Welche zentralen Themenfelder werden analysiert?

Zentrale Themen sind die Definition und Merkmale von Performance-Kunst, das Leben und Werk des Regisseurs Derek Jarman sowie die mediale Ästhetik und Bedeutungsebene von „Blue“.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, eine differenzierte Interpretation anzubieten, wie ein filmisches Werk als Performance oder zumindest als deren Dokumentation innerhalb neuerer Kunstformen verstanden werden kann.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?

Die Arbeit nutzt eine kunsttheoretische Analyse und Kontextualisierung, indem sie Jarmans Film mit gängigen Definitionsmerkmalen von Performance-Kunst und historischen Vorbildern wie Yves Klein vergleicht.

Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung der Performance-Begriffe, eine biografische Einordnung von Jarman und eine detaillierte Analyse der performativen Aspekte und der kritischen Betrachtung von „Blue“.

Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?

Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Performance-Kunst, Derek Jarman, AIDS-Thematik, Medientheorie des Films und autobiografische künstlerische Praxis beschreiben.

Inwiefern spielt die Erblindung des Regisseurs eine Rolle für den Film?

Jarmans Erblindung infolge von AIDS prägt den Film maßgeblich, da der Verzicht auf visuelle Bildkomposition den Zuschauer zwingt, sich auf die Klangebene zu konzentrieren und somit eine eigene performative Rezeptionshaltung einzunehmen.

Warum ist die Entstehungsgeschichte von „Blue“ für die Argumentation wichtig?

Die Entstehung aus einer konkreten, live stattfindenden Benefiz-Performance, die Jarman selbst als Hommage an Yves Klein inszenierte, dient als zentrales Argument, um den Film als Dokumentation eines performativen Ereignisses zu legitimieren.

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Details

Titel
Derek Jarmans BLUE - Ein Film als Performance?
Hochschule
Ludwig-Maximilians-Universität München  (Institut für Theaterwissenschaft)
Veranstaltung
Hauptseminar: Performance - Theorie und Geschichte
Note
2,0
Autor
Uwe Sperlich (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2001
Seiten
21
Katalognummer
V14456
ISBN (eBook)
9783638198547
ISBN (Buch)
9783640536825
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Derek Jarmans BLUE Film Performance Hauptseminar Performance Theorie Geschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Uwe Sperlich (Autor:in), 2001, Derek Jarmans BLUE - Ein Film als Performance?, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14456
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Leseprobe aus  21  Seiten
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