Russland hatte sich künstlerisch schon immer gern von anderen Völkern inspirieren
lassen - die altrussische Volkskunst hat z.B starke skandinavische und persische Züge. Dieses Orientieren an anderen zeugte nicht von Schwachheit oder Opportunismus, sondern von einer Wachheit und Offenheit für Begabungen aus der Fremde. Das hielt die russische Kunst stets frei von übertriebenem Nationalismus. Daher ist es nachvollziehbar, dass gerade Byzanz einen sehr großen Einfluss auf die russische Kunst ausübte.
In vorchristlichen Zeiten war die Kunst des Ornaments unter den Skythen und Sarmaten schon sehr weit fortgeschritten und das Emaillieren, vor allem das Gruben-Email, gut bekannt. Das Niveau wurde dann bis in die frühchristlichen Zeiten in Kiew beibehalten. Byzanz übte jedoch später einen großen Einfluss auf die Produktion des Zellenschmelzes in Russland aus.
Inhaltsverzeichnis
Christianisierung
Diverse Einflüsse auf die russische Kunst
Unterschiede: Byzantinisches und russisches Email
Der „Altrjasner Schatz“
Kunstzentren Nowgorod und Moskau, die Mongoleneinfälle und die Email-Kunst danach
Russland das „Dritte Rom“
Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und künstlerische Ausprägung der Email-Kunst in Russland unter dem Einfluss byzantinischer Traditionen. Dabei wird analysiert, wie trotz kultureller Adaption eigene nationale Stile und Techniken entstanden, die durch politische Umbrüche und äußere Einflüsse geprägt wurden.
- Die Rolle der Christianisierung für die kulturelle Verbindung zu Byzanz.
- Technische und ästhetische Unterschiede zwischen byzantinischem und russischem Zellenschmelz.
- Bedeutung archäologischer Funde wie des „Altrjasner Schatzes“ für die Kunstgeschichte.
- Einfluss der Mongoleneinfälle und der politischen Zentralisierung auf das russische Kunsthandwerk.
Auszug aus dem Buch
Unterschiede: Byzantinisches und russisches Email
Nach der Annahme des Christentums im 10. Jahrhundert stärkten sich die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Bindungen zwischen dem Byzantinischen und dem Kiewer Reich. Neben den einströmenden Priestern kamen byzantinische Baumeister, Künstler und Meister der angewandten Kunst kamen nach Kiew und unterrichteten russische Künstler, ließen sie ihre eigenen Werke kopieren, und halfen den russischen Meistern Kathedralen und fürstliche Höfe zu schmücken. Auch brachten sie viele byzantinische Kunst-Erzeugnisse nach Kiew mit, unter anderem auch Zellenschmelz-Arbeiten, deren Qualität zum Vorbild für russische Künstler wurde und die ein reiches byzantinisches Erbe darstellten.
Die russischen Künstler bemächtigten sich derselben komplizierten Technik des Emaillierens wie die Byzantiner, brachten aber Neues mit ein, das sich an lokalen Traditionen und Geschmäckern anlehnte. Sowohl an der Thematik, als auch an den technischen und künstlerischen Verfahren wird jenes bemerkbar. So sind, beispielsweise, bei russischen Emailarbeiten die Linien der Verteilung der Stege viel ruhiger als bei den byzantinischen und die Zellen viel größer und tiefer. Somit zeichnen sich die Darstellungen der russischen Emailarbeiten durch eine Weichheit und Verallgemeinerung aus. Die an byzantinischen Stil angelehnten Werke sind strenger und feiner und haben einen stark asketischen Zug.
Zusammenfassung der Kapitel
Christianisierung: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe der Annahme des Christentums unter Wladimir dem Heiligen und die damit einhergehende kulturelle Bindung an Byzanz.
Diverse Einflüsse auf die russische Kunst: Hier wird die Offenheit der altrussischen Kunst für fremde Einflüsse thematisiert, wobei insbesondere die ornamentale Tradition hervorgehoben wird.
Unterschiede: Byzantinisches und russisches Email: Das Kapitel analysiert die technischen und motivischen Besonderheiten, die russische Emailarbeiten von byzantinischen Vorbildern abheben.
Der „Altrjasner Schatz“: Eine detaillierte Betrachtung dieses archäologischen Fundes dient als Beispiel für die Qualität und den Reichtum des vor-mongolischen Schmuckhandwerks.
Kunstzentren Nowgorod und Moskau, die Mongoleneinfälle und die Email-Kunst danach: Der Text beschreibt die Zerstörungen durch die Mongolen und den anschließenden Wandel der Email-Kunst im Zuge des Aufstiegs Moskaus.
Russland das „Dritte Rom“: Das Kapitel beleuchtet den politisch-religiösen Selbstanspruch Russlands als Erbe des untergegangenen byzantinischen Reiches.
Zusammenfassung: Ein abschließender Rückblick auf die Herausforderungen der Recherche und die Bedeutung der erhaltenen Kunstzeugnisse.
Schlüsselwörter
Email-Kunst, Zellenschmelz, Russland, Byzanz, Christianisierung, Altrjasner Schatz, Nowgorod, Moskau, Kunsthandwerk, Kiewer Reich, Ikonen, Schmuck, Kulturtransfer, Mittelalter, Ornamentik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entwicklung und den stilistischen Besonderheiten der russischen Email-Kunst vom Mittelalter bis zur frühen Neuzeit unter dem Einfluss byzantinischer Vorbilder.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Fokus stehen die kulturellen Auswirkungen der Christianisierung, die technischen Spezifika der Zellenschmelz-Technik sowie die Auswirkungen politischer Ereignisse wie der Mongoleneinfälle auf das Kunsthandwerk.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie russische Künstler byzantinische Vorbilder übernahmen, aber gleichzeitig durch lokale Traditionen einen eigenständigen, originellen Stil entwickelten.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer kunsthistorischen Analyse von Exponaten (Email-Arbeiten) sowie einer Literaturrecherche zur russischen Kunstgeschichte.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in historische Analysen (Christianisierung, Drittes Rom), technische Vergleiche und die Untersuchung spezifischer Funde wie des Altrjasner Schatzes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe umfassen Zellenschmelz, byzantinischer Einfluss, altrussische Kunst, kulturelles Erbe und kunsthandwerkliche Fertigung.
Warum wird der Altrjasner Schatz als Beispiel angeführt?
Er gilt als einer der wichtigsten archäologischen Funde, der durch die Qualität und den Reichtum der erhaltenen Gold- und Email-Objekte die fürstliche Kunstfertigkeit vor der mongolischen Invasion dokumentiert.
Welche Rolle spielt der Begriff „Drittes Rom“?
Er beschreibt das russische Selbstverständnis nach dem Fall Konstantinopels, wodurch Russland die religiöse und kulturelle Führung der orthodoxen Welt beanspruchte.
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- Kaja Dymnicki (Author), 2008, Mittelalterliches Email in Gebieten unter byzantinischem Einfluss - Russland, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/144668