Das Werk beschäftigt sich mit der unterschiedlichen Auseinandersetzung verschiedener Forschungsrichtungen zum Thema geschlechtsspezifische Moral. Wer gibt unsere Moral- und Wertevorstellungen vor? Ist alles angeboren oder kann Erziehung einen wesentlichen Einfluss auf unsere Rollenbilder nehmen? Im Besonderen wird dabei auch auf die Geschlechtertrennung und Rollenvorstellungen in Sport und Bewegung aufgearbeitet.
Inhaltsverzeichnis
1 KURZE GESCHICHTLICHER ABRISS DER MORALFORSCHUNG
2 THESEN UND KONZEPTE
2.1 Lawrence Kohlberg
2.2 Carol Gilligan
2.2.1 3 Stadien der Moralentwicklung nach Carol Gilligan
2.2.2 Kritik an Gilligans zweigeteilter Moraltheorie
2.2.2.1 Kritische Aufarbeitung des Untersuchungsmaterials von Debra Nails
2.2.2.2 Kritische Ansatzpunkte von Gertrud Nunner-Winkler und Rainer Döbert
2.3 Gertrud Nunner-Winkler
2.4 Frigga Haug
3 EINFLUSS DES GESCHLECHTS AUF DIE MORALISCHE URTEILSENTWICKLUNG
4 ANWENDUNGSBEISPIELE DER THESEN
4.1 Umsetzbarkeit Gilligans Thesen
4.1.1 Begriffe genauer definieren
4.1.2 Weibliche Moral zur Festigung des Patriarchats
4.1.3 Frigga Haug: die kollektive Erinnerungsarbeit
5 LEBEN ALS GESCHLECHTLICHES WESEN - ZUSAMMENSCHAU EINIGER ANSICHTEN
5.1 Kernpunkte des bürgerlichen Moraldiskurses
5.1.1 Trennung von Individuum und Gesellschaft
5.1.2 Autonomes Subjekt
5.1.3 Moralischer Prinzipialismus und Verallgemeinerbarkeit
5.1.4 Moralischer Individualismus
6 BEDEUTUNG DER GESCHLECHTSSPEZIFISCHEN ROLLENPROBLEMATIK IN BEWEGUNG UND SPORT
6.1 Koedukation im Sportunterricht
6.2 Rollenbilderaufbruch durch Androgynität
6.3 Sportunterricht nach wie vor als männliche Hochburg? Ein geschichtlicher Rückblick
7 LITERATUR
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Kontroverse um eine geschlechterspezifische Ethik und deren Auswirkungen auf die moralische Urteilsentwicklung. Dabei wird der Frage nachgegangen, inwiefern sich männliche und weibliche Moralverständnisse unterscheiden und welche Bedeutung diese Differenzen für das soziale Leben, insbesondere für den Bereich Bewegung und Sport, haben.
- Kritische Auseinandersetzung mit der Moralentwicklungstheorie nach Lawrence Kohlberg und Carol Gilligan.
- Analyse der Ansätze von Gertrud Nunner-Winkler und Frigga Haug zur weiblichen Moral.
- Untersuchung der gesellschaftlichen Konstruktion moralischer Identität.
- Diskussion der Bedeutung geschlechtsspezifischer Rollenbilder im Kontext des Sportunterrichts.
- Erörterung von Ansätzen zur Förderung einer androgynen Bewegungskultur.
Auszug aus dem Buch
2.2 Carol Gilligan
Carol Gilligan wurde 1936 geboren. Seit 1979 ist sie Professorin für Entwicklungspsychologie in Harvard. Zuvor war sie Schülerin von Erik Erikson und wissenschaftliche Mitarbeiterin von Lawrence Kohlberg. Ihre Theorie basiert auf seinem Ansatz zur menschlichen Moralentwicklung, die sie als androgyn entlarvte, was einer ihrer größten Verdienste darstellt.
Bei der Betrachtung Kohlbergs Studie fiel auf, dass Mädchen meist nur die 3. Stufe von Kohlbergs 6-stufiger Skala erreichten. Dies ist laut Gilligan darauf zurückzuführen, dass sie andere moralische Maßstäbe anlegen als Jungen. Außerdem verwendete Kohlberg ausschließlich männliche Probanden und machte von diesen Ergebnissen Rückschlüsse auf die menschliche und nicht auf die männliche Moralentwicklung. Er legte den Burschen das „Heinzdilemma“ im Abstand von mehreren Jahren immer wieder vor, um ihre moralische Reifung zu beobachten. Der Entwicklungsstand wurde mit der moralischen Begründung des Handelns in der jeweiligen Situation gemessen. Er wählte dazu irgendwelche erfundenen Situationen. Gilligan dagegen wählte keinen fiktiven Dilemmata, sondern befragte Frauen verschiedenster Schicht- und Altersklassen zu Entscheidungssituationen, die sie tatsächlich momentan betrafen, nämlich die bestehende Schwangerschaft abzubrechen, oder das Kind auszutragen. Der Zeitraum erstreckte sich über mehrere Wochen. Gilligans Untersuchungen begannen mit Interviews in denen sie Frauen bestimmten Problemstellungen vorlegte. Deren Werturteile fielen dabei anders aus als bei Männern. Kohlberg erklärte sich diese Tatsache, dass die meisten Frauen nur Stufe 3 seiner 6 Stadien erreichten damit, dass diese ihren Lebensumständen genüge. Weibliches Ziel sei es seiner Ansicht sich um die Stabilisierung der Familienstruktur und dessen Kontinuität zu sorgen. Es beschreibt Frauen deshalb auch als defizitär, weil sie nur selten höhere Entwicklungsstufen erreichten. Er erkannte nicht, dass die Art und Weise wie Frauen urteilen keine Kategorie in seiner Stadieneinteilung fand.
Zusammenfassung der Kapitel
KURZE GESCHICHTLICHER ABRISS DER MORALFORSCHUNG: Einleitender Überblick über historische und psychologische Ansätze zur moralischen Entwicklung, wobei die Entwicklung der geschlechtsspezifischen Wahrnehmung reflektiert wird.
THESEN UND KONZEPTE: Detaillierte Darstellung der moraltheoretischen Ansätze von Kohlberg, Gilligan, Nunner-Winkler und Haug sowie deren kritische Würdigung.
EINFLUSS DES GESCHLECHTS AUF DIE MORALISCHE URTEILSENTWICKLUNG: Analyse empirischer Untersuchungen hinsichtlich möglicher geschlechtsspezifischer Unterschiede im moralischen Urteilen unter Berücksichtigung verschiedener Altersgruppen.
ANWENDUNGSBEISPIELE DER THESEN: Untersuchung der praktischen Umsetzbarkeit von Gilligans Thesen und deren Kritik durch Wissenschaftlerinnen wie Frigga Haug.
LEBEN ALS GESCHLECHTLICHES WESEN - ZUSAMMENSCHAU EINIGER ANSICHTEN: Synthese der verschiedenen Moralauffassungen im Kontext des bürgerlichen Diskurses und dessen Trennung von Privatheit und Öffentlichkeit.
BEDEUTUNG DER GESCHLECHTSSPEZIFISCHEN ROLLENPROBLEMATIK IN BEWEGUNG UND SPORT: Diskussion über Koedukation, die Notwendigkeit von Androgynität zur Aufbrechung von Rollenbildern und die historische Entwicklung des Sportunterrichts.
LITERATUR: Umfassendes Verzeichnis der in der Arbeit zitierten Quellen.
Schlüsselwörter
Moralentwicklung, Carol Gilligan, Lawrence Kohlberg, geschlechtsspezifische Ethik, Gerechtigkeitsmoral, Fürsorgemoral, Frigga Haug, Gertrud Nunner-Winkler, Koedukation, Sportunterricht, Rollenbilder, Androgynität, Sozialisation, feministische Ethik, Moralurteil.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Debatte um eine geschlechterspezifische Ethik und untersucht, wie moralische Urteile von Männern und Frauen im Kontext gesellschaftlicher Strukturen geformt werden.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die moralpsychologische Forschung, die feministische Kritik an männlich geprägten Moraltheorien sowie deren Anwendung im Bildungssektor, insbesondere im Sportunterricht.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, das einseitige männliche Moralbild zu hinterfragen und zu ergänzen, um ein besseres Verständnis für geschlechtsspezifische Urteilsperspektiven zu entwickeln und deren Relevanz für den Schulalltag aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die eine fundierte Literaturanalyse sowie den Vergleich verschiedener psychologischer und soziologischer Konzepte (u.a. von Gilligan, Kohlberg und Haug) nutzt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Theorien der Moralentwicklung, diskutiert deren Kritikpunkte und überträgt diese Erkenntnisse auf die Praxis im Sportunterricht, insbesondere auf die Herausforderungen der Koedukation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Schlüsselwörter sind unter anderem Moralentwicklung, Geschlechtsspezifische Ethik, Fürsorgemoral, Gerechtigkeitsmoral, Androgynität und Koedukation.
Welche Rolle spielt die "kollektive Erinnerungsarbeit" nach Frigga Haug?
Die kollektive Erinnerungsarbeit dient dazu, den Vergesellschaftungsprozess an konkreten persönlichen Situationen aufzuarbeiten, um den Frauen ihren Eigenanteil an der Unterdrückung bewusst zu machen und neue Handlungsmöglichkeiten zu eröffnen.
Warum wird der Sportunterricht als "männliche Hochburg" bezeichnet?
Historisch gesehen wurde Sportunterricht stark von männlichen Idealen wie Leistung, Kraft und Konkurrenz geprägt, was Mädchen oft in eine passive oder untergeordnete Rolle drängte und eine gleichberechtigte Bewegungskultur erschwerte.
- Quote paper
- Dr. Iris Floimayr (Author), 2000, Männliche Moral - weibliche Moral. Die Kontroverse um eine geschlechterspezifische Ethik und ihre Bedeutung für Bewegung und Sport, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/14470