Die Arbeit thematisiert den Zusammenhang zwischen Identität und Konsum sowie dessen Darstellung im postdramatischen Theater. Dies geschieht insbesondere in Anlehnung an das Kapitel "Sofa" aus dem postdramatischen Werk "Bin nebenan -Monologe für zuhause" von Ingrid Lausund und an das Buch "Das System der Dinge" von dem französischen Medientheoretiker, Philosoph und Soziologe Jean Baudrillard. Baudrillard beschreibt in seinem Buch die Welt der Gegenstände anhand ihres symbolischen Charakters. Dieser Betrachtungsweise liegt die Annahme zugrunde, dass die Dinge des Alltags Aufschluss geben über die Persönlichkeit ihres Benutzers.
Im ersten Kapitel soll jedoch zunächst der Begriff der Identität erläutert werden, um ein theoretisches Fundament für die praktische Auseinandersetzung mit dem postdramatischen Theater zu schaffen. Im Weiteren wird der Begriff Konsum(gesellschaft) dargestellt sowie dieser mit dem Identitätsbegriff in Beziehung gesetzt. Abschließend wird der Einfluss des Konsums auf die Identität hinsichtlich der Thematisierung im postdramatischen Theater am Beispiel von Lausunds "Sofa" untersucht.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Was ist Identität?
2.1 Konsum(gesellschaft)
2.2 Identität durch Konsum
3 Identität und Konsum im postdramatischen Theater
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Hausarbeit untersucht den Zusammenhang zwischen Identität und Konsum sowie deren Repräsentation im postdramatischen Theater. Basierend auf Jean Baudrillards Theorie des Konsum-Systems und exemplarisch analysiert am Text „Sofa“ aus Ingrid Lausunds „Bin nebenan - Monologe für zuhause“, wird die Forschungsfrage verfolgt, inwiefern Konsum zur Identitätskonstruktion dient und welche Machtstrukturen des Marketings dabei auf das Individuum einwirken.
- Identitätskonstruktion als soziologischer Prozess
- Mechanismen der Konsumgesellschaft und das System der Dinge
- Soziale Differenzierung durch Konsum (Anpassung vs. Distinktion)
- Sprachliche und inhaltliche Merkmale des postdramatischen Theaters
- Die Macht des Marketings und die Illusion der Selbstbestimmung
Auszug aus dem Buch
Identität durch Konsum
Nachdem die Begriffe Identität und Konsum(gesellschaft) einzeln erläutert wurden, wird nun der Einfluss von Konsum auf die Identität genauer betrachtet. Soziologisch gesehen ist Konsum ein „soziales Handeln mit umfassenden gesellschaftlichen und individuellen Funktionen.“18 Konsum bezieht alle „Empfindungen, Diskurse und Verhaltensweisen“19 mit ein, die mit den Gütern bzw. Waren und Dienstleistungen zusammenhängen.
Konsum ist somit ein bedeutsamer Teil der individuellen Lebensgestaltung. Auf die einzelne Person bezogen hat der Konsum selbst immer mehr die „Funktion der Identitätsgewinnung und Identitätssicherung.“20 Viele Menschen sehen im Konsum Status und Sinn ihres Lebens, wodurch dem Erwerb, dem Besitz und der Nutzung der konsumierten Güter und Dienstleistungen erst eine Bedeutung zukommt. Eine weitere Funktion des Konsums ist die Distinktion, die Unterscheidung einer Person von anderen21. Die genannten Funktionen sind alle von essentieller Bedeutung, sowohl für das Individuum selbst als auch für die Gesellschaft.
Für das Individuum ist Konsum ein wesentliches Merkmal um „Selbst-Identität auszudrücken, die Zugehörigkeit zu Gruppen zu kennzeichnen, Ressourcen zu akkumulieren, soziale Distinktion zu demonstrieren und Teilhabe an sozialen Aktivitäten sicherzustellen.“22 An dieser Stelle muss betont werden, dass soziale Abgrenzung gleichzeitig auch soziale Integration bedeutet, denn durch diesen Vorgang findet ein orientierender Vergleich statt, der dem Individuum erst zur eigenen Identität verhilft. In anderen Worten, die Unterschiede zu anderen Individuen oder Gruppen verschaffen einer Person erst das Bewusstsein dafür, was die eigene Identität eigentlich ausmacht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Thematik der Verbindung von Identität und Konsum im postdramatischen Theater ein und erläutert die theoretische Basis durch Baudrillard und das Werk von Lausund.
2 Was ist Identität?: Dieses Kapitel beleuchtet verschiedene soziologische und psychologische Definitionsansätze von Identität, um ein theoretisches Fundament für die weitere Analyse zu legen.
2.1 Konsum(gesellschaft): Hier wird die historische Entwicklung des Konsums sowie die soziologische Dynamik der Anpassung und Differenzierung innerhalb der Konsumgesellschaft dargestellt.
2.2 Identität durch Konsum: Dieses Kapitel verknüpft die zuvor definierten Konzepte und erörtert, wie Konsumaktivitäten die Selbst-Identität und soziale Verortung des Individuums beeinflussen.
3 Identität und Konsum im postdramatischen Theater: Die Arbeit analysiert anhand des Stücks „Sofa“ von Ingrid Lausund, wie postdramatische Theaterformen moderne Konsumkritik und die Manipulation durch Marketing-Strategien thematisieren.
Schlüsselwörter
Identität, Konsum, Konsumgesellschaft, postdramatisches Theater, Jean Baudrillard, Ingrid Lausund, Identitätsgewinnung, Distinktion, Marketing-Strategien, Selbstreferenzialität, soziale Abgrenzung, Warenwelt, Symbolfunktion, Identitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit untersucht, wie Konsumverhalten und der Erwerb materieller Gegenstände die Identitätsbildung eines Individuums beeinflussen und wie dieser Prozess im zeitgenössischen, postdramatischen Theater dargestellt wird.
Welche zentralen Themenfelder werden abgedeckt?
Zu den Kernbereichen gehören soziologische Identitätstheorien, die historische Entwicklung der Konsumgesellschaft, die systemtheoretische Perspektive von Baudrillard sowie die ästhetischen Merkmale postdramatischer Literatur.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den zweifelhaften Versuch des Individuums aufzuzeigen, sich durch Konsum zu verwirklichen, während es gleichzeitig den manipulativen Mechanismen der Marketing-Industrie unterliegt.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer soziologischen Literaturanalyse, die theoretische Konzepte (v.a. Baudrillard und Mead) methodisch auf den literarischen Beispieltext von Ingrid Lausund anwendet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil erfolgen zunächst die theoretische Definierung von Identität und Konsum, gefolgt von einer Analyse der sprachlichen und inhaltlichen Besonderheiten des Monologs „Sofa“ im Kontext des postdramatischen Theaters.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Identität, Konsumgesellschaft, Distinktion, postdramatisches Theater, Konsumkritik, Zeichensysteme und Marketing.
Wie spielt das Marketing in Lausunds „Sofa“ eine Rolle?
Der Protagonist versucht, als „reife Persönlichkeit“ den Marketing-Strategien zu entkommen, scheitert jedoch, da selbst die Rebellion gegen das System ein vorhersehbares und durch das System bedientes Verhalten ist.
Was bedeuten „Leander“ und „Horst“ im Textzusammenhang?
Es sind fiktive Komposita, die als stereotype Labels für zwei unterschiedliche soziale Schichten stehen, um die durch Konsum vermittelte Gruppenzugehörigkeit oder Abgrenzung zu verdeutlichen.
Warum spielt die Farbe Rot eine wichtige Rolle?
Die Farbe dient als symbolisches Merkmal, das durch die Tabuisierung (z.B. im Rotlichtmilieu) eine abwertende, soziale Bedeutung erhält, über die sich der Protagonist von anderen abzugrenzen versucht.
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- Lena Sauer (Author), 2021, Identität durch Konsum. Jean Baudrillard und Ingrid Lausund, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1446960