Gesellschaftliche Aspekte der Industrialisierung in Deutschland


Seminararbeit, 2007
16 Seiten, Note: 3,0

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Themeneinführung

2 Forschungsstand

3 Überblick über die Erste Industrielle Revolution

4 Gesellschaftliche Aspekte
4.1 Der Adel
4.2 Das Bürgertum
4.3 Die Arbeiterschaft

5 Die Veränderung der Klassenunterschiede

6 Schlussbetrachtung

Literaturverzeichnis

1 Themeneinführung

Die Erste Industrielle Revolution ist ein wesentlicher Aspekt der deutschen Geschichte. Zwischen 1790 und 1850 fand ein fundamentaler Umbruch statt, der die Wirtschaft, die Politik und die Gesellschaft veränderte.

Industrialisierung findet seit der Antike statt und ist bis heute weder in Deutschland noch in der Welt abgeschlossen. Die Industrielle Revolution begann in England.

Die Industrielle Revolution ist die Folge einer permanenten Weiterentwicklung der Gesellschaft, der Politik und der Wirtschaft. In Deutschland herrschten dazu nicht die idealen Bedingungen. Das Reich war nicht geeint und es herrschten lange Zeit die traditionellen und die neuen kapitalistischen Strukturen nebeneinander. Eine wichtige Rolle zur Entwicklung der Industriellen Revolution spielten die Französische Revolution und das Ende des napoleonischen Zeitalters.

Besonders betrachtenswert ist die Gesellschaft, weil sie einem extremen Wandel in kurzer Zeit unterworfen war. Interessante Fragen sind, wie sich die Gesellschaft durch die Industrielle Revolution verändert hat und welchen Einfluss die Industrialisierung auf ihre Entwicklung hatte. Die zentrale Frage der Arbeit ist, ob sich die Stände- und Klassenunterschiede durch die Industrialisierung verändert haben.

Zu Beginn wird die nötige Literatur vorgestellt, um sich dem Thema der gesellschaftlichen Entwicklung der Industrialisierung nähern zu können, und um deutlich zu machen, auf welchem Forschungsstand sich die Geschichtswissenschaftler heute befinden. Ein Gesamtüberblick über die Erste Industrielle Revolution bis 1850 erläutert die Umstände und Geschehnisse der Zeit und ihre Zusammenhänge. Die gesellschaftliche Entwicklung wird deutlich gemacht an den Klassen Adel, Bürgertum und Arbeiterschaft. Eine weitere Differenzierung ist nicht notwendig, um die Kernfrage beantworten zu können. Die drei Klassen werden kurz vorgestellt, ihre Entwicklung und ihre Entstehung dargestellt, und in die Verhältnisse der Industrialisierung eingeordnet. Dabei wird festgestellt, ob der Adel, das Bürgertum und die Arbeiterschaft überhaupt eine Klasse bilden oder einem Stand angehören.[1]

In einem Vergleich wird herausgearbeitet, ob sich während der Industriellen Revolution die Klassenunterschiede verändert haben und welche Folgen diese Veränderungen haben.

2 Forschungsstand

Über die industrielle Revolution sind unzählige Werke geschrieben und verschiedenste Thesen aufgestellt worden. Eines der bekanntesten Werke ist von David Landes und heißt „Der entfesselte Prometheus“.[2]

Eine Pionierleistung aus dem Blickwinkel der westdeutschen Wirtschaftsgeschichte ist die „Deutsche Gesellschaftsgeschichte“ von Hans-Ulrich Wehler, der die Forschung der Industrialisierung neu prägte.[3] Er entwickelte zum Beispiel die These der „Doppelrevolution“, die die Industrialisierungsphasen neu einteilt und betrachtet die verschiedenen Phasen und Entwicklungen der Industrialisierung. Um sich einen Gesamtüberblick über das Thema sowie die Ursachen und Vorbedingungen der Industriellen Revolution zu verschaffen, eignen sich die Werke von Hans-Werner Hahn[4], Christoph Buchheim[5] und das sehr ausführliche ältere Buch von Friedrich-Wilhelm Henning[6]. Hans-Werner Hahn hat ein sehr informatives, relativ neues Buch über die Industrielle Revolution in Deutschland geschrieben, welches sich besonders durch die umfangreichen Quellen- und Literaturangaben und die Schlagwörter am Rand auszeichnet, die jeden Absatz auf den Punkt bringen. Zudem versucht er, viele verschiedene Forschungsansätze und deren Veränderung im Verlauf der Geschichte darzustellen. Leider verzichtete er auf aussagekräftige Tabellen und Abbildungen.

Christian Buchheim gibt einen knappen Überblick über die industrielle Revolution und sein Buch eignet sich gut dazu, einen schnellen Eindruck über die Entwicklung zu erhalten.

Friedrich-Wilhelm Henning schreibt sehr detailliert über die Zeit der Industrialisierung von 1800 bis 1914 und verwendet sehr viele anschauliche Tabellen und Statistiken, um die Entwicklung über das Jahrhundert deutlich zu machen. Leider ist sein Werk nicht mehr auf dem heutigen Forschungsstand und kann nur in Einzelfällen zur Arbeit herangezogen werden. Den neusten Forschungsstand spiegelt Felix Butschek wieder.[7] Er schreibt in seinem Buch sehr wissenschaftlich über die Ursachen der Industrialisierung der Welt und erklärt die neuste theoretische Basis zum Thema.[8] Er hebt wichtige unbeantwortete Forschungsschwerpunkte hervor.[9] Die zentrale Frage seines Werkes ist, wie sich das Verhalten der Wirtschaftssubjekte während der Industrialisierung geändert hat.

Sehr intensiv mit dem Bürgertum und der Arbeiterschaft hat sich Jürgen Kocka beschäftigt.[10] Er vergleicht beide Klassen in seinem Werk „Arbeiter und Bürger“.[11] Neuere Werke über die Arbeiterschaft liegen bisher nicht vor, aber in den Überblickswerken finden sich Absätze über die Entwicklung der verschiedenen Klassen. Einen Vergleich zwischen Adel und Bürgertum wurde in einem Kolloquium von Elisabeth Fehrenbach erarbeitet.[12] Besonders interessant sind die Einblicke in verschiedene Regionen Europas.

Hans-Ulrich Wehler hat außerdem ein Buch über die Entwicklungen des europäischen Adels herausgegeben, welches die Forschung über den Adel in Europa auf einen einheitlichen Stand bringt. Eine erste aktuelle Einführung zum europäischen Adel gibt Walter Demel in der Beck`schen Reihe.[13] Neuere ausführliche Werke, die das Bürgertum, den Adel und die Arbeiterschaft miteinander vergleichen und den aktuellen Forschungsstand berücksichtigen, fehlen zurzeit.

3 Überblick über die Erste Industrielle Revolution

Die Erste Industrielle Revolution in Deutschland entwickelte sich in den Jahren 1790 bis 1850. Sie endete 1850 nach der Märzrevolution, einer Agrarkrise, einem Investitionsboom und der entstehenden Schwerindustrie. Die Industrielle Revolution begann in England um 1760 und breitete sich von dort bis ins 19. Jahrhundert über Europa nach Amerika aus. Bis heute ist die Industrialisierung nicht abgeschlossen und auch in naher Zukunft werden die verschiedenen Staaten der Welt kein einheitliches Wirtschaftssystem haben.

Die Industrielle Revolution steht für die Epoche von 1760 bis 1913. Der Begriff wurde erstmals von dem Franzosen A. Blanqui als Analogie zur Französischen Revolution verwandt.[14] In Deutschland wurde der Begriff in der Mitte der 1840iger Jahre von W. Schulz und F. Engels geprägt.[15] Unter den Historikern ist der Begriff umstritten, aber man kommt nicht umhin, ihn zu benutzen. Sie gebrauchen ihn als Epochenbezeichnung für das Entstehen der Großindustrie, die innerhalb von zwei Generationen entstand. Der Historiker Rostow entwickelte fünf Stufen der Industrialisierung. Diese Phasen gliedern sich in die traditionelle Gesellschaft (seit der Antike), die Vorbereitungsphase (Erste Industrielle Revolution), die Take-Off-Phase (Gründerjahre), den Weg zur Reife (Zweite Industrielle Revolution) und die Gesellschaft des Massenkonsums (ab 1914).[16]

Die Gründe für die Industrielle Revolution waren vielfältig. Kurz gehalten war ein innersektoraler Strukturwandel für diese verantwortlich, der aus einer Veränderung der Produktionstechnik, der Entwicklung des Fabriksystems[17] und neuen Beschäftigungsverhältnissen bestand. Die Industrielle Revolution bedurfte bestimmter Grundvoraussetzungen, die nicht außer acht gelassen werden dürfen. Durch die Aufklärung veränderte sich das wissenschaftliche Denken. Die Menschen entwickelten eine initiative, risikobereite Grundhaltung, ein neues Wertesystem und ein Nationalgefühl. Die entstehenden Nationalstaaten investierten in die Wirtschaft, die Infrastruktur und garantierten Rechtssicherheit. Entscheidend für diesen Fortschritt waren die Französische Revolution und das Ende des napoleonischen Zeitalters. Nach dem Wiener Kongress wurde Europa neu geordnet, die konstitutionelle Monarchie legitimiert, die Kontinentalsperre aufgehoben und der Deutsche Zollverein gegründet.[18] Diese Gründung ermöglichte einen zollfreien Warenaustausch der Mitglieder und einen einheitlichen Wirtschaftsraum. Der Deutsche Zollverein wurde zum Vorbereiter der politischen Einigung und der Industrialisierung.[19]

Hinzu kamen die preußischen Reformen, die unter anderem die Bauernbefreiung und die freie Berufswahl ermöglichten sowie Gewerbefreiheit einführten. Die Sozialreformen hatten die Landflucht und die Urbanisierung zur Folge.

[...]


[1] Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. Paderborn o. J., S. 300f.: Definition von Stand und Klasse

[2] Landes, David S.: Der entfesselte Prometheus. Köln 1973.

[3] Wehler, Hans-Ulrich (Hrsg.): Deutsche Gesellschaftsgeschichte, Bd. 2. Von der Reformära bis zur industriellen und politischen „Doppelrevolution“. 1815-1848/49. München 1996.

[4] Hahn, Hans-Werner: Die industrielle Revolution in Deutschland. München 1998.

[5] Buchheim, Christoph: Industrielle Revolutionen. München 1994.

[6] Henning, Friedrich-Wilhelm: Die Industrialisierung in Deutschland. 1800-1914. Paderborn 1973.

[7] Butschek, Felix: Industrialisierung. Ursachen. Verlauf. Konsequenzen. Wien 2006.

[8] Butschek, S. 13: Die neue Institutionenökonomie (NIE) und die Evolutionäre Ökonomik. Sie unterscheiden sich in der Annahme der NIE, dass das menschliche Verhalten sich über Raum und Zeit gravierend ändert.

[9] Ders., S. 12: Warum entstand die moderne Wirtschaft?, warum in England?, warum im 19. Und nicht im 13. Jahrhundert?, warum in Europa und nicht in China oder Indien?

[10] Kocka, Jürgen (Hrsg.): Bürgertum im 19. Jahrhundert. Göttingen 1995./ Ders.: Bürger und Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert. Göttingen 1987.

[11] Ders.: Arbeiter und Bürger im 19. Jahrhundert. Varianten ihres Verhältnisses im europäischen Vergleich. München 1986.

[12] Fehrenbach, Elisabeth (Hrsg.): Adel und Bürgertum in Deutschland. 1770-1848. München 1994.

[13] Demel, Walter: Der Europäische Adel. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart. München 2005.

[14] Matis, S. 19

[15] Hahn, S. 52

[16] Butschek, S. 11 u. Hahn, S. 53: Kritiker wenden ein, dass Rostows Stufenmodell nicht ausreicht, um die Industrialisierung zu beschreiben

[17] Ders., S. 116: Das Fabriksystem entwickelt sich aus der Kleinproduktion, der Heimarbeit, den Zünften und den Manufakturen zu einer neuen Organisationsform.

[18] DTV, S. 307; S. 318 u. S. 321

[19] Hahn, S. 22

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Gesellschaftliche Aspekte der Industrialisierung in Deutschland
Hochschule
Helmut-Schmidt-Universität - Universität der Bundeswehr Hamburg  (Professur für Soial- und Wirtschaftsgeschichte)
Veranstaltung
Vorgeschichte der Ersten Industriellen Revolution
Note
3,0
Autor
Jahr
2007
Seiten
16
Katalognummer
V144571
ISBN (eBook)
9783640548514
ISBN (Buch)
9783640551897
Dateigröße
473 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gesellschaftliche, Aspekte, Industrialisierung, Deutschland
Arbeit zitieren
Andreas Bönner (Autor), 2007, Gesellschaftliche Aspekte der Industrialisierung in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144571

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