Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Analyse einiger Argumente, die in der öffentlichen Auseinandersetzung mit Migranten, mit Integration und mit dem Bau von Moscheen verwendet werden. Dieser letzte Punkt bildet ein weitläufiges Spektrum an interessanten Aspekten ab. Sowohl die Tatsache, dass die Muslime durch den Schritt in die Öffentlichkeit nun präsenter werden und der Gesellschaft mit neuem Selbstbewusstsein begegnen, als auch die wachsende Gegenwärtigkeit einer Religion, die in der aktuellen Wahrnehmung oft als unberechenbar, fremd und bedrohlich gilt, rücken ins Zentrum der allgemeinen Rezeption. Dieser Schritt birgt eine bemerkenswerte Komponente: Die vormals theoretische Auseinandersetzung mit Migration und Integration findet nun auf einer anderen, greifbareren Ebene statt. Wo vorher Toleranz gepredigt wurde, muss sie nun erbracht werden. Der Bau von Moscheen stellt eine Berufung auf das Grundgesetz dar und ist ein Schritt in die deutsche Gesellschaft unter Beibehaltung von Elementen einer „fremden“ Kultur, bzw. Religion. Dies führt in die Richtung einer pluralistischen, „multikulturellen“ Gemeinschaft, die aber auch bereit sein muss, die neuen Mitbewohner aufzunehmen.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG
2. BEGRIFFSKLÄRUNGEN
2.1. ETHNIZITÄT UND KULTUR IM HINBLICK AUF DIE MUSLIME IN DEUTSCHLAND
2.2. MIGRATION
3. DIE SITUATION IN DEUTSCHLAND
3. 1. MIGRANTEN UND INTEGRATION
3. 2. MUSLIME IN DEUTSCHLAND
4. DER MOSCHEEBAU IN KÖLN-EHRENFELD
4. 1. DAS PROJEKT „DITIB ZENTRALMOSCHEE“ IN KÖLN-EHRENFELD
4. 2. DIE PARTEIEN
4. 3. DER DISKURS
5. FAZIT & AUSBLICK
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die öffentliche Debatte um den Bau von Moscheen in Deutschland, insbesondere das Projekt der DITIB Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, in Gegenüberstellung mit wissenschaftlichen Perspektiven. Das primäre Ziel ist es, die in der Auseinandersetzung verwendeten Argumente – insbesondere jene des Schriftstellers Ralph Giordano – kritisch zu hinterfragen und die zugrunde liegenden Ängste und Vorurteile vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Integrationsprozesse zu beleuchten.
- Analyse des Diskurses um die DITIB Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld
- Untersuchung der wissenschaftlichen Begriffe Ethnizität, Kultur und Migration
- Bewertung der Integrationssituation von Migranten und Muslimen in Deutschland
- Kritische Auseinandersetzung mit populistischen Positionen zur Islamisierung
- Diskussion der Bedeutung von Dialog und Religionsfreiheit für ein friedliches Miteinander
Auszug aus dem Buch
1. Einleitung
1989 rief die muslimische Glaubensgemeinschaft Ahmadiyya das sogenannte Hun-dert-Moscheen-Projekt aus. Ziel dieses Projekts ist es in Deutschland 100 Moscheen zu bauen – bis zum Jahr 1999. Das Vorhaben konnte in dem engen zeitlichen Rah-men nicht durchgesetzt werden, aber es deutet ein neues Selbstbewusstsein und den Willen der muslimischen Gemeinden in Deutschland an, in die Öffentlichkeit zu treten. In Deutschland stehen derzeit zwischen 110 und 159 repräsentative Mosche-en mit Kuppeln und Minaretten, in Planung oder im Bau befinden sich 184.1
„Die Integration ist gescheitert.“2 Mit diesem Resümee macht der Schriftsteller Ralph Giordano im Jahr 2007 auf sich aufmerksam. Der Satz fällt im Streit um den Bau der DITIB Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld, der am 28. August 2008 endgültig geneh-migt wurde. In diesem Streit geht es um mehr als um den Bau eines Gebetshauses. Der Streit zeigt die polarisierte Meinung einer breiten Gesellschaft gegenüber der In-tegration von türkischen Muslimen und offenbart die Sprengkraft der Debatte um In-tegration und den Bau von islamischen Gotteshäusern. Es geht tatsächlich um das Bild des Fremden in Deutschland und um die Frage, wie die deutsche Kultur mit die-sem umgehen soll. Giordano zeichnet ein Bild apokalyptischen Ausmaßes. Er spricht vom Koran als einer „Lektüre des Schreckens“, bezeichnet Muslima, die eine Burka tragen, als „menschliche Pinguine“ und schreibt in einem offenen Brief an den Dia-logbeauftragten der türkisch-muslimischen Gemeinde:
„In der akuten Auseinandersetzung ist Aufrichtigkeit das Letzte, was ich von der Ditib erwarte. Ich halte sie für den verlängerten Arm des Religionsbehörde Dyanet in Anka-ra, eine staatlich türkische Organisation und ein Instrument türkischer Außenpolitik,
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG: Einführung in die Thematik des Moscheebaus in Deutschland anhand des Beispiels der DITIB Zentralmoschee und Darstellung der polarisierten gesellschaftlichen Debatte.
2. BEGRIFFSKLÄRUNGEN: Definition der für die Analyse zentralen Begriffe Ethnizität, Kultur und Migration sowie Einordnung der heterogenen Gruppe der Muslime in Deutschland.
3. DIE SITUATION IN DEUTSCHLAND: Untersuchung der historischen Entwicklung der Einwanderung, der Rolle der Gastarbeiter sowie des aktuellen Integrationsverständnisses und der politischen Rahmenbedingungen.
4. DER MOSCHEEBAU IN KÖLN-EHRENFELD: Analyse des spezifischen Projekts der DITIB Zentralmoschee sowie Vorstellung der Akteure und der von Polemik geprägten öffentlichen Auseinandersetzung.
5. FAZIT & AUSBLICK: Zusammenfassende kritische Reflexion des Diskurses, Betonung der Notwendigkeit des Dialogs und Aufruf zu einem realistischen Bild der Integrationsprozesse.
Schlüsselwörter
Integration, Moscheebau, DITIB, Islam, Ralph Giordano, Migration, Ethnizität, Kultur, Parallelgesellschaft, Diskursanalyse, Religionsfreiheit, Köln-Ehrenfeld, Identitätskonstruktion, Islamisierung, Dialog
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser B.A.-Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der öffentlichen und politischen Diskussion um den Bau von Moscheen in Deutschland, am Beispiel der geplanten DITIB Zentralmoschee in Köln-Ehrenfeld.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Neben der speziellen Debatte um den Kölner Moscheebau stehen Themen wie Integration, Migrationsgeschichte, kulturelle Identität, das Verhältnis von Islam und Mehrheitsgesellschaft sowie die Rolle der Religion im öffentlichen Raum im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Argumentationsmuster in der öffentlichen Debatte – insbesondere die oft polemischen Positionen von Kritikern – wissenschaftlich einzuordnen und zu hinterfragen, um einen konstruktiveren Dialog zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine diskursanalytische Herangehensweise, indem sie verschiedene Perspektiven, Statements und gesellschaftliche Entwicklungen gegenüberstellt und kulturwissenschaftlich reflektiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine begriffliche Fundierung, die historische Analyse der deutschen Einwanderungssituation und eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Moscheebau-Projekt in Köln-Ehrenfeld unter Einbeziehung der Hauptakteure und deren Argumentationen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Die zentralen Begriffe sind Integration, Moscheebau, DITIB, Islam, Identität sowie die kritische Reflexion des Begriffs der Islamisierung.
Welche Rolle spielt Ralph Giordano in dieser Analyse?
Ralph Giordano dient als prominentes Fallbeispiel für eine dezidiert kritische, teils polemische Haltung gegenüber dem Islam und dem Moscheebau, deren Argumente der Autor detailliert analysiert und deren Schwachstellen – wie Pauschalisierungen – aufdeckt.
Wie bewertet der Autor den Einfluss der DITIB?
Der Autor beleuchtet die DITIB als einen einflussreichen Verband, der trotz der Abhängigkeit von der türkischen Religionsbehörde aktiv Dialogbereitschaft zeigt und als wichtiger Partner für Integrationsbemühungen agiert.
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- B.A. Christoph Mayr (Author), 2009, Diskussion um den Bau von Moscheen in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144564