Normwidrige und in der Korrekturpraxis einiger Lehrkräfte schlichtweg als ‘stilistisch misslungen’ abgetane Sätze verdeutlichen, dass die korrekte Verwendung von Partikelverben einigen Lernenden erhebliche Schwierigkeiten bereitet. Wie eine unter 72 Schülerinnen und Schülern deutscher sowie nichtdeutscher Muttersprache durchgeführte Untersuchung an österreichischen Bildungseinrichtungen der 7. und 8. Schulstufe veranschaulicht, sind es insbesondere Zweitsprachenlernende, welche eine unzureichende Kenntnis von Partikelverben aufweisen. Um zur Entwicklung einer grundlegenden Partikelverbkenntnis von L2-Lernenden beizutragen, welche dazu befähigt, Partikelverben selbstständig und situationsadäquat zur Anwendung zu bringen, wird in der vorliegenden Abschlussarbeit ein aus fünf Lektionen bestehender Unterrichtsentwurf präsentiert, welcher konkrete Umsetzungsmöglichkeiten beinhaltet, um die Lernenden auf die semantische, morphologische, syntaktische und lautliche Eigenart des grammatischen Phänomens zu sensibilisieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Ein Überblick über die semantische, morphologische, syntaktische und lautliche Eigenart von Partikelverben
2 Darstellung theoretischer Grundlagen
2.1 Zur Unterscheidung von Partikel- und Präfixverben
2.2 Zur Partikelverbkenntnis von Zweitsprachenlernenden anhand einer empirischen Untersuchung aus dem Jahr 2020
2.2.1 Probandinnen und Probanden
2.2.2 Durchführung
2.2.3 Analysemethode
2.2.4 Hypothesenüberprüfung
3 Praxistaugliche Umsetzungsmöglichkeiten für den DaZ-Unterricht
3.1 Lektion 1: Eine verbzentrierte Sensibilisierung
3.2 Lektion 2: Zur semantischen Eigenart von Partikelverben
3.3 Lektion 3: Zur morphologischen Eigenart von Partikelverben
3.4 Lektion 4: Zur syntaktischen Eigenart von Partikelverben
3.5 Lektion 5: Zur lautlichen Eigenart von Partikelverben
4 Zusammenfassung und Ausblick
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kenntnisse von Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Schulstufe hinsichtlich der Verwendung von Partikelverben im Deutschen, wobei insbesondere der Vergleich zwischen Muttersprachlern und DaZ-Lernenden im Fokus steht. Basierend auf empirischen Erkenntnissen wird ein Unterrichtsentwurf entwickelt, der L2-Lernende befähigen soll, Partikelverben selbstständig und situationsadäquat anzuwenden.
- Empirische Analyse der Partikelverbkenntnisse
- Differenzierung von Partikel- und Präfixverben
- Semantische, morphologische und syntaktische Merkmale
- Didaktische Umsetzung durch einen Unterrichtsentwurf
- Fokus auf Lernende des B1-Niveaus
Auszug aus dem Buch
1 Ein Überblick über die semantische, morphologische, syntaktische und lautliche Eigenart von Partikelverben
Zweitsprache (L2 von language two) bezeichnet diejenige von der Erstsprache sich in Lautung, Form und Syntax klar unterscheidende Sprache, die das Migrantenkind nach dem Erwerb der Erstsprache erwirbt (etwa ab Kindergartenalter) und die in der nicht-familiären Gesellschaft des Gastlandes als allgemein anerkannte Umgangssprache gesprochen wird und die in der Folge auch im außerschulischen und schulischen Bereich (Gleichaltrigengruppe) als hauptsächliche Kommunikationsform gilt. (Müller, 1992. S. 47)
Wie sich der angeführten Zweitsprachendefinition entnehmen lässt, unterscheidet sich die Erstsprache einer Person in mehrfacher Hinsicht zu ihrer unter Umständen existenten Zweitsprache. Sprachliche Andersartigkeiten zwischen L1 und L2 offenbaren sich Müller (ebd.) zufolge nicht nur in Lautung und Syntax, sondern auch in formaler, die Morphologie betreffende, Hinsicht. Einen grammatischen Bereich, welcher distinktive Merkmale in Lautung, Morphologie und Syntax aufweist, bildet dabei die Domäne der Partikelverben, wie im Folgenden anhand der nachstehenden Beispiele demonstriert wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ein Überblick über die semantische, morphologische, syntaktische und lautliche Eigenart von Partikelverben: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Zweitsprache und führt in die grammatische Problematik der Partikelverben ein, die durch distinktive Merkmale in Syntax, Morphologie und Lautung gekennzeichnet sind.
2 Darstellung theoretischer Grundlagen: Hier wird der theoretische Rahmen abgesteckt, indem gängige Methoden zur Differenzierung zwischen Partikel- und Präfixverben erläutert und die Ergebnisse einer empirischen Vorstudie zur Partikelverbkenntnis bei Jugendlichen ausgewertet werden.
3 Praxistaugliche Umsetzungsmöglichkeiten für den DaZ-Unterricht: Dieses Kapitel präsentiert einen in fünf Lektionen strukturierten Unterrichtsentwurf, der L2-Lernende gezielt durch verschiedene didaktische Ansätze in die Anwendung von Partikelverben einführt.
4 Zusammenfassung und Ausblick: Der abschließende Teil rekapituliert die Ergebnisse der Untersuchung, welche die Notwendigkeit einer expliziten didaktischen Behandlung von Partikelverben im Deutschunterricht für Lernende mit anderer Muttersprache unterstreichen.
Schlüsselwörter
Partikelverben, Zweitspracherwerb, DaZ-Unterricht, Grammatikunterricht, morphologische Eigenart, syntaktische Eigenart, semantische Eigenart, lautliche Eigenart, Unterrichtsentwurf, Partikelverbkenntnis, Trennbarkeit, Präfixverben, Sprachkompetenz, Deutsch als Zweitsprache, empirische Untersuchung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Abschlussarbeit im Kern?
Die Arbeit untersucht die Unterschiede in der Beherrschung von Partikelverben zwischen Jugendlichen mit Deutsch als Erst- bzw. Zweitsprache und leitet daraus didaktische Empfehlungen ab.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Analyse konzentriert sich auf die semantischen, morphologischen, syntaktischen und lautlichen Unterschiede zwischen Partikel- und Präfixverben.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, einen praxistauglichen Unterrichtsentwurf zu erstellen, um Lernenden des Niveaus B1 eine selbstständige Anwendung von Partikelverben zu ermöglichen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die empirische Datenerhebung genutzt?
Der Verfasser nutzt ein quantitatives Datensample aus einem früheren Forschungsprojekt, bei dem Probanden mittels eines Single-Choice-Verfahrens Partikelverben in Sätzen korrekt bestimmen mussten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung zur Unterscheidung der Verbformen sowie einen umfangreichen didaktischen Teil, der in fünf Lektionen konkrete Unterrichtsideen vermittelt.
Welche Kriterien charakterisieren die Arbeit maßgeblich?
Die Arbeit zeichnet sich durch die Verknüpfung linguistischer Theorie (z.B. Topologisches Feldermodell) mit erprobungsreifen didaktischen Materialien und Übungen aus.
Warum spielt die Betonung bei Partikelverben eine so große Rolle?
Die Betonung dient als entscheidender Indikator für die Trennbarkeit, da sie markiert, ob ein Verb als trennbares Partikelverb oder als untrennbares Präfixverb realisiert wird.
Wie unterscheidet sich der Unterrichtsentwurf von herkömmlichen Methoden?
Der Entwurf greift bewusst auf einen integrativen Ansatz zurück, der Grammatik nicht isoliert vermittelt, sondern direkt mit der Arbeit am Text verbindet.
- Quote paper
- Peter Treitl (Author), 2022, Unterschiede der Kenntnisse zu Partikelverben zwischen L1- und L2-Sprechenden. Wie lassen sich Partikelverben im DaZ-Unterricht didaktisch aufbereiten? (Deutsch als Zweitsprache, Klasse 7 und 8), Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1445797