Vorgeburtliche Entwicklung und Geburt


Hausarbeit, 2003

27 Seiten, Note: 1,0


Leseprobe

Inhalt

1. Einleitung
1.1. Problemstellung
1.2. Aufbau

2. Die vorgeburtliche Entwicklung
2.1. Die Entwicklung der Sinne des Ungeborenen
2.1.1. Der Tastsinn
2.1.2. Das Schmecken
2.1.3. Das Sehen
2.1.4. Das Hören
2.1.5. Der Geruchssinn
2.2. Die Beziehung zwischen Mutter und Ungeborenem
2.2.1. Die drei Kommunikationsarten zwischen Mutter und Ungeborenem
2.3. Vorgeburtliche Einflüsse auf das reifende Gehirn
2.3.1. Auswirkungen der Ernährung
2.3.2. Arzneimittel und toxische Substanzen
2.3.3. Alkohol
2.3.4. Tabakrauch
2.3.5. Drogen
2.3.6. Koffein
2.3.7. Psychische Situation und Einstellung der Mutter

3. Die Geburt
3.1. Die Gefahren der Geburt
3.1.1. Das Geburtstrauma
3.1.2. Perinatale Asphyxie und infantile Zerebralparese

4. Schlussbemerkung

5. Quellenverzeichnis

1. Einleitung

1.1. Problemstellung

Erkenntnisse über die Entwicklung des Fetus im Mutterleib und über die Geburt sollen die Themen der folgenden Hausarbeit sein.

Was bekommt das Ungeborene schon von seiner Außenwelt mit? Wie kann es auf verschiedene Eindrücke reagieren? Und, vor allem, wie wird es durch Handlungen und die Einstellung seiner Mutter beeinflusst?

Im Folgenden werde ich versuchen, diese Fragen zu klären.

Ursprünglich als Referat mit einer Kommilitonin gedacht, werde ich auf einige Dinge in dieser Arbeit nicht eingehen. Hierzu wäre beispielsweise weitgehend die physiologische Entwicklung des Fetus zu nennen, die natürlich keinesfalls unwichtig für dieses Themengebiet ist.

Auch zur Geburt werde ich im Wesentlichen auf die psychischen Folgen für das Kind eingehen; die Physiologie aber außen vor lassen.

Mit meiner Kommilitonin einigte ich mich damals darauf, dass wir das Thema „Frühgeburt“ nicht behandeln werden. Deshalb wird in dieser Arbeit auch nicht weiter darauf eingegangen. Somit werde ich mich „normalen“, voll ausgetragenen Babys beschäftigen, das heißt mit solchen, die nach der 37. Schwangerschaftswoche das Licht der Welt erblicken.

Der Grund, weshalb ich mich eigentlich mit diesem Thema beschäftigen wollte, lag zu der Zeit, als ich das Referat vorbereitete, auf der Hand: Ich war schwanger und beschäftigte mich selbst seit Monaten mit den Fragen, die ich auch in der Hausarbeit aufgreife. Leider schaffte ich es letztendlich doch nicht ganz, meinen Kommilitonen in der Proseminargruppe die Erfahrungen und das Wissen, dass ich mir in der ganzen Zeit angeeignet hatte, zu vermitteln. In der Nacht vor dem Referatstermin kam meine Tochter Mia Jasmin nach einer sehr angenehmen Schwangerschaft, jedoch genau eine Woche vor ihrem errechneten Geburtstermin zur Welt. Gerade weil ich in der Zeit vor der Entbindung mit den normalen Sorgen einer werdenden Mutter zu kämpfen hatte, schränkte ich das Themengebiet mehr oder weniger radikal ein; ließ Behinderungen und die schon genannten Frühgeburten außen vor.

1.2. Aufbau

Die Hausarbeit in zwei Hauptabschnitte unterteilt: in die Vorgeburt und die Geburt selbst.

Beim ersten Thema werde ich den Augenmerk besonders auf die Sinnesentwicklung des Ungeborenen lenken, sowie auf die Auswirkungen der mütterlichen Einstellung zu ihrem Kind, da mich gerade diese Themen in meiner Schwangerschaft sehr beschäftigten.

Viele Studien wurden gerade zu der Wahrnehmungsfähigkeit von Feten gemacht und viele Theorien wurden ihr bezüglich aufgestellt; auf einige werde ich in meiner Arbeit eingehen.

Nicht immer konnte ich jedoch meine eigenen Erfahrungen in Einklang mit allen Ergebnissen aus Studien mit Ungeborenen bringen. Deshalb ist es auch mein Anliegen, verschiedene Theorien zwar anzusprechen, sie aber zum Teil ein wenig zu kritisieren.

Natürlich gibt es auch Studien, welche ich sehr gut mit meinen eigenen Erfahrungen vergleichen konnte. Auch solche werden in folgender Arbeit angesprochen.

Der zweite große Abschnitt beschäftigt sich mit der Geburt. Nur auf ausgewählte Themen werde ich hierbei eingehen, wie zum Beispiel auf die natürliche Einleitung der Geburt, aber auch auf bestimmte Risiken, die bei einer Geburt auftauchen können.

2. Die vorgeburtliche Entwicklung

2.1. Die Entwicklung der Sinne des Ungeborenen

Ganz allmählich entwickeln sich die Sinne des Ungeborenen im Mutterleib. Es kann viel eher komplexe Reize wahrnehmen, als es angemessen darauf reagiert. Für den schon entwickelten Geruchssinn des Fetus gibt es nur Hypothesen; Tastsinn, Hören, Schmecken und Sehen sind hingegen nachgewiesen.

Alle Wahrnehmungssysteme beim Ungeborenen sind sehr eng miteinander verbunden. Im Folgenden werde ich näher auf die Entwicklung der einzelnen Sinne eingehen.

2.1.1. Der Tastsinn

Die Haut ist das Basisorgan aller Wahrnehmungen. Zwischen der 8. und er 17. Schwangerschaftswoche breitet sich die Fähigkeit aus, Berührungen zu empfinden – vom Gesicht ausgehend bis in alle anderen Hautregionen aus. Ab dem dritten Monat versucht sich der Fetus wegzudrehen, wenn man der Schwangeren auf den Bauch drückt; später reagiert er sogar mit Schlägen und Tritten auf solch eine Störung seiner Ruhe im Mutterleib.

Ich persönlich habe in meiner eigenen Schwangerschaft mitbekommen, dass das Ungeborene durchaus auch Berührungen mögen kann. Wenn ich meinen Bauch sanft berührte und streichelte, bewegte sich mein Kind immer der Hand hinterher und drückte diejenige Stelle zurück, die ich als letztes berührt hatte.

Ein unangenehmes Erlebnis für Mia war allerdings, als gegen Ende der Schwangerschaft der Frauenarzt bei der Untersuchung zufällig den kleinen Kopf berührte, woraufhin sie furchtbar zusammenschreckte.

Zu solchen frühen Berührungsempfindungen wurden einige Studien betrieben, bei denen Feten mit einer Nadel punktiert wurden. Das Ergebnis war, dass schon in einem sehr frühen Stadium der Schwangerschaft der Fetus heftig zurückzuckte, damit also seine Fähigkeit zu spüren bewiesen war.

In die Kategorie Tastsinn fallen natürlich auch die Reaktionen auf Temperaturveränderungen. Wenn die Mutter Fieber hat, so steigt auch die Temperatur des Fetus, die normalerweise sowieso schon um 0,5 bis 1,5 °C höher ist, als die der Mutter. Er reagiert mit Stress darauf und ist unruhig. Auch wenn das Fruchtwasser künstlich abgekühlt wird, reagiert der Fetus mit Stress. So injizierte man eine kältere Salzlösung in das Fruchtwasser und konnte beobachten, wie er versuchte, auszuweichen.

2.1.2. Das Schmecken

Bereits nach 8 Wochen werden die Geschmacksknospen auf Zunge und benachbarten Gebieten sichtbar. In der 13. Schwangerschaftswoche sind sie bereits wie beim Erwachsenen entwickelt. Im Laufe der Zeit wird das System nur noch vervollständigt, indem die Geschmacksknospen sich zahlenmäßig vervielfältigen, sich weiter ausbreiten und von haarartigen Mikrovilli umgeben werden.

Man hat in zahlreichen Untersuchungen festgestellt, dass der Fetus bereits in der 12. Schwangerschaftswoche beginnt, Fruchtwasser zu schlucken. Hypothesen besagen, dass er ab der 15. Woche dabei Geschmackserlebnisse hat.

Hierzu fand A.W. Liley 1972 heraus, dass Feten süßen Geschmack bevorzugen. Er führte dem Fruchtwasser Saccharin zu – der Fetus schluckte mehr, beinahe doppelt so viel und um einiges schneller als normal. Wurde dem Fruchtwasser hingegen Lipidol (ein jodähnliches Öl) zugeführt, wurden die Schluckbewegungen weniger oder hörten sogar ganz auf.

In den letzten Jahren stellte man fest, dass Alkohol und Nikotin eine ähnliche Wirkung wie Lipidol auf das Ungeborene haben. Auch diese Stoffe dämpfen den Appetit und die Kinder weisen bei ihrer Geburt ein signifikant geringeres Gewicht auf als andere.

Vielleicht fällt auch in diese Kategorie das Lutschen an Fingern und Zehen, welches ab der 9. Schwangerschaftswoche auftritt. In jedem Fall ist es eine Methode des Fetus, sich zu beruhigen oder angenehme Gefühle zu verschaffen – und natürlich auch eine optimale Vorbereitung auf die Nahrungsaufnahme nach der Geburt.

2.1.3. Das Sehen

Das letzte Wahrnehmungsorgan, welches im Mutterleib zu funktionieren beginnt, sind die Augen. Noch beim Neugeborenen sind diese nicht sehr gut ausgebildet; sie sehen noch sehr unscharf und nicht in Farbe, doch sie sind den unmittelbaren Bedürfnissen angepasst.

Dass der Fetus seine Augen noch nicht wirklich braucht zeigt sich auch darin, dass sie sich am Anfang des zweiten Schwangerschaftsmonats schließen und erst im siebten Monat wieder öffnen.

Es liegt auf der Hand, dass der Fetus seine Augen noch nicht richtig braucht. Was er bis dahin wahrnehmen kann, sind Helligkeitskontraste. Diese bemerkt er jedoch trotz der geschlossenen Lider, da Uterus und Bauchwand lichtdurchlässig sind. Man nimmt an, dass der Fetus spätestens ab der 16. Schwangerschaftswoche mitbekommt, wann sich die Mutter sonnt.

Ich selbst habe auch einen kleinen Test in der 30. Schwangerschaftswoche mit meinem ungeborenen Kind unternommen, als ich gelesen hatte, dass es auf Licht reagieren kann. Ich richtete eine Taschenlampe auf meinen Bauch (dorthin, wo ich den Kopf vermutete) und bekam als Reaktion einen heftigen Tritt zu spüren.

Michael Smyrthe machte ein ähnliches Experiment. Er richtete ein Blinklicht auf den Mutterbauch und registrierte starke Schwankungen des kindlichen Herzschlags.

2.1.4. Das Hören

Spätestens ab dem vierten Monat nimmt das Ungeborene ununterbrochen die Geräusche im Uterus wahr. Das sind vor allem der mütterliche Herzschlag, aber auch die Geräusche der Darmtätigkeit.

Bereits im sechsten Schwangerschaftsmonat ist das Ohr als Hörorgan vollständig ausgereift und voll funktionsfähig. Ab dieser Zeit kann man sogar den Herzschlag des Fetus durch Schallreize von außen beeinflussen. Laute Musik oder Schreie beschleunigen den Herzschlag, während ruhige Musik oder sanfte, an die Mutter gerichtete Worte den Fetus beruhigen können.

Im siebten Monat ist das Ungeborene dann zu bedingten Reflexen auf akustische Reize fähig. Nun wehrt er sich gegen Störungen seiner normalen Geräuschkulisse, indem er zusammenzuckt, um sich schlägt oder tritt.

So ist, wenn der Herzschlag der Mutter ganz normal verläuft, für den Fetus alles in Ordnung. Das ruhige, regelmäßige Schlagen beruhigt auch den Fetus und spendet ihm Geborgenheit. Wird dieser allerdings schneller, so wird auch das Kind unruhiger. In einem Experiment 1973 bewies Lee Salk diese Wirkung – allerdings bei Neugeborenen. Auf einer Säuglingsstation spielte er den normalen Herzschlag von Müttern vor mit 72 Schlägen in der Minute. Dies hatte zur Folge, dass die weinenden Neugeborenen sich beruhigten, sie atmeten tiefer und viele schliefen sogar ein. Als er jedoch den Rhythmus auf 128 Schläge pro Minute steigerte, so nahmen Weinen, Unruhe und Erregung noch mehr zu, als wenn er das Tonband ganz abstellte.

Ich bin mir sicher, dass sich auch meine Tochter an meinen Herzschlag erinnern konnte. Jede Mutter versucht ihr Kind zu allererst zu beruhigen, indem sie es hochnimmt. Mir ist aufgefallen, dass auch ich mein Kind bevorzugt an die linke Brust drücke, ohne anfangs damit bezwecken zu wollen, dass es meinen Herzschlag hören kann.

Ein Fetus kommt ständig mit Lauten in Berührung. Die Wahrnehmung dieser ist die Voraussetzung, dass er später mit Sprache umzugehen lernt. Ungeborene mit einem normal entwickelten Gehör reagieren auf Töne, die auf die Gebärmutter ausgestrahlt werden – sei es, wenn die Mutter selbst spricht, oder wenn überhaupt Gräusche auf sie einwirken. Nur Kinder, die sich bei der Geburt als taub erweisen, reagieren nicht darauf. Aber Sprachdefizite können auch auftreten, wenn nur die Mutter stumm oder taub ist. So werden die Grundsteine für das Sprechenlernen bereits gelegt, wenn das Kind noch nicht einmal geboren ist.

Diese Meinung vertritt u. a. auch Alfred Tomatis. Er meint, dass die Sprache, die die Mutter in der Schwangerschaft gesprochen hat, die wahre Muttersprache des Kindes ist. In seinem Institut führte er zahlreiche Einzelfalluntersuchungen durch, die immer wieder darauf schließen ließen, dass ein Kind ein besseres Verständnis für die Sprache – die Lautbildung, den Rhythmus und den Klang der Silben – entwickelte, mit der er schon im Uterus in Kontakt kam. Und dies selbst dann, wenn von Geburt an eine ganz andere Sprache mit ihm gesprochen wurde.

Desweiteren erkannte Tomatis, dass das Ungeborene, sowie dann auch das Neugeborene die Stimme der Mutter viel besser wahrnehmen kann, als die Stimme des Vaters. Schon vor der Geburt sind die Zonen, die für den Empfang hoher Frequenzen zuständig sind, sehr gut ausgebildet. Die Bereiche für die niedrigen Frequenzen brauchen jedoch bis in die Pubertät Zeit, um sich vollständig auszubilden.

Außerdem hört der Fetus mehr durch die Übertragung der Schallwellen über die Knochen als durch die Luft. Die Gebärmutter dient sozusagen als Resonanzkörper, was bedeutet, dass die Stimme der Mutter sehr gut wahrgenommen wird. Sie ist außerdem immer präsent und dem Kind vertraut. So fanden De Casper und B. Fifer heraus, dass Säuglinge direkt nach der Geburt die Stimme ihrer Mutter eindeutig von den Stimmen anderer Frauen unterscheiden konnten.

Geräusche, die der Fetus von außen wahrnimmt, sind natürlich nicht unwesentlich. Ab dem fünften Monat reagiert er auf Musik. Liley berichtet sogar von unterschiedlichen Reaktionen auf unterschiedliche Musikrichtungen. Angeblich würden Stücke von Mozart und Vivaldi das Ungeborene beruhigen, während Rockmusik, Beethoven und Brahms heftige Bewegungen verursachten, die als Unbehagen von Liley gedeutet wurden. Ich selbst habe diese differenzierten Reaktionen nie wahrgenommen. Es kam immer nur auf die Lautstärke der Musik an und ob ich sie mochte oder nicht. War die Musik zu laut, so konnte ich mit heftigen Bewegungen der Kleinen rechnen. Doch auch wenn mir die Musik nicht gut gefiel – hierhinein rechne ich beispielsweise Vivaldi – bekam ich negative Resonanz zu spüren. Im Gegensatz löste rockige Musik, die mir gefiel, solche Reaktionen nicht aus.

[...]

Ende der Leseprobe aus 27 Seiten

Details

Titel
Vorgeburtliche Entwicklung und Geburt
Hochschule
Technische Universität Chemnitz  (Psychologie)
Veranstaltung
Entwicklung nach Lebensabschnitten
Note
1,0
Autor
Jahr
2003
Seiten
27
Katalognummer
V14462
ISBN (eBook)
9783638198592
Dateigröße
590 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Vorgeburtliche, Entwicklung, Geburt, Entwicklung, Lebensabschnitten
Arbeit zitieren
Patricia Männer (Autor), 2003, Vorgeburtliche Entwicklung und Geburt, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14462

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