Wohnverhältnisse von Arbeiterfamilien im Kaiserreich


Seminararbeit, 2009

16 Seiten, Note: 2,7


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

2. Einleitung

3. Zur Lage der Arbeiter allgemein

4. Arbeiter und ihre Wohnungen in der Großstadt

5. Arbeiter und ihre Wohnungen im ländlichen Raum am Beispiel Oldenburg

6. Sonderform: Werkswohnungsbau

7. Fazit

8. Literatur- und Abbildungsverzeichnis

2. Einleitung

In dieser Arbeit sollen -wie der Titel schon anklingen lässt- die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter[1] im deutschen Kaiserreich dargestellt werden. Wir bewegen uns schwerpunktmäßig in etwa zu der Zeit der Reichsgründung 1870/1871 bis zum Ende des Ersten Weltkriegs und damit des Kaiserreiches 1918.

Die Arbeit soll sich damit beschäftigen, wie die Wohnsituation von Arbeitern bzw. Arbeiterfamilien aussah und welche äußeren Einflüsse, wie Konjunktur, Wohnungsfrage, soziale Aspekte usw., auf sie eingewirkt haben. Damit soll sich ein recht klares Bild der Arbeiterschaft ergeben, die durch die Industrialisierung im 19. Jahrhundert aufgekommen war.

Damit sich dieses Bild klar herausbilden kann, soll in einem ersten Schritt die Situation der Arbeiterschaft im Allgemeinen erläutert werden. Dabei sollen die äußeren Einflüsse (s. o.) kurz erläutert werden. Dann soll speziell ein Blick in die Arbeiterwohnung geworfen und dargestellt werden, unter welchen Bedingungen die Arbeiterfamilien gelebt haben. Dadurch, dass Betriebe und Großkonzerne wie Pilze aus dem Boden schossen, entwickelte sich neben der privaten, öffentlichen Wohnung auch eine weitere Form des Wohnens: die Werkswohnung. Sie und der gesamte Werkswohnungsbau sollen ebenso hier ausgeführt werden. Als erster Gedanke, wenn man an Arbeiter, Konzerne und Industrie denkt, taucht immer die Großstadt auf. Neben der Arbeitersituation in der Großstadt soll auch die Situation der Arbeiter im ländlichen Raum betrachtet werden. Als Beispiel hierfür soll Oldenburg bzw. das Oldenburger Land dienen, an der ländliches Wohnen der Arbeiter exemplarisch aufgezeigt werden kann. Viele Arbeiter -wie wir sehen werden-, waren in Betrieben im ländlichen Raum beschäftigt oder pendelten von ihrem Wohnungen in die Großstadt zu ihrem Arbeitsplatz.

Damit soll die zentrale Fragestellung beantwortet werden, wie die Arbeiter zum Teil mit ihren Familien lebten, ob in der Großstadt oder im ländlichen Raum, und welche Arbeiter bessere Wohnbedingungen hatten, die Großstadtarbeiter, die ländlich lebenden Arbeiter oder die Arbeiter in den Werkswohnungen.

Am Ende der Arbeit erfolgt ein Fazit, das die Leitfragen beantworten und die Arbeit resümierend abschließen soll.

3. Zur Lagme der Arbeiter allgemein

Wie in der Einleitung schon angedeutet, entstand die Arbeiterschaft mit dem Aufkommen der Industrialisierung als neue soziale Schicht. Hierzu einige statistische Zahlen. Ihr Anteil an der Anzahl der Beschäftigten wuchs enorm. In dem Zeitraum von 1882 bis 1907 stieg die Zahl der Arbeiter von 9,3 Millionen, das entspricht einem Anteil von 34,8%, auf 14,7 Millionen, was einem Anteil von 42,2% entspricht. Ein Zuwachs von 7,4%. Damit stellte die Arbeiterschaft die größte Gruppe der Beschäftigten. Damit die Entwicklung der Industrialisierung noch deutlicher wird, lassen sich einige Zahlen aus dem primären Sektor, also aus der Landwirtschaft liefern. Der Anteil an Landwirten in der Beschäftigungsstruktur ging von 10,5 Millionen (41,6%) auf 7,6 Millionen (28,4%) doch recht rapide zurück. Ein Minus von 13,2%.[2]

Obwohl die Arbeiter den größten Teil der Beschäftigten stellten, waren ihre sozialen und Lebensbedingungen sehr schwierig. Obwohl sich die Bedingungen stetig besserten, blieben sie auf niedrigem Niveau. 1871 betrug die Wochenarbeitszeit 72 Stunden. Bis 1914 sank sie auf 55,5 Stunden, immer noch sehr viel. Erst nach dem Kriege wurde die 48-Stundenwoche eingeführt. Auch die Freizeit der Arbeiter war fast nicht vorhanden. Nur wenige Unternehmen gönnten ihren Arbeitern einen bezahlten Jahresurlaub. Damit ging es ihnen wesentlich schlechter als Beamte oder Angestellte. Nur mühsam gelang es den Arbeitern, einen 7 bis 10tägigen Jahresurlaub durchzusetzen. Das war teilweise auch eine Methode der Unternehmer, die Arbeiter an ihre Betriebe zu binden. Was die Löhne betrifft, so lässt sich auch hier eine Steigerung feststellen. In dem Zeitraum von 1871 bis 1913 stiegen die Nominallöhne von 493 auf 1083 Mark. Jedoch waren diese Lohnentwicklungen starken ökonomischen Schwankungen ausgesetzt. In wirtschaftlichen Krisen sanken die Löhne schnell und in wirtschaftlich positiven Zeiten stiegen sie auch sehr rapide an.[3] Generell war das Leben der Arbeiter sehr stark wirtschaftlichen Schwankungen ausgesetzt[4], wie wir in der Wohnungsfrage sehen werden. Selbst in den verschiedenen Branchen gibt es unterschiedliche Entwicklungen der Löhne. Bergarbeiter verdienten 1913 1946 Mark, Metallarbeiter 1513 Mark, Textilarbeiter aber nur 786 Mark. Auch regional gibt es teils erhebliche Unterschiede. Nicht zuletzt zwischen Mann und Frau gab es große Unterschiede. Die Arbeiterinnen verdienten im Vergleich zu den Arbeitern 2,88 Mark weniger pro Tag. Genauer: Der Arbeiter verdiente 1914 5,17 Mark pro Tag und die Arbeiterin nur 2,29 Mark. Das reichte höchstens einer alleinstehenden Frau für den Lebensunterhalt. Witwen, alleinerziehenden Frauen oder Ehefrauen von ihren arbeitslos gewordenen Männern genügte das jedoch nicht. Noch weniger als die Frauen verdienten Kinder und Jugendliche. Auch hier ließ sich ein Verdienstunterschied zwischen dem männlichen und weiblichen Geschlecht verzeichnen. Die gestiegenen Löhne waren im internationalen Vergleich recht hoch, jedoch konnten sie zum Teil nicht vollständig den Bedarf der Familie decken, weil die Kosten zum Lebensunterhalt recht hoch waren. Daher war es üblich, dass neben dem Manne auch andere Familienmitglieder, Frau oder Kind(er), einer Nebenbeschäftigung nachgehen und damit auch arbeiten mussten (s. o.).[5]

Die geschilderten schwierigen Umstände, in denen die Arbeiter zu leben hatten, wirkten sich auch negativ auf die Gesundheit aus. Besonders deutlich wird das, wenn wir die Wohnungsverhältnisse der Arbeiter, besonders mit ihren Familien in der Großstadt, betrachten.

4. Arbeiter und ihre Wohnungen in der Großstadt

Neben den allgemeinen Darstellungen der Situation der Arbeiter, wollen wir nun einen genauen Blick in die Großstädte und die Wohnungen werfen, in die industriellen Zentren.

Im deutschen Reich setzte sich neben der Industrialisierung auch ein erhebliches Bevölkerungswachstum durch. 1816 betrug die Einwohnerzahl des deutschen Reiches 25 Millionen Menschen und die Zahl steigerte sich bis 1913 auf 66 Millionen.[6] Auch und gerade in den Städten machte sich diese Entwicklung bemerkbar. Manche junge Menschen, die zur Zeit der Reichsgründung in dörflichen Verhältnissen groß geworden sind, arbeiteten anfangs des 20. Jahrhunderts in einer mittleren Stadt. Das zeigt den sehr schnellen Bevölkerungsboom in den Städten und Gemeinden.[7] Mit diesen rasanten Bevölkerungsentwicklungen ging auch eine rapide Bauentwicklung einher. Denn es musste der Bedarf besonders an neuen Wohnungen gedeckt werden. Jedoch darf man vor dem Hintergrund der Bevölkerungsdichte, die auf 43,4% gestiegen ist, nicht zwangsläufig auf eine automatische Verschlechterung der Wohnverhältnisse überall schließen. Zu den Baumaßnahmen zählten zunächst auch Gebäude- und Wohnungssanierungen. Es lässt sich jedoch bei genauerer Betrachtung eine enorme Wohnungsdichte in den Ballungsgebieten, besonders in Berlin, feststellen. In Bremen, mit 214.861 Einwohnern, betrug die Zahl der Einwohner pro Haus zwischen einem und zehn. In Berlin, mit 2.040.148 Einwohnern, betrug die Zahl der Einwohner pro Haus über 60. Ähnliche Städte mit ähnlich hohen Einwohnerzahlen pro Haus sind Chemnitz, Hamburg, Königsberg, München, Hamburg usw. Aber auch in Berlin lassen sich regionale Unterschiede feststellen. Es gab einige Stadtteile, die weniger stark bewohnt waren und Stadtteile, die eine sehr hohe Bewohnerzahl pro Haus hatten.

[...]


[1] In dieser maskulinen Form ist zunächst auch die feminine Form enthalten, wenn die feminine Form nicht gesondert aufgeführt wird.

[2] Epkenhaus, Michael / von Seggern, Andreas: S. 114.

[3] Ebd., S. 114 f.

[4] Hickey, S. H. F.: S. 37.

[5] Epkenhaus, Michael / von Seggern, Andreas: S. 115 f.

[6] Ritter, Gerhard Albert: S. 27.

[7] Ritter, Gerhard Albert / Tenfelde, Klaus: S. 582.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Wohnverhältnisse von Arbeiterfamilien im Kaiserreich
Hochschule
Carl von Ossietzky Universität Oldenburg  (Geschichte)
Note
2,7
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V144625
ISBN (eBook)
9783640555826
ISBN (Buch)
9783640555567
Dateigröße
2322 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Wohnverhätnisse, Arbeiterfamilien, Kaiserreich, Arbeiter, Wohnungen, Großstadt, ländlicher Raum, Werkswohnungsbau, Oldenburg
Arbeit zitieren
Sören Lindner (Autor), 2009, Wohnverhältnisse von Arbeiterfamilien im Kaiserreich, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144625

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